Hallo,
ist folgende These völlig falsch?:
Wer das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die klassenlose Gesellschaft.
Gruß
Peter
Hallo,
ist folgende These völlig falsch?:
Wer das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die klassenlose Gesellschaft.
Gruß
Peter
… der ignoriert die Wirklichkeit
Wer das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die
klassenlose Gesellschaft.
Es ist nun mal statistisch gesehen so, dass es links von der mittleren Gaussglocke der Fähigkeiten Menschen hat, die weniger fähig und in unserem anspruchsvolleren Erwerbsarbeitsleben nicht gebraucht werden bzw. nichts leisten können.
Gruß
Stefan
ist folgende These völlig falsch?:
Wer das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die
klassenlose Gesellschaft.
Naja, völlig nicht, aber schon ziemlich. Man kann ja auch für eine bürgerliche Gesellschaft sein, die in sich stark geschichtet ist. Das ist nach meiner Auffassung das von konservativer Seite meistens angestrebte Gesellschaftsbild.
Ist aber eher eine Frage für den Politik-Channel.
Hallo Peter,
Wer das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die
klassenlose Gesellschaft.
für mich ergibt diese Aussage keinen rechten Sinn.
Zuerst sollte dann mal Unterschicht genauer definiert werden,
soziale Unterschicht
intellektuelle Unterschicht
wirtschaftliche Unterschicht
…
Zumal die Versuche eine klassenlose Gesellschaft zu erschaffen, bisher nicht sehr überzeugend waren.
Gandalf
Hallo,
es wird immer obere und untere Schichten geben. Aber das ist in der derzeitigen Debatte wohl auch gar nicht gemeint - es geht mehr um eine Art „abgehängte“ Schicht, die schon fast außerhalb hängt.
Früher war es doch so, daß im Idealfall es jeder vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen konnte. Ein guter FAcharbeiter konnte sich weiterbilden unmd auch die Rangleiter nach oben klettern, ein Geselle irgendwann Meister werden usw. Auch ein geistig nicht so übermäßig bemittelter Mensch konnte immer noch als Hilfsarbeiter oder Packer oder am bau gutes Geld verdienen und eine Familie von der Arbeit seiner Hände ernähren.
Aber hier ist eine Schicht entstanden, der eigentlich alle Wege verbaut sind - die kommen gar nicht erst in die Arbesitswelt. Die haben nie gearbeitet, die können das gar nicht, weil sie nicht mal einen strukturierten Tagesablauf mehr hinbekommen. Und deren Kinder haben als Schulabbrecher auch nie ne wirklich echte Chance - da entstehen Familien, die leben in 2. und 3. Generation nur noch von Sozialleistungen. Die versucht auch gar keiner mehr, wirklich in Arbeit zu bringen - die werden einfach nicht gebraucht. Bodesnsatz der Gesellschaft.
Ich lebe ja im Osten - da ist 1990 praktisch fast jeder arbeitslos geworden in der Industrie. Und wahnsinnig viele, die damals 30 oder 40 waren, haben nie wieder einen festen Job gefunden. Die haben sich von ABM zur Fortbildung gehangelt, zwischendurch mal nen Saisonjob oder auch mal ne Anstellung in einer Bude, die 3 Monate später schon wieder pleite war - dazwischen immer wieder arbeitslos. Die haben aufgegeben - die sind einfach müde geworden und glauben gar noicht mehr, daß sie je wieder ne Chance haben werden. Also suchen sie auch nichts mehr. Die haben Berufe gelernt, die es gar nicht mehr gibt und Qualifikationen, die keiner mehr will - denen hat man 15 Jahre eine Absage nach der anderen gegeben und ihnen beigebracht, daß sie der letzte Dreck auf Erden sind - nun fühlen sich auch so.
Immerhin 20 % im Osten - feder fünfte. Die Gesellschaft braucht sie nicht - und das wissen die auch. Mal abgesehen von den Kosten - weißt Du, was dahinter für ein Potiential steckt, wenn die irgendeiner hochreißt emotional? Die haben doch nichts zu verlieren - die riskieren alles, wenn es sein muß.
Nun mußt Du nicht mehr fragen, wo die braunen Wähler im Osten herkommen und die Gewalt in Fußballstadien und auf der Straße.
Ja und im Westen sind es oft die Ausländer, die diese Paralellgesellschaft bilden. Abgehängt, ausgeschölossen, gewaltbereit - ohne den Schatten einer Chance.
DAs ist das eigentlich Gefährliche. Der Arbeitslose an sich nicht, wenn die Chance sieht, mal nen Job zu finden und sich hochzuarbeiten. Ob er es schafft, ist was anderes - schon die Hoffnung allein macht es. Aber wenn die fehlt - wenn da keine perspektive mehr ist, die man einem aufzeigen könnte - dann ist Pumpe.
Gernot Geyer
Servus!
ist folgende These völlig falsch?:
Wer das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die
klassenlose Gesellschaft.
Ja, is sie.
Deine These sagt: Wer klagt, will keine Schichten, wer Ober- noch Unter- noch Mittelschicht. Und das ist falsch.
Klar, in einer klassenlosen Gesellschaft gibt´s keine Unterschicht - sonst wär die Gesellschaft ja nicht klassenlos.
ABER: Nicht jeder, der das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die Klassengesellschaft abschaffen. (Genau das sagt deine These).
Die meisten, die öffentlich klagen (Politiker, Medien, Wissenschaftler) dürften eher daran denken, nur die Unterschichten zu beseitigen (ups - klingt zu hart: Ich meine, sie aus ihrem Unterschichtendasein in ein Schichtendasein zu „heben“), bzw. die Ursachen, die zu ihrem Entstehen geführt haben.
VG
Christian
Hallo,
die klassenlose Gesellschaft haben wir längst.
Fast jeder ist Arbeiter.
„Arbeitslose“ müssen Behördengänge erledigen, Formulare ausfüllen etc etc. um Geld zu erhalten.
Dann gibt es die Masse der „abhängig“ Beschäftigten. Eine Erklärung überflüssig.
Dann gibt es Kapitalisten. Die müssen arbeiten, um ihr Kapital zu schützen oder zu mehren.
Nur wenige „Reiche“ leisten es sich, sich nicht ums Geld zu kümmern, was aber dann häufig dazu führt, dass bald auch nix mehr da ist.
Eencockniedo
PS: Also Geld bekommt so gut wie jeder bei uns durch „Arbeit“.
Hallo Peter,
Wer das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die
klassenlose Gesellschaft.
Nein, es geht um etwas anderes. Klassenlose Gesellschaften gibt es bei Menschen nicht, denn diese neigen zu hierarchischen Abstufungen. Was beklagt wird, ist eine Entwicklung. Nach dem Krieg ging es jahrzehntelang immer bergauf. Die Gehälter stiegen, der allgemeine Ausbildungsstand besserte sich und der Lebensstandard. Natürlich gab es immer eine Unterschied, aber die war anscheinend klein und sehr fern, und irgendwie waren deren Mitglieder anscheinend selber dran schuld, gestrandete Existenzen, alkoholkrank oder assozial. Dafür gab es aber Sozialhilfe und Sozialarbeiter.
Der allgemeine Tenor sagte, dass man nur fleißig arbeiten und lernen musste und wuschhh stieg der Lebensstandard und die Bildung.
In den 80er Jahren war ein Höhepunkt erreicht. Danach ging es stetig bergab. Bedingt durch die steigende Arbeitslosigkeit und die Zerschlagung der sozialen Strukturen der DDR wuchs diese Unterschicht immens. Dafür wird die Mittelschicht schleichend kleiner. Die Drohung in diese Unterschicht zu sinken hängt über fast alle Köpfe und hat einen klingenden Namen bekommen, HARTZ 4.
Früher galt, dass man nie ganz unten ankommt, wenn man hart arbeitet, ideenreich ist oder gut ausgebildet ist. Heute gibt keine Garantien mehr.
Weil nun die Angst vor den Abstieg groß geworden ist, will man diese Angst bekämpfen, indem man die Existenz der Unterschicht bekämpfen will. Wenn man es schafft diese zu verringern und Menschen wieder in eine Mittelschicht zu holen, kann man zeigen dass die Ängste nicht berechtigt sind. Man kann an den alten Tenor anknüpfen, in dem man zeigt, dass jeder es in die Mittelschicht schaffen kann, wenn er nur fleißig arbeitet und lernt.
Für den Staat selber ist eine wachsende Unterschicht auch eine Bedrohung. Ein Haufen Menschen, die Steuermittel benötigen und nicht Steuern zahlen, erhöhte Krankenkassenausgaben verursachen und ein erhöhtes Gewaltpotential erzeugen.
Lange Rede, kurzer Sinn, die ganze Unterschichtdebatte wird von der Angst getrieben, selber darin zu landen und von subversiven Massen, die den Staat gefährden.
Gruß
Carlos
Hallo,
Wer das Vorhandensein von Unterschicht(en) beklagt, will die
klassenlose Gesellschaft.
Wie fast alle Vorredner sagten: Falsch!
Es hat immer eine Unterschicht gegeben, über die sich früher niemand beklagt hat, sie war einfach da, sie wird es immer geben. Aber eben nur relativ klein. Durch die Wirtschaftsläufte ist diese „Unterschicht“ immer größer geworden. Gernot hat es eindringlich dargestellt: Der Osten ist alles andere als eine „blühende Landschaft“, aber auch im Westen ist sie größer geworden. Soll heissen, es gibt heute eine deutlich breitere untere Schicht, die sich allerdings zweiteilt: eine Bildungs-Unterschicht und eine Einkommens-Unterschicht. Um letztere geht es (sollte es gehen) in der Diskussion. Wenn ich manche Aussagen richtig verstehe, stehen wir auch erst am Anfang. Wir hängen den Amerikanern nur ein paar Jahre hinterher. Lies mal was von Barbara Ehrenreich, die sich als wohlhabende Journalisten (der Washington Post meine ich) wie Günther Walraff „ganz nach unten“ begeben hat, als Putzfrau u.ä. gearbeitet hat. Da gibt es Leute, die müssen zwei Jobs haben, damit sie halbwegs überleben können. Aber auch dann reicht es gerade dafür, dass sie in ihrem Auto „wohnen“ können. Eine Wohnung können sie sich nicht leisten.
Zwei Spiegelredakteure haben vor einigen Jahren ein Buch über die Globalisierungsfalle geschrieben: Nach Aussagen von Wirtschaftswissenschaftlern gehen wir auf eine 80 : 20 Gesellschaft zu. Die Wirtschaft ist so leistungsfähig, dass 80% der Bevölkerung für die Produktion des Nötigen gar nicht mehr benötigt werden. Sie müssen nur „bei Laune gehalten“ werden - Tittitainment wurde das da genannt, kannst dir denken, was das Wort bedeutet.
Was die „Bildungs-Unterschicht“ angeht, fällt mir ein Satz ein, den ich vor einer Weile hörte: „Die größte Frustration der 68er war die Bildungsresistenz der Unterschicht.“ Da ist wohl was dran. Wenn du heute so manche TV-Sender ansiehst, was da für ein abgrundtief primitiver Kram rüber kommt, wenn du dann bedenkst, dass die jemand angucken muss, sonst wären die schon längst eingegangen, dann musst du einfach annehmen, dass da eine Schicht ist, die nicht nur bildungsmäßig, sondern - damit natürlich zusammen hängend - auch lebensmäßig ganz einfach „unten“ ist, ich behaupte: sich da auch nicht unwohl fühlt und da auch bleiben will.
Genug für heute, Gruss
Laika