Unterschied Kopf- und Bauchmensch?

Hallo,

mich würde mal interessieren, was für prägnante Verhaltens-Unterschiede bei den Kopf- und Bauchmenschen gibt.

Woran erkennt man die Kopf- und Bauchmenschen speziell ?

Wie arbeiteten die beiden Bereiche zusammen, bzw.
gegeneinander ?

Wird man als Bauch- oder Kopfmensch geboren oder entsteht dies alles durch die Kindheit und individuelle (schmerzhafte) Lebenserfahrung?

Worauf sollte man mehr hören, auf den Kopf oder Bauch ???

Bin über jede Info sehr dankbar und wünsche allen ein schönes We.
Lieben Gruß, Marsi

Hei Marsi,

mich würde mal interessieren, was für prägnante
Verhaltens-Unterschiede bei den Kopf- und Bauchmenschen gibt.

so ganz aus dem Bauch heraus: Kopfmenschen sind nicht spontan, planen alles oder mindestens sehr viel, wohingegen Bauchmenschen spontane Entscheidungen treffen und gerne auch gegen den Strom schwimmen, auch wenn das ganze Umfeld kopfschüttelnder Weise die Hände über demselben zusammenschlägt und nur noch schlaflose Nächte hat, weil der Bauchmensch mal wieder völlig ‚unüberlegt‘ gehandelt hat.

Woran erkennt man die Kopf- und Bauchmenschen speziell ?

Auf den ersten Blick sicherlich gar nicht. Bei einfachen Gesprächen ist das aber schon einfach festzustellen - frag mal nen Kopfmenschen, ob er heute abend kurzfristig mit in Urlaub fährt - da fängt er erst mal an zu überlegen und nachzudenken, wägt Vor- und Nachteile ab. Ich für meinen Teil würde zusagen, wenn ich das Gefühl habe, dass es richtig ist. Dann regelt sich alles andere von alleine (z. B. wie die Katzen versorgt werden, evtl. Termine verschieben usw.) - und bevor hier Geschrei losgeht: So bin ich bis heute einwandfrei durchs Leben gekommen! :wink:)

Wie arbeiteten die beiden Bereiche zusammen, bzw.
gegeneinander ?

Mich stört es, wenn andere versuchen, mir einzureden, warum dies und jenes, was ich mache oder vorhabe, nicht okay ist - weil ja dies oder jenes passieren könnte usw. usw. Klar machen die sich einfach nur Sorgen um mich, ist ja auch toll, aber mich nervt es einfach nur. Weil ich dann selbst anfange zu überlegen, und dann arbeitet mein Hirn gegen meinen Bauch - eine Zusammenarbeit ist da sehr, sehr selten möglich. Ach ja, und am Ende gewinnt dann sowieso meistens der Bauch - wenn ich mich einmal für etwas entschieden habe, bin ich nicht mehr so leicht davon abzubringen.

Wird man als Bauch- oder Kopfmensch geboren oder entsteht dies
alles durch die Kindheit und individuelle (schmerzhafte)
Lebenserfahrung?

Ich kann mich nicht erinnern, jemals anders gewesen zu sein.

Worauf sollte man mehr hören, auf den Kopf oder Bauch ???

Bauch. Bei mir ist es wirklich immer so, dass es schiefgeht, wenn ich nicht auf mein allererstes Gefühl höre. Egal in welcher Situation. Privat, geschäftlich, in Liebesdingen, Freundschaften - wenn ich nicht das mache, was ich spontan tun wollte, wird es garantiert nicht so gut, als hätte ich es getan. Darum: Bauch, eindeutig.

Bin über jede Info sehr dankbar und wünsche allen ein schönes
We.

Dir ebenso. :smile:

Grüßlis
Natascha

Hallo Marsi!

mich würde mal interessieren, was für prägnante
Verhaltens-Unterschiede bei den Kopf- und Bauchmenschen gibt.

Generell halte ich persönlich Typisierungen dann für recht sinnvoll, wenn man sie kritisch hinterfragt und nicht zur Schublade werden lässt. Sie können Denkanstöße geben und zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen.
Die sehr grobe Zweiteilung der Menschheit in sog. Kopf- oder Bauchmenschen halte ich jedoch nicht für sonderlich erhellend. Dazu ist sie einfach zu grob und wird einem komplexen Wesen wie z.B. dem Menschen nicht gerecht.

Woran erkennt man die Kopf- und Bauchmenschen speziell ?

Eines der bekanntesten Instrumente zur Persönlichkeitsanalyse ist der MBTI (Myers-Briggs-Typenindikator). Besonders in Amiland wird er gerne im Personalwesen benutzt. Vorgestellt wird er z.B. hier: http://www.zeitzuleben.de/inhalte/pe/tests/mbti.html

Er arbeitet mit vier Grundpräferenzen, von denen eine, mit den beiden Polen Thinking und Feeling, ansatzweise diese Kopf-/Bauchmenschen-Idee
aufnimmt. Beim MBTI geht es um Denk- und Wahrnehmungskategorien und bei der Frage, ob man eher zum „Thinking“ oder zum „Feeling“ neigt, bezieht sich allein darauf, wie jemand Entscheidungen trifft.

Wie arbeiteten die beiden Bereiche zusammen, bzw.
gegeneinander ?

Die Frage, wie die einzelnen Teile eines Ottomotors zusammenarbeiten, lässt sich wahrscheinlich beantworten, aber der Mensch ist weitaus komplexer und lässt sich auch nur schwer in streng getrennte Einzelaspekte aufsplitten.

Wird man als Bauch- oder Kopfmensch geboren oder entsteht dies
alles durch die Kindheit und individuelle (schmerzhafte)
Lebenserfahrung?

Wie gesagt: Ich halte von dieser rigiden Einteilung gar nichts, vielleicht auch gerade deswegen, weil ich mich selbst über Jahre für eine Art Kopfmenschen gehalten habe, um dann allmählich mit mehr oder minder großem Erstaunen festzustellen, dass ich Entscheidungen vorrangig „aus dem Bauch heraus“ treffe.

Aufgefallen ist mir, dass m.E. in unserer Gesellschaft das Rationale, Kopflastige stärker gefördert und in den Vordergrund gestellt wird, während die intuitive, emotionale Seite zumindest von offiziellen Institutionen (Schule, Universität etc.) im Normalfall (im besten Fall) unberücksichtigt bleibt. Ist man dann einigermaßen flink im Kopf, kann gut analysieren und begründen und hat zudem noch das entsprechende rhetorische Handwerkszeug gelernt, kommt man u.U. schnell zur Überzeugung, analytisch zu bewerten und Fakten in den Vordergrund zu stellen. Selbst dann, wenn eigentlich „der Bauch“ „den Kopf“ instrumentalisiert hat, um den für die Außenwelt (scheinbar) benötigten Anstrich zur Akzeptanz herzustellen.

Worauf sollte man mehr hören, auf den Kopf oder Bauch ???

Wenn’s um Entscheidungen geht, kann das nur jeder für sich beantworten.
Analog zu meinem eigenen Ergebnis beim MBTI („hochprozentiges“ Feeling) bekommt es mir normalerweise besser, wenn ich meinem „Bauchgefühl“ folge. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass das mir in den meisten Fällen die Richtung weist, die mir am besten bekommt und am ehesten entspricht.
Das Rationale ist dabei allerdings nicht ausgeschaltet, eine Analyse von Pro und Contra findet trotzdem statt. Steht diese im krassen Widerspruch zu meinem Bauchgefühl, endet es häufig mit einer dritten Lösung, die beides einigermaßen in Einklang bringen kann.

Schöne Grüße
Christiane

Hallo Marsi,

in der Psychologie gibt´s einige Vorstellungen über Persönlichkeitsmerkmale, wie Du sie mit Kopf- und Bauchmensch anspricht. Da ist z.B. das Merkmal Extraversion - Introversion, mit dem man recht gut das beschreiben kannst, was Du meinst:

"_Der typisch Extravertierte ist gesellig, mag Veranstaltungen gern, hat viele Freunde, braucht Menschen, mit denen er sprechen kann, und ist nur ungern allein. Er sehnt sich nach Anregung, nutzt günstige Gelegenheiten stets aus, agiert oft spontan, wagt viel und ist allgemein impulsiv. Er mag handfeste Späße, hat immer eine schnelle Antwort und liebt allgemein Veränderungen; er ist sorglos, leichtmütig, optimistisch, lacht gern und ist gern fröhlich. Er neigt dazu, sich andauernd zu bewegen und Dinge zu tun, aggressiv zu sein und seine Geduld schnell zu verlieren; zusammengefaßt sind seine Gefühle nicht immer unter enger Kontrolle, und er kann nicht immer als zuverlässige Person gekennzeichnet werden.

Der typisch Introvertierte ist ruhig, eine eher zurückhaltende Person, introspektiv, liebt Bücher mehr als Menschen; er ist reserviert und distanziert, außer bei sehr engen Freunden. Er neigt dazu, Pläne im voraus zu machen, ist behutsam und mißtraut den Impulsen des Moments. Er liebt die Erregung nicht, nimmt die Dinge des täglichen Lebens mit gewisser Ernsthaftigkeit auf und schätzt einen gut geordneten Lebensstil. Er hält seine Gefühle unter enger Kontrolle, verhält sich selten aggressiv und verliert seine Geduld nicht leicht. Er ist zuverlässig, eher pessimistisch und legt großen Wert auf ethische Normen_
" (Eysenck & Eysenck, 1968; zit. in Eggert, 1974).

Der Psychologe und Persönlichkeitsforscher Eysenck hat sich die Begriffe Extraversion und Introversion von C.G. Jung geborgt (aber nicht die Theorie) und mit bestimmten, gegensätzlichen Aktivitätsmustern des Nervensystems in Verbindung gebracht. Das Nervensystem von Extravertieren soll weniger, das von Introvertierten stärker aktiv sein. Deshalb ziehen sich Introvertierte tendenziell zurück, wenn´s aufregend wird (weil ihr Nervensystem sonst überaktiv ist), und Extravertierte suchen die Aufregung (weil ihr Nervensystem sonst unteraktiv ist). Eysenck nahm auch an, daß Extraversion und Introversion zu einem großen Teil erblich bedingt sind. Zwillingsstudien liefern dafür auch einige Belege.

Heute ist vieles von Eysencks Erklärung der beiden Persönlichkeitstypen zwar nicht mehr aktuell, dennoch spielen Extraversion und Introversion weiterhin eine große Rolle bei der Beschreibung der Persönlichkeit.

Grüße,

Oliver Walter