Unterschied: Lage - Lage

Hallo.

Mir ist, als ich spaßeshalber bei ebay nach Häusern geschaut habe, eine Schwierigkeit bei der Bewertung der (geographischen) „Lage“ aufgefallen:
Man findet vielelicht gut, daß das Haus in einem Tal am Bach steht, aber schlecht, daß es in der westlichen Eifel steht (oder umgekehrt). Es hat also sozusagen eine gute Lage, ist aber schlecht gelegen.
Wie kann man dies sprachlich genauer bestimmen?

Grüße
Ostlandreiter

Die Bewertung, ob es sich um eine „gute“ (oder auch schlechte) Lage eines Hauses handelt, ist subjektiv. Der eine liebt zum Beispiel ein Haus auf halber Höhe eines Berges, der andere ein Haus im Tal an einem Bach.

Der eine hält eine Ortsrandslage für gut, der andere möchte sein Haus lieber mitten im Grünen.

Als „gute Lage“ versteht man im allgemeinen - also unabhängig vom persönlichen Geschmack - eine gute Umgebung (gepflegte und schöne Häuser), eine gute Ortsanbindung und eine gute Nachbarschaft. Also nicht unbedingt in der Nähe eines (Achtung aufschreien, liebe politisch korrekte!) Asylbewerberheimes oder auch eines Flughafens oder eines Rangierbahnhofs oder ähnlichem.

Gruß, Infotalk

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Hallo.

Die Erklärungen leuchten alle ein, sind aber an der Frage vorbei. Nicht umsonst habe ich sie ja ins Sprachbrett gestellt.

Grüße
Ostlandreiter

Hallo Ostlandreiter

Viel mehr an Erklärungen kann ich Dir auch nicht bieten. Ich würde
die „Grosslage“ und die „Kleinlage“ unterscheiden. Bei der
„Grosslage“ ist die Region, gemeint und bei der „Kleinlage“ die
exakte Ortsbeschreibung der Liegenschaft. Diese Unterscheidung wird
kein Mensch so formulieren, aber aus dem Kontext dürfte sie klar
sein.

Den Begriff „Lage“ kenne ich sonst auch noch vom Segeln, aber das ist
ja nicht Deine Frage :wink:

Gruss
Heinz

Hallo Ostlandreiter,

ich verstehe dein Dilemma. Vielleicht kann man eine der ‚Lagen‘ durch Standort oder Örtlichkeit ersetzen?

Gruß
Eva

Hallo,

mit Deiner Beschreibung

Man findet vielelicht gut, daß das Haus in einem Tal am Bach
steht, aber schlecht, daß es in der westlichen Eifel steht
(oder umgekehrt).

oder umgekehrt lieferst Du ja schon die Antwort. Was dem einen gefällt, kann für den anderen unpassend sein. Das kann man sprachlich nicht bestimmen, weil Du nicht weisst, was dem anderen „schlecht gelegen“ bedeutet, es sei denn, es ist allgemeingültig, also z.B. ein Haus im Hochwassergebiet, das liegt wohl für jeden etwas ungünstig :wink:

Von daher kann man das m.E. nicht sprachlich ausdrücken, weil ja die persönlichen Vorstellungen dazukommen. Ich fände es z.B. völlig indiskutabel raus aufs Land zu ziehen, habe aber eine Bekannte die ausschließlich weit draußen wohnen möchte und sich eine Stadtwohnung absolut nicht vorstellen kann. Eine Beschreibung ist „schlecht gelegen“ hat für meine Bekannte und mich genau Gegensätzliches. Ich fürchte, das kann man sprachlich nicht ausdrücken, sondern nur in Detailbeschreibungen wiedergeben, was dem einen Recht ist, ist dem anderen absolute Horrorvorstellung.

Gerade in Häuserbeschreibungen (ehrlich gesagt, ich habe noch nie gelesen, ist ein Superhaus, aber in schlechter Lage, deshalb wollen wir das Teil ja auch versilbern :wink: )ist wohl eher gemeint, gute Ortsanbindung, Anbindung zur Autobahn, usw.

Grüße

Sarah

Hallo.

Die Frage ist nicht, was gut und schlecht ist (das wäre im Sprachbrett auch verfehlt), sondern wie man die Lage im Ort/im Wald/am Ortsrand von der Lage in Bayern/in Niedersachesn/im Erzgebirge sprachlich unterscheiden kann.

Vielleicht kann man eine der
‚Lagen‘ durch Standort oder Örtlichkeit ersetzen?

Darüber habe ich zwar auch schon nachgedacht, aber dafür müßte klar sein, was der „Standort“ und was die „Lage“ ausdrückt.

Hallo OLR,

bisher haben wir uns bis zur „Großlage“ vorgekämpft - die war mir auch in den Sinn gekommen, aber sie ist nicht bloß unüblich, sondern auch schon besetzt: Sie bezeichnet bei deutschem Qualitätswein „virtuelle“ Weinberge, unter der „Großlage“ dürfen Weine ausgewiesen werden, die zwar bestimmten Qualitätskriterien entsprechen, aber eben nicht von einem einzigen konkret benennbaren Wingert stammen. Beispiele: Haberschlachter Heuchelberg, Hochheimer Daubhaus.

Bei den zu unterscheidenden Begriffen „Lage - Lage“ fällt auf, dass sich das Problem erst durch die gewünschte/gesuchte Abstraktion ergibt, wo unter dem Begriff „Lage“ sozusagen Mikro-, Meso-, und Makrokriterien zusammen fallen.

Was wäre denn von der Möglichkeit zu halten, die Abstraktionsleiter, die das Problem erst erzeugt, wieder eine Sprosse hinunterzusteigen?

Wenn für die „Makrolage“ ein etwas konkreterer Begriff genannt wird, z.B. „Verkehrsanbindung“, „Pendelbereich Cochem/Trier/…“, (auf Stil acht ich jetzt mal nicht, die eingebürgerten Begriffe heißen halt so…), wird dadurch - meine ich - selbsterklärend, dass mit dem dann noch gleichzeitig verwendeten Begriff „Lage“ die „Mikrolage“ am Waldrand oder bei der Klosterruine oder im Ortskern usw. gemeint ist.

Schöne Grüße

MM

Hallo Ostlandreiter,

Vielleicht kann man eine der
‚Lagen‘ durch Standort oder Örtlichkeit ersetzen?

Darüber habe ich zwar auch schon nachgedacht, aber dafür müßte
klar sein, was der „Standort“ und was die „Lage“ ausdrückt.

meiner Meinung nach definiert der ‚Standort‘ eher die physikalische/geographische Lage, also den Punkt auf der Landkarte. Unter dem Aspekt ‚Lage‘ würde ich eher die Umgebung beschreiben (Waldrand, ruhiges Wohnviertel o.ä.).

Gruß
Eva

Hallo Eva,

meiner Meinung nach definiert der ‚Standort‘ eher die
physikalische/geographische Lage, also den Punkt auf der
Landkarte.

sicher bezieht sich der Begriff auf relativ größere Dimensionen als derjenige der „Lage“. Aber er ist durch seine gängige Verwendung in ökonomischem Kontext (ursprünglich aus der Allokationstheorie und Strukturpolitik, heute auf die populärökonomische Lohnsenkungspropaganda ausgeweitet)eingeschränkt auf ausschließlich ökonomische Kriterien.

Wenn nur diese gemeint sind, ist die Unterscheidung Lage/Standort wohl gut brauchbar. Wobei in den Begriff „Standort“ halt auch schon recht Kleinräumiges (Spanplattenwerk mit 120 Arbeitsplätzen am Ort, Bäckerei hat noch nicht zugemacht, einen Arzt gibts auch noch…) einfließen kann.

Schöne Grüße

MM

Vielleicht sollte ich den tatsächlich aufgetretenen Fall nennen, der zu der Überlegung geführt hat:
Ein Bekannter von mir hat eine alte renovierungsbedürftige Mühle bei ebay gefunden und mich aufgefordert, ich solle sie mir auch einmal ansehen und meine Meinung sagen.
Das Haus steht in der Nähe von Koblenz und in einem Tal im Wald, ein Bach fließt natürlich direkt am Gebäude vorbei. Der Aspekt der Verkehrsanbindung sollte nicht maßgebend sein. Da mir die Bilder mit dem Haus im Tal gefallen haben, sagte ich, die Lage sei ausgezeichnet. Dann wollte ich noch hinzufügen: „Wenn es statt bei Koblenz im Schwarzwald stehen würde, fände ich die Lage hervorragend.“

Hallo nochmal,

da habt Ihr Euch was vorgenommen …! (Mein Schwiegervater hat vergangenen Herbst nach fast dreißig Jahren Baustelle im Alter von siebzig Jahren das Rad, jetzt mit Nabengenerator, wieder installiert.) Zur Sache aber:

mir die Bilder mit dem Haus im Tal gefallen haben, sagte ich,
die Lage sei ausgezeichnet. Dann wollte ich noch hinzufügen:
„Wenn es statt bei Koblenz im Schwarzwald stehen würde, fände
ich die Lage hervorragend.“

die Konkretisierung „Koblenz-Schwarzwald“ ist bereits eines von zwei Elementen, um Lage vs. Lage zu differenzieren. Das andere wäre dann, meine ich, sowas wie:

„Von der unmittelbaren Umgebung her ist die Lage schon mal sehr gut. Wenn das Objekt jetzt noch im Schwarzwald und nicht bei Koblenz stünde, wäre sie hervorragend.“

Womit der janusköpfige Begriff in beiden Aspekten konkreter bezeichnet ist, aber als Wort bloß einmal für beide Aspekte zusammen auftauchen braucht. So dass seine Doppelbedeutung dem Verständnis des Textes nicht schadet.

Schöne Grüße

MM

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Hallo nochmal,

da habt Ihr Euch was vorgenommen …! (Mein Schwiegervater hat
vergangenen Herbst nach fast dreißig Jahren Baustelle im Alter
von siebzig Jahren das Rad, jetzt mit Nabengenerator, wieder
installiert.)

Nein, die Mühle wollte er natürlich nicht mehr in Betrieb nehmen! Nur das Gebäude interessiert ihn. Allerdings besteht es offenbar nur noch aus Mauern.
Falls du dir selbst ein Bild machen willst:
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&categor…

:smile:

Servus,

ja, gewisse Ähnlichkeiten mit dem Zustand der Urmersbacher Obermühle 1977 sind nicht von der Hand zu weisen.

Damit wir uns nicht zu weit vom philologischen Thema entfernen, noch ein eher im lokalen Dialekt als im Deutschen anzusiedelnder Begriff dazu:

Der Kauf der Obermühle einschließlich der um einen Hof angeordneten Nebengebäude wurde seinerzeit von Kollegen kommentiert mit (ungefähr) den Worten:

„Dä Helmoot is getz eens jeck jewoodä: Dä het sich 'ne Dorf jekaaf!“

Viele tausend Arbeitsstunden später hatte dä Helmoot die Bedeutung des Begriffes „jeck“ vollinhaltlich verstanden.

In diesem Sinne

MM

Hallo

das habe ich durchaus verstanden, aber ausser über eine Detailbeschreibung, wie eben…

Sprachbrett auch verfehlt), sondern wie man die Lage im Ort/im
Wald/am Ortsrand von der Lage in Bayern/in Niedersachesn/im
Erzgebirge sprachlich unterscheiden kann.

kenne ich keine Wörter. M.E. muss man das so schreiben, oder versteh ich dich nur nicht?

Du hattest doch mit „schlecht gelegen“ Ja, aber für wen? Der eine findet im Ort ist schlecht gelegen, der andre am Ortsrand, das sagt nix aus.
Z.B. unter der Beschreibung… zentrale Lage, würde ich nie vermuten, dass ich mitten im Wald bin. Vielleicht hilft dir das ja, aber ich glaube eher nicht, und ich glaube auch, dass wir ein verständigungsproblem haben.

Zentrale Grüße

Sarah