Hallo, der Textstelle nach spricht Verschuer doch gar nicht von dried sustrate sondern von protein substrates, die ihm offensichtlich ziemlich wichtig waren (besonders wertvollen und unersetzbaren).
Die Schlussfolgerung des Autors, V. sei nicht an Enzymen interessiert, ist daher unverständlich um nicht zu sagen falsch.
Weshalb es aber schlimm sein soll, dass er Blut getrocknet hat ist auch unverständlich, das war damals eine übliche Methode Blutkonserven für den Transport „haltbar“ zu machen (sofern man nicht auf Direktspender zurückgreifen konnte, Trockenblut war nicht sehr erfolgsversprechend). Ich gehe mal davon aus, dass die Herstellung noch in Ausschwitz geschah.
Allerdings bezeichnet Substrat gar nicht getrocknetes Blut, sondern die Moleküle selbst, die aus dem Plasma (das ist das KLare was übrigbleibt wenn alle Blutkörperchen abgesackt sind) gewonnen wurden; wenn man ihm hier glauben darf S. 7:
http://www.mpiwg-berlin.mpg.de/KWG/Ergebnisse/Ergebn…
Das wären dann alle möglichen Eiweiße.
Soweit zumindest, wenn man nur der von dir angegeben Textstelle folgt.
Allerdings scheint diese Fragwürdige Interpretation nicht von den genannten Autoren zu stammen sondern von Müller-Hill (?) vgl. S. 33f in der genannten Arbeit, in der auf diesen Widerspruch eingegangen wird. Und das auf Deutsch, damit die Verwechslung von Begriffen etwas reduziert wird 
Folgerung in dieser Arbeit ist, dass es 2 verschiedene Projekte gab, die zwar miteinander Verbindung hatten und ähnliche Methoden anwandten, aber unterschiedliche Forschungsgegenstände hatten, einmal die Enzyme/Abwehrfermente (und Abwehrreaktionen mit ihrem Bezug zu Gefangenenexperimenten) und einmal die Substrate, die auch Enzyme enthielten aber eben keine oder nicht nur/speziell Abwehrfermente.
Soweit ich beim Schnellüberblick sehen konnte, scheint das eine eher mit Kaninchenblut zu tun zu haben und die Abwehrfermente mit Infektionsversuchen in Ausschwitz (die unter die stereotypisch „böse NS-Medizin“ fallen)
Die Vermengung ist offenbar durch Müller-Hill oder einen anderen Autor vor ihm geschehen (wieder das schöne Thema abgeschrieben oder Eigenkreation?).
Dazu müsste man nun auch noch sehen, aus welcher Intention heraus die jeweiligen Autoren schrieben, also Müller-Hill und seine Vorgänger.
– Benno Müller-Hill: Das Blut von Auschwitz und das Schweigen der Gelehrten. In: Doris Kaufmann (Hrsg.): Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus. Wallstein, ISBN 3-89244-423-4 Buch anschauen, S. 191
manche stehen aufs Reisserische.
Gerade in Sachen NS-Medizin kochen die Wogen emotional gerne mal hoch und man neigt dazu nur die Experimente an KZ-OPfern zu sehen, oder nur die Rassenhygiene (Verschuers Spezialgebiet).
Dass auch diejenigen Ärzte mit tiefbrauner Weste und echten Leichen im Keller auch noch andere Baustellen hatten, die vielleicht nicht so spektakulär sind, oder nur über mehrere Ecken auch nationalsozialistisch ins Bild passen, wird gerne mal übersehen.
So kann es passieren, dass Historiker (Medizinhistoriker sind auch gerne mal nur Ärzte, die es mit der Quellenforschung nicht so genau nehmen oder es einfach nie gelernt haben), einem Verschuer, der offenbar in beide Projekte involviert war unterstellen, alle seine Proben entstammen aus den Infektionsversuchen in Ausschwitz (Mengele in Auftrag von Verschuer), da man evtl. kein anderes Projekt von ihm kennt.
Über Tierversuche zur NS-Zeit liest man dagegen selten, dabei waren die auch damals schon vor den Menschenversuchen dran. Auch und gerade in der Erb- und Rassenforschung.
Aber die wären dann ja nicht so schlimm (Achtung das war Sarkasmus)
Gruß B