Unterschiedliche Häufigkeit Abtreibungsmethoden

Hallo,
ich bin grade auf die Angabe gestoßen, dass in Deutschland etwa 7 % der Frühen Schwangerschaftsabbrüche medikamentös (Mifegyne) durchgeführt werden. Der Rest mit der Vaccumaspirationsmethode.
Ich anderen Ländern soll viel öfter medikamentös abgetrieben werden. In der Schweiz oder Schweden sogar in etwa 50 % der Fälle.
Weiß jemand, wie sich dieser dramatische Unterschied erklärt?
Schweiz und Schweden sind ja nun medizinisch keine Entwicklungsländer.
Liegt es (wieder mal) daran, dass die Absauugung als chirurgischer Eingriff in D höher honoriert wird, das deutsche Ärzte diese Methoden anscheinend für besser halten als ausländische Kollegen?

Gruß
Werner

Hallo Werner,

die genauen Zahlen kenne ich nicht, aber es könnte daran liegen, daß Mifegyne (aka RU 486) in den anderen europäischen Ländern bereits seit vielen Jahren zugelassen ist und sich somit etabliert hat (Zulassung in Frankreich 1988 - in Deutschland erst 1999!). Nun darf man auch nicht vergessen, daß ein Abbruch per Mifegyne a) nur bis zur 7. SSW erfolgen darf und b) nur bei einem Teil von Frauen möglich ist (Allergikerinnen, Asthmatikerinnen, über 35jährige Raucherinnen und Herzkranke können RU 486 nicht schlucken).

Daß die deutschen Gyns geldgeiler sind, glaube ich nicht einmal. Viel eher liegt es daran, daß die Frauen in Deutschland eine Schwangerschaft selten vor der achten Woche bemerken (in dieser Hinsicht dürfte eher Deutschland ein Entwicklungsland sein). Es mag auch an der Vielzahl von Allergikerinnen in Deutschland liegen, oder daran, daß den deutschen Gyns eben elf Jahre Erfahrung mit dem Präparat fehlen. Letztendlich ist die Wahl der Methode eine Entscheidung, die die Frau zu fällen hat und für gewöhnlich entscheidet sich die Frau für die ‚bewährte‘ Aspiration, weil für RU 486 einerseits bisher keine Lobby existiert und das Präparat andererseits bisher fürchterlich schlechte Presse hat (wenn in der Presse über RU 486 berichtet wird, dann als Horrormeldung).

Grüße
Renee

Hallo,
die spätere Zulassung kann natürlich ein Grund sein, aber nach mittlerweile doch 8 Jahren kaum einen so krassen Unterschied erklären. Die Behandlung sollte sich doch wohl nach international vergleichbaren Standarts richten und wenn in fast allen westlichen Ländern die medizinische Wissenschaft die medikamentöse Abtreibung vorzieht, dann ja wohl hoffentlich darum, weil es die schonendere komplikationsärmere Methode ist, das sollte sich dann unter deutschen Ärzten doch sehr schnell rumsprechen. Oder wissen nur die D Ärzte was gut für Frauen ist und alle anderen sind Deppen? sowas wird doch heute alles statistisch untersucht und sollte von daher keine nationale Geschmacksfrage sein.
Das in D im Durchschnitt eine Schwangerschaft wesentlich später entdecken als eben in der Schweiz oder Schweden kann ich kaum glauben. Was sollte so einen Effekt hervorrufen?

Gruß
Werner

Hallo,

Das in D im Durchschnitt eine Schwangerschaft wesentlich
später entdecken als eben in der Schweiz oder Schweden kann
ich kaum glauben.

Wie sieht es in anderen Ländern mit der Beratungspflicht aus? Die zögert natürlich auch den Abbruch hinaus.
Aber was dir bei Abtreibungen einfällt, ist mir aus anderen Bereichen bekannt. Es gibt in verschiedenen Ländern bevorzugte Behandlungsmethoden, mir ist das immer wieder aufgefallen, wenn Krankheitsgeschichten von z.B. Südafrika/Deutschland verglichen wurden.

Gruß
Elke