Unterschiedliche Persönlichkeitsentwicklungen

Hi Leute,

mich bewegt seit gestern der Gedanke, wie unterschiedlich doch die Persönlichkeitsentwicklung von Menschen sein kann.

Da kenn ich ein Mädchen, dass mit 19 Jahren das erste Abend-Date (wohlgemerkt NICHT Nacht-Date!) mit einem Jungen noch vor sich hat und diesbezüglich auch Angst hat (es liegt mir fern, das zu beurteilen!!!) und gestern lief in „Wahre Liebe“ was, da war von einer 19-Jährigen ‚Newcommerin des Jahres‘ im Hardcore-Pornogeschäft die Rede!
Beide Mädels sind nach „allgemeingültigen Vorstellungen“ Bildhübsch mit einem wirklich tollen Body.

Tom

Hallo Tom,

Da kenn ich ein Mädchen, dass mit 19 Jahren das erste
Abend-Date (wohlgemerkt NICHT Nacht-Date!) mit einem Jungen
noch vor sich hat und diesbezüglich auch Angst hat (es liegt
mir fern, das zu beurteilen!!!) und gestern lief in „Wahre
Liebe“ was, da war von einer 19-Jährigen ‚Newcommerin des
Jahres‘ im Hardcore-Pornogeschäft die Rede!

Da hast du aber gerade zwei absolute Extrembeispiele genannt :smile: Wobei ich denke, dass der erstere Fall immer noch häufiger vorkommt als der zweitere *g* Ich denke, dass hat einfach mit der Persönlichkeit und dem Umfeld der jeweiligen Person zu tun. Manche machen eben, um bei diesem Beispiel zu bleiben, früher Erfahrungen mit Sexualität/Partnreschaft als andere. Da gibt es keine Wertung was „gut“ oder „schlecht“ ist, so lange man selbste damit zufrieden ist, gibt es nichts daran auszusetzen.

Beide Mädels sind nach „allgemeingültigen Vorstellungen“
Bildhübsch mit einem wirklich tollen Body.

Allgemeine Vorstellungen über Attraktivität? Gibt es das denn? Nach „Allgemeingültigen Vorstellungen“ gelten wohl auch feminine Blondinen mit Blauen Augen als Bildhübsch, und mir, sowieo wohl noch vielen anderen Menschen, gefallen sie überhaupt nicht, also insofern sollte man mit solchen Ausdrücken immer vorsichtig ausgehen. Außerdem was hat das Aussehen damit zu tun, dass jemand mit 19 noch kein Date hatte? Vielleicht ist man einfach noch nicht so weit oder hat schlicht kein Interesse oder auch Angst, dass kann tausende Gründe haben die mit dem Aussehen nichts zu tun haben!

Grüße

Bernd

Einfluß der Sozialisation auf das Sexualverhalten
Hallo liebe w-w-wler!

Bevor ich kurz zwei Annahmengefüge (um sie nicht in den Rang von Theorien erheben zu müssen) zum Thema referiere , möchte ich noch kurz anmerken, daß ich nicht der Meinung bin, daß man die menschliche „Persönlichkeit“ und ihre Entwicklungsgeschichte auf das Sexualverhalten reduzieren kann.

Zu dem Thema „Persönlichkeitsentwicklung und Sexualverhalten“ referiere ich erst einen auf evolutionstheoretische Annahmen zurückgehenden Ansatz und anschließend bindungstheoretische Befunde:

1. Auf evolutionstheoretischen Annahmen basierende Überlegungen

MacArthur und Wilson (1967) unterscheiden im Rahmen der Evolutionstheorie zwischen r-selegierten und K-selegierten Organismen, für die unterschiedliche Reproduktionsstrategien angenommen werden.

  • r-selegierte Organismen vermehren sich unter instabilen und populationsdezimierenden Umweltbedingungen schnell, haben eine kurze Reifezeit und investieren wenig Energie in die Be-treuung ihres Nachwuchses.
  • K-selegierte Organismen weisen eine geringere Fertilitätsrate auf, haben eine längere Reifezeit und betreuen ihren Nachwuchs intensiver.

Der Mensch zählt zu den am höchsten entwickelten K-selegierte Organismen. Doch werden innerartliche Unterschiede angenommen, die auf r- und K-Selektion zurückgeführt werden. Belsky, Steinberg und Draper (1991) unternahmen einen evolutionstheoretischen Erklärungsversuch für zwei unter-schiedliche Typen von Sozialisationskontexten und den sich daraus ergebenden Entwicklungspfaden.

  • Typ I : Eine instabile und stressorenreiche Familienumwelt (geringe materielle Ressourcen, starke eheliche Konflikte, psychische Störungen) führen bei den Eltern zu abweisenden, insensitiven und inkonsistenten Sozialisationspraktiken. Dadurch werden die Kinder unsicher gebunden, entwickeln Mißtrauen, sozialen Opportunismus und – die Jungen – eine aggressiv-antagonistische oder – die Mädchen – eine ängstlich-depressive Haltung. Es kommt zu einer rascheren körperlichen Reifung und einem frühen Eintritt in die Pubertät , an sich Verhaltensmuster der r-orientierten Reproduktionsstrategie anschließen. Indikatoren sind eine früh einsetzende sexuelle Aktivität , eine jeweils kurzfristige und unstabile Paarbindung sowie eine reduzierte Investition in elterliches Verhalten.

  • Typ II : Stabile familiäre Umwelten (angemessene materielle, soziale und psychische Ressourcen, hohes Ausmaß an ehelicher Harmonie) führen zu einem unterstützendem, emotional positivem und auf die Bedürfnisse des Kindes eingehendes Elternverhalten. Die Kinder werden daher sicher gebunden und entwickeln eine vertrauensvolle Grundhaltung gegenüber der Welt sowie zu wechselseitig befriedigenden Sozialbeziehungen. Körperlich findet man eine verlängerte Reifezeit und ein späteres Einsetzen der Pubertät. Sexuelle Beziehungen werden später aufgenommen, die Paarbindung ist längerfristig und dauerhafter. Es besteht eine größere Bereitschaft, in elterliches Pflege- und Erziehungsverhalten zu investieren.

2. Bindungstheoretische Befunde

In der bindungstheoretischen Forschung finden sich ebenfalls Ansätze, die unterschiedliches Sexualverhalten auf unterschiedliche Sozialisation zurückführen.

Die Erwachsenen, die als Kinder zu Bindungstyp B (sicher gebundene Kinder) gehörten, sind später als Jugendliche und Erwachsene in ihren Partnerschaften weniger abhängig und hatten weniger Angst, verlassen zu werden. Sie sind in ihrem Sexualleben experimentierfreudig, aber in ein und derselben Beziehung.

Die Erwachsenen, die als Kind zu Typ A (unsicher-vermeidend) gehörten, lassen sich in Beziehungen weniger auf den Partner ein, trennen sich öfter, haben relativ viele „one night stands“ und mehr Sex außerhalb einer festen Paarbeziehung, jedoch meistens nur in wenigen Formen.

Die Erwachsenen, die als Kinder zu Typ C (unsicher-ambivalent) gehören, engagieren sich sehr in ihren Beziehungen, haben aber meistens den gleichen Partner, von dem sie sich häufiger für einige Zeit trennen, um später wieder zusammen zu kommen. Sie weisen auch weniger Selbstachtung auf.

Freundliche Grüße,

Oliver