Unterversorgung Psychiater / Gesprächstherapeuten

Liebe wer-weiss-was-Gemeinde,
ich habe das subjektive Gefühl (als Oldenburger), dass unser Land zu wenig Psychiater und Gesprächstherapeuten hat. Dabei spreche ich nicht aus eigener Erfahrung als geistig Behinderter, sondern gebe das Gehörte u. a. von anderen Behinderten wieder. Aus eigener Erfahrung (Telefongespräch der Arzthelferin meines Psychiaters mitgehört) weiß ich, dass man bei meinem Psychiater als „Neukunde“ erst in 3 Monaten einen Termin bekommt. Bei Gesprächstherapeuten bekommt man erst in frühestens einem halben Jahr ein Gespräch (Aussage von mehreren Bekannten von mir).
Das ist doch aber ein Unding! Dagegen muss doch etwas unternommen werden! Und ich fühle mich berufen, etwas gegen diese Unterversorgung zu unternehmen. Dazu habe ich folgende zwei Fragen an euch:

  • Habt ihr auch Erfahrungen mit einer Unterversorgung an Psychiatern und Gesprächstherapeuten (bitte Bundesland angeben)?
  • Wisst ihr evtl., ob die Höchstzahl der einzelnen Psychiater und Gesprächstherapeuten bundesweit oder auf Landesebene gesetzlich verordnet ist?
    Wenn ich ein paar Antworten von euch habe, wäre mein nächster Schritt, mich an die Bundesärztekammer mit der Bitte um Stellungnahme zu wenden.
    Vielen Dank im Voraus für eure Antworten!
    Stefan

Guten Morgen,

laut statistischem Bundesamt gab es 2011:

23000 Ärzte (mit Approbation) für Psychiatrie und Neurologie
36000 Psychologische Psychotherapeuten (mit Approbation)

In der Summe 59000. Das entspricht etwa 1 Arzt/1380 Personen BRD.

Zum Vergleich:
17000 Frauenärzte (ca. 1/2400)
61000 Zahnärzte (ca. 1/1340)

ich habe das subjektive Gefühl (als Oldenburger), dass unser Land zu wenig Psychiater und Gesprächstherapeuten hat.

Die Zahlen bestätigen dein Gefühl m.E. nicht.

Franz

Hallo Stefan,

Aus eigener Erfahrung (Telefongespräch der
Arzthelferin meines Psychiaters mitgehört) weiß ich, dass man
bei meinem Psychiater als „Neukunde“ erst in 3 Monaten einen
Termin bekommt. Bei Gesprächstherapeuten bekommt man erst in
frühestens einem halben Jahr ein Gespräch.

Ein Psychiater (meistens Dr.med. und Neurologe) muß Dir bei akuten Beschwerden einen kurzfristigen Termin geben.
Ein Gesprächstherapeut (Psychotherapeut, Psychologe) mit eigener Praxis kann keine Termine vergeben, denn er ist knallvoll.
Es gibt genügend und sehr viele therapeutische Praxen! Menschen, die psychologische Hilfe brauchen werden aber immer mehr! Das ist ein gesellschaftliches Problem. Burn-out, Zwangserkrankungen, Depressionen, psychisch bedingte Magen-Darm-Probleme. Es müßte viel mehr psychologische Praxen geben!

Das ist doch aber ein Unding! Dagegen muss doch etwas
unternommen werden! Und ich fühle mich berufen, etwas gegen
diese Unterversorgung zu unternehmen.

Dein Mut ist gut, versuche es. Ich will Dir aber folgendes Beispiel nennen: Rheumatische Erkankungen nehmen immer mehr zu. Es gibt in unserer großen Stadt keinen Rheumatologen! Augen-,HNO-,Internisten, Allgemeinärzte, Zahnärzte zuhauf, alles ist da. Die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (Kollagenosen, Fibromyalgie) nehmen immer mehr zu. Der nächste Rheumatologe ist 30 km entfernt, der nächste 80 km. Ich habe nachgefragt, warum es so wenig Rheumatolgen gibt.
Alles, was ich jetzt laienhaft sagen kann ist: Sie bekommen keine Genehmigung zur Eröffnung einer rheumatolgischen Praxis! Es ist ein bestimmtes Kontingent für Praxisneueröffnungen vorgesehen, die Rheumatologen gehören nicht dazu. Die Psychologen
/Gesprächstherapeuten gehören sicher auch nicht dazu.

Wer dies bestimmt, das weiß ich nicht, wäre aber interessant.

Wenn ich ein paar Antworten von euch habe, wäre mein nächster
Schritt, mich an die Bundesärztekammer mit der Bitte um
Stellungnahme zu wenden.

Ich glaube, die Bundesärztekammer würde gerne mehr Ärzte, die gebraucht werden (Psychiater, Rheumatolgen, Umweltmediziner) ansiedeln, es muß einen anderen Grund geben.
Es wäre interessant, wie sie argumentiert, versuch es! Es stehen viele Menschen hinter Dir!

Gruß
Karin