Morgen,
Mahlzeit,
Ich glaube ja auch, dass er mich liebt. Oder welchen Grund
könnte er sonst noch haben? Gewohnheit? Angst?Das solltest du ihn auch fragen
Hab ich, er liebt mich…
Und mit den Freiheiten (was nun Seitensprünge
betrifft), die er braucht, wenn er sie auch weiterhin braucht,
kann ich nicht leben. Er ist ja auch nie gekommen und hat
gesagt: Du, wir sind verheiratet, aber …Erkennst du den Zusammenhang? Vielleicht wäre er zu dir
gekommen, wenn du das nicht so kategorisch gesagt hättest.Eine grausame Ehrlichkeit, aber ehrlich.
Ich finde sie nicht grausam. Ich halte es für grausamer, wenn
er dich belügt, und ich finde es auch nicht eben fein, wenn er
seine polygamen Tendenzen unterdrücken muß.Dann hätte ich mich schon früher
dazu äu3ern können, oder? Klammheimlich was anzufangen… Das
hast du wohl mit der falschen Basis gemeint, oder?Nein, mit der falschen Basis meinte ich, daß ihr euch auf ein
monogames Modell gestellt habt, offensichtlich ohne darüber
gesprochen zu haben. Er hat es geschluckt, obwohl er
vielleicht sich das vorher schon anders gewünscht hätte. Und
nun habt ihr den Salat.Frag ihn doch!
Schon geschehen. Er würde es nicht akzeptieren.
Ja, das ist natürlich auch nicht fein - Wasser predigen, aber
Wein trinken wollen ist nicht.
Es kann ja auch sein, daß er überhaupt nicht für ein offenes
Modell ist, sondern daß es nur um einen Ausreißer handelte.
Aber auf jeden Fall solltet ihr das ehrlich miteinander
besprechen, bevor ihr wieder eine Überraschung erlebt.
Was ich nun so klären konnte: Es war ein einmaliger Ausrei3er. Und er will es nicht wieder tun, weil er von mir auch erwartet, dass ich es nicht tue. Ist schon seltsam und bestimmt nicht die feine englische…
Du sagst es - du hast dich getäuscht. Du hast vielleicht
gesehen, daß da eine Diskrepanz in euren Bedürfnissen ist,
aber die hast du zugekittet und hast darüber hinweggeschaut.
Und nun stört dich, daß dein von dir gestricktes Bild in sich
zusammenfällt. Wie wäre es damit, die Augen zu öffnen und
ehrlich miteinander zu sein?Wie meinst du das, zugekittet? Dass ich mir im Vornherein
schon falsches Bild von ihm gemacht habe?Ich meinte, daß ihr den Unterschied zwischen deinem Bedürfnis
nach Treue und seinem nach Promiskuität nicht oder nicht
genügend angesprochen habt. Wie gesagt, vielleicht liegt auch
kein grundsätzlicher Unterschied vor, aber besprechen solltet
ihr das auf jeden Fall.Der Fehler war 11-jährig: ihr habt euch lange (selbst)
belogen. Die zwei Monate waren nur der Ausbruch, eine Folge,
aber keine Ursache. Und, nebenbei: weiß du, ob in den 11
Jahren sonst nichts war?Da kann ich ja wieder nur auf seinen Behauptungen bauen, die
da wären: Das war das erste und einzige Mal. (Zitat er)OK, war nur ein Hinweis. Aber mit dem 11jährigen Fehler meinte
ich die Unklarheit in der Definition eurer Beziehung.Das geht ja leider nicht. Und selbst dann, wann würde es
wieder passieren? Nächstes Jahr, in zwei Jahren?Muss es denn wieder passieren? Ist das vorprogrammiert?
Nein, muß es nicht. Aber wenn er grundsätzlich nicht auf Treue
baut, dann wird es passierren, weil man sich einfach nicht
verbiegen kann.Eine
Freundin hat mir zu dem Thema gesagt, sie kennt Leute, bei
denen der Seitensprung eines Partners deren Beziehung noch
gefestigt hat… kann das bei uns nicht auch so sein?Doch, das kann es, auf jeden Fall. Aber zum Festigen gehört
Ehrlichkeit und der Wille, die Beziehung zu stärken. Dazu
gehört Reden unbedingt.
Wie gesagt, wir haben am Wochenende geredet, und ich hab mir in Ruhe alles angehört. Und er hat mir zugehört. Manchmal - was mich etwas stört und verunsichert - hat er nicht auf meine Äu3erungen reagiert. Aber dann war die Eisdecke durchbrochen und er hat mir wirklich auch mitgeteilt, was er wirklich denkt und fühlt. Das war, denke ich, ein wichtiger Fortschritt. Nach diesem Wochenende geht es mir wieder ein Stück besser…
Au3erdem möchte ich dir danken. Diese ganze Schreiberei und
die Konfrontation helfen mir wirklich!Freut mich. Endlich bringe ich meine polygamen Gedanken an den
Mann, ohne dafür gesteinigt zu werden
Wie gesagt: Ich habe in punkto Polygamie, Treue usw eine eigene Meinung, die ich auch nicht ändern werde, zumal mein Mann mit einem polygamen Verhalten meinerseits auch nicht einverstanden wäre. (ich wei3 auch nicht, ob ich das könnte…)
Aber deine Sichtweise hilft mir, das ganze vielleicht etwas zu verstehen. Es hilft mir, mit einem objektiven Beobachter über diese Dinge zu sprechen.
Ich wüsste nicht, warum ich dich für deine Meinung steinigen sollte.
Wir reden im Moment
aneinander vorbei. Früher hab ich es 2-Gleisigkeit genannt. Am
Tag nachdem ich es herausgefunden hatte, hat er mich sicher
10x angerufen und „normal“ mit mir geredet. Über Sachen, die
erledigt werden mussten, die wir entscheiden mussten,
Alltagssituationen. Und dann sind wir auf das 2. Gleis, das
„Problemgleis“ gefahren, haben dort diese Affäre „besprochen“,
sind aber dann gleich wieder aufs „Alltagsgleis“. Das war eine
sehr skurile Situation. Wir wussten beide nicht, wie wir uns
dem anderen gegenüber verhalten sollten.
Nun fahren wir auf dem „Heile-Welt-Gleis“. Vielleicht macht
ich aus einer Mücke einen Elefanten? Vielleicht macht er aus
einem Elefanten eine Mücke?Diese Alltagsgespräche kenne ich gut von der Zeit, wo meine
Kinder ganz klein waren und uns Eltern keine Zeit für uns
selbst blieb. Ich wäre darüber beinahe kaputtgegangen, weil
ich in dieser Tagesmanagerin nicht mehr das liebevolle,
spritzige, interessante Wesen erkannte, in das ich früher
verliebt gewesen war. Nur durch Artikulieren dieser Sorgen
gelang es uns, aus diesem Loch zu kommen.
Ich glaube auch, dass das unser Problem ist/war. Wir waren uns des anderen so sicher, dass wir uns um einander gar nicht mehr bemüht haben. Kinder haben wir zwar noch keine, aber andere Pflichten haben uns so eingenommen, dass wir füreinander keine Zeit mehr hatten. Mein Mann hat mit dem, den ich damals "kennen und lieben lernte ", nicht mehr sehr viel gemeinsam, aber ich habe mich, glaube ich, noch stärker verändert. Die ganzen Alltagssorgen haben mich langsam aufgefressen. Wir hatten auch gerade fertig gebaut, waren frisch umgezogen und hatten viele Amtswege und andere Erledigungen. Unsere Gespräche beschränkten sich wirklich nur auf „was muss ich, was muss er erledigen“. Jetzt lernen wir langsam, auch wieder über andere Themen zu reden. Letztes Wochenende war ein wichtiger Fortschritt und ein Schlüsselmoment.
Was soll das AUTSCH auf meine Antwort, dass er es einen Tag
nach der „Enthüllung“ beendet hat?Keine Ahnung. Kommt nicht von mir
Gruß
Sancho
Danke für deine Meinung
Gru3
Karin
