Untreue

hallo,

mein mann war mir untreu.
ich habe es vor fast 2 monaten herausgefunden.
es dauerte fast 2 monate, angeblich war er 5x mit ihr zusammen.
angefangen hat alles, als er/beide betrunken waren, auf einem workshop, aber dann haben sie sich auch weiterhin getroffen.
es handelt sich um seine arbeitskollegin, sie sitzt im nebenbüro und sie haben zwangsläufig miteinander zu tun.
er hat es beendet.

ich hatte schon früher verdachtsmomente, hab ihn auch immer wieder darauf angesprochen, aber er hat immer nur gemeint, es wäre nichts, ich müsse keine angst haben usw.
als ich es dann mit sicherheit wusste und ihn darauf ansprach, hat er mir stundenlang ins gesicht gelogen, hat gemeint, ich wäre paranoid, aber ich blieb hart, und da hat er schlie3lich alles zugegeben.
unsere 6 jahre ehe / insgesamt sind wir seit 11 jahren zusammen wollte ich nicht einfach so wegwerfen. er hat mich gebeten, ihm zu verzeihen, mich nicht von ihm zu trennen.
also sind wir zusammen geblieben.

eine woche lang durfte er mich nicht einmal angreifen, ich brach immer wieder in tränen aus. nach einer woche haben wir miteinander geschlafen. es war wunderschön, wie nach einer langen durststrecke.

nun hab ich irgendwie das gefühl, ich brauche den sex mit ihm, ich brauche seine bestätigung, dass er mich noch immer/wieder begehrt. ich befürchte, dass ich ihn damit überfordere. er sucht immer wieder nach einem vorwand, nach anderen aktivitäten. und wenn wir dann abends ins bett gehen, ist er immer zu müde.

er ist wahnsinnig lieb zu mir, macht mir komplimente, hat sogar einmal geweint (tut er nicht oft!!). aber mir fehlt die leidenschaft… die er mit der anderen laut seinen schilderungen erlebt hat.

wenn ich nun aufhöre, ihn zu „behelligen“ (mittlerweile kommt es mir so vor), hab ich angst, dass er denkt, nein, was er dann überhaupt denken würde, und vielleicht würde er dann auch wieder zu dieser … zurückgehen. oder?
wenn ich ihn weiterhin „behellige“, verliert er vielleicht ganz die lust.

ich bin total verwirrt, wei3 absolut nicht, wie ich mich verhalten soll, ich vertraue ihm absolut nicht, aber ich möchte, dass wir uns irgendwie wieder zusammenraufen.

er macht mich auch oft an, im auto, und überhaupt an den unmöglichsten orten, aber wenn es dann wirklich mal klappen könnte, dann geht gar nichts.
auf sms (er ist oft auf dienstreisen) reagiert er nur selten, wenn der inhalt etwas feuriger ist.

gibt es statistiken zum thema untreue? ich dachte immer, uns könnte das nie passieren. wie sieht denn die realität aus?

wie soll ich mich ihm gegenüber nun verhalten?
und wie stehen die chancen, dass er es nicht wieder tut?
er sieht sie ja jeden tag im büro, wenn er nicht auf reisen ist.

neulich hab ich ihn darauf angesprochen, und er hat mir versichert, dass er es und sie bereits vergessen hat. (er ist nicht der typ, der lange grübelt.) und er möchte, dass ich es auch vergesse und ihm vergebe. aber mir schwirrt das immer wieder im kopf herum.
die zeiten, wo ich mir vorgestellt habe, was sie gemacht haben und wie, sind zum glück schon vergangen.

aber im gro3en und ganzen ist das ein ziemlich gro3es problem für mich. könnt ihr mir einen rat geben? wie soll ich mich verhalten?

besten dank

eine sehr verwirrte und deprimierte karin

Hi Karin,

ich kann Dich und Deine Zweifel und Verzweiflung verstehen - zumal alles erst bestätigt wurde, nachdem „Beweise“ auf dem Tisch lagen und Leugnen zwecklos war.

Dein Vertrauen in den Mann ist (mindestens vorübergehend) hin und ich finde gut, dass Du ihm und damit Euch dennoch ein Chance geben willst.

Weil man leicht Gefahr läuft, in derartigen Situationen den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen und verständlicher Weise sehr stark emotional eingebunden ist, hat sich schon oft bewährt, eine(n) Unparteiische(n) hinzu zu ziehen. Das muss nicht zwangsläufig gleich eine Paarberatung oder -therapie, Mediation odgl. sein, sondern kann m. E. auch z. B. die Aufarbeitung des Themas mit einem guten (vertrauenswürdigen) Freund sein.

Wichtig scheint mir in dieser Situation vor allem für Dich eine liebe und verständnisvolle Vertrauensperson, mit der Du Dich „rückkoppeln“ kannst und bei der Du erst Mal wieder Halt findest.

Hi Karin,

aber im gro3en und ganzen ist das ein ziemlich gro3es problem
für mich. könnt ihr mir einen rat geben? wie soll ich mich
verhalten?

Gib ihm Dein Posting zum Lesen.
Gruß,
Anja

liebe karin

klar, dass du deine beziehung nicht hals ueber kopf verlieren willst.

vielleicht hat er ein schlechtes gewissen dir gegenueber, wenn ihr zusammen schlaeft?

dass du mehr sex willst, hat wohl damit zu tun, dass er sich abwendet. es ist in partnerschaften oft zu beobachten, dass die abwendung des einen partners einen verstaerkten klammereffekt des anderen partners zur folge hat.

wenn du die beziehung weiter fuehren willst, dann wuerde ich mich zuerst etwas zurueckziehen. ich meine damit nicht schmollen, sondern ein konzentrieren auf dich und deine eigenen interessen, unabhaengig von ihm. er hat dir weh gemacht. und er hat einen wichtigen baustein in eurer beziehung zerstoert. es liegt hauptsaechlich an ihm, dies wieder zu reparieren. ob das 100% moeglich ist, das haengt von ihm und dir ab. ist aber auf jeden fall sehr schwer.

ich koennte sowas nicht (mehr) akzeptieren.

ich wuensche dir trotzdem alles gute.

gruss
coco

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Hi Anja,

ich hab ihm schon mal einen ähnlichen Brief geschrieben. Er hat nicht darauf reagiert. Ich meine, zuerst war er baff, als ich ihn ihm zu lesen gab, dann hat er gemeint, er müsse sich den Brief noch einmal durchlesen. Nach einer Woche hab ich ihn darauf angesprochen, weil ich immer noch auf die Antwort wartete. Er hat kleinlaut gemeint, er möchte den Brief am liebsten wegschmei3en und vergessen. Und er möchte auch, dass ich es vergesse, alles. Aber das geht nicht so einfach! Er sagt, er habe alles schon vergessen, auch sie.
Nur sprechen die „Beweise“ dafür, dass sie ihm eine Zeit lang wichtiger war als ich. Und in einer schwachen Stunde hat er mir gestanden, dass er sich in sie verliebt hat. Kann man (mann) das denn so schnell wieder vergessen?
Er überhäuft mich mit Liebeserklärungen, aber mir fehlt einfach die Leidenschaft in unserer Beziehung, die er mit ihr ja offensichtlich hatte!
Ich hab durch die ganze Sache einfach auch wahnsinnige Komplexe und ich glaube, ich brauche eine Bestätigung von ihm, dass er mich noch immer will/braucht.
Ich will uns diese 2. Chance geben, aber manchmal scheint mir das so unmöglich.

lg

Karin

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Hallo Karin,

ich habe vor einem Jahr das Gleiche erlebt. Mein Mann hat mich betrogen und mir solange ins Gesicht gelogen, bis ich es ihm schwarz auf weiß nachweisen konnte. Für mich ist dabei eine Welt zusammen gebrochen. Ich habe zuerst an Trennung gedacht (nach 8 Jahren), dann versucht mich damit abzufinden. Habe mir allerdings Bestätigung woanders gesucht - mich auf mich selbst konzentriert - mich mehr mit Freundinnen getroffen und sogar mit einem fremden Mann geschlafen.
Ich hatte immer im Hinterkopf, dass ich die Beziehung retten wollte. Aber leider habe ich es bis heute nicht geschafft, obwohl sich mein Mann offensichtlich viel Mühe gegeben hat. Aber das Vertrauen ist weg und die Liebe damit auch.

Vielleicht gelingt es dir besser. Auf jeden Fall solltest du nicht klammern, sondern ihm zeigen, dass du auch ohne seine Zuneigung glücklich sein kannst. Dann bestehen vielleicht bessere Chancen, ihn wieder auf dich aufmerksam zu machen. Lass die Leine zu ihm länger.

Gruß Anne

Hallo,

vielleicht sollte ich vorab erklären, daß ich kein Verfechter der körperlichen Treue bin. Ich bin der Meinung, daß diese eine künstlich auferlegte Einschränkung ist, deren Ursprung kulturhistorisch begründbar ist, aber nicht unbedingt dem menschlichen Naturell entspricht.

Daß dein Mann sich mit der Kollegin eingelassen hat, mag man mit der Situation erklären (Workshop, Alkohol). Daß er hinterher wieder mit ihr war, verstehe ich voll und ganz: es war einfach schön/gut/geil, und er wollte das wiederholen. Daß er dich belogen hat, hat damit zu tun, daß ihr euch im vorhinein solche Freiheiten nicht zugestanden hattet, so daß er gegen explizite Regeln verstoßen hatte - er wußte, er würde dir damit wehtun, wenn er das eingesteht. Daß es dann schlimmer kam, weil du es trotzdem herausgefunden hast, war sicher nicht geplant.

Eine Möglichkeit, damit besser klarzukommen, wäre sich einzugestehen, daß diese selbst auferlegte körperliche Treue euch nicht entspricht, zumindest nicht ihm: daß er anderweitige Bedürfnisse oder Gelüste hat, hat sich ja gezeigt. Wenn man dem klar entgegenblickt, erkennt man vielleicht, daß es doch gar nicht so schlimm ist. Ein Kollege von mir sagte dazu immer „Hey, es ist nur Ficken!“, was zwar etwas derb ist, aber die Situation auf den Punkt bringt: auch und gerade in einer langjährigen Beziehung ist es einfach so, daß man empfänglich ist für Reize von außerhalb. Sicher werden Gefühle hochkommen wie verletzter Stolz und Eifersucht, aber ich gebe zu bedenken: was ist besser, daß er bei dir bleibt, auch wenn er von anderen Früchten kosten darf, oder daß er sich nur wegen der selbst auferlegten Scheuklappen für dich entscheidet?

Wenn ihr euch darüber austauscht und Einigkeit erzielen könnt, wird nämlich das wegfallen, was in meinen Augen das Hauptproblem ist: die Schuldgefühle, das schlechte Gewissen. Wenn er dir im Einklang mit sich selbst und der getroffenen Übereinkunft entgegentreten kann und sagen: Schatz, ich war mit einer anderen Frau, ich fand es klasse, und ich liebe dich trotzdem und möchte bei dir bleiben - dann wirst auch du ihm gegenüber Vertrauen fassen können. Der Rest ergibt sich dann von selbst.

Schönen Gruß

Sancho
Nebenberuflicher Paarberater

Hallo Sancho,

danke für deine Meinung.
Mein Problem ist aber, dass da vielleicht doch mehr als „nur Ficken“ war.
Die Situation war wie folgt: Er war auf einer Messe, 3 Wochen lang. (das war wahrscheinlich der Höhepunkt der ganzen Affäre.) Sie war nicht mit, hat ihm aber e-mails geschrieben. Und er hat ihr geantwortet.
MIR hat er gesagt, dass er auf der Messe keine Zeit haben wird, mir zu antworten. Aber ihr hat er geschrieben.

Und das Härteste: Nach dieser Messe, nach 3 Wochen Trennung von mir, ist er zuerst zu ihr gefahren, nachdem er ihr in einer E-mail geschrieben hat: ich freu mich schon, nur auf DICH.
Verstehst du, er hätte um 20,00 schon bei mir sein können, war aber erst um 24,00 zu Hause. Hat das denn was mit „nur Ficken“ zu tun? Und im Rausch hat er mir auch gestanden, dass er sich in sie verliebt hat… und nun beteuert er immer wieder, dass er sie bereits vergessen hat. Geht das denn so schnell? Oder steckte da wirklich nichts dahinter? Ich bin mir einfach nicht sicher, was es ihm bedeutet hat. Er hat mir zwar einmal gesagt, dass es ihm nichts bedeutet hat, aber er hat ja die ganze Zeit über gelogen, das kann er ja, wie ich leider herausfinden musste, sehr gut. Und ob er mir nun die Wahrheit sagt, wei3 ich einfach nicht.

Ich persönlich bin für Treue. Und darum hat es mich auch so verletzt.
Er bemüht sich auch, mich für sich zu gewinnen, möchte über das alles nicht mehr reden, sondern er will, dass alles wieder so wie früher wird. Und er möchte, dass ich das so schnell wie möglich vergesse.

Mal ganz ehrlich: Er würde es wieder tun, wenn er die Gelegenheit hätte, oder?

Obwohl er geschworen hat, es nie wieder zu tun…
Danke für deine Meinung
Karin

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Mahlzeit,

Mein Problem ist aber, dass da vielleicht doch mehr als „nur
Ficken“ war.

Ja, vielleicht - ich war ja nicht dabei. Und denkbar ist es schon, daß sich Gefühle verselbständigen, auch wenn man das ursprünglich ganz anders wollte.

Die Situation war wie folgt: Er war auf einer Messe, 3 Wochen
lang. (das war wahrscheinlich der Höhepunkt der ganzen
Affäre.) Sie war nicht mit, hat ihm aber e-mails geschrieben.
Und er hat ihr geantwortet.

Ähemmm… kleine Rückfrage: hast du seine Mails gelesen? Durftest du das? Überdenke deine Einstellung zu Vertrauen allgemein :smile:

MIR hat er gesagt, dass er auf der Messe keine Zeit haben
wird, mir zu antworten. Aber ihr hat er geschrieben.

Hmmm ja, er hat die Zeit genutzt, die er ohne dich war, um sich mit seinen Gefühlen zu ihr auseinanderzusetzen.

Und das Härteste: Nach dieser Messe, nach 3 Wochen Trennung
von mir, ist er zuerst zu ihr gefahren, nachdem er ihr in
einer E-mail geschrieben hat: ich freu mich schon, nur auf
DICH.

(nochmal die Frage nach den Mails)

Verstehst du, er hätte um 20,00 schon bei mir sein können, war
aber erst um 24,00 zu Hause. Hat das denn was mit „nur Ficken“
zu tun? Und im Rausch hat er mir auch gestanden, dass er sich
in sie verliebt hat…

Das klingt auch danach. Das Problem ist ja, herauszufinden, was er denn genau wollte und will - ihr redet ja nicht vertrauensvoll miteinander.

und nun beteuert er immer wieder, dass
er sie bereits vergessen hat. Geht das denn so schnell? Oder
steckte da wirklich nichts dahinter?

Ich würde meinen, daß das nicht so schnell geht, aber ich kenne weder ihn noch sie noch dich.

Ich bin mir einfach nicht
sicher, was es ihm bedeutet hat. Er hat mir zwar einmal
gesagt, dass es ihm nichts bedeutet hat, aber er hat ja die
ganze Zeit über gelogen, das kann er ja, wie ich leider
herausfinden musste, sehr gut. Und ob er mir nun die Wahrheit
sagt, wei3 ich einfach nicht.

Das ist ja der Ankerpunkt jeder Beziehung: daß man sich die Wahrheit sagt. Daß man auch beim anderen das, was er sagt, als wahr annimmt. Und dafür muß man Grundlagen schaffen, unter anderem dadurch, daß man die Beziehung auf realistische Bedingungen stellt.

Ich persönlich bin für Treue. Und darum hat es mich auch so
verletzt.

Das ist klar. Aber ist er das auch? Habt ihr euch klar darüber ausgetauscht?
Ich frage mich in solchen Situationen: warum sollte jemand in so wichtigen Dingen nicht die Wahrheit sagen? Dann baut doch die Beziehung auf (Selbst-)Täuschung, und das kann auf Dauer nicht gutgehen.
Die Frage, die ihr euch stellen und beantworten müßt, ist: ist dir Treue so wichtig, daß du ohne sie die Beziehung aufgeben willst? Ist ihm die die Beziehung so wichtig, daß er dafür seine Freiheit opfern will? Könnt ihr eure Ansprüche aufeinander abstimmen? Wird, wenn ihr eine Vereinbarung trefft, einer von euch beiden davon soweit in seiner persönlichen Einstellung getroffen, daß er darüber unglücklich werden wird? UNd wie wird er damit fertig werden?

Darüber ehrlich miteinander zu reden, ist schwer. Und es ist auch nicht gesagt, daß es eine positive Lösung geben wird. Evtl. wird die einvernehmliche Lösung bedeuten, daß ihr euch trennen müßt. Aber es ist besser, wenn man das im Bewußtsein über die Gründe tut, als wenn man sich nach Jahren unvermittelt trennen muß, weil es einfach nicht mehr geht.

Er bemüht sich auch, mich für sich zu gewinnen, möchte über
das alles nicht mehr reden, sondern er will, dass alles wieder
so wie früher wird. Und er möchte, dass ich das so schnell wie
möglich vergesse.

Das kann er vergessen :smile:
Nein, das führt in meinen Augen zu nichts. Das wäre nur verdrängt, nicht vergessen. Und verdrängte Dinge kommen immer an die Oberfläche, und das häufig dann, wenn man das nicht erwartet.

Mal ganz ehrlich: Er würde es wieder tun, wenn er die
Gelegenheit hätte, oder?
Obwohl er geschworen hat, es nie wieder zu tun…

Mal ganz ehrlich: ich weiß es nicht. Aber wenn du dir so sicher bist, dann weißt du, daß du ihm etwas abverlangst, das er nicht geben kann oder will. Das spricht für meine Anregung, euch mit eurer Beziehung und deren Grundlagen auseinanderzusetzen.

Gruß

Sancho

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Mahlzeit,

Mein Problem ist aber, dass da vielleicht doch mehr als „nur
Ficken“ war.

Ja, vielleicht - ich war ja nicht dabei. Und denkbar ist es
schon, daß sich Gefühle verselbständigen, auch wenn man das
ursprünglich ganz anders wollte.

Das ist wahr…

Die Situation war wie folgt: Er war auf einer Messe, 3 Wochen
lang. (das war wahrscheinlich der Höhepunkt der ganzen
Affäre.) Sie war nicht mit, hat ihm aber e-mails geschrieben.
Und er hat ihr geantwortet.

Ähemmm… kleine Rückfrage: hast du seine Mails gelesen?
Durftest du das? Überdenke deine Einstellung zu Vertrauen
allgemein :smile:

Ich war schon ein Monat vor dem „gro3en Krach“ misstrauisch gewesen, er hat sich einfach seltsam verhalten, hat sein Handy immer auf lautlos gestellt und bei sich gehabt und um Mitternacht ist er z.B. raus und hat telefoniert…hat ständig SMS gekriegt und gelogen, es wäre ein Freund (der hat ihm aber nichts geschickt…)
Am Tag davor (vor der Enthüllung, oder wie soll ich das nennen?) hab ich ihn dann schon härter zur Rede gestellt, weil ich einfach so eine blöde Ahnung hatte, und er hat mir wieder ins Gesicht gelogen.
Und dann wollte ich Gewissheit haben - ich habe seine Mails gelesen. Ich wei3, dass man das nicht tut - und unter normalen Umständen hätte ich es auch nie getan. Es war eine Versündigung ihm gegenüber, ich hab mich dafür entschuldigt, und er hat das angenommen und sogar gemeint: Das ist doch nichts im Vergleich dazu, was ich getan habe…Und er hat gemeint, dass er froh war, dass ich drauf gekommen bin.
Vielleicht war er wirklich verliebt und hätte da alleine nicht „raus gefunden“?? Und war deshalb froh, dass ich es herausgefunden habe?

MIR hat er gesagt, dass er auf der Messe keine Zeit haben
wird, mir zu antworten. Aber ihr hat er geschrieben.

Hmmm ja, er hat die Zeit genutzt, die er ohne dich war, um
sich mit seinen Gefühlen zu ihr auseinanderzusetzen.

Und das Härteste: Nach dieser Messe, nach 3 Wochen Trennung
von mir, ist er zuerst zu ihr gefahren, nachdem er ihr in
einer E-mail geschrieben hat: ich freu mich schon, nur auf
DICH.

(nochmal die Frage nach den Mails)

Verstehst du, er hätte um 20,00 schon bei mir sein können, war
aber erst um 24,00 zu Hause. Hat das denn was mit „nur Ficken“
zu tun? Und im Rausch hat er mir auch gestanden, dass er sich
in sie verliebt hat…

Das klingt auch danach. Das Problem ist ja, herauszufinden,
was er denn genau wollte und will - ihr redet ja nicht
vertrauensvoll miteinander.

Wenn ich anfange, darüber zu reden, blockt er einfach ab. Wir hatten 3 oder 4 Gespräche zu dem Thema, von sich aus wollte er gar nichts erzählen, es war wie ein Frage-Antwort-Spiel, und er hat immer nur JA oder NEIN geantwortet. Ich sto3e bei ihm auf Granit, ich will ja wissen, was in ihm vorging, vorgeht, aber er lässt mich nicht an sich heran… Einmal hab ich ihm einen Brief geschrieben, da hab ich alles rausgelassen, was mich bewegt, was ich gerne gewusst hätte… Er hat zuerst nicht reagiert, dann hab ich ihn darauf angesprochen, und er hat gemeint, er bräuchte etwas Zeit, er muss ihn sich noch einmal durchlesen… Und er hat eine Woche verstreichen lassen. In der Zwischenzeit ist soviel passiert, wir haben gestritten, heftigst, er hat sogar geweint (tut er normalerweise nie), weil er Angst hatte, ich würde ihn verlassen (das war ehrlich seinerseits). Nach der einen Woche hab ich ihn gefragt, ob er den Brief denn noch einmal gelesen hätte und was er damit vorhabe. Und da hat er gemeint: Am liebsten würde ich ihn wegwerfen und vergessen. Und ich möchte auch, dass du vergisst…

und nun beteuert er immer wieder, dass
er sie bereits vergessen hat. Geht das denn so schnell? Oder
steckte da wirklich nichts dahinter?

Ich würde meinen, daß das nicht so schnell geht, aber ich
kenne weder ihn noch sie noch dich.

Ich bin mir einfach nicht
sicher, was es ihm bedeutet hat. Er hat mir zwar einmal
gesagt, dass es ihm nichts bedeutet hat, aber er hat ja die
ganze Zeit über gelogen, das kann er ja, wie ich leider
herausfinden musste, sehr gut. Und ob er mir nun die Wahrheit
sagt, wei3 ich einfach nicht.

Das ist ja der Ankerpunkt jeder Beziehung: daß man sich die
Wahrheit sagt. Daß man auch beim anderen das, was er sagt, als
wahr annimmt. Und dafür muß man Grundlagen schaffen, unter
anderem dadurch, daß man die Beziehung auf realistische
Bedingungen stellt.

Ich habe ihm blind vertraut, er hatte jede Freiheit, die man sich nur vorstellen konnte. Er fuhr zu Freunden, übernachtete dort, ich habe keine Fragen gestellt, er machte Ausflüge, eben auch ohne mich, ich hab ihm wirklich geglaubt. Meine Nachbarin hat ein paar Mal gemeint: Kommt dir das nicht komisch vor? Ich hab es immer wieder abgetan.
Bis sie mir dann einmal beichtete, dass er sie mal ausgefragt hat: Wenn dein Mann dich betrügen würde und du würdest es erfahren, könntest du ihm verzeihen? Sie hat damals NEIN gesagt. Und deshalb hatte er vielleicht auch Angst, mit mir darüber zu reden.
Aber das hat sie mir erst nach der gro3en Enthüllung gesagt. Den Verdacht hatte ich ja von ganz alleine.

Ich persönlich bin für Treue. Und darum hat es mich auch so
verletzt.

Das ist klar. Aber ist er das auch? Habt ihr euch klar darüber
ausgetauscht?

Ich glaube, sofern ich überhaupt noch fähig bin, einen Menschen zu beurteilen, dass er sich die Freiheiten FÜR SICH herausnehmen will, mir aber keine gönnen würde. Er hat auch gemeint: Wir sind freie Menschen, jeder kann tun, was er will - mit Grenzen. Dabei hat er mich seltsam angeschaut. Wo hören denn die Grenzen auf? Was würde er sagen, wenn ich ??? Und hat er selber die Grenzen nicht schon überschritten?

Ich frage mich in solchen Situationen: warum sollte jemand in
so wichtigen Dingen nicht die Wahrheit sagen? Dann baut doch
die Beziehung auf (Selbst-)Täuschung, und das kann auf Dauer
nicht gutgehen.
Die Frage, die ihr euch stellen und beantworten müßt, ist: ist
dir Treue so wichtig, daß du ohne sie die Beziehung aufgeben
willst? Ist ihm die die Beziehung so wichtig, daß er dafür
seine Freiheit opfern will? Könnt ihr eure Ansprüche
aufeinander abstimmen? Wird, wenn ihr eine Vereinbarung
trefft, einer von euch beiden davon soweit in seiner
persönlichen Einstellung getroffen, daß er darüber unglücklich
werden wird? UNd wie wird er damit fertig werden?

Darüber ehrlich miteinander zu reden, ist schwer. Und es ist
auch nicht gesagt, daß es eine positive Lösung geben wird.
Evtl. wird die einvernehmliche Lösung bedeuten, daß ihr euch
trennen müßt. Aber es ist besser, wenn man das im Bewußtsein
über die Gründe tut, als wenn man sich nach Jahren
unvermittelt trennen muß, weil es einfach nicht mehr geht.

Und manchmal überkommt mich das Gefühl, dass es vielleicht das beste wäre, wenn wir uns trennen würden. Aber dann erleben wir miteinander wieder so wunderschöne Dinge (damit meine ich jetzt nicht den Sex), in extremen Situationen sind wir füreinander da. Und was das angeht, vertraue ich ihm. Wenn ich Hilfe brauche, ist er da. Und ich für ihn. Aber JA, Treue ist mir wichtig. Und wenn er es wieder tun würde, würde ich ihn wahrscheinlich wirklich verlassen. Das wei3 er auch.
Es stört mich nur wirklich, dass … es ist so, als würde ich vor ihm seelisch nackt dastehen, ich kann meine Gefühle nicht runterschlucken, es kommt immer wieder hoch, und dann kriegt er mit, wie es mir geht, ich sage es ihm dann auch… er wei3 einfach alles!! Und ich wei3 nichts. Ich wei3 nicht, wie es ihm geht, was er fühlt… Er tut so, als ob nie was geschehen wäre, er ist nur 100x netter als früher, weil er wahrscheinlich (ich wei3 es ja nicht) meint, er müsse was ausbügeln.

Er bemüht sich auch, mich für sich zu gewinnen, möchte über
das alles nicht mehr reden, sondern er will, dass alles wieder
so wie früher wird. Und er möchte, dass ich das so schnell wie
möglich vergesse.

Das kann er vergessen :smile:
Nein, das führt in meinen Augen zu nichts. Das wäre nur
verdrängt, nicht vergessen. Und verdrängte Dinge kommen immer
an die Oberfläche, und das häufig dann, wenn man das nicht
erwartet.

Mal ganz ehrlich: Er würde es wieder tun, wenn er die
Gelegenheit hätte, oder?
Obwohl er geschworen hat, es nie wieder zu tun…

Mal ganz ehrlich: ich weiß es nicht. Aber wenn du dir so
sicher bist, dann weißt du, daß du ihm etwas abverlangst, das
er nicht geben kann oder will. Das spricht für meine Anregung,
euch mit eurer Beziehung und deren Grundlagen
auseinanderzusetzen.

Ich bin mir eben nicht sicher. Ich traue mich nicht mehr, andere Leute und besonders ihn einzuschätzen, weil ich gesehen habe, dass ich mich (aus meiner Sicht jetzt) in dem Menschen, den ich am meisten liebe, getäuscht habe, grausam getäuscht habe. Ich war naiv („mir kann so etwas nicht passieren…“). Und ich stelle zur Zeit fast alles, was er (aber auch andere Leute) sagt, in Frage oder suche „zwischen den Zeilen“ nach einem versteckten Sinn.
Aber - meine Güte - ich liebe ihn. „Und wegen eines 2-monatigen Fehlers kann man doch eine 11-jährige Beziehung nicht einfach wegwerfen“ (Zitat Nachbarin).
„Mein Fehler hat mir gezeigt, was ich an dir habe, und ich werde alles tun, um dich wieder für mich zu gewinnen“ (Zitat er)
„Wenn ich könnte, würde ich es sofort rückgängig machen“ (Zitat er)

Es kommt mir irgendwie so vor, dass ich im Moment selbst nicht wei3, wie das weiter gehen soll.
Im Grunde genommen möchte ich nun 3 Dinge - Liebe, Treue und Leidenschaft. Ob das nicht alles zuviel ist? Dies habe ich erst vor kurzem für mich selbst definiert, weil ich mich immer wieder fragen musste, was mir denn eigentlich fehlt. Mit ihm konnte ich nicht reden, er ist wieder in Deutschland auf Dienstreise und kommt erst morgen zurück.
Soll ich mit ihm reden? Aber das Ergebnis ist immer dasselbe: Ich heule, und er sagt dann, dass ihn das alles (meine ewigen Versuche, etwas zu besprechen) schon fertig macht und er auch bald keine Lust mehr hat!!!

Gruß

Sancho

Ich danke dir
Gru3

Karin

Liebe Karin,
ich habe lange gezögert, auf Deine Fortsetzung durch (Gegen-)Argumentation noch zu reagieren.
Ich nenne sie immer die „Ja aber!“-Menschen, die eine Frage stellen oder eine Hilfe erbitten und für alles, was dann an Vorschlägen oder Hilfestellungen kommt mit einem *ABER* reagieren - und es gibt mehrere Gründe für eine derartige Reaktion, auf die ich aber hier nicht weiter eingehen möchte.
Ich habe Dir meinen spontanen Eindruck mitgeteilt, nicht mehr und nicht weniger. Du kannst ihn Dir zu Herzen nehmen oder verwerfen, beides ist ok. Alles darüber hinaus kann ich nicht beurteilen, weil ich nur Deine subjektive Betrachtungsweise kenne und nicht die Deines Partners.
Nur eines noch: In dem Brief, den Du ihm früher schon schriebst, hast Du sicher - bewusst oder unbewusst - Deine Wünsche, kleine Forderungen, „erpresserisches“ Mitleiderheischen und Vorwürfe einfliessen lassen. Deine Anfrage hier habe ich als unbelastet und nach Außen orientiert empfunden, deshalb halte ich sie nach wie vor für besser geeignet, sie ihm zum Lesen zu geben.
Wie immer es ausgehen mag:
ich wünsche Euch eine gute Lösung für Beide,
Anja

Liebe Anja,

Liebe Karin,

Deine

Anfrage hier habe ich als unbelastet und nach Außen orientiert
empfunden, deshalb halte ich sie nach wie vor für besser
geeignet, sie ihm zum Lesen zu geben.

Vielen Dank für diesen Hinweis.

Wie immer es ausgehen mag:
ich wünsche Euch eine gute Lösung für Beide,
Anja

Gru3

Karin

Moin,

Wenn ich anfange, darüber zu reden, blockt er einfach ab. Wir
hatten 3 oder 4 Gespräche zu dem Thema, von sich aus wollte er
gar nichts erzählen, es war wie ein Frage-Antwort-Spiel, und
er hat immer nur JA oder NEIN geantwortet. Ich sto3e bei ihm
auf Granit, ich will ja wissen, was in ihm vorging, vorgeht,
aber er lässt mich nicht an sich heran…

Willst du das wirklich wissen ? Willst du wissen, wie aufregend es in der Anfangszeit war, erst die vielsagenden Blicke, dann ein unverbindliches Flirten, austaxieren, ob man ankommt, die ersten wie zufällig erscheinenden Berührungen, dann… wie toll der Sex mit seiner Kollegin war, wie er sich jedesmal auf sie gefreut hat, wenn er sie eine Weile nicht gesehen hat, wie sein Herz jedes mal einen kleinen Freudensprung gemacht hat, wenn eine SMS oder Mail von ihr kam, wie er in ruhigen Minuten oder vor dem Einschlafen nochmal an sie gedacht hat, sich auf das nächste Treffen gefreut hat, wie er dir gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte und meinte, alles 100% geheim zu halten, des lieben Friedens willen etcetc.

Willst du das wirklich alles wissen ? Wozu ??
Für mich klingt das so, als forderst du ihn auf, den Dolch nochmal kräftig umzudrehen, der in dir steckt. Spricht es nicht eher für ihn, wenn er da nicht mitmacht, weil er vermutlich ahnt, dass alles, was er noch zu dem Thema sagen würde, dich noch mehr verletzen könnte ?

Wann hat der die Affaire eigentlich beendet ? Bevor du es rausgefunden hast oder erst als du es rausgefunden hast ?

Gruß
Marion

2 „Gefällt mir“

Wann hat der die Affaire eigentlich beendet ? Bevor du es
rausgefunden hast oder erst als du es rausgefunden hast ?

Einen Tag nachdem ich es herausgefunden hatte.

Gruß
Marion

gibt es statistiken zum thema untreue? ich dachte immer, uns
könnte das nie passieren. wie sieht denn die realität aus?

Umfrage des Gewis Instituts:

Gruss
Armin

(Quelle:
http://www.seitensprung-liebe.de/Psychotipp-Seitensp…
da findet sich auch mehr zum Thema)

Gruss
Armin

DANKE FÜR DIE LINK

KARIN

Hi,

Ich war schon ein Monat vor dem „gro3en Krach“ misstrauisch
gewesen, er hat sich einfach seltsam verhalten, hat sein Handy
immer auf lautlos gestellt und bei sich gehabt und um
Mitternacht ist er z.B. raus und hat telefoniert…hat ständig
SMS gekriegt und gelogen, es wäre ein Freund (der hat ihm aber
nichts geschickt…)

Kenne ich…

Und dann wollte ich Gewissheit haben - ich habe seine Mails
gelesen. Ich wei3, dass man das nicht tut - und unter normalen
Umständen hätte ich es auch nie getan. Es war eine
Versündigung ihm gegenüber, ich hab mich dafür entschuldigt,
und er hat das angenommen und sogar gemeint: Das ist doch
nichts im Vergleich dazu, was ich getan habe…

Kenne ich auch. Aber ich glaube, das stimmt nicht. Beides sind Vertrauensbrüche, und man sollte sie nicht gegeneinander aufrechnen. Daß er das tut, schiebe ich auf sein schlechtes Gewissen.

Vielleicht war er wirklich verliebt und hätte da alleine nicht
„raus gefunden“?? Und war deshalb froh, dass ich es
herausgefunden habe?

Vielleicht. Was ich mich dann frage: wenn dem so war, warum hat er sich für dich entschieden? Was hat ihn dazu bewegt? Wäre es nicht konsequenter und logischer gewesen, sich für den Menschen zu entscheiden, der ihm am nächsten liegt, den man liebt?

Das Problem ist ja, herauszufinden,
was er denn genau wollte und will - ihr redet ja nicht
vertrauensvoll miteinander.

Wenn ich anfange, darüber zu reden, blockt er einfach ab. Wir
hatten 3 oder 4 Gespräche zu dem Thema, von sich aus wollte er
gar nichts erzählen, es war wie ein Frage-Antwort-Spiel, und
er hat immer nur JA oder NEIN geantwortet. Ich sto3e bei ihm
auf Granit, ich will ja wissen, was in ihm vorging, vorgeht,
aber er lässt mich nicht an sich heran…

Marion hat schon was dazu gesagt. Mir scheint aber wichtig, nicht unbedingt diesen Punkt zu thematisieren (vielleicht auch diesen, warum nicht? Was spräche dagegen, daß ihr euch über sein Gefühlsleben unterhaltet - muß das denn wirklich zu Schmerzen auf deiner Seite führen?), sondern um diegrundlegende Konstruktion eurer Beziehung. Die scheint nicht in Ordnung zu sein: du hast Erwartungen an ihn, die er zwar erfüllen will, aber mit denen er offensichtlich nicht leben kann. Das führt zu Täuschung, schlechtes Gewissen, Misßtrauen und schließlich dazu, daß ihr euch voneinander entfernt.

Einmal hab ich ihm
einen Brief geschrieben, […]

Habe ich gelesen. Schwierig. Ich glaube nicht, daß man das verdrängen kann, ich wiederhole mich hier. Er wird versuchen, sich so zu verhalten, wie du es erwartest, und wenn es irgendwann nicht mehr klappt, wirst du ihm Vorwürfe machen - was ich für falsch halte, denn ihr beide habt auf eine Basis gesetzt, die offenbar nicht tragbar ist.

Das ist ja der Ankerpunkt jeder Beziehung: daß man sich die
Wahrheit sagt. Daß man auch beim anderen das, was er sagt, als
wahr annimmt. Und dafür muß man Grundlagen schaffen, unter
anderem dadurch, daß man die Beziehung auf realistische
Bedingungen stellt.

Ich habe ihm blind vertraut, er hatte jede Freiheit, die man
sich nur vorstellen konnte.

Nein nein. Erstens hast du ihm nicht blind vertraut, sondern schon einen Monat vor dem Krach Verdacht geschöpft und z.B. seinen Kumpel gefragt, ob er eine SMS geschickt hätte.
Zweitens hast du ihm all das erlaubt, was DU für nötig und ausreichend hielst, du hast ihm nicht die Freiheiten gegeben, die er brauchte. Und du hast nicht genau hingesehen, weil du es nicht so genau wissen wolltest.

Wenn dein Mann dich betrügen würde und du würdest es
erfahren, könntest du ihm verzeihen? Sie hat damals NEIN
gesagt. Und deshalb hatte er vielleicht auch Angst, mit mir
darüber zu reden.

Sicher. Diese Frage müßte ihr miteinander diskutieren, nicht mit der Nachbarin. Daß sie ihm auf dem Herzen liegt, zeigt, daß er sie angesprochen hat - nur nicht mit dir, sondern mit ihr. Im Grunde kannte er deine Antwort auch, nur ausgesprochen ist es nicht.

Ich persönlich bin für Treue. Und darum hat es mich auch so
verletzt.

Das ist klar. Aber ist er das auch? Habt ihr euch klar darüber
ausgetauscht?

Ich glaube, sofern ich überhaupt noch fähig bin, einen
Menschen zu beurteilen, dass er sich die Freiheiten FÜR SICH
herausnehmen will, mir aber keine gönnen würde.

Wieso glaubst du das? Warum weißt du das nicht? Sprecht doch miteinander!

Er hat auch
gemeint: Wir sind freie Menschen, jeder kann tun, was er will

  • mit Grenzen. Dabei hat er mich seltsam angeschaut. Wo hören
    denn die Grenzen auf? Was würde er sagen, wenn ich ???

Frag ihn doch!

Und hat
er selber die Grenzen nicht schon überschritten?

Du siehst es so, er will das so sehen, kann aber nicht danach handeln und bekommt schlechtes Gewissen.

Und manchmal überkommt mich das Gefühl, dass es vielleicht das
beste wäre, wenn wir uns trennen würden. Aber dann erleben wir
miteinander wieder so wunderschöne Dinge (damit meine ich
jetzt nicht den Sex), in extremen Situationen sind wir
füreinander da. Und was das angeht, vertraue ich ihm.

Vielleicht es das das Problem: ihr (oder du) wollt entweder alles oder nichts. Aber am Anfang steht doch, den anderen so zu akzeptieren und zu lieben, wie er ist, und nicht, wie er für mich zu sein hat, damit ich ihn auch lieben kann :smile:

Ich bin mir eben nicht sicher. Ich traue mich nicht mehr,
andere Leute und besonders ihn einzuschätzen, weil ich gesehen
habe, dass ich mich (aus meiner Sicht jetzt) in dem Menschen,
den ich am meisten liebe, getäuscht habe, grausam getäuscht
habe.

Du sagst es - du hast dich getäuscht. Du hast vielleicht gesehen, daß da eine Diskrepanz in euren Bedürfnissen ist, aber die hast du zugekittet und hast darüber hinweggeschaut. Und nun stört dich, daß dein von dir gestricktes Bild in sich zusammenfällt. Wie wäre es damit, die Augen zu öffnen und ehrlich miteinander zu sein?

Aber - meine Güte - ich liebe ihn. „Und wegen eines
2-monatigen Fehlers kann man doch eine 11-jährige Beziehung
nicht einfach wegwerfen“ (Zitat Nachbarin).

Der Fehler war 11-jährig: ihr habt euch lange (selbst) belogen. Die zwei Monate waren nur der Ausbruch, eine Folge, aber keine Ursache. Und, nebenbei: weiß du, ob in den 11 Jahren sonst nichts war?

„Mein Fehler hat mir gezeigt, was ich an dir habe, und ich
werde alles tun, um dich wieder für mich zu gewinnen“ (Zitat
er)

Dann soll er sich doch mit dir auseinandersetzen und nicht einigeln :smile:

„Wenn ich könnte, würde ich es sofort rückgängig machen“
(Zitat er)

Das geht ja leider nicht. Und selbst dann, wann würde es wieder passieren? Nächstes Jahr, in zwei Jahren?

Im Grunde genommen möchte ich nun 3 Dinge - Liebe, Treue und
Leidenschaft. Ob das nicht alles zuviel ist?

Vielleicht. Ich nerve dich eventuell, aber wofür brauchst du die Treue, wie definierst du sie?

Soll ich mit ihm reden?

Aber sicher doch!

Aber das Ergebnis ist immer dasselbe:
Ich heule, und er sagt dann, dass ihn das alles (meine ewigen
Versuche, etwas zu besprechen) schon fertig macht und er auch
bald keine Lust mehr hat!!!

Hmmm. Vielleicht hat er nicht nur erkannt, was er an dir hat, sondern auch, was er an dir nicht hat und wozu er auf gar keinen Fall bereit ist. Aber unter den Teppich kehren wird euch mit Sicherheit nicht weiterbringen.

Gruß

Sancho

2 „Gefällt mir“

Einen Tag nachdem ich es herausgefunden hatte.

Autsch…

Hi,

Hallo,

Ich war schon ein Monat vor dem „gro3en Krach“ misstrauisch
gewesen, er hat sich einfach seltsam verhalten, hat sein Handy
immer auf lautlos gestellt und bei sich gehabt und um
Mitternacht ist er z.B. raus und hat telefoniert…hat ständig
SMS gekriegt und gelogen, es wäre ein Freund (der hat ihm aber
nichts geschickt…)

Kenne ich…

Und dann wollte ich Gewissheit haben - ich habe seine Mails
gelesen. Ich wei3, dass man das nicht tut - und unter normalen
Umständen hätte ich es auch nie getan. Es war eine
Versündigung ihm gegenüber, ich hab mich dafür entschuldigt,
und er hat das angenommen und sogar gemeint: Das ist doch
nichts im Vergleich dazu, was ich getan habe…

Kenne ich auch. Aber ich glaube, das stimmt nicht. Beides sind
Vertrauensbrüche, und man sollte sie nicht gegeneinander
aufrechnen. Daß er das tut, schiebe ich auf sein schlechtes
Gewissen.

Das kann schon sein…

Vielleicht war er wirklich verliebt und hätte da alleine nicht
„raus gefunden“?? Und war deshalb froh, dass ich es
herausgefunden habe?

Vielleicht. Was ich mich dann frage: wenn dem so war, warum
hat er sich für dich entschieden? Was hat ihn dazu bewegt?
Wäre es nicht konsequenter und logischer gewesen, sich für den
Menschen zu entscheiden, der ihm am nächsten liegt, den man
liebt?

Ich glaube ja auch, dass er mich liebt. Oder welchen Grund könnte er sonst noch haben? Gewohnheit? Angst?

Das Problem ist ja, herauszufinden,
was er denn genau wollte und will - ihr redet ja nicht
vertrauensvoll miteinander.

Wenn ich anfange, darüber zu reden, blockt er einfach ab. Wir
hatten 3 oder 4 Gespräche zu dem Thema, von sich aus wollte er
gar nichts erzählen, es war wie ein Frage-Antwort-Spiel, und
er hat immer nur JA oder NEIN geantwortet. Ich sto3e bei ihm
auf Granit, ich will ja wissen, was in ihm vorging, vorgeht,
aber er lässt mich nicht an sich heran…

Marion hat schon was dazu gesagt. Mir scheint aber wichtig,
nicht unbedingt diesen Punkt zu thematisieren (vielleicht auch
diesen, warum nicht? Was spräche dagegen, daß ihr euch über
sein Gefühlsleben unterhaltet - muß das denn wirklich zu
Schmerzen auf deiner Seite führen?), sondern um
diegrundlegende Konstruktion eurer Beziehung. Die scheint
nicht in Ordnung zu sein: du hast Erwartungen an ihn, die er
zwar erfüllen will, aber mit denen er offensichtlich nicht
leben kann. Das führt zu Täuschung, schlechtes Gewissen,
Misßtrauen und schließlich dazu, daß ihr euch voneinander
entfernt.

Nach jedem Gespräch über diese Sache mit ihm geht es mir wieder ein Stück besser. Ja, was er sagt, tut vielleicht im ersten Moment weh, aber im Nachhinein geht es mir besser. Ich möchte ja wissen, was in ihm vorgeht. Aber, wie gesagt: Über seine Gefühle redet er nicht - gerne…
Marions Kommentar hat mir auch geholfen. Wenn ich verstehen lerne, was ihn dazu geführt hat, höre ich vielleicht auch auf, den Fehler bei mir zu suchen (was ich aber auch schon viel weniger tue).

Einmal hab ich ihm
einen Brief geschrieben, […]

Habe ich gelesen. Schwierig. Ich glaube nicht, daß man das
verdrängen kann, ich wiederhole mich hier. Er wird versuchen,
sich so zu verhalten, wie du es erwartest, und wenn es
irgendwann nicht mehr klappt, wirst du ihm Vorwürfe machen -
was ich für falsch halte, denn ihr beide habt auf eine Basis
gesetzt, die offenbar nicht tragbar ist.

Das ist ja der Ankerpunkt jeder Beziehung: daß man sich die
Wahrheit sagt. Daß man auch beim anderen das, was er sagt, als
wahr annimmt. Und dafür muß man Grundlagen schaffen, unter
anderem dadurch, daß man die Beziehung auf realistische
Bedingungen stellt.

Ich habe ihm blind vertraut, er hatte jede Freiheit, die man
sich nur vorstellen konnte.

Nein nein. Erstens hast du ihm nicht blind vertraut, sondern
schon einen Monat vor dem Krach Verdacht geschöpft und z.B.
seinen Kumpel gefragt, ob er eine SMS geschickt hätte.
Zweitens hast du ihm all das erlaubt, was DU für nötig und
ausreichend hielst, du hast ihm nicht die Freiheiten gegeben,
die er brauchte. Und du hast nicht genau hingesehen, weil du
es nicht so genau wissen wolltest.

Was ist ein Monat Verdacht im Vergleich zu 11 Jahren Vertrauen? Und mit den Freiheiten (was nun Seitensprünge betrifft), die er braucht, wenn er sie auch weiterhin braucht, kann ich nicht leben. Er ist ja auch nie gekommen und hat gesagt: Du, wir sind verheiratet, aber … Eine grausame Ehrlichkeit, aber ehrlich. Dann hätte ich mich schon früher dazu äu3ern können, oder? Klammheimlich was anzufangen… Das hast du wohl mit der falschen Basis gemeint, oder?

Wenn dein Mann dich betrügen würde und du würdest es
erfahren, könntest du ihm verzeihen? Sie hat damals NEIN
gesagt. Und deshalb hatte er vielleicht auch Angst, mit mir
darüber zu reden.

Sicher. Diese Frage müßte ihr miteinander diskutieren, nicht
mit der Nachbarin. Daß sie ihm auf dem Herzen liegt, zeigt,
daß er sie angesprochen hat - nur nicht mit dir, sondern mit
ihr. Im Grunde kannte er deine Antwort auch, nur ausgesprochen
ist es nicht.

Ich persönlich bin für Treue. Und darum hat es mich auch so
verletzt.

Das ist klar. Aber ist er das auch? Habt ihr euch klar darüber
ausgetauscht?

Ich glaube, sofern ich überhaupt noch fähig bin, einen
Menschen zu beurteilen, dass er sich die Freiheiten FÜR SICH
herausnehmen will, mir aber keine gönnen würde.

Wieso glaubst du das? Warum weißt du das nicht? Sprecht doch
miteinander!

JA. Das werden wir. Du hast recht

Er hat auch
gemeint: Wir sind freie Menschen, jeder kann tun, was er will

  • mit Grenzen. Dabei hat er mich seltsam angeschaut. Wo hören
    denn die Grenzen auf? Was würde er sagen, wenn ich ???

Frag ihn doch!

Schon geschehen. Er würde es nicht akzeptieren.

Und hat
er selber die Grenzen nicht schon überschritten?

Du siehst es so, er will das so sehen, kann aber nicht danach
handeln und bekommt schlechtes Gewissen.

Und wenn er es aber wirklich so sieht? Wir müssen reden!

Und manchmal überkommt mich das Gefühl, dass es vielleicht das
beste wäre, wenn wir uns trennen würden. Aber dann erleben wir
miteinander wieder so wunderschöne Dinge (damit meine ich
jetzt nicht den Sex), in extremen Situationen sind wir
füreinander da. Und was das angeht, vertraue ich ihm.

Vielleicht es das das Problem: ihr (oder du) wollt entweder
alles oder nichts. Aber am Anfang steht doch, den anderen so
zu akzeptieren und zu lieben, wie er ist, und nicht, wie er
für mich zu sein hat, damit ich ihn auch lieben kann :smile:

Ich bin mir eben nicht sicher. Ich traue mich nicht mehr,
andere Leute und besonders ihn einzuschätzen, weil ich gesehen
habe, dass ich mich (aus meiner Sicht jetzt) in dem Menschen,
den ich am meisten liebe, getäuscht habe, grausam getäuscht
habe.

Du sagst es - du hast dich getäuscht. Du hast vielleicht
gesehen, daß da eine Diskrepanz in euren Bedürfnissen ist,
aber die hast du zugekittet und hast darüber hinweggeschaut.
Und nun stört dich, daß dein von dir gestricktes Bild in sich
zusammenfällt. Wie wäre es damit, die Augen zu öffnen und
ehrlich miteinander zu sein?

Wie meinst du das, zugekittet? Dass ich mir im Vornherein schon falsches Bild von ihm gemacht habe?

Aber - meine Güte - ich liebe ihn. „Und wegen eines
2-monatigen Fehlers kann man doch eine 11-jährige Beziehung
nicht einfach wegwerfen“ (Zitat Nachbarin).

Der Fehler war 11-jährig: ihr habt euch lange (selbst)
belogen. Die zwei Monate waren nur der Ausbruch, eine Folge,
aber keine Ursache. Und, nebenbei: weiß du, ob in den 11
Jahren sonst nichts war?

Da kann ich ja wieder nur auf seinen Behauptungen bauen, die da wären: Das war das erste und einzige Mal. (Zitat er)

„Mein Fehler hat mir gezeigt, was ich an dir habe, und ich
werde alles tun, um dich wieder für mich zu gewinnen“ (Zitat
er)

Dann soll er sich doch mit dir auseinandersetzen und nicht
einigeln :smile:

Was ich ihm auch gesagt habe…bisher ohne richtige Ergebnisse.

„Wenn ich könnte, würde ich es sofort rückgängig machen“
(Zitat er)

Das geht ja leider nicht. Und selbst dann, wann würde es
wieder passieren? Nächstes Jahr, in zwei Jahren?

Muss es denn wieder passieren? Ist das vorprogrammiert? Eine Freundin hat mir zu dem Thema gesagt, sie kennt Leute, bei denen der Seitensprung eines Partners deren Beziehung noch gefestigt hat… kann das bei uns nicht auch so sein?

Im Grunde genommen möchte ich nun 3 Dinge - Liebe, Treue und
Leidenschaft. Ob das nicht alles zuviel ist?

Vielleicht. Ich nerve dich eventuell, aber wofür brauchst du
die Treue, wie definierst du sie?

Treue ist einfach wichtig für mich. Die körperliche Treue eben auch. Ja, vielleicht verstö3t es gegen die urmenschlichen Instinkte, Monogamie meine ich. ABER… ich bin einfach so, ich denke einfach so.

Soll ich mit ihm reden?

Aber sicher doch!

JA!!

Aber das Ergebnis ist immer dasselbe:
Ich heule, und er sagt dann, dass ihn das alles (meine ewigen
Versuche, etwas zu besprechen) schon fertig macht und er auch
bald keine Lust mehr hat!!!

Hmmm. Vielleicht hat er nicht nur erkannt, was er an dir hat,
sondern auch, was er an dir nicht hat und wozu er auf gar
keinen Fall bereit ist. Aber unter den Teppich kehren wird
euch mit Sicherheit nicht weiterbringen.

Au3erdem möchte ich dir danken. Diese ganze Schreiberei und die Konfrontation helfen mir wirklich! Au3erdem hab ich heute im Internet zu dem Thema nachgelesen, eine Link, die mir auch ein Junge hier empfohlen hat. Ich seh die ganze Sache etwas klarer (auch wenn ich dir als Treue-Verfechter vielleicht sicher uneinsichtig vorkomme…:smile: ).
Er kommt ja heute von einer ein-wöchigen Dienstreise zurück. Vielleicht ergibt sich ja ein gutes Gesprächsklima.

Die neue Überschrift passt übrigens auch. Wir reden im Moment aneinander vorbei. Früher hab ich es 2-Gleisigkeit genannt. Am Tag nachdem ich es herausgefunden hatte, hat er mich sicher 10x angerufen und „normal“ mit mir geredet. Über Sachen, die erledigt werden mussten, die wir entscheiden mussten, Alltagssituationen. Und dann sind wir auf das 2. Gleis, das „Problemgleis“ gefahren, haben dort diese Affäre „besprochen“, sind aber dann gleich wieder aufs „Alltagsgleis“. Das war eine sehr skurile Situation. Wir wussten beide nicht, wie wir uns dem anderen gegenüber verhalten sollten.
Nun fahren wir auf dem „Heile-Welt-Gleis“. Vielleicht macht ich aus einer Mücke einen Elefanten? Vielleicht macht er aus einem Elefanten eine Mücke?

Danke jedenfalls für deine Meinung.

Was soll das AUTSCH auf meine Antwort, dass er es einen Tag nach der „Enthüllung“ beendet hat?

Gruß

Sancho

Gru3

Karin

1 „Gefällt mir“

Mahlzeit,

Ich glaube ja auch, dass er mich liebt. Oder welchen Grund
könnte er sonst noch haben? Gewohnheit? Angst?

Das solltest du ihn auch fragen :smile:

Und mit den Freiheiten (was nun Seitensprünge
betrifft), die er braucht, wenn er sie auch weiterhin braucht,
kann ich nicht leben. Er ist ja auch nie gekommen und hat
gesagt: Du, wir sind verheiratet, aber …

Erkennst du den Zusammenhang? Vielleicht wäre er zu dir gekommen, wenn du das nicht so kategorisch gesagt hättest.

Eine grausame Ehrlichkeit, aber ehrlich.

Ich finde sie nicht grausam. Ich halte es für grausamer, wenn er dich belügt, und ich finde es auch nicht eben fein, wenn er seine polygamen Tendenzen unterdrücken muß.

Dann hätte ich mich schon früher
dazu äu3ern können, oder? Klammheimlich was anzufangen… Das
hast du wohl mit der falschen Basis gemeint, oder?

Nein, mit der falschen Basis meinte ich, daß ihr euch auf ein monogames Modell gestellt habt, offensichtlich ohne darüber gesprochen zu haben. Er hat es geschluckt, obwohl er vielleicht sich das vorher schon anders gewünscht hätte. Und nun habt ihr den Salat.

Frag ihn doch!

Schon geschehen. Er würde es nicht akzeptieren.

Ja, das ist natürlich auch nicht fein - Wasser predigen, aber Wein trinken wollen ist nicht.
Es kann ja auch sein, daß er überhaupt nicht für ein offenes Modell ist, sondern daß es nur um einen Ausreißer handelte. Aber auf jeden Fall solltet ihr das ehrlich miteinander besprechen, bevor ihr wieder eine Überraschung erlebt.

Du sagst es - du hast dich getäuscht. Du hast vielleicht
gesehen, daß da eine Diskrepanz in euren Bedürfnissen ist,
aber die hast du zugekittet und hast darüber hinweggeschaut.
Und nun stört dich, daß dein von dir gestricktes Bild in sich
zusammenfällt. Wie wäre es damit, die Augen zu öffnen und
ehrlich miteinander zu sein?

Wie meinst du das, zugekittet? Dass ich mir im Vornherein
schon falsches Bild von ihm gemacht habe?

Ich meinte, daß ihr den Unterschied zwischen deinem Bedürfnis nach Treue und seinem nach Promiskuität nicht oder nicht genügend angesprochen habt. Wie gesagt, vielleicht liegt auch kein grundsätzlicher Unterschied vor, aber besprechen solltet ihr das auf jeden Fall.

Der Fehler war 11-jährig: ihr habt euch lange (selbst)
belogen. Die zwei Monate waren nur der Ausbruch, eine Folge,
aber keine Ursache. Und, nebenbei: weiß du, ob in den 11
Jahren sonst nichts war?

Da kann ich ja wieder nur auf seinen Behauptungen bauen, die
da wären: Das war das erste und einzige Mal. (Zitat er)

OK, war nur ein Hinweis. Aber mit dem 11jährigen Fehler meinte ich die Unklarheit in der Definition eurer Beziehung.

Das geht ja leider nicht. Und selbst dann, wann würde es
wieder passieren? Nächstes Jahr, in zwei Jahren?

Muss es denn wieder passieren? Ist das vorprogrammiert?

Nein, muß es nicht. Aber wenn er grundsätzlich nicht auf Treue baut, dann wird es passierren, weil man sich einfach nicht verbiegen kann.

Eine
Freundin hat mir zu dem Thema gesagt, sie kennt Leute, bei
denen der Seitensprung eines Partners deren Beziehung noch
gefestigt hat… kann das bei uns nicht auch so sein?

Doch, das kann es, auf jeden Fall. Aber zum Festigen gehört Ehrlichkeit und der Wille, die Beziehung zu stärken. Dazu gehört Reden unbedingt.

Au3erdem möchte ich dir danken. Diese ganze Schreiberei und
die Konfrontation helfen mir wirklich!

Freut mich. Endlich bringe ich meine polygamen Gedanken an den Mann, ohne dafür gesteinigt zu werden :smile:

Wir reden im Moment
aneinander vorbei. Früher hab ich es 2-Gleisigkeit genannt. Am
Tag nachdem ich es herausgefunden hatte, hat er mich sicher
10x angerufen und „normal“ mit mir geredet. Über Sachen, die
erledigt werden mussten, die wir entscheiden mussten,
Alltagssituationen. Und dann sind wir auf das 2. Gleis, das
„Problemgleis“ gefahren, haben dort diese Affäre „besprochen“,
sind aber dann gleich wieder aufs „Alltagsgleis“. Das war eine
sehr skurile Situation. Wir wussten beide nicht, wie wir uns
dem anderen gegenüber verhalten sollten.
Nun fahren wir auf dem „Heile-Welt-Gleis“. Vielleicht macht
ich aus einer Mücke einen Elefanten? Vielleicht macht er aus
einem Elefanten eine Mücke?

Diese Alltagsgespräche kenne ich gut von der Zeit, wo meine Kinder ganz klein waren und uns Eltern keine Zeit für uns selbst blieb. Ich wäre darüber beinahe kaputtgegangen, weil ich in dieser Tagesmanagerin nicht mehr das liebevolle, spritzige, interessante Wesen erkannte, in das ich früher verliebt gewesen war. Nur durch Artikulieren dieser Sorgen gelang es uns, aus diesem Loch zu kommen.

Was soll das AUTSCH auf meine Antwort, dass er es einen Tag
nach der „Enthüllung“ beendet hat?

Keine Ahnung. Kommt nicht von mir :smile:

Gruß

Sancho

2 „Gefällt mir“