Hi,
Ich war schon ein Monat vor dem „gro3en Krach“ misstrauisch
gewesen, er hat sich einfach seltsam verhalten, hat sein Handy
immer auf lautlos gestellt und bei sich gehabt und um
Mitternacht ist er z.B. raus und hat telefoniert…hat ständig
SMS gekriegt und gelogen, es wäre ein Freund (der hat ihm aber
nichts geschickt…)
Kenne ich…
Und dann wollte ich Gewissheit haben - ich habe seine Mails
gelesen. Ich wei3, dass man das nicht tut - und unter normalen
Umständen hätte ich es auch nie getan. Es war eine
Versündigung ihm gegenüber, ich hab mich dafür entschuldigt,
und er hat das angenommen und sogar gemeint: Das ist doch
nichts im Vergleich dazu, was ich getan habe…
Kenne ich auch. Aber ich glaube, das stimmt nicht. Beides sind Vertrauensbrüche, und man sollte sie nicht gegeneinander aufrechnen. Daß er das tut, schiebe ich auf sein schlechtes Gewissen.
Vielleicht war er wirklich verliebt und hätte da alleine nicht
„raus gefunden“?? Und war deshalb froh, dass ich es
herausgefunden habe?
Vielleicht. Was ich mich dann frage: wenn dem so war, warum hat er sich für dich entschieden? Was hat ihn dazu bewegt? Wäre es nicht konsequenter und logischer gewesen, sich für den Menschen zu entscheiden, der ihm am nächsten liegt, den man liebt?
Das Problem ist ja, herauszufinden,
was er denn genau wollte und will - ihr redet ja nicht
vertrauensvoll miteinander.
Wenn ich anfange, darüber zu reden, blockt er einfach ab. Wir
hatten 3 oder 4 Gespräche zu dem Thema, von sich aus wollte er
gar nichts erzählen, es war wie ein Frage-Antwort-Spiel, und
er hat immer nur JA oder NEIN geantwortet. Ich sto3e bei ihm
auf Granit, ich will ja wissen, was in ihm vorging, vorgeht,
aber er lässt mich nicht an sich heran…
Marion hat schon was dazu gesagt. Mir scheint aber wichtig, nicht unbedingt diesen Punkt zu thematisieren (vielleicht auch diesen, warum nicht? Was spräche dagegen, daß ihr euch über sein Gefühlsleben unterhaltet - muß das denn wirklich zu Schmerzen auf deiner Seite führen?), sondern um diegrundlegende Konstruktion eurer Beziehung. Die scheint nicht in Ordnung zu sein: du hast Erwartungen an ihn, die er zwar erfüllen will, aber mit denen er offensichtlich nicht leben kann. Das führt zu Täuschung, schlechtes Gewissen, Misßtrauen und schließlich dazu, daß ihr euch voneinander entfernt.
Einmal hab ich ihm
einen Brief geschrieben, […]
Habe ich gelesen. Schwierig. Ich glaube nicht, daß man das verdrängen kann, ich wiederhole mich hier. Er wird versuchen, sich so zu verhalten, wie du es erwartest, und wenn es irgendwann nicht mehr klappt, wirst du ihm Vorwürfe machen - was ich für falsch halte, denn ihr beide habt auf eine Basis gesetzt, die offenbar nicht tragbar ist.
Das ist ja der Ankerpunkt jeder Beziehung: daß man sich die
Wahrheit sagt. Daß man auch beim anderen das, was er sagt, als
wahr annimmt. Und dafür muß man Grundlagen schaffen, unter
anderem dadurch, daß man die Beziehung auf realistische
Bedingungen stellt.
Ich habe ihm blind vertraut, er hatte jede Freiheit, die man
sich nur vorstellen konnte.
Nein nein. Erstens hast du ihm nicht blind vertraut, sondern schon einen Monat vor dem Krach Verdacht geschöpft und z.B. seinen Kumpel gefragt, ob er eine SMS geschickt hätte.
Zweitens hast du ihm all das erlaubt, was DU für nötig und ausreichend hielst, du hast ihm nicht die Freiheiten gegeben, die er brauchte. Und du hast nicht genau hingesehen, weil du es nicht so genau wissen wolltest.
Wenn dein Mann dich betrügen würde und du würdest es
erfahren, könntest du ihm verzeihen? Sie hat damals NEIN
gesagt. Und deshalb hatte er vielleicht auch Angst, mit mir
darüber zu reden.
Sicher. Diese Frage müßte ihr miteinander diskutieren, nicht mit der Nachbarin. Daß sie ihm auf dem Herzen liegt, zeigt, daß er sie angesprochen hat - nur nicht mit dir, sondern mit ihr. Im Grunde kannte er deine Antwort auch, nur ausgesprochen ist es nicht.
Ich persönlich bin für Treue. Und darum hat es mich auch so
verletzt.
Das ist klar. Aber ist er das auch? Habt ihr euch klar darüber
ausgetauscht?
Ich glaube, sofern ich überhaupt noch fähig bin, einen
Menschen zu beurteilen, dass er sich die Freiheiten FÜR SICH
herausnehmen will, mir aber keine gönnen würde.
Wieso glaubst du das? Warum weißt du das nicht? Sprecht doch miteinander!
Er hat auch
gemeint: Wir sind freie Menschen, jeder kann tun, was er will
- mit Grenzen. Dabei hat er mich seltsam angeschaut. Wo hören
denn die Grenzen auf? Was würde er sagen, wenn ich ???
Frag ihn doch!
Und hat
er selber die Grenzen nicht schon überschritten?
Du siehst es so, er will das so sehen, kann aber nicht danach handeln und bekommt schlechtes Gewissen.
Und manchmal überkommt mich das Gefühl, dass es vielleicht das
beste wäre, wenn wir uns trennen würden. Aber dann erleben wir
miteinander wieder so wunderschöne Dinge (damit meine ich
jetzt nicht den Sex), in extremen Situationen sind wir
füreinander da. Und was das angeht, vertraue ich ihm.
Vielleicht es das das Problem: ihr (oder du) wollt entweder alles oder nichts. Aber am Anfang steht doch, den anderen so zu akzeptieren und zu lieben, wie er ist, und nicht, wie er für mich zu sein hat, damit ich ihn auch lieben kann 
Ich bin mir eben nicht sicher. Ich traue mich nicht mehr,
andere Leute und besonders ihn einzuschätzen, weil ich gesehen
habe, dass ich mich (aus meiner Sicht jetzt) in dem Menschen,
den ich am meisten liebe, getäuscht habe, grausam getäuscht
habe.
Du sagst es - du hast dich getäuscht. Du hast vielleicht gesehen, daß da eine Diskrepanz in euren Bedürfnissen ist, aber die hast du zugekittet und hast darüber hinweggeschaut. Und nun stört dich, daß dein von dir gestricktes Bild in sich zusammenfällt. Wie wäre es damit, die Augen zu öffnen und ehrlich miteinander zu sein?
Aber - meine Güte - ich liebe ihn. „Und wegen eines
2-monatigen Fehlers kann man doch eine 11-jährige Beziehung
nicht einfach wegwerfen“ (Zitat Nachbarin).
Der Fehler war 11-jährig: ihr habt euch lange (selbst) belogen. Die zwei Monate waren nur der Ausbruch, eine Folge, aber keine Ursache. Und, nebenbei: weiß du, ob in den 11 Jahren sonst nichts war?
„Mein Fehler hat mir gezeigt, was ich an dir habe, und ich
werde alles tun, um dich wieder für mich zu gewinnen“ (Zitat
er)
Dann soll er sich doch mit dir auseinandersetzen und nicht einigeln 
„Wenn ich könnte, würde ich es sofort rückgängig machen“
(Zitat er)
Das geht ja leider nicht. Und selbst dann, wann würde es wieder passieren? Nächstes Jahr, in zwei Jahren?
Im Grunde genommen möchte ich nun 3 Dinge - Liebe, Treue und
Leidenschaft. Ob das nicht alles zuviel ist?
Vielleicht. Ich nerve dich eventuell, aber wofür brauchst du die Treue, wie definierst du sie?
Soll ich mit ihm reden?
Aber sicher doch!
Aber das Ergebnis ist immer dasselbe:
Ich heule, und er sagt dann, dass ihn das alles (meine ewigen
Versuche, etwas zu besprechen) schon fertig macht und er auch
bald keine Lust mehr hat!!!
Hmmm. Vielleicht hat er nicht nur erkannt, was er an dir hat, sondern auch, was er an dir nicht hat und wozu er auf gar keinen Fall bereit ist. Aber unter den Teppich kehren wird euch mit Sicherheit nicht weiterbringen.
Gruß
Sancho