Hallo zusammen,
jemand hat ein Zwischenzeugnis erhalten, indem ein Satz für mich unverständlich ist.
“Wenn auch stets verbindlich in seinem Auftreten, so hat Herr XY doch zielgerichtet konsequent seine Auffassung vertreten, wenn er sie in der Sache für geboten hielt.“
Dieser Satz ist Zusammenhanglos und schließt weder den vorhergehenden Absatz ab, noch gilt er als Einleitung zum nächsten Absatz. Zur Erklärung verweise ich darauf, dass der Satz von einem GF geschrieben, der weit über 70 Jahre alt ist. Das soll nicht abwertend gemeint sein, aber in Teilen kann die Sprache schon von dem heutigen Stil etwas abweichen.
Kann mir jemand den Inhalt erklären? Und kann man den Satz negativ auslegen?
Ratlose Grüße, Lotte
Hallo,
“Wenn auch stets verbindlich in seinem Auftreten, so hat Herr
XY doch zielgerichtet konsequent seine Auffassung vertreten,
wenn er sie in der Sache für geboten hielt.“
Kann mir jemand den Inhalt erklären?
Herr XY war immer höflich, konnte aber bei Bedarf sehr vehement auf seiner Meinung beharren.
Und kann man den Satz
negativ auslegen?
Rein sprachlich kann man den Satz positiv wie auch negativ auslegen. Positiv: bei Bedarf konnte er seine Meinung gut vertreten und ließ sich bei wichtigen Sachen nicht beirren. Negativ: wenn er sich im Recht glaubte, beharrte er störrisch auf seiner Auffassung der Dinge. In beiden Fällen wurde er aber niemals wirklich unhöflich.
Im Zeugnis würde mich so ein nicht-standardgemäßer Satz irritieren, aber von Zeugnissen habe ich wenig Ahnung. Die echten Experten werden nach dem Gesamttext fragen.
Gruß,
Myriam
“Wenn auch stets verbindlich in seinem Auftreten, so hat Herr
XY doch zielgerichtet konsequent seine Auffassung vertreten,
wenn er sie in der Sache für geboten hielt.“
moin,
meine uebersetzung dafuer lautet:
herr xyz nutzte seine eloquenz, um notfalls mit dem kopf durch die wand zu rennen, auch wenn es sachlich voellig hirnrissig war.
gruss
khs
Mit Verlaub…
…Sie sind ein A***loch.
Hi Lotte,
würde ich dem stolzen Zeugnisinhaber in den Mund legen, dass er gelegentlich gesagt hätte
Hat er das nicht oder hat er zwar findet aber, dass das in seinem Zeugnis nix zu suchen hat, möge er am besten mal das ganze Werk (ohne Namen und Geburtsdatum, aber mit allem anderen) hier einstellen.
*wink*
Petzi
Hallo.
“Wenn auch stets verbindlich in seinem Auftreten, so hat Herr
XY doch zielgerichtet konsequent seine Auffassung vertreten,
wenn er sie in der Sache für geboten hielt.“
„Herr XY flippt zwar nicht aus, aber wenn ihm was nicht passt, spielt er Böckchen.“
Further output on further input.
Gruß Eillicht zu Vensre
Hallo,
vielen Dank für die Antworten! Hier kommt das ZZ in voller Länge:
Herr XY, geboren am, wohnhaft in, ist am 01.01.2005 in unsere Dienste eingetreten.
Auf Grund seiner Vorbildung und seiner bisherigen Tätigkeiten haben wir Herrn XY zunächst mit der Angebotskalkulation für sehr anspruchsvolle Fenster (geändert) betraut. Dazu gehörte auch im Verlauf der Auftragsanwicklung die Überprüfung der Einbausituation vor Ort und daraus resultierend auch des öfteren eine Anpassung der Konstruktion an die gegebenen Verhältnisse.
Aus der durchweg positiven Reaktion unserer Kunden erschien es uns wünschenswert, Herrn XY auch mit der Betreuung bestimmter Fenstertypen vom ersten Kundenkontakt bis zur Realisierung des Auftrages zu betrauen. Aus dieser Tätigkeit entwickelte sich eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit unseren Konstrukteuren, die des öfteren zu kostengünstigeren Lösungen geführt hat.
Wir haben Herrn XY als besonnenen, stets einsatzbereiten Mitarbeiter kennen gelernt, der sich schnell die Wertschätzung von Kollegen und Vorgesetzten erworden hat. Da wir ein relativ kleines Team sind, ist es unerlässlich, dass die Mitarbeiter bereit sind, auch außerhalb ihres eigentlichen Arbeitsbereiches anzupacken, wenn die Situation es erfordert. Gerade in dieser Hinsicht konnten wir immer auf Herrn XY bauen.
(Dann kommt der Satz:smile:
Wenn auch stets verbindlich in seinem Auftreten, so hat Herr XY doch zielgerichtet konsequent seine Auffassung vertreten, wenn er sie in der Sache für geboten hielt.
Dieses ZZ erhält Herr XY auf Wunsch, aus Anlass einer Firmenumstrukturierung.
Wir hoffen sehr, auch in Zukunft mit seiner wertvollen Unterstützung rechnen zu können.
So, ich finde, dass der letzte Satz den vorherigen „Ich will mit dem Kopf durch die Wand“ nicht wieder gut macht.
Was meint ihr?
Grüße, Lotte
Hallo
Was meint ihr?
Ich denke, da hat jemand ein Zeugnis geschrieben, der davon keine Ahnung hat.
Gruß,
LeoLo
ich fang mal an…
Hallo Lotte,
erstmal möchte ich mich Leo anschliessen: offensichtlich war der arme Zeugnisschreiber etwas unerfahren, so dass ich den Entwurf so nicht akzeptieren würde, sondern stattdessen was eigenes einreichen.
Herr XY, geboren am, wohnhaft in, ist am 01.01.2005 in unsere
Dienste eingetreten.
Also, ich bin unsicher ob Geburtsdatum und Wohnort überhaupt reingehören. Aber das weiss bestimmt jemand…
„in unsere Dienste eingetreten“ klingt etwas altmodisch, ich denke da spontan an den Butler vom Sir McOld. „seit 01.01.2005 in unserem Unternehmen beschäftigt“. Altmodisch oder nicht, es muss unbedingt erwähnt werden, als was er dort arbeitet 
Auf Grund seiner Vorbildung und seiner bisherigen Tätigkeiten
haben wir Herrn XY
Das ist ebenfalls eine etwas ungewöhnliche Formulierung. Etwas üblicher klänge da „Zu seinen Aufgaben gehörte…“
zunächst mit der Angebotskalkulation für
sehr anspruchsvolle Fenster (geändert) betraut. Dazu gehörte
auch im Verlauf der Auftragsanwicklung die Überprüfung der
Einbausituation vor Ort und daraus resultierend auch des
öfteren eine Anpassung der Konstruktion an die gegebenen
Verhältnisse.
Hier irritiert mich das „zunächst“ ohne anschliessendes „und dann“. Besser: „Er war verantwortlich für…“ oder „Er wickelte von dings bis bums das dingsbums selbstständig ab“ Was heisst das (geändert)?
Cool wäre auch, wenn es konkrete Erfolge zu erwähnen gäbe. Sowas wie „Im Jahr 2006 hat Herr XY den Einbau der Doppelglassuperthermoscheiben im Hintertupfinger Rathaus selbstständig geplant und den Einbau überwacht“ Zumindest aber ein Satz, dass man mit seiner Arbeit (stets) voll(st) zufrieden war, sollte nicht fehlen.
Aus der durchweg positiven Reaktion unserer Kunden erschien es
uns wünschenswert, Herrn XY auch mit der Betreuung bestimmter
Fenstertypen vom ersten Kundenkontakt bis zur Realisierung des
Auftrages zu betrauen.
Klingt mir ebenfalls etwas misslungen. Normalerweise kommt hier ein Satz, dass sich der Herr XY gegenüber Kunden, Mitarbeitern (so vorhanden), Chefs und Kollegen stets/immer/meistens freundlich, höflich, kompetent, vorbildlich, aufgeschlossen oder was-auch-immer verhalten hat
Aus dieser Tätigkeit entwickelte sich
eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit unseren
Konstrukteuren, die des öfteren zu kostengünstigeren Lösungen
geführt hat.
So wie das jetzt da steht ist das sicherlich fürchterbar positiv gemeint, würde man Herrn XY jedoch böses wollen, dann könnte man sagen „Ah, ein kleiner Klugscheisser gewesen, der gutste“ In meinen Ohren klänge es schöner, wenn er seine guten Ideen entsprechend einbringt. Bin aber hier sowohl mit der Formulierung als auch mit der Frage wo im Text das stehen soll etwas unsicher.
Wir haben Herrn XY als besonnenen, stets einsatzbereiten
Mitarbeiter kennen gelernt,
einsatzbereit: ja, wollen hätte er schon wollen, aber rausgekommen ist nix rechtes.
der sich schnell die Wertschätzung
von Kollegen und Vorgesetzten erworden hat. Da wir ein relativ
kleines Team sind, ist es unerlässlich, dass die Mitarbeiter
bereit sind, auch außerhalb ihres eigentlichen
Arbeitsbereiches anzupacken, wenn die Situation es erfordert.
Das heisst, er hat sich nebenher noch um den Kaffeautomaten, das interne Mitteilungsbrett und wat-weiss-ich-nicht-wat-für-nen-Unfug gekümmert, so dass er gar nimmer zum Fenster einbauen gekommen ist? Würde ich wenn überhaupt in die Tätigkeitsbeschreibung oben aufnehmen, dann aber mit konkreten Beispielen.
Gerade in dieser Hinsicht konnten wir immer auf Herrn XY
bauen.
*g* Gerade bei einer Firma die wohl im weitesten Sinne mit der Baubranche zu tun hat finde ich das ein schönes Wortspiel. „Verlassen“ wäre das vielleicht etwas geeigneter.
Wenn auch stets verbindlich in seinem Auftreten, so hat Herr
XY doch zielgerichtet konsequent seine Auffassung vertreten,
wenn er sie in der Sache für geboten hielt.
Würde ich rauslassen. Eher sowas wie „Verhandlungsgeschick“ oder so erwähnen…
Dieses ZZ erhält Herr XY auf Wunsch, aus Anlass einer
Firmenumstrukturierung.
„auf eigenen Wunsch“
Wir hoffen sehr, auch in Zukunft mit seiner wertvollen
Unterstützung rechnen zu können.
Auch das ist zwar nett gemeint aber völlig antiquiert. Schöner wäre hier ein Dank für Herrn XYs wertvolle Mitarbeit und den Wunsch diesen superklasse Typen nicht zu verlieren.
*wink*
Petzi
Hallo Petzi,
vielen Dank für deine Mühe!
Du und Leo habt Recht, der Schreiber hat keine Ahnung von Zeugnissen. Ich schrieb auch, dass der Herr weit über 70 Jahre alt ist und einen altmodischen Schreibstil hat. Das Prodkt habe ich geändert, da es sehr speziell ist und Herr Zeugnisschreiber sich hier im Forum wieder finden könnte. Das Zeugnis ist sicherlich ganz lieb gemeint aber in der heutigen Zeugnissprache wo jedes „und“ und „oder“ hinterfragt wird nicht geeignet. Nun werde ich Herrn XY die „Übersetzung“ weiter geben und mal fragen, wie man einem GF der die Weisheit für sich gepachtet hat beibringt, dass man sich wohl besser ein eigenes Zeugnis schreibt. Aber das gehört dann in ein anderes Brett.
Danke und Grüße, Lotte