Hi Infi,
Was denkt ihr?
Ich denke mir, dass Du Dir Dein theoretisches Problem selbst machst; Dein praktisches Problem ist natürlich ein wichtiges, aber halt ein sehr grundsätzliches.
Den ADS, LZF und den EBF. Also einen
Depressionsfragebogen, einen zur Lebenszufriedenheit und einen
zu Erholung und Belastung.
Bei dem Depressionsfragebogen ist nichts rausgekommen. Beim
LZF ist er eigentlich in fast allen Bereichen
unterdurchschnittlich zufrieden.
Was mich
absolut wundert, ist dass bei der Depression so absolut nichts
rausgekommen ist, weil derjenige mir in der Anamnese erzähl
hat er wäre häufig unglücklich und überhaupt wäre das ganze
Leben blöd, weil wir dummen Menschen uns in ein System zwängen
lassen in dem wir jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, ob wir
wollen oder nicht…
Soweit das theoretische Problem;
ich sehe erst mal kein Problem darin, dass ADS und LZF unterschiedliche Aussagen bringen, denn ich denke mir, dass die zu erwartende Korrelation der beiden auch nicht sonderlich hoch ist (das ist aber auch nur eine Mutmaßung, weil ich den LZF nicht kenne!)
Jedenfalls ist der ADS ja gerade dafür gemacht, „depressive Symptome“ zu erfassen (Verunsicherung, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit, Selbstabwertung, Niedergeschlagenheit, Einsamkeit, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Weinen, Rückzug, Angst, etc.,), welche wohldefiniert sind, und als solche vermutlich nicht unbedingt dem entsprechen, was man unter „Unzufriedenheit“ (was auch immer der LZF darunter versteht) oder der umgangssprachlichen Depression versteht.
Und da der LZF ja das Ergebnis geliefert hat, das auch Deinem Eindruck im Gespräch entspricht, ist allgemeine Kritik von Tests m.E. auch gar nicht unbedingt angebracht.
Mir geht das ganze jetzt irgendwie nahe.
Wie kann man hemandem helfen, der absolut unzufrieden ist,
aber weder Energie noch Willen hat etwas zu ändern?
Tja, jetzt wirds praktisch und damit schwierig;
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Es hilft auf jeden Fall sicher nicht zu sagen: „Du hast die Wahrheit erkannt“, solange die Wahrheit (und da kann sie noch so wahr sein) nicht auch lebbar ist (*wink* an Nemo, der das wahrscheinlich aber bei Nachfrage ja auch so sehen würde 
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Man kann als Freund helfen, die Wahrheit lebbarer zu machen, aber dazu gibts halt hier nicht viel zu sagen.
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Man kann ihn überreden, sich professionelle Hilfe zu nehmen, aber dazu kann man halt im Grund auch nur lange über das Problem fehlender Therapiebereitschaft, oder wie immer man das nennen möchte, theoretisieren;
in abstracto gäbs dazu ja ne Menge zu sagen,
z.B. könnte man darüber lamentieren, dass sich Psychotherapie viel zu sehr ins Pathologische einschließt, und sich dann entweder einer breiteren Bevölkerung nur durch „Pathologisierung“ öffnet, oder aber, ein solches Leiden, das halt nicht als „pathologisch“ (womit ich nicht den terminus technicus „Krankheit“ meine) (selbst)definiert wird, ignoriert.
Aber in concreto kann man ihn nur da überreden, wo halt seine „Knackpunkte“ liegen, aber einen allgemeinen Knackpunkt gibts unterhalb des Niveaus der Fremd-/Selbstgefährdung leider nicht.
Übrigens: Bezieht sich der Titel „Unzufrieden“ nur auf seine Lebenssituation oder auch auf Deine Unzufriedenheit mit dem Testergebnis, der nicht Deinem Eindruck im Gespräch entspricht?
Viele Grüße
Franz