Unzufrieden

Hallo!
Hab von der Uni aus den Auftrag bekommen über jemanden ein Gutachten zu schreiben. Hab also Anamnese gemacht und dahingehend 3 Fragebögen ausgesucht um die Sache zu untersuchen. Den ADS, LZF und den EBF. Also einen Depressionsfragebogen, einen zur Lebenszufriedenheit und einen zu Erholung und Belastung.
Bei dem Depressionsfragebogen ist nichts rausgekommen. Beim LZF ist er eigentlich in fast allen Bereichen unterdurchschnittlich zufrieden. Den EBF hab ich noch nicht ausgewertet.
´
Mir geht das ganze jetzt irgendwie nahe.
Wie kann man hemandem helfen, der absolut unzufrieden ist, aber weder Energie noch Willen hat etwas zu ändern? Was mich absolut wundert, ist dass bei der Depression so absolut nichts rausgekommen ist, weil derjenige mir in der Anamnese erzähl hat er wäre häufig unglücklich und überhaupt wäre das ganze Leben blöd, weil wir dummen Menschen uns in ein System zwängen lassen in dem wir jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, ob wir wollen oder nicht…

Was denkt ihr?
lg infi

hi

und überhaupt wäre das ganze
Leben blöd, weil wir dummen Menschen uns in ein System zwängen
lassen in dem wir jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, ob wir
wollen oder nicht…

Was denkt ihr?

er hat vollkommen Recht ! ;o)

Gruß H.

Hallo!

Wie kann man hemandem helfen, der absolut unzufrieden ist,
aber weder Energie noch Willen hat etwas zu ändern? Was mich
absolut wundert, ist dass bei der Depression so absolut nichts
rausgekommen ist, weil derjenige mir in der Anamnese erzähl
hat er wäre häufig unglücklich und überhaupt wäre das ganze
Leben blöd, weil wir dummen Menschen uns in ein System zwängen
lassen in dem wir jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, ob wir
wollen oder nicht…

Wie willst du jemand helfen, der die Wahrheit erkannt hat?
Ihn belügen?

mfg Nemo

Hallo

Wie kann man hemandem helfen, der absolut unzufrieden ist,
aber weder Energie noch Willen hat etwas zu ändern? Was mich
absolut wundert, ist dass bei der Depression so absolut nichts
rausgekommen ist, weil derjenige mir in der Anamnese erzähl
hat er wäre häufig unglücklich und überhaupt wäre das ganze
Leben blöd, weil wir dummen Menschen uns in ein System zwängen
lassen in dem wir jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, ob wir
wollen oder nicht…

LOL, so ist es!

Das Problem dabei ist, demjenigen glaubhaft
vermitteln zu können, dass es notwendig ist,
sich „aktiv“ gegen dieses „gleichgeschaltet
werden“ zu stellen - wenn auch praktisch bei-
nahe unmöglich.

Die „Psychologie“ würde eher dazu tendieren,
das „Nichteinpassenwollen“ als Negativum
herauszustellen und je nach Schule eine
positive „Einpassungskonditionierung“
(Therapie, Gespräch usw.) anzustreben -
eine Art Pragmatismus der sich mit Begriffen
der „Wissenschaftlichkeit“ und damit „Relevanz“
tarnt :wink:)

Die „Hilfe“ dürfte wahrscheinlich entweder
in a) Psychopharmaka oder in b) der Anregung
zur eigenverantwortlichen Strukturierung einer
eigenen Lebenssituation mit klarer Front
sein - was aber nicht jedem gelingt (also a).

Grüße

CMБ

weil wir dummen Menschen uns in ein System zwängen
lassen in dem wir jeden Tag zur Arbeit
gehen müssen, ob wir
wollen oder nicht…

Was denkt ihr?

anscheinend bevorzugen einige die anarchie…die uns ein anderes leben als dieses bringen wuerde - keine arbeit, kaempfen ums ueberleben, kaempfen gegen den hunger…

Es gibt auch Zwischenstufen! Z.B. kenne ich jemand, der freiwillig nur Teilzeit arbeitet, weil ihm seine Freizeit wichtiger ist. Diese Person hat weder Fernseher noch PC ist frei vom Konsumzwang und lebt für mich weit glücklicher, als manch anderer.
Das Streben nach mehr Freiheit in der Lebensgestaltung, das Abrücken von Zwängen, die uns die Gesellschaft auferlegt, hat nichts mit Anarchie zu tun!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo infi

Hab also Anamnese gemacht und
dahingehend 3 Fragebögen ausgesucht um die Sache zu
untersuchen. Den ADS, LZF und den EBF. Also einen
Depressionsfragebogen, einen zur Lebenszufriedenheit und einen
zu Erholung und Belastung.
Bei dem Depressionsfragebogen ist nichts rausgekommen.

Mich haben diese Fragebögen noch nie so richtig überzeugt. Veles kann man nicht per Fragebogen rauskriegen. Schon eher in ausgedehnten Anamnesegesprächen, weil der Mensch sich da eher öffnet und vor allem kann man da vieles „zwischen den Zeilen“ raushören. Und auch das, was er weglässt, was ausgespart wird, ist interessant.
Gruß,
Branden

Es gibt auch Zwischenstufen! Z.B. kenne ich jemand, der
freiwillig nur Teilzeit arbeitet, weil
ihm seine Freizeit
wichtiger ist.

das ist keine schande…derjenige lebt aber trotzdem in unserer gesellschaft und ist den sogenannten zwaengen unterworfen. und ich wuerde sagen, ein guter beweis dafuer, dass der zwang nicht so extrem ist, wie manche denken. er lebt naemlich [deiner meinung nach]ungezwungen inmitten unserer gesellschaft.

Diese Person hat weder Fernseher noch PC ist
frei vom Konsumzwang
und lebt für mich weit glücklicher, als
manch anderer.
Das Streben nach mehr Freiheit
in der Lebensgestaltung, das
Abrücken von Zwängen, die uns die
Gesellschaft auferlegt, hat
nichts mit Anarchie zu tun!

das, was du beschreibst, hat auch weniger mit gesellschaftlichen zwaengen zu tun. im gegenteil: es bescheibt die freiheit, die ein jeder in unserer gesellschaft hat.
jeder darf sein leben soweit gestalten, wie er es moechte. er darf sich einen pc kaufen und mit menschen auf anderen kontinenten chatten. wenn ihm das zu viel zwang ist, braucht er das nicht zu tun.

wenn ich jemanden sagen hoere, dass wir in unserer gesellschaft nicht frei sind, dann hat er zwar einerseits recht, andererseits null ahnung, was absolute freiheit bedeutet - naemlich anarchie - nicht als ersatzname, sondern als folge.
so eine behauptung ist kurzsichtig bzw. zeugt nur von ungluecklichkeit.

mfg:smile:
rene

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Hallo!

Die „Psychologie“ würde eher dazu tendieren,
das „Nichteinpassenwollen“ als Negativum
herauszustellen

Ach tatsächlich? So habe ich die Psychologie noch nie verstanden. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass sie Verhalten und Erleben beobachtet und analysiert anstatt es zu bewerten.

und je nach Schule eine
positive „Einpassungskonditionierung“
(Therapie, Gespräch usw.) anzustreben

Also ich glaube nicht, dass das Wort Konditionierung hier richtig verwendet worden ist bzw. in den Zusammenhang passt.

eine Art Pragmatismus der sich mit Begriffen
der „Wissenschaftlichkeit“ und damit „Relevanz“
tarnt

Je häufiger ich von Dir lese, desto mehr gewinne ich den Eindruck, dieser Dein letzter Satz könnte auch hervorragend Dich selber beschreiben (SCNR).

Ansonsten halte ich von dieser Beschreibung der Psychologie freilich nicht viel. Hast Du negative Erfahrungen mit Psychologen gemacht?

Die „Hilfe“ dürfte wahrscheinlich entweder
in a) Psychopharmaka oder in b) der Anregung
zur eigenverantwortlichen Strukturierung einer
eigenen Lebenssituation mit klarer Front
sein - was aber nicht jedem gelingt (also a).

Ach wenn das mal alles so einfach wäre. Das mit den Psychopharmaka ist übrigens die Medizin bzw. die Psychiatrie. Den zweiten Punkt verstehe ich gar nicht. Was ist denn eine „eigene Lebenssituation“ bzw. gibt es auch eine „nicht-eigene Lebenssituation“? Ich meine, wenn man die eigene erst noch im Rahmen einer „Einpassungskonditionierung“ entwickeln muss?

Lieben Gruß
Patrick

*zustimm*
hi ihrs,
auch ich habe schon solche Fragebogen ausgefüllt.
Auch ich musste feststellen, dass man oft gar nicht so antworten
kann, wie man gerne möchte. Ich bekam damals den Wisch mit den
Worten zurück „was wollten Sie mir denn sagen, ich kann damit nix
anfangen.“…
LG
D

Hi deceem

auch ich habe schon solche Fragebogen ausgefüllt.
Auch ich musste feststellen, dass man oft gar nicht so
antworten
kann, wie man gerne möchte. Ich bekam damals den Wisch mit den
Worten zurück „was wollten Sie mir denn sagen, ich kann damit
nix
anfangen.“

Das hätte mich an Deiner Stelle auch geärgert.
Erst sioll man solche Fragebögen ausfüllen, obwohl man das ja garnicht primär wollte, und dann sind die Leutchen auch noch mit dem Ergebis unzufrieden und sagen so einen Satz wie oben. Spontan hätte ich darauf vielleicht geantwortet:
„Ich hätte Ihnen ja gerne was gesagt, aber Sie wollten ja erstmal nicht zuhören, sondern mich stattdessen diesen albernen Fragebogen ausfüllen lassen, bei dem ich viele VFragen auch ganz anders hätte beantworten können.“
Es ist wirklich ärgerlich: Duch die Vermehrung dieses ganzen Schriftkrames und die Bürokratisierung aller menschlichen und zwischenmenschlichen Vorgänge gewinnen wir Papiermüll und verlieren existentiell Wichtigeres.
Es grüßt Dich
Branden

2 „Gefällt mir“

Hi Infi,

Was denkt ihr?

Ich denke mir, dass Du Dir Dein theoretisches Problem selbst machst; Dein praktisches Problem ist natürlich ein wichtiges, aber halt ein sehr grundsätzliches.

Den ADS, LZF und den EBF. Also einen
Depressionsfragebogen, einen zur Lebenszufriedenheit und einen
zu Erholung und Belastung.
Bei dem Depressionsfragebogen ist nichts rausgekommen. Beim
LZF ist er eigentlich in fast allen Bereichen
unterdurchschnittlich zufrieden.
Was mich
absolut wundert, ist dass bei der Depression so absolut nichts
rausgekommen ist, weil derjenige mir in der Anamnese erzähl
hat er wäre häufig unglücklich und überhaupt wäre das ganze
Leben blöd, weil wir dummen Menschen uns in ein System zwängen
lassen in dem wir jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, ob wir
wollen oder nicht…

Soweit das theoretische Problem;
ich sehe erst mal kein Problem darin, dass ADS und LZF unterschiedliche Aussagen bringen, denn ich denke mir, dass die zu erwartende Korrelation der beiden auch nicht sonderlich hoch ist (das ist aber auch nur eine Mutmaßung, weil ich den LZF nicht kenne!)

Jedenfalls ist der ADS ja gerade dafür gemacht, „depressive Symptome“ zu erfassen (Verunsicherung, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit, Selbstabwertung, Niedergeschlagenheit, Einsamkeit, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Weinen, Rückzug, Angst, etc.,), welche wohldefiniert sind, und als solche vermutlich nicht unbedingt dem entsprechen, was man unter „Unzufriedenheit“ (was auch immer der LZF darunter versteht) oder der umgangssprachlichen Depression versteht.

Und da der LZF ja das Ergebnis geliefert hat, das auch Deinem Eindruck im Gespräch entspricht, ist allgemeine Kritik von Tests m.E. auch gar nicht unbedingt angebracht.

Mir geht das ganze jetzt irgendwie nahe.
Wie kann man hemandem helfen, der absolut unzufrieden ist,
aber weder Energie noch Willen hat etwas zu ändern?

Tja, jetzt wirds praktisch und damit schwierig;

  • Es hilft auf jeden Fall sicher nicht zu sagen: „Du hast die Wahrheit erkannt“, solange die Wahrheit (und da kann sie noch so wahr sein) nicht auch lebbar ist (*wink* an Nemo, der das wahrscheinlich aber bei Nachfrage ja auch so sehen würde :wink:

  • Man kann als Freund helfen, die Wahrheit lebbarer zu machen, aber dazu gibts halt hier nicht viel zu sagen.

  • Man kann ihn überreden, sich professionelle Hilfe zu nehmen, aber dazu kann man halt im Grund auch nur lange über das Problem fehlender Therapiebereitschaft, oder wie immer man das nennen möchte, theoretisieren;
    in abstracto gäbs dazu ja ne Menge zu sagen,
    z.B. könnte man darüber lamentieren, dass sich Psychotherapie viel zu sehr ins Pathologische einschließt, und sich dann entweder einer breiteren Bevölkerung nur durch „Pathologisierung“ öffnet, oder aber, ein solches Leiden, das halt nicht als „pathologisch“ (womit ich nicht den terminus technicus „Krankheit“ meine) (selbst)definiert wird, ignoriert.

Aber in concreto kann man ihn nur da überreden, wo halt seine „Knackpunkte“ liegen, aber einen allgemeinen Knackpunkt gibts unterhalb des Niveaus der Fremd-/Selbstgefährdung leider nicht.

Übrigens: Bezieht sich der Titel „Unzufrieden“ nur auf seine Lebenssituation oder auch auf Deine Unzufriedenheit mit dem Testergebnis, der nicht Deinem Eindruck im Gespräch entspricht?

Viele Grüße
Franz

Dilemma
Hallo!
Erstmal danke für die Antwort!

Übrigens: Bezieht sich der Titel „Unzufrieden“ nur auf seine
Lebenssituation oder auch auf Deine Unzufriedenheit mit dem
Testergebnis, der nicht Deinem Eindruck im Gespräch
entspricht?

Was bei dem Gutachten rauskommt ist mir egal und schon überhaupt ob die Tests korrelieren oder nicht. Ich muss das nur schreiben um eine positive Seminarnote zu bekommen. Also der Titel bezieht sich absolut auf seinen Zustand.

Mir geht es um den Menschen. Ich versteh ihn einfach nicht. Ich meine, jeder von uns denkt manchmal so. Aber eben nur manchmal. Ich bin ein Mensch, der etwas an seiner Situation ändert wenn sie ihm nicht passt.
Ich hab irgendwie ein Problem mit Leuten die sagen: „He, mein Leben ist voll Scheiße und es zipft mich so an, aber es ist mir gerade zu mühsam meinen Arsch zu bewegen und was zu ändern.“ Das kommt mir so vor wie jemand, der sagt ich bin knapp vorm verhungern, ich glaub wenn ich nicht bald was esse, sterb ich, aber ich sitz grad zu bequem um zum Kühlschrank zu gehen… Das hat für mich keine Logik, außer man ist wirklich depressiv.

Scheinbar gibt es aber Leute, die total unzufrieden mit sich und der WElt sind und keinen Bock haben was dran zu ändern, obwohl sie klinisch betrachtet völlig gesund sind.

Ich will jetzt aber über die „Erkenntnis“, dass es jemandem schlecht geht, nicht einfach so hinwegsehen und so tun als wäre nichts. Dafür hab ich einen zu starken Sozialhieb.

Mein Dilemma ist, dass ich grade Wege suche jemandem aus einer Situation zu helfen, die ich selber in keinster Weise verstehen oder nachvollziehen kann.

lg infi

wundert mich nicht
Hi,

Bei dem Depressionsfragebogen ist nichts rausgekommen. Beim
LZF ist er eigentlich in fast allen Bereichen
unterdurchschnittlich zufrieden. Den EBF hab ich noch nicht
ausgewertet.

Weil Lebenszufriedenheit und Depression zwei verschiedene Konstrukte sind. Simples Beispiel: Ich arbeite gerade an einer Studie an inhaftierten Straftätern. Erwartungsgemäß liegt die Lebenszufriedenheit gerade nicht besonders hoch. Sie sind aber bei weitem nicht depressiv.
So spielen zb. Kontrollüberzeugungen eine Rolle (Wie ist die unzufriedene Lebenssituation entstanden).
Nach der kognitiven Theorie von Beck liegt bei depressiven Störungen eine unangemessene Bewertung des Wahrgenommenen vor. Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben kann ja aber durchaus eine angemessene Bewertung der momentanen Begebenheiten darstellen.
Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass eine Person eine niedrige Lebenszufriedenheit aufweist und zeitgleich nicht depressiv ist.
Ein ebenfalls wichtiger Faktor beim Vergleich von Verfahren ist die Zeitrichtung.
„Bisher habe ich die wesentlichen Dinge erreicht, die ich mir für mein Leben wünsche“ (SWLS) richtet sich auf einen gänzlich anderen Zeitraum als „In der letzten Woche, konnte ich mich zu nichts aufraffen“. (ADS)

Mir geht das ganze jetzt irgendwie nahe.
Wie kann man hemandem helfen, der absolut unzufrieden ist,
aber weder Energie noch Willen hat etwas zu ändern?

Was Du woraus schließt? der Anamnese?
Für eine therapeutische Intervention würde in diesem Fall weitere Diagnostik benötigt, um die Ursachen für die geringe Lebenszufriedenheit einzugrenzen. Selbstwert, Kontrollüberzeugungen etc. könnte man zb. ansetzen.

Was mich
absolut wundert, ist dass bei der Depression so absolut nichts
rausgekommen ist, weil derjenige mir in der Anamnese erzähl
hat er wäre häufig unglücklich und überhaupt wäre das ganze
Leben blöd, weil wir dummen Menschen uns in ein System zwängen
lassen in dem wir jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, ob wir
wollen oder nicht…
Was denkt ihr?

Dass Depressionen nichts mit der Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen oder politischen Systemen, Rollen oder Werten zu tun hat. Dass eine depressiver Mensch ganz andere Sorgen hat, als dass ihn ein System zu irgendetwas zwingt. Viel mehr ist er depressiv, weil er nicht in der Lage ist jeden Tag zur Arbeit zu gehen- unabhängig von der Frage, ob er es inhaltlich für gerechtfertigt hält, dass man arbeiten gehen soll.
Dass es eine mit Verlaub für mich schwer zu begreifende Lehre ist, wenn ihr Diagnostik (und Interpretation) übt, ohne dass Euch jmd. vorher den konkreten Gegenstand näher erklärt hat. Es sei denn, das hilflose Gefühl, das Du jetzt hast sollte Lehrziel sein.
Dass es seltsam ist, dass das was Du schreibst bislang von allen ohne hinterfragen einwandfrei als depressiv klassifiziert wurde.
Und ne Menge mehr.
Auf jeden Fall, dass man Dich halbwegs unvorbereitet in eine Situation geschubst hat, an der Du jetzt knabberst und von der ich hoffe, dass ihr Sinn und Zweck Hand und Fuß hat und Euch wenigstens im Nachhinein erläutert wird.

lg infi

lg Frosch

Hi nochmal,

Übrigens: Bezieht sich der Titel „Unzufrieden“ nur auf seine
Lebenssituation oder auch auf Deine Unzufriedenheit mit dem
Testergebnis, der nicht Deinem Eindruck im Gespräch
entspricht?

Was bei dem Gutachten rauskommt ist mir egal und schon
überhaupt ob die Tests korrelieren oder nicht. Ich muss das
nur schreiben um eine positive Seminarnote zu bekommen. Also
der Titel bezieht sich absolut auf seinen Zustand.

So meinte ich es auch nicht, sondern eher „Unzufriedenheit“ bei Dir im Sinne, wie es Bleifrosch oben jetzt näher ausgeführt hat; oder auf Grund dieser Diskrepanzerfahrung:

Scheinbar gibt es aber Leute, die total unzufrieden mit sich
und der WElt sind
obwohl sie klinisch betrachtet völlig gesund sind.

Da hat mich halt Dein Studium in Kombination mit dem (Studien)Alter draufgebracht.

Scheinbar gibt es aber Leute, die total unzufrieden mit sich
und der WElt sind und keinen Bock haben was dran zu ändern,

Mir geht es um den Menschen. Ich versteh ihn einfach nicht.
Ich meine, jeder von uns denkt manchmal so. Aber eben nur
manchmal. Ich bin ein Mensch, der etwas an seiner Situation
ändert wenn sie ihm nicht passt.

Ich kenne weder Dich noch ihn, und selbst wenn, könnte ich nur ein paar Weisheiten zum Besten geben:

  • Manche Menschen ziehen aus ihrer artikulierten Unzufriedenheit gerade ihre Lebensbefriedigung (von daher bedarf es tatsächlicher genauerem Hinsehen);
    wir alten Münchner haben dafür z.B. den Begriff „Grantler“, und der Grantler motzt rum, wo er nur kann, aber richtig unzufrieden ist er nicht, er pflegt halt eine gewisse Ästhetik seiner Existenz :wink:

  • Es gibt Situationen, die sich schlicht nicht so leicht ändern lassen (z.B. einen Job kriegen), da ist eine gewisse „Lethargie“ nicht ein Ausdruck von Depression (weder klinisch noch umgangssprachlich verstanden), sondern eine vollkommen rational Strategie, noch größere Unzufriedenheit zu vermeiden (die z.B. dadurch entstehen würde, dass er in Folge eines gescheiterten Versuchs, etwas zu ändern, die Schuld nur auf sich attribuieren würde)

  • und natürlich kann ihm auch auf Grund bestimmter Ideale und Selbst-Ideale der Weg dazu verbaut sein, die Situation, die ihm nicht passt, zu verlassen …

Ein Gedanke wie: „Die Scheiß Arbeit und die ganzen Zwänge, die Gesellschaft ist schuld, ich kann nichts dagegen machen, ich will -und muss!- mich dem ja gerade widersetzen“ ist m.E. als Gesellschaftsbeschreibung goldrichtig, aber als Kognition halt eine Anleitung zum Unglücklichsein, um es in Watzlawicks Worten zu sagen.

Aber -wie gesagt- das sind simple Weisheiten, haben mit ihm wahrscheinlich gar nix zu tun; die Ursache seiner Probleme gälte es halt noch herauszu-testen, jedenfalls ist Deine „Ausschlussdiagnose“ (in Anführungszeichen!) Depression dabei ja kein grundsätzliches Hindernis.

Viele Grüße
Franz

Aber -wie gesagt- das sind simple Weisheiten, haben mit ihm
wahrscheinlich gar nix zu tun; die Ursache seiner Probleme
gälte es halt noch herauszu-testen, jedenfalls ist Deine
„Ausschlussdiagnose“ (in Anführungszeichen!) Depression dabei
ja kein grundsätzliches Hindernis.

Und wie würdest du diese Ursachen austesten? Mit Gesprächen? Oder mit Testverfahren? Ich weiß nicht mal was ich noch fragen soll, weil er selbst von sich behauptet extrem wankelmütig zu sein und sich ständig selbst widerspricht. Wie gesagt, kann ich auch seine unzufriedenheit nicht ganz nachvollziehen, weil aus meiner Sicht, alle seine Probleme mit etwas Engagement leicht vermeidbar wären. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu dumm, um das zu verstehen…

lg infi

Ich bin mal so frei mich nochmal dranzuhängen…
Ein Stockwerk höher sagt Du „obwohl sie klinisch völlig gesund sind“.
Muss er gar nicht sein. Zumindest nicht, nur weil er im ADS nicht ausreichend punktet.

Wenn Du die Zeit hast, da weiter nachzuhaken, wäre zb. grundsätzlich ein Persönlichkeits-Screening interessant. Was mit Bandbreite. MMPI-2 oder für den Anfang FPI… NEO sowas…

Ansonsten kannst Du Dich hinsetzen und mal schauen, welche Konstrukte an der Lebenszufriedenheit noch mit dran hängen.
Selbstwert, Kontrollüberzeugung, interpersonelles Vertrauen,…
So kannst Du Dich in Eure Testbib hocken und mal stöbern, oder zb. mal zur Ideengebung bei Hogrefe bezüglich der Konstrukte schauen was noch grob im Zusammenhang stehen könnte.
Das ganze unterfütterst Du mit der verfügbaren Literatur (!) und sortierst dann nach Relevanz (schließlich sollst Du den nicht wieder fröhlich testen).

Setz Dich hin und konstruier eine vernünftige Anamnese. Wenn wer unzufrieden ist mit dem was er hat, ist es eine Frage der Kognitionen.
Entweder liegt also eine schräge kognitive Bewertung der Umstände vor oder es gibt einen (mehrere) konkrete Auslöser.
Ersteres testest Du u.a. via Inventar, letzteres im Dialog.
Du kannst zb. die „Zweigstellen“ der Entwicklungspfade abklappern, Situationen, in denen in einem jeden Lebenslauf Entscheidungen anstehen. Trau Dich nachzuhaken, wenn etwas unklar ist oder Widersprüche auftauchen. Hinterfrag die Widersprüche und finde heraus, warum A in der Situation etwas anderes ist als A in einer anderen.

Wende Dich an Deinen Lehrmeister und seh es im Sinne einer Supervision. Du musst das zu diesem Zeitpunkt nicht alles können und aus dem Ärmel schütteln. Manchmal ist es auch einfach nur schlau - und überhaupt nicht zu doof oder hilflos- sich mit jmd. zu beraten und ihn zu bitten ein Auge drauf zu werfen. Natürlich können wir das hier auch tun, aber vor Ort ist das natürlich wesentlich effektiver und sinnvoller.

Hallo!
Danke für die vielen Tips!
Also ich würde mich gerne mit meinem „Lehrmeister“ beraten. Allerdings ist sie eine aboslut blöde ******.
Sie hört nicht zu, sie nimmt sich keine Zeit für uns und macht sich über die Probleme von den Leuten lustig. Wir hatten eine Besprechung der Anamnese und sie hat das ganze überhaupt nicht ernst genommen. Ich habe allerdings wirklich den Eindruck, dass mein Proband ziemlich unglücklich ist in seiner Situation.
Ich komm mir grad so richtig dumm vor. Sie gibt mir das Gefühl, dass alles was ich tue wertlos ist. Auf der anderen Seite hab ich von meinem Praktikum her genug mitbekommen um zu wissen, dass es nie wertlos ist, jemanden helfen zu wollen, der sich elend fühlt.
Ich werd also mal auf eigene Faust ein bisschen stöbern und suchen und wenn derjenige mitmacht alles über eine längere Zeit beobachten und ein paar Sachen testen.

Danke auf jeden Fall, dass ihr mir (im Gegensatz zu derjenigen, die dafür bezhalt wird) zuhört.

ll infi

Dann nimm wen anderes
Such Dir eine nette Lehrkraft, die Dich unterstützt.
Ist das ein Co-Thera-Kurs? Arbeiten alle an ihren Geschichten weiter,
oder ist die Aktion mit der durchgeführten Testung eigentlich zu ende?
Wenn das nicht vorgesehen ist, solltest Du die Finger davon lassen! Wenn doch, such Dir wen, der Dir im Rücken steht. Es geht ja net drum ne Haxe zu braten- die kannste elimininieren, wenn was schief gelaufen ist…

Auf der anderen
Seite hab ich von meinem Praktikum her genug mitbekommen um zu
wissen, dass es nie wertlos ist, jemanden helfen zu wollen,
der sich elend fühlt.

Was Du, so wie es sich anhört, noch nicht gelernt hast, scheint mir die richtige Distanz. Natürlich ist es positiv helfen zu wollen, aber es ist nicht immer positiv das auch zu tun. Für beide Seiten. Ich fände es wichtig, sich vor Ort mit wem zu beraten, denn wenn Du Dich auf dem eigentlich gut gemeinten Weg überschätzt, hat nicht mehr nur er, sondern ihr beide ein Problem.

Ich werd also mal auf eigene Faust ein bisschen stöbern und
suchen und wenn derjenige mitmacht alles über eine längere
Zeit beobachten und ein paar Sachen testen.

Das klingt nicht danach, als ob das Projekt so angelegt ist. Eher nach einfachen Diagkurs. Lass es!
Du klingst - ohne das böse zu meinen- nach Grund anfang Haupt und es hat einen Sinn, dass Du offiziell erst befugt bist, wenn Du Dein Dipl in der Hand hast. Wenn Du was Gutes in der Sache tun willst, vermittel ihm doch, dass Du es gut fändst, wenn er sich ambulant jmd. suchst und helf ihm ggf. dabei. Wenn Dir ein Medizinstudent mit Deiner Studienerfahrung den Blinddarm rausnehmen wollte, würdest Du das machen? Traust Du ihm das zu? So ganz ohne Aufsicht?
Du bist noch net fertig und er ist kein Versuchskaninchen. Sieh zu, dass Du aufm Teppich bleibst.
Ich weiß, Du scharrst mit den Hufen, willst endlich was machen, aber dafür wirst Du die nächsten 40 Jahre noch ausreichend Gelegenheiten haben. So lange Du noch net an der Reihe bist, solltest Du die anderen machen lassen.