Hallo Christian,
ich weiß ja nicht, ob man es wagen kann, eine Ikone unseres
Jahrhunderts zu kritisieren…
nur zu!
Beim ausschnittsweisen Lesen oder TV-Sehen dieser Reihe
irritiert mich zum wiederholten Mal ein Bruch in der
Psychologie der Bücher, und es würde mich interessieren, ob es
jemandem genauso geht:
M. E. bringt Rowling zwei Ebenen durcheinander: Auf der einen
Seite ist Potter Schüler eines Internats, und seine
regelmäßigen verbotenen „Ausflüge“ (vorzugsweise nachts)
führen zum Konflikt mit den Lehrern und Strafmaßnahmen wie
Stubenarrest oder ähnlichem.
… wie in jeder typischen Schul- oder Internatsgeschichte.
Umgekehrt: auch „wirkliche“ Schüler werden in der Regel bei mehr oder weniger strafbaren Handlungen nicht mit der ganzen Härte des Gesetzes wie Erwachsene bestraft.
Außerdem: Du liest eine Fiktion und zumindest bei Teil 1 ein Kinderbuch. Es ist vom 8-12jährigen Leser nicht zu erwarten, dass er die Feinheiten echter Schulstrafmaßnahmen würdigen, d.h. im Rahmen eines Romans als solche interpretieren kann.
Zudem ist der Sinn des Ganzen ja wohl einen Helden aufzubauen. Harry in Teil1 von der Schule verwiesen? Führt dazu, dass Teile 2ff nie geschrieben/gelesen werden.
Auf der anderen Seite ist das ganze Zauberreich ja
existentiell vom Bösen bedroht und viele Personen immer wieder
in echter Todesgefahr.
tja, so ist das nunmal seit Karl May. Wer stirbt alles in Winnetou 1- 3? Wie wahrscheinlich ist die Stärke und Intelligenz von Old Shatterhand?
Noch einmal: nur wenn rund um den Helden die Welt einstürzt, und er wider erwarten ständig dem Tod von der Schippe hüpft, wird er von „naiven“ Leser als Held akzeptiert.
Gewöhnliche Alltagsgefahren bewältigen schließlich auch Du und ich.
Wenn nun gerade einige Schüler fast umgebracht wurden und
Potter oder seine Freunde als Strafe für (angebliche oder
tatsächliche) Beteiligung an der gefahrlichen Entwicklung
einem Lehrer bei einer Schreibarbeit helfen müssen oder irgend
einen Schulflur nicht mehr betreten dürfen, dann wirkt das auf
mich eher albern.
Mir scheint, Du bist schlicht erwachsen.
Geht das anderen auch so?
ömpf. Ich habe mit Harry Potter eher andere Probleme. Dass bis auf einige nette Details zaubermäßig nichts wirklich Neues passiert, zum Beispiel. Immerhin muss man aber anerkennen, dass J.K. Rowling die üblichen Topoi genial geplündert und neu aufgemischt hat.
Außerdem hat sie eine Unmenge Menschen dazu gebracht, ein oder sogar mehrere dicke Bücher zu lesen. Dafür (hier kommt die Bibliothekarin in mir durch) kriegt sie von mit 5 Sternchen von 5 möglichen.
viele grüße
Geli
Gruß!
Christian Schnaus