Urheberrecht

Es war einmal ein Autor, der suchte für sein Manuskript einen Verlag. Glücklicherweise traf er einen Literaturagenten, der sich seiner annahm und ihm einen seriösen Vertrag vorlegte. Wie es sein soll, stünde dem Agenten eine Provision zu, die der Autor auch erst im Erfolgsfall abzutreten hatte.
Wenig später nur erreichte den Autor die freudige Mitteilung, dass der Agent tatsächlich einen Verlag gefunden hätte und der Vertrag lag auch gleich dabei. Auch dieser war ordentlich und versprach dem Autor sogar ein Vorschusshonorar von über 2000 Euro, dass er bald bekommen sollte. Doch dann fiel er aus allen Wolken: Das Manuskript sollte noch lektoriert werden und dieses Lektorat müsste er bezahlen. Und zwar mit einem fünfstelligen Betrag für nich einmal 200 Seiten.

Natürlich löste der Autor die Verbindung sowohl zum Agenten wie auch zum Verlag, doch dann dachte er nach und informierte sich. Dabei kam einmal heraus, dass er kein Einzelfall ist und es den meisten Autoren dieses Agenten genau so ergangen war - sogar der Wortlaut der Korrespondenz glich sich exakt, und zum anderen, dass der Agent sowohl im Verlag wie auch in dem externen Lektoratsdienstleister die Finger geschäftlich im Spiel hatte und so über diesen Weg ganz offensichtlich die eigene Kasse aufbesser wollte. Und noch etwas machte dem Autor Sorgen: Dieser Agent, hinterhältig, wie er auch war, war sicher nicht blöde und konnte von Beginn an damit rechnen, dass wohl kaum eines seiner „Schäfchen“ auf dieses exotische Angebot eingehen würde. Doch was, bitteschön, hat denn dieser Schelm nun mit all den Manuskripten vor, die er sich auf diesem Weg erschlichen hat? Dass er Kontakte ins Ausland hat, liegt auf der Hand. Kann es denn möglich sein, dass dieser kleine Wicht auf diese Art nur an vollständige geistige Ergüsse kommen wollte, um mit ihnen Gott weiß was anzustellen?
Der Autor ist entzürnt und möchte diesem Agenten gar fürchterlich eines verpassen, ist doch vollkommen klar, dass er ihm niemals sein Werk anvertraut hätte, wenn er auch nur die leiseste Ahnung gehabt hätte. Er fühlt sich bestohlen und betrogen und fragt sich nun, ob man diesem Agenten eine Abmahnung wegen heimtückischem Diebstahl geistigen Eigentums schicken lassen könnte, denn wie soll er je erfahren, was mit seiner Geschichte passiert?

Ob jemand für diesen Autor einen Ratschlag hat?

hallo kim,

abgesehen davon, daß diese vorgehensweise des namentlich bekannten agenten sehr dubios und aufs schärfste zu verurteilen ist - wo bitte hat er gegen das urheberrecht oder gegen nutzungsrechte verstoßen?

er wollte diesen autor übern tisch ziehen und der autor hat das nicht mit sich machen lassen. es ist also auch kein sonstiger schaden entstanden. daß der „agent“ die manuskripte ohne genehmigung des autors nutzt, ist weder erwiesen noch wahrscheinlich.

Ob jemand für diesen Autor einen Ratschlag hat?

ja sicher. der rat, den ich dem autor geben würde, wäre:

  • sei froh, daß du ohne großen finanziellen schaden davon gekommen bist und verbuche restschäden (auch am ego) als lehrgeld

  • mache dich mit den teils ungeschriebenen regeln der verlagsbranche vertraut,

  • schreibe exposés, bis die schwarte kracht,

  • übe dich in geduld, wenn die antwort auf sich warten läßt,

  • nutze die wartezeit, um zu üben und noch besser zu werden

  • beteilige dich an schreibwettbewerben

  • mache einen großen bogen um alle, die deine texte loben

  • abonniere zeitschriften die die federwelt und/oder schreibe dich bei autorenforen ein. dort wirst du ausreichend informationen erhalten, um die schwarzen schafe unter den agenten erkennen zu können.

  • wenn du doch einen agenten auf freier wildbahn triffst, frage ihn nach seinen referenzen und bemühe google, was seinen und die namen der von ihm vermittelten autoren betrifft

schöne grüße
ann

Hallo Kim

Der Agent ist ein ganz besonders Schlauer: Er zieht den Autoren den
Speck durch die Nase (Honorarversprechen, Verlagsvertrag) und
versucht dann durch das Hintertürchen ein Mehrfaches des Honorares
durch Lektoratsarbeiten zu kassieren. Dass die lektorierende Firma
ihm ebenfalls gehört, ist ja klar.

Wenn dieser Typ nur drei oder vier Autoren pro Jahr über den Tisch
zieht, kann er ganz gut leben davon, bleiben ihm doch pro „Dummen“
etwa 10’000 Euro.

Natürlich ist die Masche übel. Ob man diesem unsauberen Agenten
rechtlich beikommen kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute,
dass es nur über Zahlungsverweigerung funktioniert.

Das Urheberrecht bleibt in jedem Fall beim Autor. Der Agent wird mit
dem Text nichts weiter machen, da er ja die Autoren abzocken möchte
und sich selber nicht in Unkosten stürzen will.

Gegen solche Leute hilft nur der Austausch mit Gleichgesinnten, damit
nicht noch mehr Gutgläubige in die Falle tappen.

Gruss
Heinz

PS. Die Webseite dieser Schweinbacke ist mir bekannt.