Servus,
zum Thema Elsass:
Das lässt sich schwer vorausplanen, weil man da im Oktober genausogut prächtiges Blau und Gold wie tagelangen Schnürlesregen haben kann. Immerhin, der Regenschatten der Vogesen ist da, und das sogar fast eher in den Vogesen selber als im Rheintal davor.
Da gäbe es im äußersten Norden des Unterelsass z.B.:
Die Sept Fontaines bei Drachenbronn-Birlenbach (zu Fuss ab Bahnhof Wissembourg oder Hunspach zu erreichen):
http://www.auberge7fontaines.com/
Und die Sept Chênes, um bei der Sieben zu bleiben:
http://www.tourisme67.com/fr/hebergement/fiche_hotel…
Beiläufig hat dieser Platz den Namen „Herberge“ richtig verdient - ich erinnere mich an einen Tag, an dem es trotz meines Optimismus von Wissembourg bis Langensoultzbach durchgehend und zunehmend geschifft hatte, alles war durch außer den Rucksäcken selber, wir standen in der Tür und die Wirtin hat zuallererst unsere steifgequollenen Segeltuchjacken in den Heizkeller gestellt, und bevor wir wieder die Knie und Ellbogen beugen konnten hatten wir je 1 Eisenkraut-Tissane vor uns stehen.
Die Sieben Eichen sind eine frühere Bahnhofswirtschaft, aber den Bahnhof und die Eisenbahn dazu gibt es schon lang nicht mehr. Aber den Opa, der standesgemäß auch einen Fuhrbetrieb hatte und gern vom Holzrücken erzählt, wenn es im Winter mit den vier Belgisch Kaltblut in den Wald ging.
Und natürlich die Hoeflers in Niedersteinbach:
http://www.tourisme67.com/de/hebergement/detailHR.ph…
Ein überaus heimeliges Häuslein, das sich dadurch auszeichnet, dass der Flammchueche nicht Marke „Heiße Hexe“ ist, sondern bloß Freitags gemacht wird, und da gibt es dann auch nichts anderes, weil jede Oberfläche in der Chuchi von ausgewelltem Flammchueche belegt ist. Nach meinem Gusto viel schöner als das weithin gerühmte Cheval Blanc grad gegenüber; junge, engagierte Wirtin.
Wegen spärlicher Busverbindungen am einfachsten ab Petersbaechel auf der deutschen Seite zu erreichen, einmal per Pedes über den Buckel.
Sehr lecker ist auch das „Deux Chateaux“ in Windstein:
http://fr.federal-hotel.com/hotel_hotel—aux-deux-c…
Die Wirtschaft mit Fremdenzimmern liegt hoch über dem Tal zwischen zwei wildromantischen Burgruinen - an Herbstfrühnebeltagen kann es passieren, dass unten noch die Milchsuppe schwimmt, während man zum Zimmerfenster raus schon einen rechten Eduard Mörike - Morgen hat. Der Wirt ist wohl in jüngeren Jahren viel Mopped gefahren, jedenfalls ist die Stube oft voll mit Pirmasenser Bikern. Auch hier ein Sternlein für den Flammchueche.
Näher an Niederbronn und Reichshoffen (Bahnhöfe) gelegen ist das Hotelchen in Jaegerthal:
http://fr.federal-hotel.com/hotel_hotel—du-jaegert…
Jaegerthal ist ein verwunschener, scharmanter Ort - von dort, genauer einem Eisenhammer aus dem 17. Jahrhundert, der als Ruine noch zu sehen ist, kommen die De Dietrich, die „Elsässer Krupps“. Jaegerthal garantiert Forelle blau, die eben noch im Fischkasten im Schwarzbach geschwommen ist, und Abwesenheit jeglicher Funknetze (wohl auch wegen der französischen Luftüberwachung, die von den benachbarten Höhen am Col de Pfaffenschlick bis in den Harz reicht). Bin nicht ganz sicher, ob der Fischer in Jaegerthal noch Zimmer hat, es gab da vor ein paar Jahren neue feuerpolizeiliche Bestimmungen, die vielen kleinen Wirtschaften das Kreuz gebrochen hat, weil sie u.a. ihre Eichentüren, die die letzten zweihundert Jahre gehalten hatten, plötzlich ersetzen mussten usw. Der Fischer in Jaegerthal hat auf seiner Karte und in seinem Keller noch allerhand Wein aus seiner großen Zeit, den 1950er und 1960er Jahren. Ferner zum Apéro einen Amer (fleur d’houblon) mit dem hierfür am besten geeigneten Bier, Météor.
Und dann natürlich noch das Beau Rivage am Hanauer Weiher:
http://www.tourisme.fr/tourist-office/philippsbourg-…
erreichbar ab einem Bushalt an der Linie Haguenau-Niederbronn-Bitche.
Für Oktober ist vielleicht auch interessant das Cheval Blanc in Niederbronn:
http://fr.federal-hotel.com/hotel_hotel—le-cheval-…
Ein überaus einfaches Hotelchen, aber mit bemerkenswerter Küche, die man in dem eher etwas abgelebten Haus nie erwarten würde: Alles in bester lokaler Küchenkunst, Cleebourger Riesling und Dambacher Tokaj de Gewurtz, viele lokalen Spezialitäten, die weit über den Allerwelts-Flammchueche und Baeckeoffe hinausgehen usw.
Standort in Niederbronn selber hat den Vorteil, dass man unmittelbar an der Bahn ist, so dass man bei mehrtägigem Regen auch mal mit dem Zug nach Strasbourg hineinfahren kann, oder die Niederbronner Thermalbäder heimsuchen kann: Es hat dort zwei, ein heißes - auch mit Anwendungen - und ein salziges, kaltes (18° C). Außerdem ein Spielcasino mit einem etwas morbiden Charme - in den 1950er Jahren, als die Deutschen noch nicht wieder spielen durften, gab es direkte Busse ab Karlsruhe, Baden-Baden usw., außerdem einen direkten Schlafwagen Paris-Niederbronn…
Last not least:
Nach jahrelangem Schlaf ohne Pächter ist der Engel / L’Ange in Climbach wieder zu erfreulichem Leben erwacht:
http://fr.federal-hotel.com/hotel_hotel-restaurant-d…
Nach Climbach fahren werktags außer Samstags ein paar Busse am Tag ab Wissembourg. Im Engel sind die Zimmer gut und billig, das Essen kostet ein paar Euronen, aber das ists auch wert. Vorsicht! „Tartiflette“ ist keine Vorspeise, sondern ein höchst leckeres Gericht auf der Basis von Kartoffeln und Munster, von dem ein Teller ungefähr zwanzig Kilometer Marsch aufwiegt. Nach ruhigen Tagen besser nicht angehen…
Zur Vorbereitung: In der kleinräumigen Gegend sollte man sinnvoll mit einer 1:25.000 Karte ausgerüstet sein, schon eine 1:50.000 kann zu grob sein, vor allem, weil es nicht bloß Entfernungskilometer gibt, sondern halt auch allerhand Höhenmeter, mit denen man sich sonst schnell verschätzt.
Eine hervorragende Bezugsquelle (Versand innerhalb weniger Tage) ist der Herausgeber:
http://www.ign.fr/rubrique.asp?rbr_id=1&lng_id=FR
Beim IGN gibts seit einiger Zeit als Schmankerl individuell um einen wählbaren Mittelpunkt ausgedruckte 1:25.000er Karten, die vom Basisdatenmaterial abgezogen und damit genauso präzise sind wie die fertig geschnittenen.
Ein paar Orte, die man noch in der Gegend besuchen kann (allerdings besser mit dem Radel im Zug als zu Fuß):
Die Glasbläserei in Meisenthal
Die Holzschuhmacherwerkstatt in Soucht
Die Stauferburgruine in Fleckenstein
Die Bilderbuch-Fachwerkdörflein Hunspach und Oberseebach
Die Genossenschaftskellerei in Cleebourg, Riesling***
Das (außer sonntags, wenn die Deutschen einfallen) beschauliche Städtlein Wissembourg mit allerlei Kunsthistorie
Die Zitadelle in Bitche
Das Töpferdorf Betschdorf (graues Steingut wie aus dem Westerwälder Kannebäckerland, aber im blauen Dekor und Form scharmanter als auf der deutschen Seite - Bembel vom Feinsten).
Haguenau vermeiden, das braucht man sich nicht geben.
Schöne Grüße
MM