Ursachen von Vermeidungsverhalten

Hallo zusammen,

mich würde interessieren, wie jemand zum „Vermeider“ wird.

Ich weiß nicht, ob der Begriff „Vermeidungshaltung“ ein offziell verwendeter und etablierter Begriff ist.

Ich meine damit folgende exemplarisch aufgezählte Verhaltensmuster:

Jemand hat Hemmungen, Frauen anzusprechen, weil er Angst vor einem Korb hat, oder jemand geht Prüfungen aus dem Weg, weil er Angst hat, durchzufallen und zu Versagen, jemand vermeidet öffentliche Vorträge, weil er denkt, man würde ihn auslachen, jemand ist immer freundlich und zuvorkommend, obwohl er innerlich eigentlich kocht, weil er Angst vor Streit und Konfrontation hat, etc, etc

Ist Vermeidungsverhalten ein Charakterzug oder wird dieses Verhalten erlernt, d.h. verfestigt sich dieses Muster, wenn man damit immer wieder scheinbar gute Erfahrungen gemacht hat?

Ist Vermeidungsverhalten gleichzusetzen mit Feigheit?

Wie kann man ein solches Verhaltensmuster therapieren?

Vielen Dank für Eure Hinweise!

LG Rolo

Hi Rolo!

Jemand hat Hemmungen, Frauen anzusprechen, weil er Angst vor
einem Korb hat, oder jemand geht Prüfungen aus dem Weg, weil
er Angst hat, durchzufallen und zu Versagen, jemand vermeidet
öffentliche Vorträge, weil er denkt, man würde ihn auslachen,
jemand ist immer freundlich und zuvorkommend, obwohl er
innerlich eigentlich kocht, weil er Angst vor Streit und
Konfrontation hat, etc, etc

Alls diese Erlebnisse werden ja als unangenehm bis schmerzhaft empfunden: Zurückgewiesen zu werden, in Prüfungen versagen, ausgelacht zu werden oder Streit zu haben.
Je nachdem, wie unangenehm oder verletzend das ist und wie hoch die individuelle Toleranzschwelle für diese Reize ist, versucht man dies beim nächsten Mal zu vermeiden. Das funktioniert bei manchen Menschen wie eine klassische Konditionierung.

Ist Vermeidungsverhalten ein Charakterzug oder wird dieses
Verhalten erlernt, d.h. verfestigt sich dieses Muster, wenn
man damit immer wieder scheinbar gute Erfahrungen gemacht hat?

Das glaube ich schon. Guck doch auch mal bei dir selbst: Gibt es sowas nicht auch in deinen Verhaltensmustern? Du hast etwas Verdorbenes gegessen, von dem dir tierisch schlecht wurde - würdest du das beim nächsten Mal noch mit Appetit essen?

Ist Vermeidungsverhalten gleichzusetzen mit Feigheit?

Definiere Feigheit!
Ich finde, dass dieser Ausdruck sehr viel negative Wertung enthält. Vermeidungsverhalten ist zunächst mal neutral. Willst du es denn bewerten?

Wie kann man ein solches Verhaltensmuster therapieren?

Therapieren hört sich an, als ob dieses Verhaltensmuster krankhaft ist. Würde ich auch nicht gleich bei allem so sehen.

Verändern kann man das auf jeden Fall, wenn derjenige das möchte!
Prüfungsangst (mal stark verkürzt) indem analysiert wird, wovor genau diese Angst besteht, indem eine strukturierte Vorbereitung erfolgt und Entspannungstechniken erlernt werden und Unsicherheitsfaktoren wie unbekannter Raum, unbekannter Prüfer, unbekannte Fragestellung bekannt gemacht wird.
Vorträge halten kann mit kurzen Vorträgen vor kleinen Gruppen geübt werden, bis ein Gewöhngseffekt eintritt.
usw., usf.

Vielen Dank für Eure Hinweise!

Ich hoffe, sie waren nützlich.

LiebeGrüßeChrisTine

Hi, ChrisTine,

danke erstmal. Ja, war auf alle Fälle schon mal sehr nützlich :smile:

Alls diese Erlebnisse werden ja als unangenehm bis schmerzhaft
empfunden: Zurückgewiesen zu werden, in Prüfungen versagen,
ausgelacht zu werden oder Streit zu haben.
Je nachdem, wie unangenehm oder verletzend das ist und wie
hoch die individuelle Toleranzschwelle für diese Reize ist,
versucht man dies beim nächsten Mal zu vermeiden. Das
funktioniert bei manchen Menschen wie eine klassische
Konditionierung.

Dann ist Vermeidungsverhalten letztlich eine ganz normale Schutzreaktion der Psyche? Fragt sich dann nur, warum manche auf unangenehme Erlebnisse mit Rückzug reagieren und andere sich der Sache stellen.
Womöglich, weil jeder ein Erlebnis anders interpretiert. Dann ist die nächste Frage, warum gibt es verschiedene Interpretationen? Wahrscheinlich, weil verschiedene Leute, verschiedene Erfahrungen gemacht haben. Erfahrungen sind aber wiederum interpretierte Erlebnisse. Dann sind wir wieder am Anfang. Was war zuerst? Die Henne oder das Ei? Irgendwann hat doch jeder mal seine erste Erfahrung gemacht. Woher wußte der, wie er diese Erfahrung interpretieren soll, wenn er nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann?

Ist Vermeidungsverhalten gleichzusetzen mit Feigheit?

Definiere Feigheit!
Ich finde, dass dieser Ausdruck sehr viel negative Wertung
enthält. Vermeidungsverhalten ist zunächst mal neutral. Willst
du es denn bewerten?

Ehrlich gesagt: Ich tendiere unbewußt tatsächlich zu einer Bewertung, obwohl ich eigentlich gar nicht bewerten wollte. „Vermeidung“ hat für mich so einen Beigeschmack von Schwäche. Man vermeidet offenbar Dinge, die einen überfordern und wovor man Angst hat. Eine andere Möglichkeit wäre doch, sich diesen Ängsten zu stellen, oder? Wäre das nicht die „gesündere“ Reaktion?

Wie kann man ein solches Verhaltensmuster therapieren?

Therapieren hört sich an, als ob dieses Verhaltensmuster
krankhaft ist. Würde ich auch nicht gleich bei allem so sehen.

Vielleicht nicht krankhaft, aber störend doch allemal. Wenn man eigentlich Lust auf etwas hätte, es sich aber nicht traut, dann ist das ne echt belastende Sache. Daraus entsteht Frust und Unzufriedenheit, evtl. Aggressionen gegen sich selbst, weil man sich selbt nicht verzeiht und letztlich ggf. auch Depressionen.

Vorträge halten kann mit kurzen Vorträgen vor kleinen Gruppen
geübt werden, bis ein Gewöhngseffekt eintritt.

Der Begriff „Gewöhnungseffekt“ in diesem Zusammenhang bedeutet wahrscheinlich, sich selbst empirisch zu beweisen, dass die Angst vor einer bestimmten Situation unbegründet ist und letztlich nur auf unzutreffenden Annahmen, bzw. Fehlinterpretationen der Realität beruht hat?

Sehr interessant jedenfalls…

LG Rolo

Jenseits von Bewertung
Hallo Rolo

Ist Vermeidungsverhalten ein Charakterzug oder wird dieses
Verhalten erlernt, d.h. verfestigt sich dieses Muster, wenn
man damit immer wieder scheinbar gute Erfahrungen gemacht hat?

Es it oft schwierig, zwischen seh früh erlerntem und angeborenenem Verhalten genau zu unterscheiden. Aber vielleicht ist das gar nicht so wichtig.
Wchtiger erscheint mir, das Vermeidungsverhalten einem bestimmten Reaktionstypus zuzurechnen, ohne es gleich zu bewerten.
Psychoanalytisch unterschieden wir grob
1)schizoider
2) narzisstischer
3) depressiver
4) zwanghafter
5) phobischer
6) hysterischer
Typus und seine entspreched dazugehörige Reaktionsweise.
Das von dir beschriebene Reaktionsmuster würde ich am eesten dem
p h o b i s c h e n Typ zuordnen wollen. Der hobiker m e i d e t vieles, was ihm bedrohlich oder schwierig erscheint.
Das ist aber deshalb noch lange nicht schlechter oer schlimmer ls die anderen Reaktonsweisen.
Gruß,
Branden

Ist Vermeidungsverhalten gleichzusetzen mit Feigheit?

Wie kann man ein solches Verhaltensmuster therapieren?

Vielen Dank für Eure Hinweise!

LG Rolo

Hallo, nochmal, Rolo!

danke erstmal. Ja, war auf alle Fälle schon mal sehr nützlich

-)

Na, das freut mich!

Dann ist Vermeidungsverhalten letztlich eine ganz normale
Schutzreaktion der Psyche? Fragt sich dann nur, warum manche
auf unangenehme Erlebnisse mit Rückzug reagieren und andere
sich der Sache stellen.

Weil Menschen einfach verschieden sind. Guck dir mal kleine Kinder an, wie die sich schon in ihren Charaktereigenschaften unterscheiden.

Ehrlich gesagt: Ich tendiere unbewußt tatsächlich zu einer
Bewertung, obwohl ich eigentlich gar nicht bewerten wollte.
„Vermeidung“ hat für mich so einen Beigeschmack von Schwäche.
Man vermeidet offenbar Dinge, die einen überfordern und wovor
man Angst hat. Eine andere Möglichkeit wäre doch, sich diesen
Ängsten zu stellen, oder? Wäre das nicht die „gesündere“
Reaktion?

Das mag für dich die gesündere Reaktion zu sein. Das muss nicht auf jeden so zutreffen. Hat wohl mit deinen Erfahrungen zu tun?

Vielleicht nicht krankhaft, aber störend doch allemal. Wenn
man eigentlich Lust auf etwas hätte, es sich aber nicht traut,
dann ist das ne echt belastende Sache.

Naja: Wer hat denn wirklich Lust auf ne Prüfung oder auf Streit?

Daraus entsteht Frust
und Unzufriedenheit, evtl. Aggressionen gegen sich selbst,
weil man sich selbt nicht verzeiht und letztlich ggf. auch
Depressionen.

Aber nicht bei jedem! Ich bin z.B. ein recht streitlustiger Mensch. Das hat sich auch nicht immer als vorteilhaft erwiesen und auch das hab ich mir nicht immer verziehen. Mancher lebt doch ein sehr schön ruhiges Leben, weil er sich nicht dauernd belastenden Reizen aussetzt.

Vorträge halten kann mit kurzen Vorträgen vor kleinen Gruppen
geübt werden, bis ein Gewöhngseffekt eintritt.

Der Begriff „Gewöhnungseffekt“ in diesem Zusammenhang bedeutet
wahrscheinlich, sich selbst empirisch zu beweisen, dass die
Angst vor einer bestimmten Situation unbegründet ist und
letztlich nur auf unzutreffenden Annahmen, bzw.
Fehlinterpretationen der Realität beruht hat?

Also, dass sich blamieren kann, wenn man vor einer Gruppe spricht, ist ja nicht automatisch eine unzutreffende Annahme. Aber man kann die Angst davor abbauen, wenn man sich vom Urteil anderer unabhängig macht. Das ist dann nur ein Gewöhnungseffekt an einen starken Reiz und nicht die Beseitigung einer Fehlannahme oder -interpretation.

Sehr interessant jedenfalls…

Das find ich allerdings auch! : D

LG Rolo

LGC

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Hallo Rolo

Ich weiß nicht, ob der Begriff „Vermeidungshaltung“ ein
offziell verwendeter und etablierter Begriff ist.

Ich kenne ihn aus dem Zusammenhang der Stottertherapie. Die meisten Stotterer entwickeln Vermeidungsverhalten, das z.T. sogar soweit geht, dass noch nicht mal der Ehepartner weiß, dass die betroffene Person stottert (es werden ständig Wörter, bei denen man stottern würde, durch andere ersetzt usw.). Das Vermeidungsverhalten wirkt sich negativ auf das Sozialverhalten aus und ist auch sonst psychisch sehr belastend.

Wie kann man ein solches Verhaltensmuster therapieren?

In der Stottertherapie wird gnadenlos konfrontiert. Der Patient wird aufgefordert, bewusst und übertrieben stark zu stottern. Dann muss er so übertrieben stotternd unbekannte Menschen ansprechen, anrufen usw., das nennt sich Umwelttraining. Das kann dann so aussehen, dass der Patient mehrere Wochen lang täglich in die Stadt rausgeht und in verschiedenen Geschäften Verkäufer etwas fragt, Menschen auf der Straße mit Fragen anspricht, dann von zu Hause aus am Telefon beim Friseur einen Termin ausmacht, irgendwo irgendwelche Erkundungen einholt usw., alles Sachen, die er in Wirklichkeit gar nicht wissen will. Also massive Konfrontationstherapie. Auf keinen Fall dürfen Familienmitglieder auch später der Bitte des Patienten nachgehen, für ihn irgendwo anzurufen, weil das ja angeblich einfacher sei. Gelingt es dem Patienten, das Vermeidungsverhalten dauerhaft zu überwinden, ist dies schon ein bedeutender Schritt hin zu mehr Lebensqualität.

Gruß

Anja

Hallo Rolo,
an der Basis steht für mich auch zunächst mal der Cocktail aus genetischer Disposition und frühkindlichen Erfahrungen,sprich:das Selbstvertrauen das man schon von den Eltern mitbekommen hat.
Dann gehts munter weiter mit all den Erfahrungen von Erfolg und Niederlage,die man im Leben so angesammelt hat.Wobei alle diese Erfahrungen ja auch schon wieder von deinem „Starter-Kit“ mit beeinflusst werden.Nun kann man aber auch nicht einfach die Plus-und die Minusseite aufsummieren und daraus ableiten wie ein Mensch sich verhält.Denn es gibt ja auch Leute,die kriegen ewig auf den Deckel und geben trotzdem nicht auf.Es wird also äußerst kompliziert.
Deshalb halte ich die Frage nach den Ursachen letztlich für unzureichend.
Es ist gut,wenn man die Ursachen für sich selber feststellt,aber entscheidend ist,wie gehe ich mit meinen Ängsten um.

ist die nächste Frage, warum gibt es verschiedene
Interpretationen? Wahrscheinlich, weil verschiedene Leute,
verschiedene Erfahrungen gemacht haben. Erfahrungen sind aber
wiederum interpretierte Erlebnisse.

Das ist vermutlich der Punkt,an dem man steuernd eingreifen kann.
Man hat also verschiedene Interpretationsmöglichkeiten.
z.B.:wenn man Ängste und Unsicherheiten anderer in ihrem Verhalten einbezieht,kann man eigene soziale Ängste verringern und reagiert weniger verletzt.
Konfrontation ist zwar gut,aber manchmal ist der Feind so übermächtig,dass man ihn von hinten angreifen muß.Man sollte sich im Leben öfter mal kleinere Herausforderungen stellen,die das Selbstvertrauen fördern.Dann schafft man plötzlich auch die Aufgaben,an denen man immer zu scheitern geglaubt hat.
Selbstvorwürfe sind absolut sinnlos,sie untergraben das Selbstvertrauen und blockieren das Handlungsspektrum.

Dann ist Vermeidungsverhalten letztlich eine ganz normale
Schutzreaktion der Psyche?

Ja natürlich.Es ist Basisbestandteil unserer Überlebensstrategie.
Der Erdball wäre von allen Lebewesen leergefegt,wenn wir das nicht hätten.
Ich habe mich kürzlich auch in einer etwas komplexeren Lebenssituation für Sicherheit entschieden,obwohl ich früher mein Leben oft risikofreudiger verändert habe.Man ändert sich also auch im Laufe des Lebens.Das Sicherheitsbedürfnis wächst.
Ansonsten fällt mir nur noch eine nette Geschichte aus einem Buch von Harriet Lerner ein:ein Ängstlicher fragt einen,der aus der Achterbahn kommt,wie er denn seine Angst überwinde.worauf der antwortet:man überwindet die Angst nicht,man kauft sich eine Karte!:smile:

grüsse
Heidi

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Hallo, Tumiart,

die Frage nach den Ursachen ist ebenso interessant, wie vielleicht unwichtig.

Da gibt es in der Psychotherapie - wenn ich es recht verstanden habe -verschiedene Ansätze.
Manche halten die Ursachenforschung für die Problemlösung unerläßlich, andere meinen, dass die Suche nach den Ursachen in der Vergangenheit Zeitverschwendung sei und konzentrieren sich auf das Problem im Hier und Jetzt, weil sie der Auffassung sind, dass es einem Betroffenen nicht nutzt, wenn er weiß, WARUM er z. B. schüchtern oder ängstlich geworden ist.

MICH persönlich interessieren die Ursachen sehr, weil ich der Meinung bin, dass man sich selbst erst einmal besser kennenlernen und verstehen muss, bevor man sich ändern kann. Aber das ist nur meine persönliche und gänzlich unwissenschaftliche Annahme.

Mit der Angst ist es eine seltsame Sache. Ob man bei einem Vortrag ausgelacht worden wäre oder ob einem eine Frau tatsächlich einen Korb verpaßt hätte, ist gar nicht wichtig. Allein die Annahme, dass es hätte sein können, reicht bereits aus, dass man es sein läßt. Und was ist, wenn man sich getäuscht hat und umsonst vorsichtig war??? Man wird es nie erfahren.

Insofern ist Vermeidung auch eine Strategie der SELBSTBESCHRÄNKUNG, weil man ja nicht nur in begründeten Fällen Angst hat, sondern in ALLEN gleichgelagerten Fällen.
Denn es ist ja sehr unwahrscheinlich, dass man z. B. von JEDER Frau nen Korb bekommen würde. Man weiß halt leider nicht, von welcher schon und von welcher nicht, also spricht man vorsichtshalber KEINE an.

LG Rolo

Hallo Rolo,

MICH persönlich interessieren die Ursachen sehr, weil ich der
Meinung bin, dass man sich selbst erst einmal besser
kennenlernen und verstehen muss, bevor man sich ändern kann.
Aber das ist nur meine persönliche und gänzlich
unwissenschaftliche Annahme.

Meine Annahmen dazu sind auch gänzlich unwissenschaftlich.Und ich bin absolut deiner Meinung,dass Kenntnis der Ursachen hilfreich ist.
In der Psychotherapie haben bestimmt sowohl die Psychoanalyse,als auch die Positive Psychologie ihre Existenzberechtigung.
Man sollte sich aus allen verfügbaren Strömungen das Beste herauspicken.
Allerdings sollte man auch berücksichtigen,dass wir hier von alltäglichen Lebensproblemen,und nicht von schweren psychischen Störungen sprechen.Z.B.muß ich ständig (beruflich) Entscheidungen treffen,von denen ich keine Ahnung habe,wo sie hin führen.
Dabei wünschte ich mir nichts sehnlicher,als dass ich am Anfang eines Weges bereits an dessen Ende das Schild „Erfolg“ sehen könnte.Das wär so schön einfach.So ist es aber nie.Das ist der alltägliche Horror.
Wenn ich mich hier mit reiner Ursachenforschung aufhalte,würde ich buchstäblich verhungern:wink: Manchmal muß man einfach machen.

Allein die Annahme, dass es hätte sein können, reicht bereits
aus, dass man es sein läßt. Und was ist, wenn man sich
getäuscht hat und umsonst vorsichtig war??? Man wird es nie
erfahren.

und das ist doch noch grausamer,oder?
Sowas passiert jedem.Aber eine nächste Chance gibt es immer.

Insofern ist Vermeidung auch eine Strategie der
SELBSTBESCHRÄNKUNG, weil man ja nicht nur in begründeten
Fällen Angst hat, sondern in ALLEN gleichgelagerten Fällen.

Das stimmt.Aber so funktioniert unser Gehirn nun mal.
Es greift auf bekannte Schutzmechanismen zurück.Es fährt immer die gleichen neuronalen Bahnen.Deshalb halte ich es für wichtig,dass man neuartige Situationen schafft,Lebensumstände verändert,neue Dinge tut,um "andersgelagerte Fälle"zu schaffen,in denen das Gehirn sich umorientiert.

Denn es ist ja sehr unwahrscheinlich, dass man z. B. von JEDER
Frau nen Korb bekommen würde. Man weiß halt leider nicht, von
welcher schon und von welcher nicht, also spricht man
vorsichtshalber KEINE an.

Man kann sich ja auch von einer Frau ansprechen lassen.Ihr Männer müsst heutzutage die ganze Arbeit nicht mehr alleine machen!

grüsse
Heidi

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Hallo,
so allgemein wie die Fragestellung war, ist jegliches Meidverhalten
IMHO doch aber erstmal nur ganz normale Anpassung an die Umwelt
und somit eine evolutionär entwickelte Strategie um möglichst gut
zu überleben. Ich sehe in den Beipielen noch gar nicht viel
krankhaftes oder außer den Norm liegendes Verhalten, oder?
Gruß Uwi

Ist Vermeidungsverhalten ein Charakterzug oder wird dieses
Verhalten erlernt, d.h. verfestigt sich dieses Muster, wenn
man damit immer wieder scheinbar gute Erfahrungen gemacht hat?

Es it oft schwierig, zwischen seh früh erlerntem und
angeborenenem Verhalten genau zu unterscheiden. Aber
vielleicht ist das gar nicht so wichtig.
Wchtiger erscheint mir, das Vermeidungsverhalten einem
bestimmten Reaktionstypus zuzurechnen, ohne es gleich zu
bewerten.
Psychoanalytisch unterschieden wir grob
1)schizoider
2) narzisstischer
3) depressiver
4) zwanghafter
5) phobischer
6) hysterischer
Typus und seine entspreched dazugehörige Reaktionsweise.
Das von dir beschriebene Reaktionsmuster würde ich am eesten
dem
p h o b i s c h e n Typ zuordnen wollen. Der hobiker m e i
d e t vieles, was ihm bedrohlich oder schwierig erscheint.
Das ist aber deshalb noch lange nicht schlechter oer schlimmer
ls die anderen Reaktonsweisen.
Gruß,
Branden

Ist Vermeidungsverhalten gleichzusetzen mit Feigheit?

Wie kann man ein solches Verhaltensmuster therapieren?

Vielen Dank für Eure Hinweise!

LG Rolo

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ich denke, dass es unterschiedliche arten von vermeidung gibt.man muß unterscheiden zwichen „normaler“ vermeidung und vermeidung aus psychiatrischen gründen.wir alle vermeiden unangenehme dinge,wie streit oder situationen,bei denen man schon schlechte erfahrungen gemacht hat. anders sieht es aus bei menschen mit diversen psychischen erkrankungen.ich habe angst vorm u-bahn,s-bahn,bus und tram fahren.deshalb gehe ich viel zu fuss oder nehme ein taxi.manchmal lasse ich mich von jemanden begleiten.es gibt da noch etliche andere beispiele.
wichtig ist in diesem zusammenhang, ob die vermeidende person einen leidensdruck verspürt.bei meinem beispiel ist es die einschränkung meiner mobilität.

hi,

man kann es auch über das grundbedürfnis nach lust und unlustvermeidung (nach grawe) erklären. wir vermeiden alle gerne aversive gefühle. wenn ich also angst vor etwas habe, meide ich es und das bedeutet unlustvermeidung.

das klassische erklärungsmuster der negativen verstärkung bietet sich auch gut an: ein reiz ist unangenehm, wird dann entfernt (oder gemieden) und löst dadurch einen wieder angenehmen zustand aus, wie eine belohnung. das giesst öl ins feuer der angst!

verhaltenstherapeuten gehen so ran, dass man das den patienten erklärt und sie beim ertragen der angst vorübergehend unterstützt und begleitet. dadurch verschlischt zunehmend das feuer der angst.

tiefenpsychologen klären innere konflikte im gespräch mit dem patienten, die der angst zugrunde liegen. man sucht sich als mensch oft ängst aus, die aber nur symbolisch sind für früheres oder tieferes. das kann man prinzipiell ausräumen, so dass symptome überflüssig werden. das funktioniert!

feigheit???
ist der soldat, der vor dem kugelhagel wegrennt, feige oder schlau?

für mich gibt es keine feigheit. entweder jemand hat begündete angst (und die darf nicht diskriminiert werden!) oder jemand ist einfach sehr mutig und vielleicht mutiger als andere.

Hi Uwi

so allgemein wie die Fragestellung war, ist jegliches
Meidverhalten
IMHO doch aber erstmal nur ganz normale Anpassung an die
Umwelt
und somit eine evolutionär entwickelte Strategie um möglichst
gut
zu überleben.

GR7ndsätzlich ja, aber im Detail sieht man ja auch, wie unterschiedlich die Menschen mit versch. Situationen umgehen. Manche sind regelrecht phobisch allemMglichen gegenüber und geraten dann in ihrer Biografie natürlich auf andere „Stellplätze“ als die, welche mit deutlichem „adgredi“ auf die „Objekte“ zugehen.
Hier ist dann ja auch schon ein elementarer Zugang zu psychotherapeutischem Arbeiten.

Ich sehe in den Beipielen noch gar nicht viel
krankhaftes oder außer den Norm liegendes Verhalten, oder?

Wiegesagt: Da die Verhaltensweisen bezüglich des „Herangehens“ ans Objekt sehr unterschiedlich sind, ist hier ein sinnvolles Feld, um tätig zu werden. :wink:
Gruß,
Branden

Begründete Angst
Hi, Alpha,

wenn Angst begründet ist, ist die Sache ohnehin klar. Dann ist Vermeidung genau die richtige Verhaltensweise.

Das Problem ist doch aber, dass viele unserer Ängst möglicherweise eben NICHT begründet sind. Für das Vermeidungsverhalten macht das dummerweise aber keinen Unterschied. Und das Gemeine ist, dass wir nicht wissen, welche Ängste begründet und welche unbegründet sind.

Ein Beispiel dazu:

Ich glaube ich war schon Mitte 20 oder so, als ich mich das erstemal getraut habe, in einer Disko auf die Tanzfläche zu gehn. All die Jahre vorher hab ich mir immer eingebildet, ich würde ausgelacht. Hab mich beobachtet gefühlt, etc.

Tatsache ist aber, dass es erstens niemanden interessiert hat, ob und wie ich tanze und zweitens hab ich das ganz gut gemacht.

Für mich ein typisches Beispiel von unbegründeter Angst und davon, dass Vermeidungsverhalten auch lebensbeschränkend wirken kann.

LG Rolo

Hallo,

die Sache mit den „begründeten“ Ängsten verstehe ich anders.

Die Angst, die Du schilderst: nämlich davor, auf die Disco-Tanzfläche zu gehen, und dort womöglich ausgelacht zu werden, diese Angst kenne ich auch. Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß nichts dergleichen passiert, und daß es gar niemand interessiert.

Ich bin mir sicher, daß sich zumindest bei mir eine viel allgemeinere Angst dahinter verbirgt: eine Angst davor, mich zu exponieren, den Blicken anderer ausgesetzt zu werden, die Angst vor Beschämung. Und in meiner Kindheit und Jugend gab es manche Situation der Beschämung, wenn auch nicht in Discos, sondern in anderen Zusammenhängen. Die äußere Kulisse mag also wechseln, das Grundthema der Angst kenne ich, es ist gleich geblieben.

Deswegen greift es zu kurz und wäre es zu einfach, nur die konkrete Situation zu betrachten und den Schluß zu ziehen, da passiere eh nichts und sei die Angst daher unbegründet.

Du kennst die Vorgeschichte eines anderen Menschen nur in seltenen Fällen gut genug. Vorschnell Urteile zu fällen wie Feigheit oder Schwäche erscheint mir daher nicht nur sachlich falsch, sondern zudem auch respektlos.

Grüße,

I.

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Hi, Idomeneo

die Angst in einer konkreten Situation könnte also lediglich ein Symptom einer tieferliegenden Ursache (allgemeinere Angst) sein. Ja, das macht Sinn. Leuchtet mir ein.

Ich wollte übrigens niemanden verurteilen! Warum sollte ich? Es ging mir eher darum, das Verhalten anderer und mein eigenes Verhalten, besser zu verstehen.

Ausgangspunkt war ja die Überlegung, ob man sich durch
Vermeidungsverhalten unter Umständen nicht auch schaden kann. (Stichwort: Frustfalle). Es ist meiner Meinung nach wichtig, seine Ängste und Befürchtungen immerwieder kritisch zu hinterfragen.

Bleiben wir bei dem Beispiel mit der Disco und dem Tanzen:

Was glaubst du, wie oft ich früher unzufrieden und frustriert von der Disco nachhause gekommen bin, weil ich eigentlich gerne getanzt hätte, es mich aber nie getraut habe. Ob das meiner psychischen Gesundheit gut getan hat? Ich glaube nicht!

Vor allem war es völlig umsonst, nicht auf die Tanzfläche gegangen zu sein, weil die Angst unbegründet war. Das hat niemandem etwas genutzt. Ich habe mich letztlich nur um eine Menge Spaß gebracht, sonst nichts.

Schönes WoE, Rolo

Hallo Rolo,

ich versuche, es noch etwas deutlicher zu sagen:

Du hast recht, wenn Du meinst, in der konkreten Situation, z. B. Tanzen in der Disco, ist die Angst unbegründet, weil eh niemand lacht und auch sonst nichts Schlimmes passiert.

Die Angst ist aber insofern doch begründet, wenn es im Leben bisher bereits andere Situationen gegeben hat, vielleicht in der Schule, oder in der Familie, in der Tanzschule usw., wo dieselben Gefühle ausgelöst worden sind: z. B. Scham. Es gibt also vielleicht tausende mögliche Situationen im Leben, die alle voneinander verschieden sind, aber nur eine Handvoll Grundthemen, die in vielen Variationen immer wieder vorkommen, wie z. B. Verliebtheit & Begehren, Trennung, Verlust, Schuld, Scham…

Für die Situationen in ihrer Vielfalt gibt es das episodische (explizite, narrative) Gedächtnis, für ihren emotionalen Gehalt gibt es ein eigenes emotionales Gedächtnis, das älter ist und nicht zwischen äußerlich unterschiedlichen Situationen differenziert. Dies führt dazu, das der Besuch in der Disco mit irgendwelchen anderen vergangenen Erlebnissen gekoppelt wird: weil es dieselben Emotionen betrifft.

Nun sehe ich zwei Möglichkeiten, eventuell miteinander kombiniert:

Man kann die konkrete Situation kontraphobisch angehen und, in Deinem Beispiel, trotz der Angst in der Disco tanzen. Das ist am Anfang sicherlich anstregend (weil der Ballast vergangener Erlebnisse daran hängt), dann macht man die Erfahrung, daß eh nichts Schlimmes passiert, und es wird immer leichter.

Und man kann sich mit dem zur Situation zugehörigen Grundthema auseinandersetzen, mit dem Ergebnis, daß es einem vielleicht nicht mehr soviel ausmacht, wenn man sich tatsächlich etwas ungeschickt auf der Tanzfläche anstellt und jemand deswegen lacht. Das wäre wie eine Entkopplung vom Ballast vergangener Erlebnisse.

Grüße,

I.

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Hi, Idomeneo,

echt guter Beitrag. Danke!

Ein Hobbypsychologe hat mal zu mir gesagt „Nimm Dich ernst!“ Hab lange Zeit nicht verstanden, was er damit gemeint hat.
Dank Deiner Zeilen habe ich jetzt ne Ahnung: Wenn ich Angst vor etwas habe, dann ist die Angst schon alleine deshalb begründet, weil ich sie habe. Basta! Da gibt es nix zu hinterfragen. Ich habe diese Angst garantiert nicht umnsonst. Dafür gibt es Gründe. Punkt.

Hab z. B. auch Panik vor Wasser. Hab mich im Urlaub mal zu nem Tauchgang durchgerungen. So ca. 10 Meter tief gings dann runter für etwa ne halbe Stunde. Ich hatte Todesangst und war kurz vor ner Panik. Hab zum Glück die Kurve gekratzt und bin wieder heil oben angekommen. Was ich damit sagen will: Ich war zwar sehr stolz auf mich, das mal gemacht zu haben. Andererseits: Wenn ich es wieder machen würde, hätte ich wieder Angst. Es ist nicht so, dass ich das jetzt alles ganz locker machen könnte, weil ich jetzt ja weiß, dass meine Panik nur im Kopf existiert hat.

Die zugrundeliegenden Ursachen all dieser Ängste rauszufinden, wäre sicher mal ganz interessant und ne Megaaufgabe für nen Psychologen.

Intellektuell läßt sich dieses Problem wahrscheinlich nicht lösen…

LG Rolo