Hi
Ich habe einmal gelesen (Spüre die Welt / Tor Norretranders),
daß sich die monotheistischen Religionen mit der Entwicklung
des Bewußtseins herausgebildet haben.
hm -
es ist einerseits sehr leicht, sich mit heute gebräuchlichem Vokabular Gedanken zurechtzulegen, wie es denn früher mal gewesen sein könnte, wie Menschen vor 5000 Jahren wohl gedacht haben mögen. Insbesondere ist das leicht, wenn man dieses Vokabular obendrein ohne Kontrolle verwendet, ob man es auch in der Korrekten Terminologie der Wissenschaften gebraucht, aus denen man es sich geliehen hat - Psychologie, Philosophie. Und genau das tuen eben viele Autoren… Das ist ja auch gerade diese „Nicht-Methode“, durch die das totale begriffliche Chaos entsteht, von dem die sogenannte „Esoterik“-Szene lebt (mit ihrem manchmal durchaus - auch religionsgeschichtlich - interessanten Freiraum für die Phantasie).
Andererseits: wenn man wirklich wissen will, wie in früheren Kuturen gedacht wurde, dann muß man sich an die endlose Knochenarbeit machen, aus Spuren, Dokumenten, Artefakten von früheren Kulturen durch Vergleiche, Ähnlichkeiten, Analogien, durch Übersetzungsprobleme und Interpretationsprobleme sich durchzuackern, um dann eventuell Rückschlüsse ziehen zu können auf deren Denkweisen.
Aber gerade in Bezug auf die Poly-/Monotheismusfrage genügt auch das nicht. Daher ist die Frage, welche Form historisch ursprünglicher ist, in der Religionswissenschaft immer noch ein Gegenstand der Auseinandersetzung.
Vielleicht eine kleine Empfehlung hierzu:
Andre Leroi-Gourhan: Die Religionen der Vorgeschichte.
Frankfurt 1981
und natürlich:
Mircea Eliade: Die Religionen und das Heilige
(gibt ne Neuauflage…)
Wie ich ja schon in dem Artikel oben beschrieb, muß man sehr genau darauf achten, ob die Begriffe, Götter, Dämonen, Geister, Engel, Heilige usw. in einer kommunikablen (also mindestens einheitlichen) Weise verwendet werden. Aber selbst das bringt noch nicht viel, weil die Kulturen für ihre Wesen ja eigene Ausdrücke haben, deren Übersetzungswerte und Bedeutungen wiederum kontrovers sind. So sind z.B. die „deva“ in den vedischen Religionen durchweg „gute“ Götter, aber in der Polemik des Sarathuschtra (Zarathustra, Zoroaster) im antiken Persien gegen die vedischen Konzepte sind die deva plötzlich Geister mit negativen Bewertungen…
Und wie genau man differenzieren muß, worüber man bei poly-göttlichen Wesen spricht, darüber hab ich ja auch im Artikel oben einige Beispiele aufgezählt. Es kommt eben drauf an, was man unter einem „Gott“ jeweils versteht…
Insbesondere ist ein Monotheismus im eigentlichen Sinne, daß es nur einen einzigen Gott gibt (zu dem sich aber eine ganze Reihe weniger göttlicher Wesen gesellen !!!) nur im Christentum, im späteren Judaismus und im Islam bekannt. Und ein absoluter Monotheismus, wie ich ihn im obigen Artikel zu definieren versuchte, existiert heute überhaupt nicht…
Eher unterbewußte
Kulturen hatten die Polytheistischen Religionen.
Das ist eben die Frage, was „eher unterbewußt“ heißen soll…
Der
Sündenfall in der Bibel ist also die Entstehung des
Bewußtseins.
Dieser Mythos „ist“ nicht die „Enststehung“ des Bewußtseins, sondern ein Ausdruck für das entscheidende Problem des MORALISCHEN Bewußtseins: Daß es eben dem Menschen allein überlassen ist, mit einem Unterschied von „moralisch gut“ und „moralisch böse“ fertig zu werden (womit wir wiederum bei der Ethik und dem Freien Willen wären…*gg*).
Meine persönliche Meinung ist viel eher, daß es zuerst
polytheistische Naturreligionen gab, weil sich die Leute alles
um sich herum nicht erklären konnten, und für alles einen Gott
brauchten.
Kein Grund, nicht für „alles“ auch nur einen einzigen „Gott“ verantwortlich zu machen…
Später, als es die ersten Kulturen gab…
Auch die früheren Kulturen waren Kulturen
… wurde alles
Unerklärliche auf die Frage nach dem Schöpfer reduziert, nach
dem Ursprung des Universums, nach dem Leben nach dem Tod.
Eine riesige Menge von Schöpfungsmythen (kosmogonische Mythen, die auch das Wesen von Leben und Tod beinhalten) sind aus Kulturen bekannt (lange vor den Israeliten, bei denen fast alle Schöpfungs-Elemente von anderen Kulturen „ausgeliehen“ - wenn auch umgewandelt - wurden), die VIELE Göttergestalten kannten.
So - kürzer ging das statement leider nicht
)
it’s not so easy
Gruß
M.G.