Hallo Leute!
Ein Freund hatte eine lange Ehe hinter sich. Er hat die Frau total geliebt. Nachdem sie sich von ihm getrennt hat, meinte er, sein Urvertrauen sei zerstört worden. (Und es sei bis heute zerstört).
So was hatte ich bislang noch nie gehört, daher fragte ich eine Freundin, ob sie dergleichen bereits schon mal gehört oder erlebt hätte.
Und sie sagte, es ging ihr genauso, nachdem ihre erste Beziehung auseinander brach. Auch bei ihr sei das Urvertrauen bis auf den heutigen Tag zerstört worden.
(Da denke ich, was´n Glück ich doch hatte, hatte nie ein Urvertrauen entwickeln können, da weiß ich im Gegensatz zu o.g. wenigstens nicht, was mir zerstört wurde…)
Meine Frage ist die, ob es wirklich möglich ist, wenn einem Kind ein Urvertrauen mitgegeben wurde, ob dies durch schmerzvolle Erfahrungen von Trennung zerstört werden kann? Oder benutzen die Betreffenden das Wort nur falsch und meinen ihr Vertrauen in die Liebe?
Grüße,
jeanne
Hallo Jeanne,
Oder benutzen die Betreffenden das Wort nur falsch und meinen
ihr Vertrauen in die Liebe?
das glaube ich eher. Der Begriff „Urvertrauen“ stammt aus der Theorie der psychosozialen Entwicklung des Psychoanalytikers Erik H. Erikson. Dieser Theorie zufolge entwickelt sich das Urvertrauen in der frühesten Kindheit in Kontakt mit der Mutter / Hauptpflegeperson. Ungünstige Bedingungen wie mangelnde Zuneigung oder Mißhandlungen können dazu führen, daß sich das Urvertrauen nicht in dem Maße herausbildet, wie es notwendig wäre, um im späteren Erwachsenenalter emotional erfüllende Beziehungen zu anderen Erwachsenen aufzubauen. Spätere Probleme in Partnerschaften können demnach also auf Störungen in der Entwicklung des Urvertrauens in der Kindheit zurückzuführen sein.
Grüße
Hallo Jeanne,
ich kenne den Begriff „Urvertrauen“ auch nur in Bezug auf die früheste Kindheit. Wenn ich mich recht erinnere, bezieht sich das auf die Entwicklung des Kindes zwischen dem 0. und 4. Lebensjahr.
Das Urvertrauen ist sicher Grundlage für das Vertrauen in sich selbst und das Vertrauen, dass man anderen gegenüber bringen kann.
Klar ist es hart, wenn eine langjährige Beziehung zerbricht. Derjenige, der geht hat vermutlich schon längere Zeit gedanklich „den Koffer gepackt“. Diese „Gedankenarbeit“ muss der andere erst einmal nachholen.
Ich glaub das auch nicht, dass so eine Trennung aus heiterem Himmel kommt.
Liebe Grüße
usch
Hallo, ja das hat aber eher etwas damit zu tun, dass die Person dann das vertrauen in sich selbst und eben den Bezugspersonen nicht aufbauen konnte, also das Vertrrauen darauf, dass man obwohl man vielleicht mal was angestellt hat, dennoch von Mami geliebt wird. Aber ob man wirklich in derselben Art auch von einem Partner geliebt wird, ist da eher fraglich. Das ist doch schon eine andere Liebe.
Ich denke schon das bei den Verlassenen das Vertrauen in eine neue Bezihung erst langsam wachsen muss, allerdings vermute ich eher, dass sie einfach vergessen haben, das Liebe am anfang einer Beziehung etwas noch wieder ganz anderes bedeutet, als bei einer längerfristigen Kiste.
Ich hab bei vielen Paaren die sich nach längerer Zeit getrennt haben eher das gefühl, dass sie eben gar nicht dieses tiefe partnerschaftliche Lieben wollen, sondern eben eher das ewige Glücksgefühl wie beim Verliebtsein. Nur das hält nunmal nicht ewig… Sondern irgendwann kommen die Macken raus, an denen man sich dann entweder reibt oder es in sich hineinfrisst.
Oder man liebt denjenigen einfach trotz der Macken oder besser noch wegen der macken.
Gruß Susanne
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Hallo Aiwendil!
Danke für deine Zeilen (ein Danke auch an die anderen, die geantwortet haben!), aber die Antworten sind leider keine Antworten auf meine Frage!
Ich weiß, wann und wie das Urvertrauen entsteht bzw. verhindert wird.
Meine Frage ist die, ob, wenn ein Mensch ein Urvertrauen mitbekommen hat, es möglich ist, dass dieses Urvertrauen durch eine gescheiterte Beziehung wieder zunichte gemacht werden kann.
Oder meinst du mit deinen Zeilen, dass in dem Fall, in dem der Betreffende das so erlebt, sein Urvertrauen nicht wirklich stabil war und die Trennung ihn daher so stark trifft?
fragt jeanne
Hallo Jeanne,
Danke für deine Zeilen (ein Danke auch an die anderen, die
geantwortet haben!), aber die Antworten sind leider keine
Antworten auf meine Frage!
doch. Ich bezog mich auf Eriksons Begriff des Urvertrauens und darauf, wie dieses gebildet wird. Demnach ist für die Entwicklung des Urvertrauens die früheste Kindheitsphase entscheidend und nicht Erlebnisse im Erwachsenalter. Damit ist die Frage schon beantwortet. (Natürlich kann man gern weiter darüber diskutieren, d.h. die Sache ist nicht abgeschlossen mit dieser Antwort).
Oder meinst du mit deinen Zeilen,
Mit meiner letzten Zeile deutete ich an,
dass in dem Fall, in dem der Betreffende das so erlebt, sein
Urvertrauen nicht
so entwickelt sein könnte (!), wie es hätte sein müssen, damit er die Partnerschaft und ihr Ende anders erlebt, ja.
Ach, noch etwas: Ja, ich bezog mich auf die „orthodoxe“ Lesart von Eriksons Theorie. Klar kann man die Sache mit dem Urvertrauen auch anders interpretieren und den Begriff Urvertrauen anders benutzen, so wie man eine Kuh auch für einen Ochsen halten kann. Es ist dann bloß nicht die gleiche Sicht auf die Dinge und diese andere Sicht führt zu anderen Schlußfolgerungen.
Grüße
Hallo Susanne,
ich glaube, Du hast richtig zwischen den beiden hier diskutierten Vertrauensarten unterschieden. So, wie Du es beschreibst, denke ich zumindest, daß ich es auch sehe.
Beste Grüße
Hallo,
Kind ein Urvertrauen mitgegeben wurde, ob dies durch
schmerzvolle Erfahrungen von Trennung zerstört werden kann?
Deine Beispiele und viele Beispiele, die ich hier anführen könnte beweisen, daß es so sein kann.
Oder benutzen die Betreffenden das Wort nur falsch und meinen
ihr Vertrauen in die Liebe?
Wenn, dann verlieren sie nicht das Vertrauen in die Liebe, sondern das uneingeschränkte Vertrauen an das Gute im Menschen.
Gruß Steffi
Wenn, dann verlieren sie nicht das Vertrauen in die Liebe,
sondern das uneingeschränkte Vertrauen an das Gute im
Menschen.
Hallo Steffie,
gibt es denn irgend jemand, der das noch hat?
Irgenwann zerbricht uns das Leben doch alle, den einen früher, den anderen später…
Gruß, Nemo.