Valoron und schlechte Pflege

Hallo,

ich betreue mehrere Kinder und Jugendliche mit Behinderungen.
Ein Kind hat einen Gendefekt (so die Akte) und ist mit seinen 10 Jahren nicht weiter als ein Säugling entwickelt.
Was mich wundert: Er bekommt drei Mal 10 Tropfen täglich Valoron (ich kann sein Körpergewicht nicht schätzen, aber das sind noch lange keine 35kg), welches ein starkes Schmerzmittel ist.
Schmerzen hat er unseren Informationen nach keine. Sein Vater ist Arzt. Trotzdem halte ich diese Menge für unangemessen.
Was meint ihr? Ein Grund zur Besorgnis?

Außerdem werden bei ihm keine Zähne geputzt (Anweisung der Eltern), was nach etwa 10 Jahren Babynahrung entsprechende Folgen hat.
Die Zähne sehen aus, als ob sie ineinander übergehen, zudem tiefgelb mit schwarz und grün.
Grenzt das nicht schon an ein Unterlassen von Pflege?
Wie seht ihr das? Muss man das melden? Auf der Arbeit weiß das jeder, aber kann man da wirklich nur zuschauen?

Gruß
Tato

Hallo,

warum bekommt das Kind denn Valoron? Ihr habt doch sicherlich auch eine Krankenakte über das Kind.

Weswegen keine Zähne geputz werden sollen, weiss ich nicht. Human finde ich die ganze Geschichte nicht.

Habe gerade das hier gefunden:
"Gut vertragen werden auch Valoron N Tropfen; die Dosierung liegt bei 1 Tropfen pro Lebensjahr bzw. 1 bis 1,5 mg Tilidin/kg KG. Die Medikation kann vier- bis sechsmal pro Tag gegeben werden. "

Quelle:http://www.schmerz-therapie-deutschland.de/pages/zei…

Von daher stimmt es mit der Dosierung.

Manu

Hallo Manou,

warum bekommt das Kind denn Valoron? Ihr habt doch sicherlich
auch eine Krankenakte über das Kind.

Naja, wir haben bloß eine Akte mit den Erläuterungen der Eltern und mit eigenen Kommentaren.
Irgendwelche Schmerzen, die regelmäßig ein starkes Schmerzmittel notwendig machen, sind nicht verzeichnet.

Weswegen keine Zähne geputz werden sollen, weiss ich nicht.
Human finde ich die ganze Geschichte nicht.

Er bekommt täglich immer einen ganz normalen Babybrei - keine Abwechslung, keine Reize - nichts. Das mir dem Zähneputzen finde ich extrem, denn die sind schon richtig verfault. Vielleicht hat er Zahnschmerzen?
Gebadet wird einmal in der Woche. Die Fingernägel sind recht lang, doch wir dürfen die nicht (gegen die Anweisungen der Eltern) schneiden. Laut Verordnung wäre das Körperverletzung(???).

Habe gerade das hier gefunden:
„Gut vertragen werden auch Valoron N Tropfen; die Dosierung
liegt bei 1 Tropfen pro Lebensjahr…“

Ok. In der Packungsbeilage stand 35 kg: 10 Tropfen, doch soviel wiegt er niemals. Wie ist die Dosierung in diesem Fall? Er ist ja sehr klein, geht es da trotzdem nach Alter?

Gruß
Tato

Moin,

die Zahnschmerzen, die das mit sich bringt, lassen sich wohl nur durch Valoron mindern…
Alkles weitere: Ohne Worte!

Hallo Tato!

Mein erster Gedanke war auch Unverständnis und Kopfschütteln.

Dann aber dachte ich, ob z.B. Zähneputzen das Kind womöglich dermaßen unter Stress setzt, dass es darunter mehr leidet als für uns vorstellbar ist?
Weil der Vater Arzt ist, müsste er eigentlich aus doppeltem Grund an einer optimalen Versorgung seines Kindes interessiert sein.

Hast Du ihn mal direkt darauf angesprochen?
Das wäre - so finde ich - der erste Schritt zum Verstehen der Hintergründe.

Angelika

Hallo Tato,

ich weiss nicht, was für eine Einrichtung ihr seid.
Ihr setzt euch doch sicherlich mal zusammen und besprecht eure Patienten. Und irgendjemand wird bei euch den Zepter in der Hand haben, was sagen die denn?
Können die nicht mit den Eltern sprechen?
Ist das Kind bei euch-oder ihr bei denen? Und wie lange?

Valoron gibt man nach dem Gewicht, Alter spielt aber wohl auch eine Rolle , zumindestens im Kindesalter

Manu

hi,

ich denke dass es ein Kommunikationsproblem zwischen den Eltern und dem Team,
aber auch bei den Betreuern des Kindes gibt.
Hast Du mal gefragt warum das Kind immer denselben Brei bekommt? Vielleicht spuckt es alles andere wieder aus …

Dass Eltern einer Einrichtung das Zähneputzen bzw das Nägelschneiden „verbieten“ halte ich für etwas seltsam… hat es denn vielleicht mal einen Vorfall oder eine Verletzung des Kindes im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten gegeben?
Übernehmen dann die Eltern diesen Teil der Körperpflege des Kindes?

Die Zahnpflege ist bei behinderten Kindern und Erwachsenen häufig problematisch, nicht selten müssen total vergammelte Gebisse in Vollnarkose saniert werden.
Ich würde die Eltern darauf hinweisen, dass von so einem Gebiss durch mögliche Vereiterungen im Zahnfleisch eine Gefahr für das Kind ausgeht - mögliche Zahnschmerzen mit Valoron zu unterdrücken ändert ja nichts an den Tatsachen.

Eventuell wäre es sinnvoll einen Zahnarzt zu suchen der einen „Hausbesuch“ macht und mit den Eltern spricht - wenn die Information von einem ärztlichen Kollegen kommt wird das eher angenommen.

Viele Grüße
Sue

Hallo Manou,

ich weiss nicht, was für eine Einrichtung ihr seid.

Familienentlastender Dienst. Ich arbeite dort neben dem Studium und bin erst seit kurzer Zeit dort. Anfangs kann es ja sein, dass einen der Mitleid überkommt, aber ich denke, das ist hier nicht der Fall.

Ihr setzt euch doch sicherlich mal zusammen und besprecht eure
Patienten.

Ja, viele Mitarbeiter sagen aber nichts, da es normal ist. Es gibt Anweisung xy von den Eltern und daran wird sich gehalten.
Ich habe gestern ein paar darauf angesprochen, die haben nur mit den Schultern gezuckt. Keine Ahnung wofür die Schmerzmittel… das geben die Eltern vor… der Vater ist Arzt…

Und irgendjemand wird bei euch den Zepter in der Hand haben, was sagen :die denn?

Die Zuständige war gestern nicht da, aber sie kennt den Zustand.

Können die nicht mit den Eltern sprechen?

Ich seh die nicht, dazu arbeite ich zu selten dort.

Ist das Kind bei euch-oder ihr bei denen? Und wie lange?

Die Kinder sind im Moment in der Ferienbetreuung (Aufbewahrungsanstalt würde besser passen). Diese findet in unseren Räumen statt. Manche Kinder verbleiben die kompletten Ferien dort.

Gruß
Tato

Hallo Angelika,

Dann aber dachte ich, ob z.B. Zähneputzen das Kind womöglich
dermaßen unter Stress setzt, dass es darunter mehr leidet als
für uns vorstellbar ist?

Ja, das könnte sein. Allerdings ist er ja schon 10 Jahre alt. Wenn man jetzt damit anfängt, wird er es vermutlich gar nicht gut finden. Man hätte damit schon viel früher beginnen müssen, denn verfaulte Zähne bekommt man mit einer Zahnbürste leider nicht mehr heil.
Zudem gibt es mit Sicherheit auch die Möglichkeit antibakterielle Mundspülungen einzusetzen. Das herauszufinden, darf leider nicht meine Aufgabe sein…

Weil der Vater Arzt ist, müsste er eigentlich aus doppeltem
Grund an einer optimalen Versorgung seines Kindes interessiert
sein.

Das Kind wird ja auch nicht gefördert. Andere fahren zu Therapien, gestalten einen abwechslungsreichen Speiseplan und lassen dem Kind hin und wieder mal einen Reiz zukommen. Der einzige Reiz ist im Moment eine Fliege, die sich auf seine Nase setzt…

Hast Du ihn mal direkt darauf angesprochen?
Das wäre - so finde ich - der erste Schritt zum Verstehen der
Hintergründe.

Ich sehe die Eltern nicht. Das war mein fünfter Tag beim Familienentlastenden Dienst und ich würde von der Chefin was zu hören bekommen, wenn ich die Eltern einfach so darauf anspreche…
Das Kind ist ja schon länger dort, daher gab es bestimmt schon ein paar Gespräche. Doch wir beaufsichtigen die Kids ja nur, Förderung gibt es da kaum.

Gruß
Tato

Hallo,

die Zahnschmerzen, die das mit sich bringt, lassen sich wohl
nur durch Valoron mindern…
Alkles weitere: Ohne Worte!

Muss man das nicht melden? Oder ist das nur das Anfänger-Helfer-Syndrom?

Gruß
Tato

Hallo, Sue,

ich denke dass es ein Kommunikationsproblem zwischen den
Eltern und dem Team, aber auch bei den Betreuern des Kindes gibt.

Siehe die anderen Antworten. Ich bin erst seit kurzem dort und kenne die Eltern nicht. Die Eltern schreiben / geben Anweisungen, die wir zu befolgen haben. PUNKT :frowning:

Hast Du mal gefragt warum das Kind immer denselben Brei
bekommt? Vielleicht spuckt es alles andere wieder aus …

Nach 10 Jahren Routine sicherlich. Mittlerweile mag er auch diesen Brei nicht mehr. Aus der 17:00 Flasche hat er bis 20:00 (Flaschenzeit) grad mal einen Eierbecher voll zu sich genommen.

Dass Eltern einer Einrichtung das Zähneputzen bzw das
Nägelschneiden „verbieten“ halte ich für etwas seltsam…

Ich auch.

hat es denn vielleicht mal einen Vorfall oder eine Verletzung des
Kindes im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten gegeben?

Ich vermute mal nicht.

Übernehmen dann die Eltern diesen Teil der Körperpflege des
Kindes?

Nein. Laut Akte müssen die Zähne nicht geputzt werden…

Die Zahnpflege ist bei behinderten Kindern und Erwachsenen
häufig problematisch, nicht selten müssen total vergammelte
Gebisse in Vollnarkose saniert werden.

Aber man kann ja wenigstens versuchen die Zähne zu putzen…

Ich würde die Eltern darauf hinweisen, dass von so einem
Gebiss durch mögliche Vereiterungen im Zahnfleisch eine Gefahr
für das Kind ausgeht - mögliche Zahnschmerzen mit Valoron zu
unterdrücken ändert ja nichts an den Tatsachen.

Wie gesagt, ich sehe die Eltern nicht. Und wenn, dann habe ich keine Erlaubnis, solch ernsthafte Gespräche zu führen.

Eventuell wäre es sinnvoll einen Zahnarzt zu suchen der einen
„Hausbesuch“ macht und mit den Eltern spricht

Darauf haben wir leider keinen Einfluss.

Gruß
Tato

möchte mal ein Lob loswerden
Hallo Tato!

Ohje, das sind ja schwierige Voraussetzungen.
Sowohl für Dich als auch für das Kind. Schade, dass in den ganzen Jahren nichts an Förderung gelaufen ist.

Eines möchte ich aber noch schnell loswerden!!

Ich finde es klasse, dass Du Dir um Deine Schützlinge solche Gedanken machst und nicht die vorhandenen Gegebenheiten als unabänderbar hinnimmst.

Alles Gute für Dich und Dein Engagement!
Angelika

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Überforderte Eltern…
Hallo Tato,

hmmm hab die anderen Postings gelesen.

Das was Du über den Zustand des Kindes schreibst klingt in meinen Ohren stark nach Pflegemängeln und nach überforderung der Eltern. Denn egal ob der Vater Arzt ist oder nicht er ist auch nur ein Mensch der mit der Behinderung seines Kindes überfordert sein kann.

So wie ich das verstanden habe bist Du in einer Einrichtung die wohl von einem gemeinnützigen Verband betrieben wird. Ist das Korrekt?
Ausserdem scheint es keine durchgängige Dokumentation zu geben über die Krankheit (Welcher Gendefekt mit welchen Folgen?), was heißt er wird nur zeitweise dort betreut.

Also wenn ich Probleme bezüglich der Pflege meines Vaters habe kann ich mich an die Heimaufsicht, die Krankenkasse oder die BG (weil Folge eines Arbeitsunfalls) wenden. Wie das aber bei Behinderten ist die mit Behinderung geboren wurden weiß ich nicht. Die Eltern haben auf jedenfall das Sorgerecht und sind somit weisungsbefugt. In wieweit das Jugendamt da zuständig ist weiß ich nicht.

Das ganze ist natürlich kompliziert denn du kennst den Familiären Hintergrund nicht und auch nicht den genauen Grad der Behinderung. Du selbst bist nur selten da und man wird Dir die Kompetenz absprechen es beurteilen zu können. Mal davon abgesehen davon wie lange Du dort arbeiten willst! Denn es scheint ja so als wenn man es totschweigen will oder zu viel Angst hat etwas zu sagen, weil der Vater Arzt ist.

Aber ich denke wenn Du dem Kind helfen willst dann solltest Du wirklich mal die Eltern ansprechen. Vielleicht mal ganz unbedarft wie:
Ihr Kind ist mir richtig ans Herz gewachsen in der kurzen Zeit, was genau hat er eigentlich?
Und nie zu viele Fragen auf einmal stellen, so wirst Du Dir vielleicht ein klareres Bild schaffen können. Ansonsten kannst Du dich ja auch mal beim Jugendamt erkundigen wie das ist, ob die zuständig wären. Vielleicht auch bei der Sozialstelle der Stadt/Gemeinde.
Ich denke allerdings um das wirklich richtig beurteilen zu können brauchst Du fachkundigen Rat.

Probiers mal hier:
Informationsbüro Pflege und Pflegebeschwerdestelle, Magdeburgerstraße 17, 28077 Bremen, Telefon: 0421/36 18 221, Mo.-Do. 9-12 Uhr

oder hier http://www.bremen.de/sixcms/detail.php?template=17_s…

Ich denke die Eltern sind überfordert und brauchen Hilfe, manche nehmen sie freiwillig an und andere müssen erst drauf gestoßen werden.

Du musst entscheiden was Du tust und dann handeln, aber ich denke es sollte etwas getan werden.

Gruss Andrea

Also ich war heute bei meiner Chefin. Ruhe zum Reden hatten wir nicht wirklich, aber ich habe sie nebenbei gefragt, wie es mit dem betroffenen Kind aussieht.
Die Fingernägel werden wohl in den nächsten Tagen von ihr geschnitten, auch wenn sie es eigentlich nicht darf. Wogegen die Schmerzmittel sind, weiß sie nicht, sie findet die Dosis aber auch zu hoch. Angeblich hat er einen Gendefekt - so genau weiß es keiner. Und wieder die Entschuldigung „der Vater ist Arzt“, ein leicht verzweifeltes Gesicht und ein Schulterzucken. Sorry, aber ich halte sie nicht für wirklich kompetent…

Tja, es ist schon manchmal zum verzweifeln, wenn man in einer solchen „Aufbewahrungsanstalt“ arbeitet…

Gruß
Tato