Varusschlacht - Vorkenntnisse

Hi!

Während des Besuches des Varusschlacht-Museums in Kalkriese habe ich ein paar Landkarten der Gegend zur damaligen Zeit gesehen. Ganz offensichtlich sind die römischen Legionen von Südosten nach Nordwesten marschiert, südwestlich und später südlich der Route lagen die bewaldeten Anhöhen des Kalkrieser Berges, nordöstlich und später nördlich Moore und Sümpfe. Dazwischen ein schmaler Pfad, der die Römer zwang, Truppen und Tross auf etliche Kilometer Länge auseinander zu ziehen und hintereinander marschieren zu lassen. Soweit die Darstellung im Museum.

Diese geographische Eigenart (Wasser auf der einen Seite, eine Anhöhe auf der anderen, dazwischen ein schmaler Weg) hat mich sofort an eine andere Schlacht erinnert, die die Römer ebenfalls verloren haben: die Schlacht am Trasimenischen See im Zweiten Punischen Krieg (Stichwort Hannibal).

Meine Frage:
Bekanntermaßen hat Arminius in Rom eine militärische Ausbildung genossen. Kann man davon auszugehen, dass Arminius den Verlauf der Schlacht am Trasimenischen See kannte (Offiziersausbildungsprogramm?), insbesondere die Auswirkungen des Geländes (Anhöhe, schmaler Pfad, der See)? Und hat Arminius bei der Planung seines Angriffes auf die römischen Legionen - insbesondere bei der Festlegung des Schlachtfeldes - einfach nur Hannibal kopiert?

Grüße
Heinrich

Hi!

Zur möglichen Kopie der Hannibal-Strategie kann ich nichts sagen, habe ich noch nie etwas gelesen, dass da was dran sein könnte. Tatsache ist aber, dass Arminius als römischer Offizier sehr genau wusste, dass er gegen die Römer in offener Feldschlacht keine Chance hat. Also hat er zwei Vorteile genutzt: 1. Das Gelände, 2. Überraschung der ahnungslosen Römer. Varus war bekanntlich von Arminius’ Schwiegervater Segestes gewarnt worden, der wollte aber nicht glauben …

Gruss
Laika

Hallo,

auf alle Fälle hatte Arminius Kenntnisse der römischen Kriegsführung. Er wußte also, wie die Rümer kämpfen und angreifen.
Und von daher war es seine Strategie, genau diese Kampfweise unmöglich zu machen, da die Legionen praktisch unbesiegbar waren, wenn es ihnen gelang, sich in der Schlachtordnung zu formieren.
Also hat er erst einmal eine Art Partisanenkrieg geführt - mit kurzen schnellen Schlägen gegen die MArschformation. Und dieses Vorgeplänkel, mit denen er den Römern eine Menge Zeit, Nerven und Zuversicht raubte, kann er nicht von Hanibal gehabt haben.
Auch den Hauptangriff führte er praktisch auf einem gelände, in dem die Römer sich nicht entfalten konnten.
Ich denke nicht, daß die Idee, den Gegner von vorn und von hinten in die Zange zu nehmen, wirklich von Hannbal stammt - sie liegt so nah, daß mit Sicherheit da schon vorher mal jemand drauf gekommen ist. Und nur die absolute Unfähigkeit der römischen Heerführer, die praktisch alle Regeln des Vormarsches negierten (unter anderm auch die regel, daß man vor der Formation Feindaufklärung betreiben sollte) machte es dem Karthager möglich, überhaupt so zu agieren.

Gernot Geyer