Vater-Sohn Problem

Hallo,

ich habe ein ernstes Problem mit meinem Sohn, und mit meiner Frau auch, weil sie, egal was er tut, alles richtig findet (so sehe ich das jedenfalls).

Unser Sohn ist Student und wir haben noch ein ebenfalls studierende Tochter. Bafög bekommt keiner, und so leben wir recht knapp, leisten uns keinerlei Luxus, keinen Urlaub usw.

Letzte Jahr hatte mein Sohn einen offenbar sehr lukrativen Ferienjob, so dass ich ihm sagte, er könne doch mal ein wenig an Verpflegungskosten an uns zahlen. Das lehnte er ab mit der Begründung: Wenn Ihr Geld von mir verlangt, ziehe ich aus. Er weiß genau, wie meine Frau an ihm hängt und dass sie ihn um jeden Preis halten will. Ich freue mich auch, dass er noch bei uns wohnt, aber in der Situation hätte ich ihn gehen lassen.

Dass er recht gut verdient hatte, hatte ich vermutet, wie viel konkret es aber war, wusste ich nicht. Dieses Jahr musste er mir aber doch wegen des Kindergeldes seine Steuererklärung vorlegen – und so erfuhr ich, dass er im letzten Jahr rund 12.000 EU verdient hatte. Normalerweise machen wir immer zusammen die Steuererklärung, diesmal hatte er sie mit dem Vater seiner Freundin gemacht. Ich gehe davon aus, dass er das tat, damit ich nicht erfuhr, wie viel er verdient hatte.

Ich sprach meinen Sohn darauf an und erklärte ihm meine tiefe Enttäuschung. Dass er unter den Umständen wirklich einen Beitrag zu seinem Unterhalt hätte leisten und uns damit ein wenig entlasten müssen. Dass er das offenbar auch selbst wisse, weshalb der die Steuererklärung erstmals ohne mich gemacht hätte. Dass ich das als Vertrauensbruch betrachte und sehr, sehr enttäuscht von ihm sei. Während mir dabei die Augen feucht wurden, reagierte er völlig ungerührt, verteidigte sein Vorgehen kühl und emotionslos, als wenn er einen fremden Geschäftspartner vor sich hätte. Als ich ihn schließlich fragte, ob er sein Verhalten nicht wenigstens im Nachhinein irgendwie bedauere, und ob er nicht mehr dazu zu sagen hätte, denn er sähe mir doch an, dass mich das hart trifft und belastet, antwortete er: Was erwartest Du von mir? Soll ich mir Asche übers Haupt streuen?“ Daraufhin rannte ich aus dem Raum, um zu verbergen, wir ich in Tränen ausbrach – aber er hat es mitbekommen und meine Frau, die ihn verteidigend daneben gesessen hatte, auch. Trotzdem hat er niemals Anlass gesehen, irgendein freundliches oder gar entschuldigendes Wort in dieser Sache zu finden.

Da wir verschiedentlich ähnliche Auseinandersetzungen haben, wenn auch nicht so dramatisch wie in diesem Fall, habe ich ihm vorgeschlagen, zu einer Partnerberatung oder Ähnlichem zu gehen. Das lehnt er total ab.

Wenn immer ich mit meiner Frau auf die Sache zurückkomme, verteidigt sie unseren Sohn unverändert. Sie kritisiert darüber hinaus mich: Nicht er, ich sei kalt. Er sei schließlich Student, ich könne so etwas nicht von ihm fordern. Das wird zeitweilig so heftig, dass ich nicht ausschließe, dass wir uns eines Tages trennen mit dem Scheidungsgrund: unterschiedliche Meinung über Sohn.

Was meint Ihr dazu? Könnt Ihr mir helfen?
Oder liege ich da wirklich falsch?
(was ich mir beim besten Willen nicht denken kann)

Grüße
Carsten

PS
Sollte er doch noch einer Beratung zustimmen: An wen oder was für eine Organisation könnte man sich da wenden?

Hallo Carsten

Begründung: Wenn Ihr Geld von mir verlangt, ziehe ich aus.

Ihr solltet ihn gehen (ausziehen) lassen, auch wenn es Euch schwer fällt. Ist für alle besser.
Gruß,
Branden

Hallo Carsten,

es ist schwer, die Angelegenheit zu beurteilen, wenn man nur eine Seite kennt. Wenn ich deine Seite höre, gebe ich dir völlig recht.
Ich finde die Vorstellung auch schlimm, dass mein Sohn eines Tages so werden könnte. Dein Sohn nimmt das alles offenbar sehr selbstverständlich. Sicher wäscht Mama auch seine Wäsche? Und bügelt sie? Einfühlung und Rücksichtnahme hat er offenbar bisher auch nicht gelernt.
Kann es sein, dass er gar nicht merkt (merken will), wie ihr euch wegen eurer Kinder einschränkt?

Am allerwichtigsten finde ich: Lass nicht zu, dass durch das Verhalten eures Sohnes eure Ehe zerstört wird. Nicht mit deinem Sohn solltest zu zu einer Beratung gehen, sondern unbedingt mit deiner Frau!! Es wird alles leichter zu ertragen sein, wenn ihr da an einem Strang zieht - und euer Sohn kann sich nicht mehr auf die beschützende Mutter zurückziehen. Wenn ihr euch einig seid, dann kann er ausziehen. Dann wird er auch sehen, wie es sich ohne das Hotel Mama lebt, und auch wieviel das so kostet. Mit 12.000 EUR kann man je nach Mietkosten schon 1-2 Jahre leben, essen und studieren. Und dann ist das sauer erarbeitete Geld futsch!

Und was den Sohn angeht: Leg ihm mal eure Finanzen offen und die Kosten, die allein auf ihn entfallen (also nicht nur Essen, Kleidung usw., sondern auch die Hausnebenkosten wie Heizung für sein Zimmer, Wasser usw.) und mach ihm ganz klar, auf was ihr seinetwegen verzichtet (Urlaub, Aufstockung von Altersvorsorge, Luxus usw.)
Er sollte auch mal wissen, was ihr euch wirklich gerne mal leisten würdet, wenn ihr nur könntet. Evtl. würde ich ihm auch mal vorrechnen, wieviele Arbeitsstunden DU leisten musst oder musstest, um all das Geld zusammenzuarbeiten, das er so Tag für Tag für Essen, Duschgel und ein warmes Zimmer verbraucht.
Wichtig ist nur, dass das alles nicht moralinsauer daherkommt, sondern möglichst sachlich - einfach damit er deine Beweggründe versteht, das finde ich sehr wichtig. Vielleicht glaubt er allen Ernstes, dass ihr einen Goldesel habt. Gib ihm Zeit, das zu verdauen, und sag ihm, dass er dir in einer Woche Bescheid geben soll, was er sich überlegt hat.
Und wenn er dann immer noch lieber ausziehen will, dann soll er. Lass nicht zu, dass er das als Druckmittel benutzt. Und hol deine Frau ins Boot!

Alles Gute,

Matilda

hallo carsten,

wie mathilda schon sagt - wenn man nur dene seite liest, will man dir grundlegend schonmal zustimmen.

das problem, dass ich hier für mich schonmal wahrnehme - warum auch dein sohn zumindest teilweise so übel drauf ist, scheint mir, liegt auch daran, dass du und deine frau sicher nicht erst seid gestern nicht an einem strang zieht. - er wird gelernt haben, dass ihr euch nicht einig seid und geht den weg des geringsten widerstandes - auf eure kosten.

die anhänglichkeit der mutter und das dazugehörige verhalten machts alles andere als besser. ich bin geneigt mich hier aus dem fenster zu lehnen und zu sagen - es ist ein schlechter liebesdienst - wenig hilfreich für sein erwachsenenleben.
aberdas kann man ihr derzeit wohl kaum mitteilen, es würde nichts bringen und wenig auf einsicht stossen.

und so schliesse ich mich mathilda an - wenn jemand sich einen profi suchen sollte um mal klarheit und erkenntnis in die wahren hintergründe der uneinigkeit zu bringen - dann ihr als paar.
denn wenn ihr euch einen guten berater sucht, werdet ihr so einiges erfahren über euch selbst - also erkennen - jeder über sich, über euch als paar und in folge auch über wirkungsweisen auf andere - insbesondere den sohn.

euer sohn wird sein verhalten nur verändern - und das nicht nicht mit freuden sondern mit wiederstand versch. art - wenn ihr euch einig werdet - dazu bedarf es aber wohl genau dem was euch fehlt.

so könnte es mittelfristig gelingen, dass ihr euch emanzipiert von eurem sohn, ihn ausziehen lasst und nicht mehr so behandeln lasst.
alles dinge, die so wohl kaum machbar sind derzeit.

das einem das herz blutet wenn man liest wie dein sohn drauf ist, muss ich dir nicht schreiben. aber einsicht seinerseits werdet ihr nicht voraussetzen können, da man annehmen muss, ohne es zu wollen habt ihr schon mit vielen anderen dingen genau diese einsicht irgendwie nicht gefördert, im schlimmsten fall sogar untergraben. aus irgendeinem grund scheint er gelernt zu haben von euch, ihr seid dazu da, ihm alles zu geben, er euch aber nicht.

ob und in welchem rahmen sich das ändern lässt, weiss ich nicht.
aber das darf erstmal gar nicht im fokus sein sondern ihr als paar solltet es sein.
und so kann ich mir gut vorstellen, kann es euch beiden im laufe der zeit gelingen den sohn loszulassen und naja…in die selbstverant- wortung zu entlassen.
mit den jahren kann es dann sein, dass er spät aber doch zu einsichten kommt. - doch das wichtigste ist - ihr braucht einsichten, deine frau braucht sie und ihr als paar müsst anfangen wieder in erster linie ein paar zu sein und nicht eltern - denn dann kann er euch nicht auspielen, nicht benutzen, weil ihr es durchschaut, weil ihr es nicht zulassen werdet - weil keiner das gefühl mehr hat „es sei normal oder die aufgabe von eltern“.
und sicher kämen bei einer paartherapie ggfs. noch dinge heraus, die nur und nur euch betreffen.

und so ist der auslöser euer sohn, der sich schäbig verhält.
aber im grunde gehts nur um euch. was ihr für euch tun könnt ist viel meine ich und die auswirkungen werden ihn dann sowieso berühren - also auch betreffen.
darauf zu bestehen z.b, dass er auszieht gegen den widerstand deiner frau - würde wohl eher eurer ehe schaden. und so bin ich z.b eher gegen
versuche dieser art, da ich meine, wenn sie mit hilfe von aussen erkennt und begreift was sie warum tut, zulässt, fördert und welche auswirkungen das hatte und haben wird für den sohn, sie selbst, dir gegenüber und euch als paar eben - dann wird auch sie eine andere haltung bekommen. - anders als wenn man es jetzt einfach verlangen würde - ohne neue erkenntnisse kämst du nicht weit bei ihr und naja…schon gar nicht bei deinem sohn.

ich hoffe, ich habe mich halbwegs verständlich machen können ob der frühen stunde :smile:

eine schnelle lösung sehe ich jedenfalls nicht. keine, die nicht die gräben tiefer gräbt. allerdings würde ich an deiner stelle sicher gewisse finanzielle zuwendungen auf das absolute minimum beschränken ab sofort. sonst hat ja wieder einmal nichts konsequenzen für ihn.
die frage ist, ob du das durchsetzen kannst - gegen die widerstände von frau und sohn. - sonst muss das eben doch noch warten bis…siehe oben:smile:

LG
nina

Rotzlümmel
Moin Carsten,

ich hab jetzt bewusst die Antworten der anderen nicht gelesen, um mich nicht von meinem Eindruck ablenken zu lassen. Daher kann es sein, dass das, was ich schreibe schon gesagt wurde.

Die Partnerberatung würde ich dir dringend mit deiner Frau anraten. Sie scheint ein ziemlich eigentümliches Bild von Unterstützung ihres Sohnes zu haben.

Deinen Sohn empfinde ich mehr als unverschämt. Um ehrlich zu sein, seine Drohung hätte er gar nicht aussprechen brauchen, ich hätte IHM gesagt, dass er unter diesen Umständen ausziehen soll und ihr nicht mehr bereit seid, ihm Zucker in den Ar… zu blasen.

Das sage ich natürlich ohne zu wissen, ob zwischen dir und deinem Sohn irgendwann mal was anderes vorgefallen ist, was ihn zu diesem Verhalten gebracht hat.

Aber es ist ja letztlich kein Wunder, wenn deine Frau ihn dermaßen in SChutz nimmt, dass er dich nicht ernst nimmt und alles bzw. mehr als ihm „zusteht“ mitnimmt.

Dass deine Frau sich von ihrem Sohn nicht lösen kann, finde ich allerdings etwas eigentümlich. Auch das lässt doch vermuten, dass vielleicht eher ein Problem zwischen ihr und dir da die Ursache für Probleme ist.

Das sind meine Gedanken dazu -
Grüße
Demenzia

MOD: Vollzitat gelöscht

Hi Carsten,

Dein Posting erweckt in mir den Eindruck, dass Du ein „sehr lieber“ Papa bist und einige um Dich das auszunutzen wissen. Auf alle Fälle, werden Deine Grenzen und Gefühle offenbar nicht sehr Ernst genommen . . .

Die heutige Situation kommt wohl kaum Knall-auf-Fall, sondern hat sich vermutlich über viele Jahre so entwickelt (und Du hast daran mitgewirkt bzw. es zumindest zugelassen). Nun musst Du erkennen, dass Sohnemann ein Schmarotzer ist und Euch (auch Deiner Gattin) im Bedarfsfall den letzten Blutstropfen auspressen würde.

Du schreibst, dass Ihr Sohn und Tochter unterstützt - warum diskutierst Du mit ihm über Geld, das er Dir geben soll, anstatt ihm den Geldhahn einfach ein wenig zuzudrehen? Der Auseinandersetzung mit Deiner Frau in dieser Sache wirst Du Dich früher oder später stellen müssen, sonst wirst Du zerrieben.

Hallo Carsten,

ich kann dich vollkommen verstehen.
Aber mal was anderes: Was ist mit eurer Tochter? Die hat keinen Nebenjob denk ich mal?

Ich kann deinen Sohn ja auch ein bißchen verstehen. Er hat sich einen Nebenjob gesucht, arbeitet seit einem Jahr und dann kommt Papi und hält die Hand auf. Die Tochter muss anscheinend nichts bezahlen (wovon auch, sie hat ja kein Geld). Ist aber irgendwo auch nicht sehr fair…

Wenn bei uns jemand was dazu verdient hat, durfte er das für sich behalten. Oder aber die Eltern verlangen ein paar Euros (was ich wirklich vollkommen ok finde!) aber dann gilt das bitteschön auch für beide. Dann soll die Tochter sich auch einen Job suchen… du willst die beiden ja auch nicht ausnehmen, die 100-200 EUR im Monat werden die schon zusammenkriegen.

Wenn er freiwillig ausziehen möchte, wäre das auch eine Lösung. Wobei ihn das sicherlich noch mehr kosten würde als bei den Eltern zu Hause ein paar EUR abzudrücken.

Also da ihr euch schon sehr einschränken müsst um zu sparen, hätte ich die beiden schon viel eher darauf angesprochen. Es arbeiten so viele Studenten nebenbei…

Gruß,

Steffie

Hallo Steffie,

da wir beiden Kindern nur etwa den Bafög Satz zahlen, wollen wir von niemandem etwas abhabenund freuen uns mit Ihnen, wenn sie ihren Lebensstandard verbessern können.

Aber im genannten Fall fand ich den Zuverdienst einfach so extrem, dass ich einen Lebenshaltungszuschuss erwartete. Ich dachte dabei an 150 EU und es hätte auch nur die vier Monate betroffen, in denen er arbeitete.

Aber, völlig unabhängig vom Geld: Es ist die Kaltschnäuzigkeit, mit der er mich behandelte, die mich fertig macht. Wenn er z. B. gesagt hätte: Da lege ich mir zurück, damit ich in den nächsten Jahren jeden Monat etwas habe, wäre das schon etwas anderes gewesen als die Drohung, auszuziehen. Er hat das Geld allerdings mit vollen Händen ausgegeben, z. B. sich für 2.200 EU eine Musikanlage gekauft. Selbst wenn er nur ab und zu mal mit einer vollen Einkaufstasche nach Hause gekommen wäre und fröhlich erklärt hätte: heute habe ich mal eingekauft, hätte mich das schon positiv gestimmt.

Noch schlimmer ist für mich seine Reaktion, als wir darüber sprachen. Egal, ob er denkt, dass er Recht hat oder nicht: Es sieht mir an, dass es mich belastet, dass ich darunter regelrecht leide. Aber kein einziges mitmenschliches Wort, nur die zynische Antwort: … Asche aufs Haupt …

Grüße
Carsten

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Carsten.

wie schon oft geschrieben, schwer, die Situation zu beurteilen, ohne die Meinung Deines Sohnes und Deiner Frau zu kennen, dennoch eine kurze Erläuterung meinerseits:

Zuerst mal, es zeugt von Deinem Bedürftnis nach Klärung, dass Du Deine Sorgen hier niederschreibst, das vermittelt mir den Eindruck, Du bist ein eher gut gesonnener Mensch. Leider werden solche heutzutage gern ausgenutzt.
Wie Du die Situation geschildert hast scheint es, dass es sich als schwierig erweisen wird, das Problem zu lösen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall schon mal viel Erfolg bei Deinen Bemühungen.

Ich würde Dir auf jeden Fall raten, mit Deiner Frau eine/n Berater/in aufzusuchen, um zuerst eure Unstimmigkeiten zu klären, denn ansonsten könnt ihr eurem Sohn erst gar kein klares Bild von euren Ansichten vermitteln, was, wie ich finde, für eine fruchtbare Auseinandersetzung fundamental wäre. Danach solltet ihr gemeinsam mit eurem Sohn die Problematik diskutieren, auch hier, wo möglich, mit fachlicher Unterstützung.

Gruss Pascal