Hallo!
Vielleicht sollte ich mit der Frage ja besser ins Geschichte-Brett.
Aber ich wüsste gern, wem wir den o.g. Ausdruck verdanken.
Besten Dank und schöne Grüße!
H.
Hallo,
Aber ich wüsste gern, wem wir den o.g. Ausdruck verdanken.
Röhrich erwähnt den Begriff, gibt aber keinen Hinweis auf die Etymologie:
„[…]
Ebenso üblich, in neuerer Zeit: ‚Vater Staat‘. Den Vater Staat bezahlen lassen: nicht selbst für eine Verpflichtung aufkommen, die Lasten der ‚Staatskasse‘ und somit den anderen Staatsbürgern zuschreiben.“
Möglicherweise lässt sich der Urheber des Ausdrucks nicht mehr ermitteln?
Gruß
Kreszenz
Moin, moin,
mit dem Nachweis der Herkunft kann ich auch nicht dienen, allein mit dieser Erkenntnis:
Vater Staat bringt uns alle unter Mutter Erde.
Gruß - Rolf
Möglicherweise lässt sich der Urheber des Ausdrucks nicht mehr
ermitteln?
Schon die Römer sprachen ja von „patria“ - normalerweise üersetzt mit „Vaterland“. Ich denke „Vater Staat“ ist eine analoge Bildung dazu. Fragt sich nur von wem.
Grüße,
Anwar
Schon die Römer sprachen ja von „patria“ - normalerweise
üersetzt mit „Vaterland“. Ich denke „Vater Staat“ ist eine
analoge Bildung dazu.
Das, bester Anwar, ist der richtige Ansatzpunkt.
In Rom wurde einem verdienstvollem Politiker, Staatsmann oder auch Feldherrn der Ehrentitel: Pater Patriae = Vater des Vaterlandes verliehen.
Dieser Vater des Vaterlandes dürfte hinter dem Begriff Vater Staat stehen.
Auch hatte man bis vor Kurzem die Vorstellung gepflegt, dass der Staat als Gesetzgeber die väterliche Rolle einnimmt.
Die mütterliche Seite wurde erst im Zusammenhang mit den Sozialleistungen entdeckt.
Gruß Fritz
Vater Staat - Mutter Kirche
Hallo !
Der Text ist nicht von mir!!!
d) Aufklärung als Individualismus. Voltaire. Montesquieu. Rousseau. Diderot. »Der Mensch als König.«
…Die Aufklärer fühlten sich als Geistesaristokraten, die den Menschen gern in der Qualität von Kindern sahen und darin die Sehnsucht nach Vaterfiguren artikulierten. Ob Voltaire von den »enfants du roi« (Kinder des Königs) sprach oder Rousseau von den »enfants de la Patrie« (Kinder des Vaterlandes), wie sie auch in der Marseillaise vorkommen oder Mably gar von den »enfants de la nature« (Kindern der Natur)4, stets sind diese Positionen auf die Emanzipation des Menschen entweder von VATER STAAT oder MUTTER KIRCHE gerichtet, und zwar in einem individuellen Prozeß…
[Band 25: Das Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. 1648-1779: 2. Frankreich unter dem Hause Bourbon. d. Aufklärung als Individualismus. Voltaire. Montesquieu. Rousseau. Diderot. Fischer Weltgeschichte, S. 18385
(vgl. FWG Bd. 25, S. 147 ff.)
http://www.digitale-bibliothek.de/band119.htm ]
MOD: Zitat gekappt wg. Urheberrecht und Irrelevanz in Bezug auf die Fragestellung
Hi,
Auch hatte man bis vor Kurzem die Vorstellung gepflegt, dass
der Staat als Gesetzgeber die väterliche Rolle einnimmt.
Die mütterliche Seite wurde erst im Zusammenhang mit den
Sozialleistungen entdeckt.
Wobei es aber schon vorher den Begriff des Mutterlandes gab und heute noch gibt.
Viele Grüße
WoDi
[…] stets sind diese
Positionen auf die Emanzipation des Menschen entweder von
VATER STAAT oder MUTTER KIRCHE gerichtet
Ja, Conrad,
danach suche ich, und Du bist da nah dran!
Nur wüsste ich jetzt gern weiter, und vielleicht ist Dir dazu ja was bekannt:
Ist VATER STAAT eine Wortprägung der Aufklärer
oder
übernahmen diese eine schon im Absolutismus vorhandene (lateinische? französische? englische?) Formulierung
oder
stammt der Ausdruck von den Theoretikern der Restaurationszeit (Haller und Konsorten)
oder
ist der VATER STAAT preußischblau eingefärbt (da ist manches und bis zu Hegel möglich)
oder
ist der Ausdruck mehr literarisch geprägt (Roman, gar Komödie?)?
Dass dahinter „lo stato“ als Maskulinum und Kirche (kyriaké, ecclesia, chiesa, église usw.) immer als Femininum stehen, ist mir klar.
Auch der Zusammenhang mit dem paternalistischen und patriarchalischen Herrschafts- und Staatsverständnis bis zur Französischen Revolution und dann mit den Verfassungskämpfen im 19. Jhd. ist offensichtlich.
Auf dieses vordemokratische Herrschaftverständnis geht ja noch heute die unsinnige und (hoffentlich!) gedankenlose Verwendung der Floskeln von „Landesvater“ und „Landesmutter“ zurück.
Aber die Antwort auf meine Frage ist das immer noch nicht. (Wenn ich sie wüsste, hätte ich sie nicht gestellt.)
Ich suche nach dem „Erfinder“ (d. h. dem erstmaligen Gebrauch)dieser Wortprägung und dachte, dies in meiner Anfrage auch genau genug ausgedrückt zu haben.
Dank für Deinen Texthinweis - denn ohne einen solchen geht es ja gar nicht - und schöne Grüße!
H.
Möglicherweise lässt sich der Urheber des Ausdrucks nicht mehr
ermitteln?
Lassen wir das Fragezeichen weg, Kreszenz, so sieht’s leider aus.
Kennst Du frühe Belege, die nicht aus der Umgangssprache stammen?
Gruß!
H.
Schon die Römer sprachen ja von „patria“ - normalerweise
üersetzt mit „Vaterland“.
Ja, Anwar, es heißt wörtlich so, weil man " patria" zu denken hat.
Ich denke „Vater Staat“ ist eine
analoge Bildung dazu.
Von den Römern sicher nicht; denn für sie ist Staat „res publica“ (wäre es auch als das in diesem Zusammenhang schlecht verwendbare „civitas“) ein Femininum. Und: „res“ heißt „Sache“, so dass da eine Personifizierung als „Vater“ schlecht vorstellbar ist.
Fragt sich nur von wem.
Genau das möchte ich wissen.
Gruß!
H.
Hallo!
In Rom wurde einem verdienstvollem Politiker, Staatsmann oder
auch Feldherrn der Ehrentitel: Pater Patriae = Vater des
Vaterlandes verliehen.
Weil er den Staat in einer bedrohliche Krise gerettet hat, so dass er diesen gleichsam ein zweites Mal gegründet hat.
(Am schönsten von Cicero in DE CONSULATU SUO formuliert und auf sich bezogen und von den Zeitgenossen verspottet:
O fortunatam natam me consule Romam / O glückliches, von mir als Konsul abstammendes Rom!)
Dieser Vater des Vaterlandes dürfte hinter dem Begriff Vater
Staat stehen.
Für diese Vermutung sehe ich keinen Anhaltspunkt. Wie soll aus dem (zweiten) Gründer des Staates denn plötzlich der (Vater) Staat selbst werden können?
Gruß!
H.
Hallo!
Wobei es aber schon vorher den Begriff des Mutterlandes gab
und heute noch gibt.
Vermutlich als wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes „metrópolis“:
Mutterstadt und Mutterland (synonym, wegen der Stadtstaaten im alten Griechenland).
Wegen der Verwendung dieses Wortes bei prominenten Autoren (Herodot, Pindar, Thukydides, Isokrates) ging es ins Lateinische ein und damit in die europäischen Sprachen.
Mit der Behauptung, dass „Mutterland“ älter ist als „Vater Staat“ wirst Du wohl recht haben.
Gruß!
H.
Ich denke „Vater Staat“ ist eine
analoge Bildung dazu.Von den Römern sicher nicht; denn für sie ist Staat „res
publica“
Ich meinte nicht von den Römern, sondern eher das sich jemand das Bild vom Vaterland genommen hat nun eben den Vater Staat analog dazu gebildet hat. Ich wollte lediglich sagen, dass das Wort „Vater“ im Zusammenhang mit so etwas wie Land/Staat wohl aus dem lateinischen stammt.
Grüße,
Anwar