Hallo Joanna,
der terminus technicus des Vatermords entstammt der Freudschen Psychoanalyse:
http://de.wikipedia.org/wiki/Totem_und_Tabu
Im Kern geht es -spontan erinnert und den Mythos weglassend- dort darum, dass das Kind in Bezug auf seine Gefühle für seinen Vater einen Ambivalenzkonflikt erlebt: es fürchtet ihn, weil er (vornehmlich das kindliche sexuelle Begehren der Mutter) verbietet und straft bzw. mit fürchterlicher Strafe droht, und zugleich will es werden wie er, es identifiziert sich mit ihm, weil es seine Macht und seine Stärke bewundert; es möchte nun seine Stelle einnehmen, weshalb es ihn „ermordet“, d.h. entwertet, herabsetzt, mit ihm bricht, etc.
Nun erlebt der „Mörder“, dass er dennoch nicht die Stellung des Vaters einnehmen kann, und er hat ja nicht nur einen gefürchteten Rivalen verloren, sondern auch ein geliebtes und bewunderts Objekt; er empfindet Reue und Schuldgefühle, und nimmt den „ermordeten“ Vater in sich selbst auf, internalisiert ihn (nimmt ihn zum Vorbild, als Ansporn, als Leitbild, etc.); damit hat es aus dieser Ambivalenz von Liebe und Hass, von blindem Nacheifern des vergötterten Vaters und blinder Revolte gegen dessen Verbote eine „innere Stimme der Moral und des Ideals“ gemacht; es hat psychisch eine wichtige Entwicklungsstufe genommen;
Ich hoffe, ich habe den Schwank so spontan einigermaßen richtig nacherzählt; wenn nicht, so solle man mich doch in Stücke reißen.
Ansonsten wird „Vatermord“ übertragen meist als gelungene Distanzierung von seinen Vorgängern und Idolen verstanden, die keine totale Ablösung ist, sondern eine Art Aufnahme; z.B. hier:
http://www.boehlau.at/main/book.jsp?bookID=3-205-774…
Was das alles so ganz direkt mit der Beziehungsfähigkeit der Posterin zu tun hat, ist mir ebenfalls Bahnhof; ich könnte mir erklären, dass sie ein bißchen Freud gelesen hat, und manche Dinge etwas zu wörtlich verstand, was gewiss keine Schande ist.
Vielleicht geht es ihr auch um etwas Indellecktualismus, wie jenem Kommentator des Aktuellen Sportstudios, der die Reibereien zwischen dem Spieler Sforza und seinem Trainer Otto Rehagel einst ganz im Stile des Vatermords damit erklärte, dass Sforza bestimmt den Wunsch hätte, des Trainers Frau, Beate Rehagel, so richtig zu bumsen - was erst für den zum Brüller wird, der die Frau vor Augen hat.
Viele Grüße
Ben