Vatermord

Liebe Leute,

eine Freundin meinte letztens zu mir, man könne keine funktionierende Liebesbeziehung führen, solange man keinen Vatermord begangen habe. Einer meiner Ex-Freunde soll sich damit gebrüstet haben, dass ich meinen Vatermord an ihm begangen hätte (er schien da sehr stolz drauf zu sein). Darüber war ich sehr verwundert, da ich ihn nie als Vaterersatz angesehen habe.

Nun frage ich Euch: Ist ein Vatermord wirklich nötig, um später eine funktionierende Liebesbeziehung zu einem Mann führen zu können?
Wer kommt, außer der Vater, am Besten dafür in Betracht: jemand,der meinem Vater ähnlich ist oder jmd, zu dem ich eine ähnliche Beziehung habe oder jemand ganz anderes? Oder funktioniert das eh nur beim eigenen Vater?
Wie begehe ich diesen Vatermord am Besten? Und woran merke ich, dass ich erfolgreich „gemordet“ habe?

Liebe Grüße,
Maude

Liebe Maude, ich versteh nur BAHNHOF???

Einer meiner Ex-Freunde soll sich
damit gebrüstet haben, dass ich meinen Vatermord an ihm
begangen hätte (er schien da sehr stolz drauf zu sein).

Wie soll das denn gehen, der lebt doch noch??

Nun frage ich Euch: Ist ein Vatermord wirklich nötig, um
später eine funktionierende Liebesbeziehung zu einem Mann
führen zu können?

Also mein Vater lebt noch gut und glücklich, und ich in ner glücklichen Partnerschaft…

Wer kommt, außer der Vater, am Besten dafür in Betracht:
jemand,der meinem Vater ähnlich ist oder jmd, zu dem ich eine
ähnliche Beziehung habe oder jemand ganz anderes? Oder
funktioniert das eh nur beim eigenen Vater?

Ist das was Esoterisches??

Wie begehe ich diesen Vatermord am Besten?

???

Und woran merke ich, dass ich erfolgreich „gemordet“ habe?

???
Bin auf Antwort gespannt!
Jo

Liebe Joanna,
soweit ich die Leute verstanden habe, die mir davon erzählt haben, ging es um einen Vatermord im symbolischen Sinne. „Vater“ als Autorität, an die man als Kind glaubt.
Ich bin mir, wie schon gesagt, selber nicht sicher, was mit einem „Vatermord“ gemeint ist, dachte aber, das wäre etwas geläufiges, da ich dies von verschiedenen Menschen so gehört habe.

Maude

Hallo Joanna,

der terminus technicus des Vatermords entstammt der Freudschen Psychoanalyse:
http://de.wikipedia.org/wiki/Totem_und_Tabu

Im Kern geht es -spontan erinnert und den Mythos weglassend- dort darum, dass das Kind in Bezug auf seine Gefühle für seinen Vater einen Ambivalenzkonflikt erlebt: es fürchtet ihn, weil er (vornehmlich das kindliche sexuelle Begehren der Mutter) verbietet und straft bzw. mit fürchterlicher Strafe droht, und zugleich will es werden wie er, es identifiziert sich mit ihm, weil es seine Macht und seine Stärke bewundert; es möchte nun seine Stelle einnehmen, weshalb es ihn „ermordet“, d.h. entwertet, herabsetzt, mit ihm bricht, etc.

Nun erlebt der „Mörder“, dass er dennoch nicht die Stellung des Vaters einnehmen kann, und er hat ja nicht nur einen gefürchteten Rivalen verloren, sondern auch ein geliebtes und bewunderts Objekt; er empfindet Reue und Schuldgefühle, und nimmt den „ermordeten“ Vater in sich selbst auf, internalisiert ihn (nimmt ihn zum Vorbild, als Ansporn, als Leitbild, etc.); damit hat es aus dieser Ambivalenz von Liebe und Hass, von blindem Nacheifern des vergötterten Vaters und blinder Revolte gegen dessen Verbote eine „innere Stimme der Moral und des Ideals“ gemacht; es hat psychisch eine wichtige Entwicklungsstufe genommen;

Ich hoffe, ich habe den Schwank so spontan einigermaßen richtig nacherzählt; wenn nicht, so solle man mich doch in Stücke reißen.

Ansonsten wird „Vatermord“ übertragen meist als gelungene Distanzierung von seinen Vorgängern und Idolen verstanden, die keine totale Ablösung ist, sondern eine Art Aufnahme; z.B. hier:
http://www.boehlau.at/main/book.jsp?bookID=3-205-774…

Was das alles so ganz direkt mit der Beziehungsfähigkeit der Posterin zu tun hat, ist mir ebenfalls Bahnhof; ich könnte mir erklären, dass sie ein bißchen Freud gelesen hat, und manche Dinge etwas zu wörtlich verstand, was gewiss keine Schande ist.

Vielleicht geht es ihr auch um etwas Indellecktualismus, wie jenem Kommentator des Aktuellen Sportstudios, der die Reibereien zwischen dem Spieler Sforza und seinem Trainer Otto Rehagel einst ganz im Stile des Vatermords damit erklärte, dass Sforza bestimmt den Wunsch hätte, des Trainers Frau, Beate Rehagel, so richtig zu bumsen - was erst für den zum Brüller wird, der die Frau vor Augen hat.

Viele Grüße
Ben

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Kurzmöglichste Ergänzung *g*
Lieber Ben
Vielleicht sollten wir Joanna und Maude dahingehend noch deutlicher beruhigen, dass (laut Totem und Tabu) natürlich nur die Herren Söhne diesen Vatermord probieren müssen (?), die Damen Töchter können selbstverständlich des Vaters Liebe genießen und schweigen äh schwelgen.
Das nur nochmal zur Deutlichkeit fürs nicht ganz so psychoanalytisch gebildete und trotzdem verehrte Publikum.
Gruß,
Branden

recht ot
Lieber Branden,

Vielleicht sollten wir Joanna und Maude dahingehend noch
deutlicher beruhigen, dass (laut Totem und Tabu) natürlich nur
die Herren Söhne diesen Vatermord probieren müssen (?), die
Damen Töchter können selbstverständlich des Vaters Liebe
genießen und schweigen äh schwelgen.

Ich bin mir ehrlich gesagt spontan nicht so ganz sicher, wie man Freud da verstehen sollte; ich glaube schon, dass auch die Mädchen eine „Rotte von Mördern“ sind :wink:

Und, von Freud, abgesehen frage ich mich, ob nicht die Mädels ihre Mütter elektr(a)isch töten - mit dem Föhn vielleicht beim Baden; gabs das schon in der Jung-SteinZeit?

Schönen Abend
Franz

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ich glaube schon, dass auch die
Mädchen eine „Rotte von Mördern“ sind :wink:

Ohne Frage, lieber Ben, nur nicht an den Vätern -es sei denn, diese sind ausgemachte Arschlöcher. :wink:

Und, von Freud, abgesehen frage ich mich, ob nicht die Mädels
ihre Mütter elektr(a)isch töten - mit dem Föhn vielleicht beim
Baden; gabs das schon in der Jung-SteinZeit?

Bei C.G.Jung vielleicht, der ja -kulturell- zuweilen aus der Steinzeit kam :wink:
Gruß,
Branden