Nachtrag zum Vatertag (Achtung: lang!)
Ich habe noch folgendes gefunden:
_Süddeutsche Zeitung
Warum manche Männer am 1. Juni auf die Erholung verzichten
„Der Feiertag Christi Himmelfahrt ist seit langem auch Vatertag. Dabei wird das Bild des Familienvaters hochgehalten, der seinen Pflichten nachkommt, indem er seine Ernährer- oder Alimentenzahlerrolle durch fleißige Erwerbsarbeit ernst nimmt und deshalb diesen Pflichten am Vatertag entrinnen darf.“ So steht’s anklagend in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Münchner PAPS“, herausgegeben von der Väterinitiative. Die SZ sprach mit einem der drei Vorstands-Männer, dem Rechtsanwalt Christoph Blaumer.
SZ: Was bedeutet Ihnen der Vatertag?
Blaumer: Der Vatertag hat eine ganz andere Bedeutung als er landläufig als Männerausflug zum Biergarten begangen wird. Es geht vielmehr darum, die Vatersache voranzubringen, also die Väter mehr zu den Familien zu bringen. Dass die Väter sich auch für die Kinder engagieren, das ist eigentlich die Bedeutung, die man dem Vatertag zumessen sollte.
SZ: Also brauchen die meisten Väter morgen gar keine Erholung von ihren Kindern, sondern sie sollten sich im Gegenteil mehr mit ihnen beschäftigen…?
Blaumer: So ist es. Die Väter sollen gleich ganz in der Früh die Kinder nehmen und sich von den Müttern verabschieden und sagen, wir machen was mit den Kindern zusammen, kommen zum Beispiel in den Westpark, wo von 13 Uhr bis 18 Uhr am See beim Rosengarten die große Vatertagsaktion der Väterinitiative stattfindet. Oder machen natürlich andere schöne Freizeitaktionen. Ich denke, dass die Mütter auch ganz gerne mal einen Tag alleine ohne Kinder verbringen wollen.
SZ: Dann würde der Vatertag also zum Muttertag, nämlich zu einem freien Tag für die Mutter…
Blaumer: Wenn Sie so wollen. Aber so falsch wie das Bild der huldigenden Mutter am Muttertag, so entspringt auch das Vaterbild am Vatertag einer überholten Ideologie: Die Mütter seien für die Kinder und das Emotionale, die Väter für den Lebensunterhalt und die harte Außenwelt zuständig. Wenn wir den Vatertag trotzdem, übrigens zum zehnten Mal in unserer Väteraufbruch-Initiative, feiern, dann um ein anderes, partnerschaftliches Vaterbild zu propagieren.
SZ: Über den Vatertag hinaus: Was wollen die Väter, die in Ihrer Initiative aktiv sind?
Blaumer: Wir wollen die engagierten Väter, die für ihre Kinder und Familien da sind und zwar auch dann, wenn es um Alltagspflichten geht. Gleichermaßen sollen die Mütter auch die vom Vater getrennt lebenden begreifen, wie wichtig für Kinder die Beziehung zum Vater ist. Und das nicht nur am Vatertag, sondern ganze Jahr über._
_Frankfurter Allgemeine Zeitung
Im großen Saal des hessischen Jugendzentrums Ronneburg bei Hanau herrscht Silentium. Das Schweigen der Männer - über 100 sitzen auf dem Parkettboden dauert exakt zwei Minuten, ehe ein dreifaches Om das Plenum eröffnet. Es ist der dritte Tag des bundesweiten Männertreffens, das jährlich stattfindet und diesmal völlig ausgebucht war: 140 Männer und 20 Kinder - das ist Rekord in der 15jährigen Geschichte dieser Festtage der deutschen Männerbewegung, die immer am Himmelfahrtstag, dem landläufigen Vatertag, beginnen.
Der Anspruch ist immer der gleiche: Männer, die sich „jenseits von Konkurrenz, Männerbündelei und Diskriminierung“ zusammenund auseinandersetzen wollen, „männerkritisch und männerfreundlich“ zugleich. Die Hälfte sind alte Hasen der Bewegung, die Hälfte jeweils Neulinge, die anfangs noch unsicher herumstehen, aber für ständige Blutauffrischung sorgen. „Von Fröschen und Prinzen“ hieß diesmal das ebenso poetische wie diffuse Motto, was soviel bedeutet, daß thematisch hier alles möglich ist. Jeder darf einen „Work- oder Joyshop“ anbieten, bunt ist die Themenpalette, die auf handgeschriebenen gelben Zetteln an einer Pinnwand hängt: Lyrik für Männer - Rilkes phallische Gedichte. Der Froschkönig - Weisheit im Märchen. I’m a chatman - Onlinesex, sich virtuell und wirklich verlieben. Unsicherheit - Wunsch nach und Angst vor Nähe. Repressive Sexualmoral - wo liegen meine Grenzen? Körperbemalung. Traumreisen. Oder schlicht und einfach nur Fußball. Karl-Heinz kickt mit, für den 46jährigen Fotografen sind diese vier Tage „wie sechs Wochen Urlaub“.
Männerforscher Dieter Schnack ist erholter angekommen, sein Workshop über Homophobie ist überfüllt. Schnacks Kernthese: „Die Schwulen wissen viel mehr über die Heteros als umgekehrt. Die Heteros formen sich ihr Bild aus Vorurteilen und Projektionen, bestenfalls betüteln sie Schwule.“ Auch sich selbst nimmt Schnack im Blick auf männliche Verklemmtheiten nicht aus: „In meinem Buch ,Die Prinzenrolle’ habe ich kaum etwas über Schwule geschrieben, weil ich nicht ins Fettnäpfchen treten wollte. Wir hatten keine Lust, uns mit schwulen Männern zu befassen, das Thema war für uns nicht spannend, sondern ,wichtig’.“ Die Angst vor schwuler Anmache haben viele Neulinge, aber Grenzüberschreitungen beim Männertreffen sind die absolute Ausnahme. Uwe, ein Ingenieur, spricht für viele: „Mir geht es hier nicht um Affären, die kann ich woanders leichter haben. Das steht hier wirklich nicht im Vordergrund.“
Sehr wohl geht es aber vielen gegenüber der trutzigen Ronneburg, deren Türme phallisch in den Himmel ragen, darum, Berührungsängste im Umgang mit Männern abzubauen. Ferdinand, mit 60 Jahren der Senior des Männertreffens, hat da riesige Fortschritte gemacht. Der bärtige Franke, der beim Nürnberger Straßenbauamt beschäftigt ist und standesgemäß mit seinem Chopper auf die Ronneburg gekurvt ist: „Ein Herzinfarkt war für mich der Auslöser, daß ich mehr für mich tun muß. Ich hatte früher viele Hemmungen, auf Männer zuzugehen, im Kneipengespräch ging es nie ums Eingemachte. Jetzt kann ich meine Söhne in den Arm nehmen, und auch meine Frau hat viel davon. Die schickt mich hierher, ich kann das nur jedem Mann, der sich entwickeln will, empfehlen.“
Auch Georg, Sekretär des Essener Männernetzwerks „Pfefferprinz“ und Archivar der antisexistischen Männerzeitschrift Moritz, hat das Wohlwollen seiner Frau, mit der er seit 13 Jahren monogam zusammenlebt. Der Duisburger, d_er einen Väterworkshop anbietet, hat zweimal Erziehungsurlaub genommen, seine Frau konnte ihr Studium in Ruhe fortsetzen. „Ich hätte als Hausmann gut weiterleben können, aber jetzt muß ich als Altenpfleger erst einmal Geld verdienen, weil meine Frau als Biologin keinen Job gefunden hat.“ Georg hat seine Kinder dabei, sie werden von Erziehern beim Männertreffen versorgt. Die Organisation eines völlig unorganisierten Haufens klappt prima, selbst für Drecksarbeit wie Kehren und Aufräumen nach der Fete finden sich immer wieder Männer. Bewegungsveteran Peter; „Die Stimmung auf diesem Männertreffen ist Friede, Freude, Eierkuchen, früher gab es jedes Jahr einen Eklat; Mal ging es um zu viele langhaarige Männer, dann um die Anwesenheit von Reportern oder besonders perfide feministische Reporterinnen, die die Atmosphäre gestört hätten, dann um die Legitimität vor, Box-Workshops oder geplante Exkursionen in Bordelle, um der Vereinzelung von verklemmten Bewegungsmännern bei der Prostitution entgegenzuwirken. Auch der Konflikt zwichen politisch orientierten Hirnies und Bauchies, die nur aufkörperliche Selbsterfahrung aus sind, scheint ausgeräumt.“ Und die Gretchenfrage - sollen Männer beim Männertreffen auch selbst kochen - wurde pragmatisch entschieden. Die Küchenfrauen wurden toleriert, auch weil sich manche Männer mit Grausen an Männertreffen erinnerten, wo ein „ungenießbarer Schweinefraß“ hingestellt wurde - unter anderem ungekochte Körner für die Vegetarier.
Schnee von gestern. Die Bewegung ist undogmatischer geworden. Wenigstens der Hund eines Teilnehmers ist noch politisch korrekt: Ki, eine Mischung aus einem ungarischen Hirtenhund und einem Rottweiler, ist ein Männchen. Er wird beim Männertreffen gehätschelt, nur furzen tut er etwas streng. Da ging es im Männer- Riech-Workshop etwas feiner zu: „Eine nasale Verführung“, schwärmt ein Mann an der Pinnwand: „Manche Männer könnten sich in Flacons füllen.“_
_Die Woche
Am 8. Mai ist VATERTAG. Die Männer in West und Ost (in der DDR hieß der Himmelfahrtstag „Herrentag“) ziehen in Gruppen nach draußen, um sich gegenseitig ihre Unabhängigkeit von der Familie zu beweisen. Der Trend, dass sich Väter zunehmend auch im privaten Bereich engagieren, ist bisher eine Randerscheinung. Eine Statistik-Studie des Bundesfamilienministeriums belegt, dass die Rollen nach wie vor traditionell verteilt sind: Nur bei 4,4 Prozent der Ehepaare mit Kindern ist allein die Ehefrau erwerbstätig, bei 36,3 Prozent aber sorgt einzig der Mann für das Einkommen (in 51,8 Prozent der Familien mit Kindern sind beide Ehepartner erwerbstätig). Etwa 15 Prozent mehr Mütter sind heute berufstätig als noch vor 20 Jahren - die Zunahme beruht aber ausschließlich auf Teilzeitbeschäftigung. Das Familienministerium spricht von einem Wandel "von der ,Versorgungs- zur ,Zuverdiener-Ehe ". Traditionell auch diese Arbeitsteilung: 86 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen, nur 14 Prozent Männer._
So, das war’s erstmal! Noch Nachschlag gefällig???
Gruß!
Chris