Diese Thematik betrifft zwei sehr grundsätzliche Aspekte:
theologisch: das Gottesbild. In einer Zeit, in der die Ästhetik den „broken hero“ endgültig popkulturell massentauglich gemacht hat (z.B. die Batman-Dark-Knight-Trilogie, in der Batman gebrochener denn je ist), soll Gott ungebrochen sein/werden - allen uralten und neuen außenseiter-theologischen Ansätzen eines „broken God“ zum Trotz?
soziologisch: in einer Zeit, in der immer öfter die Große Erzählung vom bösen verführenden alte weißen Mann erzählt wird, darf selbst Gott (die seine Gestalt als alter weißer Mann noch immer nicht loswerden konnte) kein Verführer mehr sein?
in diesem Fall sollte zur definitiven Klärung der Sache mit den Manichäern, die ja bereits dem Ex-Manichäer Kirchenvater Augustinus ein bissele schwer im Magen lag, das Buch Hiob, in dem ausführlich von der wiederholten Versuchung Hiobs durch Gott berichtet wird, schlicht exkanonisiert werden. Für einen negativen Gegen-Gott „Satan“ ist in der christlichen Dogmatik keine Funktion vorgesehen.
und stelle das in Frage. Erstens wegen der ausführlichen Berichterstattung über die Verführung Hiobs zur Untreue gegenüber Gott, zweitens unter Berufung auf den Hl. Augustinus, der ein für allemal mit manichäistischen Konzepten in der Catholica aufgeräumt hat.
Ich schrieb vom „Gottesbild“, also vom Mensch-Gott-Verhältnis. Dieses „Führe uns nicht in Versuchung“ ist ja nicht nur eine Widersprüchlichkeit in Bezug auf Gottes Unfehlbarkeit, sondern genauso ein Zeugnis des Zweifels daran, ein Zeugnis des Haderns mit ihm, ein Zeugnis davon, es ihm doch zuzutrauen usw., also ingesamt Zeugnis eines „gebrochenen Verhältnisses zu Gott“, das unweigerlich auch ein „Verhältnis zu einem gebrochenen Gott“ ist, zu einem, der selbst Zweifel an sich hat („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“).
Was du vorbringst, ist m.E. eher ein philosophische Verständnis des christlichen Gottes. Dass Aprilfrisch ausgerechnet Augustinus angeführt hat, ist folgerichtig. Mehr ein existentieller Ringer um Gott als ein Philosoph.
Und der Kontext ist ein Gebet, ein Dialog mit Gott, nicht der einer philosophischen Abhandlung über die Unfehlbarkeit und Unendlichkeit der Güte Gottes.
Sind derer denn da zwei? Hab ich irgendetwas verpasst ?
Man darf doch legitimerweise weiterhin davon ausgehen, dass der abrahamitische Gott - sofern er denn überhaupt existiert - nur einer ist, und dann bleibt es egal, ob man jüdisch, christlich oder muslimisch denkt …
durchaus nicht. Die Auffassungen davon, wie dieser Gott sei, gehen ziemlich weit auseinander, nicht nur zwischen den „Schriftreligionen“, sondern auch innerhalb.
Es gibt durchaus dualistische Konzepte im Christentum, aber unter anderem in der erwähnten Fraktion halt nicht.
Nein, der wirft eher Fragen auf, z.B. warum er sich traut, so vollmundig vom „griechischen Urtext“ zu sprechen, u.a vor dem Hintergrund, dass er schon im folgenden Satz schreibt: „Das Vaterunser hat für Christen deshalb so eine überragende Bedeutung, weil es das Gebet ist, das Jesus selbst seine Jünger gelehrt hat.“
Er hat aber sicher recht, dass es eher eine theologische Problematik ist nur als eine der bloßen korrekten sprachlichen Übersetzung.