Jan-Werner Müller (lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Princeton):
"Der Vatikan unterstützte lange die Regimes von Franco in Spanien und Salazar in Portugal.
Es bedurfte nicht zuletzt des Drucks von außen durch die USA…
um ein eindeutiges Umschwenken zu bewirken, welches in „Pacem in Terris“ gipfelte."
Brauchte die Kirche solang, bis 1963, und das noch mit Druck von aussen, bis sie sich zu der „Gutheissung“ der Menschenrechte durchringen musste?
Und das ausgerechnet seitens der Amerikaner?
MultiVista
Der ‚Vatikanstaat‘ macht keine Aussenpolitik
Hallo, Multivista
"Der Vatikan unterstützte lange die Regimes von Franco in
Spanien und Salazar in Portugal.
Der ‚Vatikanstaat‘ macht keine Aussenpolitik.* Der ‚Heilige Stuhl‘ unterstützte die Regimes Francos und Salazars.
Der ‚Heilige Stuhl‘ ist die Holding der Katholischen Kirche und ausserdem der private Eigentümer des Vatikanstaates und damit die letzte noch bestehende Staatsstruktur des Absolutismus.
*Bei der UNO ist der ‚Heilige Stuhl‘ akkreditiert, nicht der ‚Vatikanstaat‘.
Gruss
Adam
Hi Multi,
da der Heilige Stuhl die letzte Bastion absoluten Herrschertums ist, ist es wohl kein Wunder, dass die mit Diktaturen so gut klarkommen. Aber warum wundert es Dich, dass die Amerikaner gedrückt haben? Im Gegensatz zu den den Deutschen, die immer nur über Menschenrechte reden, haben die doch immer wieder versucht, in diesem Punkt voran zu kommen. Das es ausgerechnet Kennedy war, mit dem der damalige Papst dann redete, lag eigentlich auch nur daran, dass Kennedy katholisch war. Genauer, der erste katholische Präsident der USA.
Gruß
Peter B.
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Hallo,
die Geschichte zeigt ja immer wieder, daß auch sehr gewaltsame Herrscher durchaus treue Söhne der katholischen Kirche sein können. Und in jedem dieser Fälle hat sich die Kirche dann für dessen Unterstützung entschieden - man bedenke nur die unseeligen Kreuzzüge des Mittelalters und die Eroberung Südamerikas durch die Spanier - da hatte die katholische kirche nichts dagegen, so lange nur ein Geistlicher dabei war und die zum Tode verurteilten nur rechtzeitig bekehrte. AUch dev Krieg der Spanier gegen England hat zum Teil der Vatikan finanziert - es war ja gottgewollt, die englischen Ketzer endlich wirder katholisch werden zu lassen.
Das läßt sich fortführen bis zu den jatholischen Kaisern der Habsburger, die sich ja auch höchsten Wohlwollens erfreuen konnten.
Obwohl es da ja eine ernsthafte Unstimmigkeit gab, das war, als Franz Joseph dem Papst nicht bei dessen Unfehllbarkeitsdoktrin folgen wollte und als er mit den bürgerlichen rechten in Österreich auch die Zivilehe einführte und die Schulen nicht mehr der Kirche sondern dem Staat unterstellte. Beo so was hörte denn für die Kurie der Spaß auf, das nahm sie dem Katholiken Franz Joseph genau so krumm wie dem Protestanten Bismarck.
Franco und sein portugiesischer Kollege waren erstens brave Katholiken und zweitens stramme Antikommunisten. Und damit waren die für den Vatikan erste Wahl.
Ich erinnere nur an den Skandal vor ein oder 2 Jahren, als der Papst gleich einen ganzen Haufen von im spanischen Bürgerkrieg getöteten Geistlichen heilig sprach - aber dabei nur die Opfer der Republikaner bedachte - die, die Francos Regime tötete, blieben außen vor. An dieser Stelle zeigt sich, daß sich an der Meinung der Jurie gar nichts geändert hat - ein katholischer Diktator und Mörder ist halt allemal besser als ein friedfertiger Atheist.
Und damals… na ja. Die Amerikaner als Solche gibt es ja nicht, man sollte sich hüten, da zu verallgemeinern. Es war nämlich in dem speziellen Falle Kennedy - und der trat wirklich aus eigener Überzeugung für Freiheit und Menschenrechte ein. Und er war Katholik und als solcher a8uch der geeignete Gesprächspartner für den scheinheiligen Vater. Wirklich überzeugt hat er die alten herren in Rom allerdings wohl nicht - siehe oben.
Gernot Geyer