Hallöchen!
Ich bin ganz neu hier und wollte mir mal eure Meinung anhören.
Also, ein Azubi im Hotelfach muss ja während seiner Ausbildung auch in die Küche.
Dies beschränkt sich aber hauptsächlich auf kleine Gerichte.
So, nun kommt der Ausbilder und sagt: „sie gehen in die Küche für einen Monat“
Kein Problem soweit aber nehmen wir an der Azubi ist Vegetarier.
Darf der Ausbilder verlangen dass der Azubi Fleisch „probiert“??
Gelten für Moslems und Allergiker die gleichen Bedingungen?
Und außerdem: Darf er verlangen dass der Azubi ein Tier tötet? (Hummer etc.)Wohl gemerkt steht es nicht auf der Karte…
Brauche echt eure Meinung zu dem Thema.
Vielen lieben Dank schon mal im Vorraus.
LG, Julia
Hallo,
Also, ein Azubi im Hotelfach muss ja während seiner Ausbildung
auch in die Küche.
Was für ne Ausbildung ist das genau? Was ist denn zum Thema Küche in der Ausbildungsverordnung dieses Berufes vorgeschreben? Hat der Azubi nicht gewusst, dass er auch in die Küche muss?
MfG
Hey.
Also es ist ne Ausbildung zur/zum Hotelfachfrau/-mann. Und klar weiß der Azubi das denn das ist so vorgeschrieben dass er in die Küche soll.
Das Problem ist nur dass der Ausbilder der Meinung is dass er den Azubi zwingen könnte Fleisch zu essen bzw. Tiere zu töten und meine Frage lautet nun ob er das überhaupt darf und ob der Azubi sich verweigern darf.
Liebe Grüße,
Julia
Hallo
Das Problem ist nur dass der Ausbilder der Meinung is dass er
den Azubi zwingen könnte Fleisch zu essen bzw. Tiere zu töten
und meine Frage lautet nun ob er das überhaupt darf und ob der
Azubi sich verweigern darf.
Also, wenn ich mir den Ausbildungsrahmenplan so anschaue, stosse ich auf den Abschnitt Küchenhilfe (Lfd. Nr. 8). Die dort aufgeführten zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse machen es zumindest unwahrscheinlich, hier „vegetarisch“ durchzukommen. Naja, letztendlich kann man erst einmal bei der IHK versuchen, das Problem zu lösen, ggf kann man es auch drauf ankommen lassen und sich solange weigern, bis der AG kündigt und dann gegen die Kü klagen.
Ich bin schon irritiert, daß der Azubi sich solche Gedanken nicht vorher gemacht hat. Das wäre doch ein ganz entscheidender Punkt gewesen, den man vorher mit dem Ausbildungsbetrieb hätte klären sollen, oder? Das ist, als starte man eine Ausbildung als Forstwirt und überrascht den Ausbilder dann damit, daß man Pazifist ist und kein Gewehr in die Hand nehmen wird…
Ausbildungsrahmenplan:
http://www.dortmund.ihk24.de/produktmarken/bildung/a…
Gruß,
LeoLo
Hallo
Das Problem ist nur dass der Ausbilder der Meinung is dass er
den Azubi zwingen könnte Fleisch zu essen bzw. Tiere zu töten
und meine Frage lautet nun ob er das überhaupt darf und ob der
Azubi sich verweigern darf.
Einen Vegetarier zwingen Fleisch zu essen, greift schon sehr in die Persönlichkeitsrechte ein!
Also, wenn ich mir den Ausbildungsrahmenplan so anschaue,
stosse ich auf den Abschnitt Küchenhilfe (Lfd. Nr. 8). Die
dort aufgeführten zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse
machen es zumindest unwahrscheinlich, hier „vegetarisch“
durchzukommen.
Dort steht allerdings nichts vom Verköstigen der Speisen. Und ob ein Hummergericht eine einfache Speise ist will ich nicht beurteilen.
IMHO unterstelle ich mal, dass der Küchenchef den Azubi nicht zwingen darf Fleisch zu essen.
Im übrigen stimme ich mit euch überein, dass man sich über solche Dinge vorher schlau machen sollte.
Andreas
Hallo
Einen Vegetarier zwingen Fleisch zu essen, greift schon sehr
in die Persönlichkeitsrechte ein!
Wieso? Hat ihn doch keiner gezwungen, diesen Ausbildungsweg zu gehen? Einen Priesteranwärter zu zwingen, in die Kirche zu gehen, würde Deiner Argumentation zufolge dann auch das Persönlichkeitsrecht tangieren. Oder wie gesagt, einem Forstwirt die Waffe in die Hand zu drücken. Oder einem Bankkaufmann aufzuerlegen, einen Anzug zu tragen. Die Liste ist beliebig fortzusetzen.
Also, wenn ich mir den Ausbildungsrahmenplan so anschaue,
stosse ich auf den Abschnitt Küchenhilfe (Lfd. Nr. 8). Die
dort aufgeführten zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse
machen es zumindest unwahrscheinlich, hier „vegetarisch“
durchzukommen.Dort steht allerdings nichts vom Verköstigen der Speisen.
Wie soll man denn Speisen zubereiten, ohne sie abzuschmecken?
Und
ob ein Hummergericht eine einfache Speise ist will ich nicht
beurteilen.
Es handelt sich nicht um einen Hummer-Vegetarier
Ein Schnitzel ist für mich eine einfache Speise. Eine Wurst übrigens auch. Und die Schnitzel und Würste, die ich esse, stammen von Tieren.
Die Gäste freuen sich bestimmt schon auf so grandiose Gerichte wie:
- Ochsenschwanzsuppe a la Geschmacks-Roulette
- Königsberger Klopse nach Art der Fertigpackung
- Chilli con Carne pi mal Auge auf eigene Gefahr
Kleingedruckt unten auf der Speisekarte steht dann: „Wenn Ihnen das Essen nicht schmeckt, so kann das gut sein. Wir probieren das auch nicht.“
IMHO unterstelle ich mal, dass der Küchenchef den Azubi nicht
zwingen darf Fleisch zu essen.
Nein, das ist korrekt. Er kann ihn nicht „zwingen“. Er sollte ihn aber kündigen. Zumindest, wenn die Probezeit noch läuft. Aber auch danach, sollte er wenigstens seine Optionen prüfen.
Im übrigen stimme ich mit euch überein, dass man sich über
solche Dinge vorher schlau machen sollte.
Si!
Gruß,
LeoLo
Hallo LeoLo,
ohne wirklich etwas beizutragen möchte ich nur als lebenslange Vegetarierin Deine Beiträge unterschreiben.
Zusätzlich möchte ich ergänzen, dass das Abgrenzen der zumutbaren Tätigkeiten ein weiteres praktisches Problem wäre: was ist denn (für einen Vegetarier) abstoßender - eine Gulaschsuppe zu probieren oder ein Huhn auszunehmen? Was geschieht, wenn er sich zum Veganer entwickelt? Zum Rohköstler? Zum Frutarier?
Meine juristisch völlig ahnungslose Meinung ist also auch: was offensichtlich Bestandteil der Ausbildung ist und dem Azubi auch vor antritt ebendieser bekannt war/ hätte bekannt sein müssen, ist eben auszuführen.
Praktischer Rat an den OP: Vielleicht findet sich ein Ausbildungsbetrieb mit vegetarischer/ vollwertiger/ ökologischer etc. Ausrichtung? Dort findet man vielleicht mehr Verständnis.
Bis dahin würde ich versuchen, mit dem Chef/ den Kollegen zu verhandeln - 1 Stunde zuätzliches Kartoffelnschälen gegen kollegiale Hilfe beim Abschmecken? Vielleicht wird das Problem entschärft, wenn der Azubi klar macht, dass es nicht Spitzfindigkeit oder Faulheit ist, die ihn davon abhält, den Anweisungen zu folgen.
So sehr ich die Abneigung gegen diese Tätigkeiten verstehen kann, ärgern mich solche „Eskapaden“ doch ziemlich, das sie zu dem Eindruck vieler Mischköstler beitragen, Vegetarier/ Veganer würden ständig erwarten, dass man ihnen eine „Extrawurst“ brät. Wenn es hier nicht besondere Umstände gibt, die noch nicht geschildert wurden, war dieser Eklat doch vorprogrammiert - oder wurde dem Azubi im Einstellungsgesräch zugesichert, dass er sich während der Ausbildung von allen tierischen Erzeugnissen fernhalten kann?
Gruß
Ramona
Hallo, da Hotelfach ja nicht nur Küche ist, sollte man sich da schon mit dem Chef einigen (nicht dem Küchenchef, sondern dem Hotelchef). Vorger kann man sich ja bei der DEHOGAInformationen einholen, wie es in anderen Häusern gehandhabt wird. Allerdings wenn die Kellnerphase kommt, wie willst du dem Gast zB. die saftige Flugente schmackhaft machen oder das Kesselgulasch nach Art des Hauses, wenn du es nie probiert hast?
Bei reinen Küchenberufen (Koch, Hauswirtschafterin, Ökotrophologiestudium, Diätassistentin) gehört das Fleisch essen zur Warenkunde und ist nicht abwählbar und natürlich muss man auch mal einen Hummer oder Muscheln kochen, die alle lebend ins heiße Wasser kommen. Und auch Schwein muss mal gegessen werden, auch wenn die Religion dagegenspricht (wen es stört, der kann sich ja einen anderen Ausbildungsbetrieb suchen, wo kein Schwein oder selten Schwein gekocht wird).
Hier gabs mal eine moslemische Fleischereifachverkäuferin, bei der ich gerne gekauft hab, da ich das Kopftuch als extra-hygienisch empfand, allerdings hatte ich durchaus auch mal ein schlechtes Gewissen bzw. ungutes Gefühl, wenn ich dann doch mal Schwein brauchte. Irgendwann hab ich sie mal drauf angesprochen, ob ihr das gar nichts ausmacht, worauf hin sie mir sagte, sonst könnte ich ja nicht hier arbeiten, sie musste in der Ausbildung auch Schwein probieren, doch „dann geh ich eben einmal öfter in die Moschee und dann geht dass schon“
Einzige Ausnahme wären echte Lebensmittelallergien (da der Betrieb auch eine Fürsorgepflicht hat und die Gesundheit nicht wissentlich gefährden darf), aber das käme einer Berufskrankheit gleich, da zB. ein Apfelallergiker oft nicht mal Äpfel Schälen kann und man müsste sich was neues suchen (Umschulung über BG, sofern nicht vorher bekannt). Gegen Fleisch hat man eher selten eine Allergie.
Allerdings frag ich mich, was ist ein Monat Küche gegen 3 Jahre Aubildung. Wenn der Hummer nicht auf der Karte steht, würd ich mich (u.d. Chef) schon fragen was das soll, kann evtl. auch Mobbing sein??
Doch Fleischgerichte probieren wird dich nicht umbringen, und wenn der Koch dich zum Fleischessen missionieren will, kannst du es umgekehrt ja versuchen ihm wenigstens Biofleisch von halbwegs Glücklichen wenn auch toten Viechern schmackhaft zu machen.
Übrigens, falls du in der Berufsschule noch nicht soweit bist…Pflanzen sind auch Lebewesen, haben durchaus Ähnlichkeiten in der Zellstruktur mit Mensch- und Tier, Pflanzen sich ähnlich fort etc. Ihnen wird bisher nur keine Seele oder Schmerzempfinden zugesprochen, doch das ist bei den Tieren ja auch noch nicht allzulange her, das sie keine „Gegenstände“ mehr sind. Und auch Pflanzen haben Änderungen in der elektrischen Leitfähigkeit ihrer Oberfläche, wenn man sie anschneidet (verletzt, so das zB. Harz austritt). Manch ein Forscher ist der Ansicht, dass auch Pflanzen ein Schmerzempfinden haben…
Würdest du nun das Essen ganz einstellen…? Wenn dir dein eigenes Leben lieb ist, wohl eher nicht…
Gruß Susanne