die Diagnose ist ein wenig schwammig. Venenstau hat z.B. letzendlich jeder, der Krampfadern hat. Auch könnte man möglicherweise eine oberflähliche Venenentzündung als Venenstau bezeichnen. Die erste Besorgnis gilt allerdings einem Verschluß der tiefen Beinvenen, also einer Thrombose.
Die Akutgehfahr bei einer Thrombose ist, daß sich das verursachende Blutgerinnsel aus den Beinvenen löst und in die Lunge strudelt (Lungenembolie). Als Spätschaden können, sofern die Venenklappen in die Thrombose miteinbezogen sind, Krampfadern und Durchblutungsstörungen des Beines (mit Gewebeschädigung der Haut) entstehen.
Wegen der Gefahr der Lungenembolie behandelt man Thrombosepatienten wie ein rohes Ei, d.h. Bettruhe und Bein ruhig halten. Mittlerweile gibt es aber auch Lehrmeinungen, die besagen, daß die Thrombose erst dann klinisch in Erscheinung tritt, wenn das Gerinnsel schon richtig fest mit der Gefäßwand verwachsen ist, also gar keine Emboliegefahr mehr besteht. Demnach wäre die gefährlichste Phase diejenige, wo das Gerinnsel noch am entstehen ist, und man zunächst gar nichts davon merkt. Ganz mutige raten bezüglich der darauf folgenden symptomatischen Phase sogar zu Beingymnasik (also nicht mehr zu Bettruhe), dies mit dem Argument, daß besagte Spätschäden dann seltener auftreten sollen.
Die Standardtherapie besteht aber (immer noch) aus strenger Bettruhe und Gabe von gerinnungshemmendem Heparin. Auch in der „neuen“ Behandlungsstrategie kann/sollte man Heparin geben. Bitte keinesfalls selbstverordnete Gymnastik o.ä., auch in der „neuen“ Sichweise sollte man (auch eine ältere) Thrombose als potentiell lebensbedrohlich betrachten, und sei dies nur sicherheitshalber.
Was genau bei Deinem Freund nun vorliegt, läßt sich aus der Ferne aufgrund der eher unspezifischen Angaben des Arztes nicht sagen. Mit einer Thrombose hätte er ihn allerdings normalerweise ins Krankenhaus schicken müssen.
Oliver
Die in diesem Posting enthaltenen Meinungen und Ratschläge wurden nach bestem Wissen und Gewissen erteilt. Dennoch können Richtigkeit und Vollständigkeit nicht garantiert werden. Der Beitrag kann und will eine persönliche Arztkonsultation nicht ersetzen.
auch ich plädiere in diesem Zusammenhang wie Oliver zunächst für worst case management, d.h. in der Annahme einer tiefen Beinvenenthrombose. Die bekommt man u.a. bei langem, beengtem Sitzen, so daß die Frankfurter Flughafenklinik ein Lied davon singen kann. Man spricht hier vom „Touristenklassensyndrom“, wegen der beengten Sitzmöglichkeiten in den Beachbombern.
(http://www2.tagesspiegel.de/archiv/2001/01/10/ak-we-…)
Es ist im übrigen nicht unbedingt verkehrt, zur „Blutverdünung“ vor langen Flugreisen, eine Aspirin einzuwerfen, wenn man sie auch sonst gut verträgt.
Eine Thrombose der tiefen Beinvenen (->Abflußbehinderung!) erkennt man typischerweise an der Schwellung (deutliche Umfangsdifferenz) zusammen mit Schweregefühl und so ziehenden Schmerzen, v.a. im Wadenbereich, die im Liegen abnehmen. Die Haut des betroffenen Beines kann farblich blaß-blau sein, die Haut wegen der Schwellung gespannt-glänzend. Das Bein kann wärmer sein als das andere.
Charakteristisch ist auch der Wadendruckschmerz.
Allerdings schließt das Nichtvorhandensein dieser Zeichen eine Thrombose nicht aus (umgekehrt machen sie sie aber wahrscheinlich).
Das mit der Krankenhauseinweisung steht zwar im Lehrbuch, ist aber leider nicht immer Realität, auch hier in Deutschland nicht (eigene Erfahrung).
Da sich das ganze in einiger Entfernung abspielt und ich im Rahmen vom Reiserückholdienst eigene Erfahrungen mit südeuropäischer Medizin habe, rate auch ich hier zur Vorsicht. Wenn Dein Freund eine Reiserückholversicherung abgeschlossen hat, kann er sich ja mal mit der in Verbindung setzen. I.d.R. haben die ihre Connections so, daß sie in allen Teilen der Welt Leute kennen, die relativ zuverlässige Diagnosen (& entsprechende Therapien) stellen können.
Therapeutisch ist - wie von Oliver schon gesagt - (geübtes)Wickeln mit elastische Binde, Hochlegen und Ruhigstellen bei der tiefen Beinvenenthrombose Standart; ich nähme in diesem Fall eher die Spätkomplikationen in Kauf als das Risiko einer Lungenembolie.
Wenn ich gewusst hätte, dass „Venenstau“ allein noch nichts aussagt, hätte ich die Sypmptome auch erwähnt:
Der Patient leidet unter geschwollenen Füßen, taubem Gefühl in den Beinen und Beschwerden beim Gehen, und außerdem ist er nicht, wie eingangs (der Einfachheit halber erwähnt), auf Urlaub, sondern Betreuer von behinderten Kindern in einem Ferienlager in Italien.
Der Arzt hat ihn nicht krank geschrieben, deshalb muss er noch die zweite Woche arbeiten, bevor er nach Österreich zurückkehrt.
Mittlerweile mache ich mir schon ernsthafte Sorgen um ihn…
Wenn das wirklich die einzigen Symptome sind, und sie auch noch beidseits symmetrisch auftreten, und dann vielleicht auch noch Krampfadern zu sehen wären, so würde ich die Beschwerden am ehesten auf letztere schieben.
Die Taubheitsgefühle müßte man für diese Diagnose allerdings ignorieren. Sie müssen andererseits auch nicht unbedingt typisch für eine Thrombose sein. Je nach dem Umständen kommen da andere Ursachen in Betracht. Eine Streßreaktion zum Beispiel benutzt gerne eine vorhandene körperliche Grundkrankheit (wie Krampfadern), um auf ihr ein wenig „Klavier“ zu spielen. Eine gründliche neurologische Abklärung natürlich stets vorausgesetzt
Gings ihm denn eigentlich schon vor den körperlichen Beschwerden schlecht?
Besondere Sorgen machen würde ich mir nicht unbedingt, soweit man das halt aus der Entfernung mit den momentan gegebenen (dürftigen) Informationen sagen kann. Er hat das Bein ja schon fachkundlicherseits anschauen lassen, und der Arzt vor Ort wird auch nicht blöd gewesen sein. Das gefährlichste ist, eine Thrombose gar nicht erst in Erwägung zu ziehen. Da er aber explizit eine Venengeschichte vermutet hat, war die Thrombose bestimmt in der Differentialdiagnose mit dabei. Und selbst wenn es wirklich eine wäre - die gefährliche Phase wäre vermutlich schon vorüber.
Deine Ausführungen beruhigen mich ganz und gar nicht!
Ich hatte ja auch nicht vor, Dich zu beruhigen, sondern Dir zu sagen was ich weiß.
Lies bitte die Antwort an Oliver, dort hab ich noch
ausführlicher geschrieben.
Ja, das hört sich schon einigermaßen bedenklich nach verzwickter Lage an.
Wäre ich Arzt und hätte die entsprechenden Möglichkeiten, würde ich möglichst bald eine Ultraschall- genauer eine Doppleruntersuchung des betroffenen Beines machen. Damit kann man die Strömung in den Gefäßen beurteilen und messen, das würde Klarheit bringen´, denn ich hätte den dringenden Verdacht auf eine akute Beinvenenthrombose.
Wir sind aber aus der Ferne weiterhin auf Spekulationen angewiesen (s. Ferndiagnosediskussion(en) in diesem Brett), was das ganze noch komplizierter macht - entscheiden muß Dein Freund immer noch allein für sich.
Ich würde aber, vorausgesetzt ich stelle mir die Situation richtig vor, die Sache ernst nahmen und versuchen, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen resp. dahin, wo eine vernünftige Diagnose gestellt werden kann (s.o.), das wird in Italiens Süden zumindest ein etwas größeres Krankenhaus mit motiviertem Personal sein. Ein weiteres Problem sind natürlich die Kinder, denen er gegenüber eine Aufsichts- und Sorgfaltspflicht hat, die er auch in diesem Fall ernst nehmen muß. Es muß doch eine Organisation geben, von der aus die Kinder in die Ferien geschickt wurden. Kann er von denen denn keine Hilfe/Ersatz kriegen?
Es muß doch eine Organisation geben, von der aus die
Kinder in die Ferien geschickt wurden. Kann er von denen denn
keine Hilfe/Ersatz kriegen?
Es handelt sich bei dieser Organisation um einen Verein: die Volkshilfe Niederösterreich. Eine Abteilung dieses Vereines beschäftigt sich mit Kindern und Jugendlichen. Es sind mehrere Betreuer und auch eine Krankenschwester Vorort.
Besteht eine Reiserückholversicherung?
Das weiß ich leider nicht, aber ich denke schon, daß im Notfall von der VH eine Rückholung organisiert werden würde.
Derzeit macht der Betroffene „leichten“ Dienst - was immer das bei 60 Kindern davon 20 behinderte Kinder bedeutet.
…na dann müßte eine weitere suffiziente Betreuung der Kinder ja evtl gesichert sein.
Der nächste Schritt für mich wäre, mich mal an die Volkshilfe zu wenden, denn die muß ja auch ein Interesse an der Gesundheit ihrer Mitarbeiter haben und wenn das nicht die erste Freizeit ist, die sie organisieren, dann gibts da vielleicht auch jemanden, der sich mit sowas auskennt.
Ach so: Wie fit ist denn eigentlich die anwesende Krankenschwester, was sagt die denn dazu?
c++
Ich für meinen Teil bin auf alle Fälle südlichen Diagnosen/Therapien gegenüber gesund mißtrauisch wer wissen will warum, soll mir mailen.
Gesundheit ihrer Mitarbeiter haben und wenn das nicht die
erste Freizeit ist, die sie organisieren, dann gibts da
vielleicht auch jemanden, der sich mit sowas auskennt.
Die Kinderferien werden seit Jahren veranstaltet.
Olivers Vermutung, daß das ganze auch durch Streß verursacht worden sein könnte, ist nicht von der Hand zu weisen, weil der Betroffene ziemlich streßige Wochen hinter sich hat.
Ach so: Wie fit ist denn eigentlich die anwesende
Krankenschwester, was sagt die denn dazu?
Keine Ahnung, ich kenne diese Abteilung der VH nicht. Aber die VH kann es sich sicher nicht leisten 60 Kinder ohne halbwegs gute Krankenschwester loszuschicken
Ich für meinen Teil bin auf alle Fälle südlichen
Diagnosen/Therapien gegenüber gesund mißtrauisch wer wissen
will warum, soll mir mailen.
Kannst Du mir Deine Meinung mailen? Ich denke, daß das den Rahmen dieses Brettes sprengen würde.
Meine Addi steht ja oben im Posting.