Hallo,
vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen. Seit geraumer Zeit beobachte ich, daß sich meine Eltern (75 und 80 Jahre alt) auf eine Weise verändern, die ich mir nicht erklären kann. Natürlich haben sie eine Menge vergessen, aber dies ist wahrscheinlich nicht ungewöhnlich. Vielmehr verwundern mich andere Veränderungen: Sie behaupten, unabhängig voneinander, daß in der Vergangenheit bestimmte Dinge passiert sind, die überhaupt nie geschehen sind (kann meine Schwester ebenfalls bezeugen). Aber alles, was sie vergessen haben und ebenso alles, was nur nach ihrer Meinung passiert ist, dient offensichtlich dazu, meine Eltern in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Hat dies alles einen Namen, kann das noch schlimmer werden und womit muß ich in Zukunft rechnen?
LG, Margit
Hallo Margit
Spontan fällt mir dazu ein (war es Nietzsche?):
„Das habe ich getan“, sagt mein Gedächtnis.
„Das kann ich nicht getan haben“, sagt meine Moral.
Schließlich -
gibt mein Gedächtnis nach.
Gruß,
Branden
hallo branden
es war nietzsche, aber der spruch geht so
das habe ich getan, sagt mein gedächtnis. das kann ich nicht getan haben, sagt mein stolz und bleibt unerbittlich. endlich - gibt das gedächtnis nach.
gruß klaus
Hi!
Wenn man sich an manche Sachen nicht mehr erinnern kann, „erfindet“ man sie beim Erzählen dazu. Das ist zum Beispiel sehr gut beobachtet worden bei stark geschädigten Alkoholkranken. Diese erfundenen Details gehen dann wieder ins Gedächtnis über, weil sie ja plausibel sind.
Dass sich diese erfundenen Details natürlich die eigene Person ins gute Licht rücken und noch gespickt mit unbewussten Wünschen sind, kann man sich leicht vorstellen.
Vielleicht ist es so ein ähnlicher Effekt bei deinen Eltern?
Bye
Hansi
Hallo, Branden und Klaus,
es war nietzsche, aber der spruch geht so
das habe ich getan, sagt mein gedächtnis. das kann ich nicht
getan haben, sagt mein stolz und bleibt unerbittlich. endlich
- gibt das gedächtnis nach.
(Moral und Stolz, manchmal vielleicht weniger Konkurrenten, dafür eher Partner, das gefällt mir, weil es zu meinen eigenen Theorien paßt und wen´s interessiert, dem sag ich gern warum, denn ich hab so meine eigene Auffassung, warum Moral entstanden ist und wem Moral Vorteile bringt).
Trotzalledem, damit kann man nur erklären, warum bestimmte Dinge aus dem Gedächtnis verschwinden, doch eher weniger, warum neue Dinge darin auftauchen, die nie passiert sind, und von denen die Betroffenen überzeugt sind, daß sie so geschahen, oder?
LG, Margit
Hallo, Hansi,
Wenn man sich an manche Sachen nicht mehr erinnern kann,
„erfindet“ man sie beim Erzählen dazu. Das ist zum Beispiel
sehr gut beobachtet worden bei stark geschädigten
Alkoholkranken. Diese erfundenen Details gehen dann wieder ins
Gedächtnis über, weil sie ja plausibel sind.Dass sich diese erfundenen Details natürlich die eigene Person
ins gute Licht rücken und noch gespickt mit unbewussten
Wünschen sind, kann man sich leicht vorstellen.Vielleicht ist es so ein ähnlicher Effekt bei deinen Eltern?
Interessanter Gedanke, aber er kann nur dann zutreffen, wenn es „Lücken“ gibt. Dann kann ich mir auch gut vorstellen, daß sie dem Betreffenden als plausibel erscheinen und daß er sich natürlich nicht selber dabei abwertet. Doch was ist, wenn meine Eltern Episoden erzählen, die keine Lücken füllen können?
Was mich bei ihnen vor allem erschreckt, sind nicht „Erfindungen“ an sich, sondern wenn diese für mich zum einen nicht ersichtlich notwendig sind und zugleich so leicht zu widerlegen sind. Sie erzählen ja „Tatsachen“, die nicht nur mich, sondern meine drei Schwestern betreffen, bzw. ganz leicht von allen ihren Kindern zu widerlegen sind. Ist das dann Altersdemenz? Und wieso sind sich dann beide Elternteile bei diesen „Tatsachen“ einig? Ich bin mir ja gar nicht mal sicher, ob es sich um eine altersbedingte Störung oder um einen „unbewußten“ Versuch handelt, mich oder meine Geschwister zu manipulieren. Auch wenn ich mir nicht gut vorstellen kann, warum ein derartiges Verhalten erst im hohen Alter auftreten sollte.
Auf alle Fälle leidet dadurch immer mehr die Kommunikation zwischen Eltern und uns „Kindern“ und da ich diejenige bin, die sich um sie kümmert, belastet mich dies, da auch das Vertrauen schwindet. Wie kann man mit jemanden tagtäglich zusammen sein und reden, der die gemeinsame Vergangenheit so ganz anders sieht?
LG, Margit
@Klaus: Danke für die Berichtigung. MEIN Gedächntnis scheint noch nicht ganz so schlimm zu sein wie das der angesprochenen alten Herrschaften…interessanterweise hasbe ich nur EIN Wort vertauscht, aber das hat es in sich *g*. Statt STOLZ habe ich MORAL geschrieben…Freud lässt grüssen…wahrscheinlich habe ich mehr mit Moral als mit Stolz am Hut. 
@Margit:smiley:ie alten Leutchen phantasieren ja oft, was das Zeug hält. Hat sicherlich auch eine biologische Grundlage durch den Hirn-Abbau im Alter. Aber auch psychoanalytisch interessant (na klar, was haben wir anderes erwartet *g*): Sehr „gern“ wird von alten Damen phantasiert, dass ein Mann nachts in die Wohnung hineinwollte und ähnliches. 
Gruß,
Branden
Hallo,
wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Demenz. Demenz ist ein Syndrom mit fortschreitenden kognitiven und psychopathologischen Fefiziten. Hauptsymptom ist meist eine Störung von Merkfähigkeit und Gedächtnis.
Demenzpatienten bemerken teilweise selber ihre Defizite, versuchen sie aber häufig zu kaschieren, denn eine Störung im Bereich der kognitiven Fähigkeiten ist für viele sehr schwer zu akzeptieren. Deswegen täuschen manche Betroffene da, wo Lücken im Kurzzeitgedächntnis, oder auch in der Erinnerung an länger zurück liegende Ereignisse, auftreten, einfach eine intakte Erinnerung vor. Das sie nichts erfinden, das ihnen peinlich sein müsste iust dabei verständlich 
Frag deine Eltern doch öfter mal nachmittag um drei, was es zum Mittagessen gab. Achte mal darauf, ob sie in der Erinnerung an deine Kindheit Personen verwechseln, beispielsweise dich mit deiner Schwester o.ä. Achte auf weitere Aufmerksamkeits-, Orientierungs und Konzentrationsstörungen.
Demenz ist sehr häufig bei Menschen im Alter deiner Eltern.
Gruß
Tahere
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo Tahere,
wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Demenz. Demenz
ist ein Syndrom mit fortschreitenden kognitiven und
psychopathologischen Fefiziten. Hauptsymptom ist meist eine
Störung von Merkfähigkeit und Gedächtnis.
richtig
Demenzpatienten bemerken teilweise selber ihre Defizite,
versuchen sie aber häufig zu kaschieren, denn eine Störung im
Bereich der kognitiven Fähigkeiten ist für viele sehr schwer
zu akzeptieren. Deswegen täuschen manche Betroffene da, wo
Lücken im Kurzzeitgedächntnis, oder auch in der Erinnerung an
länger zurück liegende Ereignisse, auftreten, einfach eine
intakte Erinnerung vor. Das sie nichts erfinden, das ihnen
peinlich sein müsste iust dabei verständlich
Ich kenne immer nur die Form, das das die Erinnerungsfähigkeit mit dem zeitlichen Abstand zum (vermuteten) Beginn der Demenz zunehmen. Also Geschichten von Anno dunnemals stimmen, aber das Mittagsgericht ist vergessen. Ähnlich ist es mit dem Erkennen von Personen, Menschen die 20 Jahre vor Eintritt der Demenz geborten wurden werden besser erkannt als Menschen, die 10 Jahre vor Ausbruch geboren wurde.
Frag deine Eltern doch öfter mal nachmittag um drei, was es
zum Mittagessen gab.
guter Test.
Achte mal darauf, ob sie in der Erinnerung an deine Kindheit Personen :verwechseln, beispielsweise dich mit deiner Schwester o.ä.
wäre bei den mir bekannten Fällen neg. gewesen.
Achte auf weitere Aufmerksamkeits-, Orientierungs und
Konzentrationsstörungen.
ok
Demenz ist sehr häufig bei Menschen im Alter deiner Eltern.
ja, v.a. wenn die geistige Leistungsfähigkeit nicht mehr beansprucht wird (Verringerung der sozialen Kontakte durch Abmelden aus Vereinen, Verlust wichtiger Bezugspersonen)
Ciao maxet.
P.S.: Was nicht zitiert wird, bitte Löschen. Vollzitate am Ende sind nervig.
Hi Margit,
der die gemeinsame Vergangenheit so ganz anders sieht?
Ich äussere mich als Laie und fand den letzten Satz Deiner Antwort „erhellend“: ich halte es nicht für ungewöhnlich, dass Menschen auch eine gemeinsame Vergangenheit unterschiedlich sehen, allein weil sich manche Dinge aus Sicht eines Erwachsenen anders darstellen als z. B. für ein Kind - dennoch betrachten alle ihre jeweilige Darstellung als „wahr“.
Deine Eltern haben vermutlich in ihrem Leben einiges durchstehen müssen, an das man sich ungern erinnert bzw. dass man in der Rückschau „beschönigt“, fast beschönigen muss, auch um den Preis, dabei Tatsachen zu verdrehen. Neben dem Vergessen ist das vielleicht auch eine Schutzfunktion. Als Beispiel möchte ich viele Freunde und Bekannte nennen, die im Nachhinein ihre Bundeswehrzeit nahezu glorifizieren, obwohl kaum einer damals gern den Dienst tat. Ähnliches habe ich beobachtet, wenn ehemaligen Kameraden von gemeinsamen Kriegserlebnissen sprachen.
Ganz allgemein glaube ich, dass kaum jemand nicht Zeiten, Situationen odgl. in seinem Leben hat, die er/sie vergessen, rückgängig oder ungeschehen machen möchte - oder aber sie so „greht“, dass es nciht ganz so schlimm ist.
Hallo, Gunter,
Ganz allgemein glaube ich, dass kaum jemand nicht Zeiten,
Situationen odgl. in seinem Leben hat, die er/sie vergessen,
rückgängig oder ungeschehen machen möchte - oder aber sie so
„greht“, dass es nciht ganz so schlimm ist.
Prinzipiell kann ich Dir zustimmen, aber wenn nun z.B. meine Eltern behaupten, ich selber hätte in der Schule nie eine Klasse wiederholt, ich mir aber sicher bin, daß es so war? Andererseits behaupten sie, vor einigen Jahren eine Küche in eines der ehemaligen Kinderzimmer eingebaut zu haben, und wir Kinder wissen davon nichts, obwohl wir regelmäßig auf Besuch waren? Diese Küche hat nie existiert. Gehört das auch noch in diese Kategorie?
LG, Margit
Hallo,
ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und hatte mich anfangs darüber aufgeregt, weil ich mich unverstanden fühlte. Nun ist die Generation deiner Eltern eine, die leider nicht mehr allzuviel von Aufarbeitung der Vergangenheit etc. anfangen wollen/können.
Meine Mutter sagte einmal, daß ein Leben gar nicht ausreichen könnte, um alles aufzuarbeiten, was vorgefallen war. Dennoch hat sie flexibel geworden und hat sich mitverändert und auch durch uns Kinder noch Möglichkeiten, sich und die Welt anders zu sehen.
Viele sehr Alte Leute sind durch ihre Art des Aufwachsens nicht mehr in diese Möglichkeiten gerutscht und da wird natürlich verdrängt was das Zeug hält, weil es ja nicht mehr viel Nutzen würde das Ganze von vorne aufzurollen. Das erfordert einfach zuviel Energie und Zeit und man will ja schließlich endlich mal Ruhe haben in dem Alter und sich nicht auch dann noch mit den Widrigkeiten des Lebens aus der Vergangenheit abgeben. Dann passieren solche „Dinge“ weil man es einfach mal schöner haben will. Oft geht es ja um „negative“ Dinge und das klammert man dann halt aus und stellt es sich einfach etwas schöner dar oder denkt sich was aus.
Vielleicht kannst du deine Eltern noch beeinflussen. Du solltest jedenfalls probieren verständnisvoll zu sein, da alles andere nur böses Blur erzeugt und die Menschen quält. Du kannst auch einfach deine Wahrheit sagen, nen Scherz in Richtung -jaja vergessen wollen dazudrücken und schon ist die Message drin. Da ist das schon wieder leichter zu taken.
Ich wünsch dir auf alle Fälle eine gute Zeit miteinander, solange ihr euch noch miteinader genießen könnt. Denn kleine (und große) „Sünden“ in der Vergangenheit zu vergeben ist viel nützlicher als alles auf die harte Probe zu stellen und wer weiß wie Jemand das aushält.
Wenn es bedrückende Dinge sind sag einfach wie es dir damit geht und versuche vielleicht nicht große Schuldgefühle und Reueattaken zu erzeugen. Und wenn es einfach um was anderes geht, amüsier dich vielleicht mal über deren Erfindungsreichtum.
Solange es keine Gebrechen sind kann sich immer noch was bewegen in eurer Beziehung.
Falls es Demenz ist, leiden sie unter einer Krankheit, die schlimme Folgen hat. Und da wäre es gut wenn du dir nicht Sorgen über Unwahrheiten machst, sondern wie du auch befürchtest in diese Richtung arbeitest und dir kompetente Hilfe suchst zu dem Gebiet z.B. nachschaust, was das ist. http://www.das-beratungsnetz.de/beratungslotse/info/…
LG Paticia
Hi Margit,
Prinzipiell kann ich Dir zustimmen, aber wenn nun z.B. meine
Eltern behaupten, ich selber hätte in der Schule nie eine
Klasse wiederholt, ich mir aber sicher bin, daß es so war?
Andererseits behaupten sie, vor einigen Jahren eine Küche in
eines der ehemaligen Kinderzimmer eingebaut zu haben, und wir
Kinder wissen davon nichts, obwohl wir regelmäßig auf Besuch
waren? Diese Küche hat nie existiert. Gehört das auch noch in
diese Kategorie?
Auf Deine konkrete Frage nach „Kategoriezugehörigkeit“ weiss ich nicht die korrekte Antwort. Allerdings ist mir ein Fall bekannt , in dem einem als Student verstorbenen jungen Mann sagenhafte Dinge angedichtet wurden: von allgemeiner Glorifizierung bis hin zu schulischen Leistungen, die ganz Schulklassen überspringen liessen (Allerdings machte der Mensch erst mit 20 Jahren Abi - so hat sich mir der „Schwindel“ als solcher aufgedeckt). und obendrein hat dieser Musterknabe das absolute Wunschstudium (Theologie) seiner Eltern, Verwandten und Förderer nach einem Jahr geschmissen.
Ich denke, dass sich alte Menschen zum Einen hinter vermeintlicher Vergesslichkeit „verstecken“ und dass sie bsiweilen dazu neigen, die Vergangeheit „ins rechte Licht zu rücken“ unabhängig von der vermeintlichen objektiven Wahrheit (vielleicht haben sie es ja tatsächlich so in ihrer Erinnerung?!).
Hallo Margit,
in einem Alter von 75-80 halte ich persönlich es für verzeihlich, biographische Einzelheiten zu verkehren oder zu verbrämen.
Anhand der Formulierung „sie besser dastehen zu lassen“ (o.ä.) vermute ich mal, daß es sich in diesem Kontext um Aufarbeitung oder - wenn nicht diesen Ausmaßes - um Diskussionen kernproblematischer Punkte handelt. In diesem Fall ist die Antwort ganz einfach:
1.: Grundlegende Perspektivveränderungen in diesem Alter zu erwarten wäre unrealistisch,
2.: Niemand möchte seinen Lebensabend damit verbringen, negative Aspekte seines irdischen Daseins auszukramen und zuzugeben
und 3.: Dieser Wunsch schließlich muß seinen Rahmen in Form einer Realitätsverzerrung erhalten, wenn Wille und Wirklichkeit sich partout nicht decken wollen.
Meiner Erfahrung nach (und viel davon braucht es da nicht) spielt der Seelenfriede in Todesnähe eine übergeordnete Rolle; allerdings wird selbiger diesbezüglich anders definiert als z.B. mein jugendlich - stürmerischer Überschwang es vermag (und wünscht).
freundlichst,
Laura
P.S. Wichtige Details wie z.B. die Intensität der erwähnten „Realitätskosmetik“ mußt du selbst bewerten; solche Ergänzungen wären natürlich wichtig (aber hier, finde ich, zu privat)
um eine ernstzunehmende Einschätzung zu formulieren, für die ich eh nicht der geeignete Fachmann bin 