Hallo
ich würde gerne wissen, wer in einem Unglücksfall in den Ferien die Verantwortung trägt. Mit Unglücksfall meine ich zum Beispiel eine Entführung in der Sahara oder ein Todesfall etc. Ist der Reiseveranstalter verantwortlich oder der Reisende?
eine Entführung ist wohl kein Unglücksfall, sondern eine rechtswidrige Tat, für die der Täter verantwortlich ist. Für den natürlichen Tod ist niemand verantwortlich.
Der Reiseveranstalter könnte aufgrund der Verletzung einer Aufklärungspflicht (Gefahr der Entführung bei Exkursionen) haftbar sein, wenn dazu Veranlassung bestand.
Ergänzend: Wenn es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt, dann liegt es in der Verantwortung des Reisenden, ob er diese ernst nimmt und die Reise nicht durchführt oder ob er sie ignoriert und reist. In letzterem Fall ist der Reiseveranstalter aus dem Schneider und der Reisende gibt sich bewusst und freien Willens in Gefahr, so dass der Staat bei Maßnahmen z.B. bei einer Entführung auch entsprechend angefallene Kosten zurückfordern kann.
Ein entsprechendes Gerichtsurteil gab es ja gerade erst.
Richtig, dennoch tragen aber die Entführer die Verantwortung.
Dass einem das faktisch nicht immer was nutzt ist klar.
Klaro, für die Entführung, aber nicht dafür, dass sich die reisende Person vorsätzlich in Gefahr gebracht hat.
An sich ist sowas teilweise schon Darwinaward würdig.
Aber wenn jemand Bungeejumping macht, irgendwann an ein vom Veranstalter gestelltes beschädigtes Seil gerät und sich beim Sprung endgültig zerschießt und großflächig verteilt, dann mag der Veranstalter die Verantwortung haben, das Risiko ist der Springer aber selbst eingegangen, weil er es wollte. Und deswegen gibts von mir da nicht mehr als ein Achselzucken und ein „selber schuld!“
Irritierend genug, dass ich auf Grund meiner Berufswahl im Zweifelsfall so mutige Touristen evakuieren oder raushauen darf, wenn die Situation es ergibt und ich dementsprechend meinen Kopf hinhalten darf. Aber egal, scheiße passiert.
Aber wenn jemand Bungeejumping macht, irgendwann an ein vom
Veranstalter gestelltes beschädigtes Seil gerät und sich beim
Sprung endgültig zerschießt und großflächig verteilt, dann mag
der Veranstalter die Verantwortung haben, das Risiko ist der
Springer aber selbst eingegangen, weil er es wollte. Und
deswegen gibts von mir da nicht mehr als ein Achselzucken und
ein „selber schuld!“
Das ist ziemlicher Unsinn. Weil Du das mit gleicher Begründung auch beim Autofahren oder auf dem defekten Kinderkarussell sagen könntest.
Gruß
loderunner
Das ist ziemlicher Unsinn. Weil Du das mit gleicher Begründung
auch beim Autofahren oder auf dem defekten Kinderkarussell
sagen könntest.
Nö, m.E. nicht und bei deinen beiden Beispielen setzt man sich ja nicht unbedingt einer ziemlich konkreten Gefahr für das eigene Leben aus, sondern nur einer abstrakten.
Aber das mag jeder halten, wie er will. Eine Pflicht zum Nachdenken bevor man handelt oder den Mund aufmacht gibt es in Deutschland ja nicht - wäre auch langweilig.
Genau: Deines Erachtens. Wo soll da die Grenze liegen? Beim Skifahrer? Beim Stadionbesuch? Nachts im Wald? Im Zoo? Skateboardfahren ja, Inlinerfahren nein?
Angesichts der Zahl der Unfälle ist die Gefahr übrigens beim Ski- oder Autofahren wesentlich weniger abstrakt als die beim Bungee-Jumping oder Fallschirmspringen.
Gruß
loderunner
Naja, es ist einfach eine Frage der Risikoabwägung. Ich verstehe Andreas Meinung schon und das ist auch nicht anders beim Auto fahren. Wenn sich beim Auto fahren das damit immer verbundene Risiko verwirklicht, dann ist man grundsätzlich auch selbst dafür verantwortlich und kann grundsätzlich niemand dafür haftbar machen.
Ich verstehe deinen Einwand aber auch, denn in der Öffentlichkeit werden so Entführungsfälle - so tragisch sie auch im Einzelfall sind - gerne aufgeblasen und die Leute haben endlich wieder wen, auf den sie schimpfen können, weil angeblich so viel Geld verbraucht wird. In Österreich führte so ein medial aufgeblasener Entführungsfall sogar zu einer Gesetzesänderung, weil ja durch die Vermittlungstätigkeit der Auslandsvertretung das Staatsbudget so erheblich belastet wurde.
Dabei ist sowas im Vergleich völliger Unsinn. Es fragt ja niemand nach den Kosten der Sozialversicherungen für Unfälle auf griechischen und spanischen Inseln, weil wieder mal massenweise ohne Helm fahrende und ungeübte Deutsche oder Österreicher (diesbezüglich gibts da sicher keinen Unterschied) wie die Blöden mit Mopeds herumfahren und dann einen Stern reißen. Am besten noch in betrunkenem Zustand. Sowas zahlt ja dann die Krankenkasse und damit alle.
Deswegen ärgerts mich, wenn über Fernreisende geschimpft wird, denn in den meisten Fällen sind das eh die vernünftigeren und vorsichteren Reisenden.
Eine Grenze gibts für mich aber schon: wenn in einem Land Touristen gezielt gefährdet sind, dann sollte man auch nicht hinfahren. Das wären z.B. derzeit Afghanistan oder der Irak. Da ist es dann auch eine Zumutung für die, die einem helfen sollen.
Das gilt genauso, wie wenn man am Lawinensperrschild vorbei in den Lawinenhang fährt, was hier bei uns jeder Jahr mehrmals vorkommt. Da habe ich auch kein Verständnis dafür.
Das gilt genauso, wie wenn man am Lawinensperrschild vorbei in
den Lawinenhang fährt, was hier bei uns jeder Jahr mehrmals
vorkommt. Da habe ich auch kein Verständnis dafür.
Hmm… ich plädiere schon lange dafür, daß sich die ganzen Freizeitsportler mit Hang zum Größenwahn extra versichern müssen. Wer nur einmal pro Jahr 'ne Woche Ski fahren geht und unbedingt die schwarzen Pisten runterbrettern will, soll auch für das damit verbundene Risiko voll haften. Klar, welche Sportart nu besonders gefährlich ist, muss erst mal ausdiskutiert werden, aber für Regelungswahn sind wir Deutschen ja eh nicht umsonst bekannt.