Verarbeiten durch Verdrängen?

Ich wurde im letzten Jahr das erste Mal in meinem Leben mit dem Tod eines geliebten Wesens konfrontiert. Ich hatte immer sehr, sehr große Angst davor und habe mich über mich selbst gewundert wie „gut“ ich das alles überstanden habe. In der letzten Zeit merke ich aber immer und immer wieder daß ich eigentlich nichts verarbeitet sondern einfach nur verdrängt habe. Kann man solche Verluste nur durch das Verdrängen verabeiten oder kann man soetwas überhaupt verarbeiten?

Ich möchte natürlich keine allgemeingültigen Antworten von Euch. Klar, die gibt es nicht. Jeder Mensch denkt und verarbeitet anders aber ich wäre wirklich dankbar für jede Erfahrung von anderen „Betroffenen“.

Liebe Grüße,
Sandra

Hallo Sandra,
meiner Meinung nach sind Verarbeiten und Verdrängen nicht ganz kompatibel. Sicher ist es für einen Menschen der eine belastende Sitaution erlebt hat in erster Linie leichter oder angenehmer dies zu Verdrängen. Ein gefühlter Schmerz, dieses „Etwas“ was es uns so schwer macht ist nicht ganz so nah bei uns. Sicher haben wir alle schon mal etwas Verdrängt und es ist auch gut nach zu vollziehen.
Aber ich glaube nicht, dass dies etwas mit Verarbeiten zu tun hat. Unter Verarbeiten verstehe ich, mich mit dieser Situation auseinander zu setzen, die gesamte Situation mit allen Details in mir nachzuspüren - anzuerkennen, das der Schmerz, welchen ich spüre da ist und dass es okay ist, dass er da ist, auch wenn es mir nicht angenehm ist, da es ein Teil von mir ist.
Wenn dieser große Schritt getahn ist, kann ich glaube ich schauen, was ich für mich tun kann.
Ich weiß, dass es jezt eine sehr subjektive Sichtweise ist, aber es ist meine.
Liebe Grüße Andreas

Trauern
Hi Sandra

In der letzten Zeit merke ich aber immer und immer wieder daß ich
eigentlich nichts verarbeitet sondern einfach nur verdrängt habe.

Du sagst, daß du trauerst um einen geliebten Menschen. Trauer ist der innere Kampf gegen die Tatsache des Verlustes. Niemand gibt Maßstäbe dafür, wielange man diesen Kampf kämpft. Manche Verluste werden nach einiger Zeit zu einer bloßen Tatsache, emotionslos. Man sagt dann, man habe sie „bewältigt“. Aber für manche Menschen gibt es auch Verluste, die nicht „bewältigt“ werden, von denen sie eines Tages nur wahrnehmen können, daß sie sie „überlebt“ haben.

Worum es beim „verarbeiten“ eines tiefgreifenden Erlebnisses geht, dazu habe ich vor ein paar Tagen zu einer Frage von Anja etwas geschrieben:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Man kann nicht bewußt „verdrängen“. Und wenn du bemerkst, daß du, wie du schreibst, „einfach nur verdrängt“ hast, dann ist es nicht verdrängt, denn das würdest du gar nicht bemerken. Vermutlich versuchst du einfach, dir selbst gegenüber zu ignorieren, also so zu tun als ob es nicht eine Tatsache wäre (in der Psychoanalyse gibt es dafür den Ausdruck „leugnen“).

Das aber könnte dein Ziel sein: Der sogenannten Realität mit voller Klarheit ins Auge blicken. Such dir einen Gesprächspartner, der dir dabei eine Hand reicht. Erst in unserem Denken wird das Vergangene unsterblich. Oder, wie Hegel sagt: „Die Zeit ist das Grab dessen, was war, aber der Geist bewahrt das Vergangene auf und macht es unsterblich“.

Grüße

Metapher

Hallo Metapher,

vielen Dank für Deine Antwort.

Du sagst, daß du trauerst um einen geliebten Menschen.

Ehrlich gesagt geht es hier um meinen Hund. Ich habe
„Wesen“ geschrieben weil viele Menschen es nicht ver-
stehen daß ein Tier einem genauso nahe und wichtig sein
kann wie ein Mensch und ich wollte nicht, daß mein Bei-
trag von vornerein nicht ernst genommen wird…

Man kann nicht bewußt „verdrängen“. Und wenn du bemerkst, daß
du, wie du schreibst, „einfach nur verdrängt“ hast, dann ist
es nicht verdrängt, denn das würdest du gar nicht bemerken.
Vermutlich versuchst du einfach, dir selbst gegenüber zu
ignorieren, also so zu tun als ob es nicht eine Tatsache wäre
(in der Psychoanalyse gibt es dafür den Ausdruck „leugnen“).

Ja, vielleicht ist leugnen wirklich besser. Ich versuche
einfach nicht über den Verlust nachzudenken weil es mir dann
schlecht geht, das habe ich dann für mich „verdrängen“ genannt.

Das aber könnte dein Ziel sein: Der sogenannten Realität mit
voller Klarheit ins Auge blicken. Such dir einen
Gesprächspartner, der dir dabei eine Hand reicht. Erst in
unserem Denken wird das Vergangene unsterblich. Oder, wie
Hegel sagt: „Die Zeit ist das Grab dessen, was war, aber der
Geist bewahrt das Vergangene auf und macht es unsterblich“.

Ich habe schon stundenlang mit Freunden und Verwandten darüber
gesprochen aber ich habe das Gefühl, daß keiner wirklich nach-
vollziehen kann wie schwer dieser Verlust für mich ist; er war
ja eben „nur ein Hund“ (für andere) Hinzu kommt noch, daß ich
mich (ob begründet oder nicht, ich bin mir selbst nicht sicher)
ein bisschen für seinen Tod verantwortlich fühle. Alle sagen
mir „Du hast alles was Du konntest für ihn getan“ aber ich bin
mir nicht sicher ob ich wirklich ALLES getan habe.

Vielleicht ist es auch einfach noch zu früh um von mir selbst
zu erwarten daß ich darüber hinweg bin und eigentlich möchte
ich auch gar nicht darüber hinweg sein.

Vielen Dank noch mal!

Sandra

Hi Sandra,

Ehrlich gesagt geht es hier um meinen Hund. Ich habe
„Wesen“ geschrieben weil viele Menschen es nicht ver-
stehen daß ein Tier einem genauso nahe und wichtig sein
kann wie ein Mensch und ich wollte nicht, daß mein Bei-
trag von vornerein nicht ernst genommen wird…

ja, das beschreiben viele, die um ein Tier trauern. Ich habe dazu und allgemein zum Trauerprozeß ein paar Informationen - auch in Bezug auf Tiere - auf einer Internetseite mit meiner Co-Autorin Nena zusammengestellt:

http://www.regenbogenreich.de/trauerprozess.shtml

Vielleicht schaust Du einmal ´rein?

Gruß,

Oliver Walter

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Hallo Oliver,

ja, das beschreiben viele, die um ein Tier trauern. Ich habe
dazu und allgemein zum Trauerprozeß ein paar Informationen -
auch in Bezug auf Tiere - auf einer Internetseite mit meiner
Co-Autorin Nena zusammengestellt:

http://www.regenbogenreich.de/trauerprozess.shtml

Vielleicht schaust Du einmal ´rein?

Vielen Dank! Die Seite ist sehr hilfreich und gibt mir
irgendwie das Gefühl nicht die einzige mit solchen Problemen
zu sein… Ich werde mir jetzt noch den Rest von der Seite
anschauen.

Viele Grüße und noch mal Dankeschön!

Sandra