Verdacht auf Adhs- was ist der erste Schritt?

LIebe Experten,
ich bin ein wenig Ratlos:
ich habe mich schon lange gefragt, was mit mir los ist und warum ich trotz guter bedingungen unglücklich und auch unproduktiv bin. Ich habe viele Tests gemacht und war auch schon bei einer Psycholtherapeutin. Wir haben den Verdacht, dass ich unter einer Form Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leide.
Die Diagnose hat mir ein wenig vor den Kopf gestoßen: man liest ja viel davon aber immer geht es un Grundschulkinder… ich bin 25.
Was ist der erste Schritt, was soll ich tun und muss ich Tabletten nehmen?
ich danke Ihnen sehr und wünsche einen schönen Abend!
kathleen

Liebe Kathleen,

erst einmal: mach dir keine Sorgen. Wenn du wirklich AD(H)S hast, ist das nicht schlimm. Da kann man mit Therapie und/oder Medikamenten wirklich viel machen. Und vor allem kann man sich selbst besser kennenlernen und dann viel besser zurechtkommen, viel mehr schaffen als früher - wenn man weiß, wie man tickt.
Zunächst solltest du das bei jemandem abklären lassen, der/die Ahnung davon hat: ein(e) Therapeut(in) mit AD(H)S-Erfahrung führt Gespräche mit dir und bittet dich höchstwahrscheinlich, Fragebögen auszufüllen; möglichst sollte auch ein Elternteil und ggf. der Partner/die Partnerin einen ausfüllen - man sieht sich selbst ja anders als „Außenstehende“. Sollte die Diagnose positiv sein (nach mehreren Gesprächen und der Auswertung der Fragebögen sowie Ausschluss anderer möglicher Ursachen deiner Probleme), kannst du bei einer/einem Psychiater(in) Medikamente ausprobieren und dir, wenn du magst, einen Therapieplatz organisieren. Du MUSST aber gar nichts.
Zusatztipp: das Forum www.adhs-anderswelt.de ist eine super Anlaufstelle!
Wenn du noch Fragen hast, melde dich einfach wieder.
Alles Gute!
Vanita

Hallo Du geplagtes Wesen ,
kenne ich selber … bin 44 Jahre alt und wie mir der Arzr meiner 3 Kinder bestätigt hat … bin ich noch mitten drin ! Für mich ist es ein großer Vorteil … das alle meine Kinder leider genetisch mit diesem Fluch belastet sind … und ich mich schon sehr früh mit diesem Thema befassen musste . Was auch zu großer Selbsterkenntnis führt !
Leider weiß ich nicht , bei welchen Ärzen Du in Behandlung bist und welche Tests Du durchlaufen hast ?
Die Symtomatik die Du hier angibst - könnten Anzeichen für ADS sein , aber ebenso für Burnout oder Depressionen - was auch beides wiederum Folgen von unbehandeltem ADS sein können !
Das Problem in Deutschland ist , das sich viele Fachmediziner gegen dieses Syndrom aussprechen ! Was das Ganze nicht leichter macht …
Ich weiß , das es mittlerweile auch „Ritalin-Therapien“ für Erwachsene gibt ! Allerdings habe ich bezüglich Deiner altersklasse keine Fachspezifischen Adressen !
In Deutschland werden in der Regel nur Kinder therapiert - und das in den meisten Fällen eher mangelhaft !
Wenn Du Dich wirklich schlau machen willst - gib bei Google „ADS bei Erwachsenen“ ein ! Da bekommst Du Berge an Infos ! - Und sicher auch die eine oder andere Adresse ! Ich für meinen Teil kann Dir nur sagen , das Du schon als Kind Auffälligkeiten gehabt haben mußt … wie Konzentrationsmangel , Nervosität , Nägelkauen , Unbegründete - spontane Wutausbrüche … usw . !?
Das sind sehr verdächtige Anzeichen ! Meine Eltern kannten das nicht und haben sich nicht gekümmert ! Meine älteste T Tochter ist auch in ärztlicher Obhut gewesen … nahm keine Medikamente und hatte auch den falschen Psychotherapie-Ansatz … ist heute 23 Jahre und hat so viele psychische probleme ! Arbeitet nicht , klammert total am Partner , geht immer seltener aus dem Haus , bildet sich tausend Krankheiten ein , findet für alles Ausreden ! Die beiden Jungs wurden mit Ritalin und Psychotherapie behandelt - bei einem sehr kompetenten Arzt ! Der Große ist durch damit und entwickelt sich sehr gut … der Jüngste ist gerade dabei langsam bis zum Abschluss herunterzudosieren… kommt heute sehr gut inder Schule mit und hat sich echt klasse gemacht ! Es ist wichtig , Menschen mit ADS Die Wahrnehmung zu schulen und das Selbstbewußtsein zu stärken !
Ich werde mal sehen … und bei unserem Arzt anrufen … vielleicht weiß der eine gute Adresse für Dich !
Dafür müßt ich nur wissen , in welcher Gegend Du zu Hause bist ! ?
Ich hoffe , das ich fürs Erste helfen konnte !
Einen schönen Abend auch für Dich !

Liebe Kathleen
Leider war es mir krankheitsbedingt nicht möglich, Dir vorher zu antworten. Ich hoffe, dass Dir auch die verspätete Antwort vielleicht etwas helfen kann.
In der Tat ist in den meisten Fällen nur die Rede von ADHS im Kindesalter. Aus eigener Erfahrung weiss ich jedoch, dass es dies genauso im erwachsenen Alter gibt.
Ich kann Dir nur empfeheln, Dich bei einem Psychiater/ Psychologen anzumelden, der auf ADHS für Erwachsene spezialiesiert ist. Die Wartezeit kann mehrere Monate dauern, doch es lohnt sich.
Mit Dir zusammen wird er/ sie dann sehen, ob bei Dir Medikamente wie Ritalin, Concerta od. etwas anderes helfen könnte od. wird Dir auch zeigen, wie es sich durchaus mit ADHS leben lässt.
Wichtig ist es, dass Du einen strukturierten Alltag hast, dies hilft Dir, trotz grossen Konzentrationsproblemen in Deinem Alltag wie Job od. Familie gut durchzukommen. Keine Angst, es lebt sich sehr gut damit, braucht lediglich etwas Organisation und auch Geduld mit Dir selber :wink:

Ich wünsche Dir auf Deinem Weg alles Gute und Kopf hoch, Du schaffst das auf jeden Fall !!!

Liebe Grüsse, Shima

Hallo,
ich weiß das es ADH auch bei Erwachsenen gibt,aber wie da der rechte Weg ist keine Ahnung!
Bei unserem Sohn hat die nötigen Tests der Kinderarzt gemacht und auch die Einstellung mit Medikinet überwacht!Nach 4 Jahren konnten wir jetzt das Medikament wieder absetzen.
Ich würden mir einen Arzt suchen der sich damit befast ich weiß nicht wer da der beste ist
LG babette

Hallo Kathleen,

den ersten Schritt hast du ja schon gemacht, indem du bei der Psychotherapeutin warst. Wenn der Test die Verdachtsdiagnose AD(H)S ergeben hat, solltest du das erst mal annehmen. Wenn du dir unsicher bist, kannst du überlegen, in deiner Stadt nach Therapeuten zu gucken, die sich auf diese Problematik spezialisiert haben.
AD(H)S wird tatsächlich meist mit Kindern in Verbindung gebracht, aber es ist eine Erkrankung, die sich nicht mit den Jahren auswächst.
Ob du Medikamente brauchst, hängt davon ab, wie sehr die Erkrankung dein Leben negativ beeinflusst. Ich habe 2 Bekannte, die Ritalin nehmen und es auf gar keinen Fall mehr missen wollen.
Aber das wirst du mit deiner Therapeutin besprechen. Sie wird dich verantwortungsvoll beraten.
Vor allem: informiere dich selber im Netz. Es gibt einige sehr gute Seiten. Denke auch daran, dass die Scientologen Seiten betreiben und dort Gift und Galle gegen Ritalin etc spucken. Du kannst dir denken, warum.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen und würde gern weiter etwas von dir hören.
Freundliche Grüße

Jorge

Liebe Kathleen,

Ich hatte Dir versprochen, dass ich mich noch einmal melde.

Jetzt weiß ich nicht, wieviel Du von ADHS weißt.

ADS ist keine Geisteskrankheit, kein Schwachsinn, keine Faulheit!
ADS ist eine Erklärung! Aber wenn Du Deine Schwachpunkte kennst, ist es leichter ihnen aus dem Weg zu gehen. Deshalb sammel Informationen, woimmer Du sie bekommen kannst. Manche passen auf Dich, andere wieder nicht. Ich sage immer ADSler müssen sehr hart an sich arbeiten, um zurecht zu kommen. Aber es geht. Das habe ich immer wieder gesehen.

ADS ist eine Stoffwechselstörung im Gehirn.
(Diabetis ist auch eine Stoffwechselerkrankung, halt nur mit anderen Auswirkungen). Das heißt, das Ganze hat nichts mit Schuld und Unschuld zu tun.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse weisen daraufhin,dass es sich bei ADS um eine Funktionsstörung im Stirnhirnbereich und einiger Stammganglien handelt.Spezialuntersuchungen haben gezeigt, dass bei ADS-Kindern das Stirnhirn weniger oder kaum Glucoseverbrauch zeigt (Unterfunktion der Arbeitsintensität).Die Funktionsstörung beruht auf der Ebene der Neurotransmitter(Botenstoffe z.B. Dopamin, Noradrenalin, Serotonin, die entscheiden, ob der Betroffene hypo-oder hyperaktiv ist.

Ich habe einen Hefter: " Tipps und ein Bericht zum Thema ADHS von und für Erwachsene", den ich Dir gerne geben würde. Ich habe ihn schon anderen erwachsenen ADSlern und deren Angehörigen gegeben, die anschließend sehr erleichtert waren, weil sie:

  • verstehen konnten, was in ihnen vorgeht,
  • merkten, dass sie nicht allein sind
  • sie fiele Tipps erhielten und merkten, dass sie dem Ganzen nicht willkürlich ausgeliefert sind.
  • ihre Angehörigen sie besser verstehen und helfen konnten
  • er auch für einen ADSler leicht zu lesen war.

Ob Medikamente oder nicht. Dazu gibt es verschiedene Meinungen. Da ich gesehen habe, wie hilfreich Medikamente sein können, befürworte ich sie. Methylphenidat wird sehr schnell vom Körper wieder abgebaut, sodass es einen Versuch wert ist. Deine Psychotherapeutin könnte Dich dabei begleiten und Dir helfen Verhaltensweisen neu ein zu üben.

Vielleicht gibt es in Deiner Gegend auch eine Selbsthilfegruppe, die Dir sehr viel geben kann.

Wie kann ich Dir meine Unterlagen zusenden?
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und einen schönen Sonntag
Liebe Grüße
Sabine