Verdacht der Häresie

Die Kenntnis des AT hat wohl lediglich für einen neutralen Leser einen historischen Wert.

Wie kommt es, daß das Christentum sich auch daran orientiert, obwohl es seine eigentliche Wurzel im NT hat? Ist der Gott Moses auch der Gott Jesu? Und gerät die Kirche, indem sie das AT zu einem religösen Objekt gemacht hat, in den Verdacht der Häresie, indem sie die eigentliche Lehre Jesu damit verfälscht?

gruß
rolf

Hallo Rolf,

Wie kommt es, daß das Christentum sich auch daran orientiert,
obwohl es seine eigentliche Wurzel im NT hat? Ist der Gott
Moses auch der Gott Jesu?

Ja natürlich!
Vergiss nicht, Jesus war Jude und in allem dem Gesetz des Mose treu.
Sonst hätte er nicht „das unbefleckte Lamm Gottes“ (1.Petr. 1,19) sein können.

Und gerät die Kirche, indem sie das
AT zu einem religösen Objekt gemacht hat, in den Verdacht der
Häresie, indem sie die eigentliche Lehre Jesu damit
verfälscht?

Die Lehre Jesu wurde in erster Linie durch die Kompromisse mit den Griechen, Römern, Germanen und sonstigen heidnischen Kulten verfälscht.
Ein Festhalten am Gesetz des Mose kann jedoch nicht als Verfälschung angesehen werden.

Nach dem Konzil von Jerusalem wurden lediglich Teile der rituellen Vorschriften für Christen nichtjüdischer Abstammung gelockert.

Gruss Harald

Wie kommt es, daß das Christentum sich auch daran orientiert,
obwohl es seine eigentliche Wurzel im NT hat? Ist der Gott
Moses auch der Gott Jesu? Und gerät die Kirche, indem sie das
AT zu einem religösen Objekt gemacht hat, in den Verdacht der
Häresie, indem sie die eigentliche Lehre Jesu damit
verfälscht?

Moin, moin Rolf,

Jesus war Jude und lebte mit dem u8nd aus dem Gesetz und den Propheten, also dem, was wir Altes Testament nennen.
(Die Jufen nennen es übrigens „die Tanach“ odet „Tenach“; das ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus:

T - ora = Gesetz (die fünf Bücher Mose
N - ebiim = Die Propheten (dazu gehören zu den uns bekannten
Propheten als den „hinteren“ Propheten auch Josua,
Richter, 1. u. 2. Samuel, 1. u. 2. Könige als die
sog. „vorderen“ Propheten
K - etubim = Die Schriften (also Psalter, Hiob, Sprüche u. Pre-
diger Salomo etc.)

In der Bergpredigt (Matthäus 5-7) findest Du eine Reihe von Aussagen Jesu zum Gesetz und neue Auslegungen einiger Gebote (Naja, so neu sind die nicht; sie finden sich z.T. schon bei zeitgenössischen Rabbinen und sind in den Talmud aufgenommen worden)

Natürlich war also der Gott Moses auch der Gott Jesu; und das AT ist in der Kirche kein „religiöses Objekt“, sondern Teil der Offenbarung Gottes. Als religiöses Objekt möchte ich doch eher Heiligenbilder, -statuen und andere Hervorbringungen der Kunst ansehen.

Es gibt allerdings neben den großen Volks- und den Freikirchen noch Sondergemeinschaften, die einzelne Gebote des AT auch heute noch strikt befolgen: z. B. die Siebenten Tags-Adventisten den Sabbat. Und dabei ist dann die Frage, ob dies dem NT gemäß ist.

Doch insgesamt ist es natürlich keine Häresie, das AT als Quelle der Offenbarung zu betrachten und zu glauben.

Gruß - Rolf

Ja natürlich!
Vergiss nicht, Jesus war Jude und in allem dem Gesetz des Mose
treu.
Sonst hätte er nicht „das unbefleckte Lamm Gottes“ (1.Petr.
1,19) sein können.

Jesus mag Jude nach der Geburt gewesen sein, ob er es auch nach dem Glauben war dürfte fraglich sein. Immerhin hatte er den rein religiösen (also äußeren) Charakter einer Person, durch den Göttlichen ersetzt, sodaß er sich als Gottessohn bezeichnen konnte, als den ihn auch Petrus sah und in diesesm Sinn als ‚unbeflecktes Lamm‘ bezeichnete.

Deshalb zielte meine Fragestellung auf diesen Unterschied hin. Moses als Errichter eines Rituals oder als religiöser Gesetzgeber und Jesu als Lichtbringer. Darin bestünde aber doch ein gewaltiger Unterschied.

gruß
rolf

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kleine Ergänzung
Hallo Rolf,

ich muss nun doch (sehr ungern) deinen äußerst guten Artikel an einer kleinen Stelle berichtigen/ergänzen:

T - ora = Gesetz (die fünf Bücher Mose)

Die Gleichung Tora=Gesetz kommt von der Septuaginta-Übersetzung „nomos“ (gr.). Sie schrenkt aber das Bedeutungsspektrum von „torah“ (hebr.) zu sehr ein. Im Deutschen wird daher oft auch das Wort „Weisung“ benutzt, was vielleicht in Verbindung mit „Gesetz“ der Bedeutung „torah“ am nähesten kommt.

(Sorry… ich habe keine Ahnung, wie man die griech. oder hebr. Schrift in den Artikel einbaut)

Soweit so gut. Ich hoffe mit diesem Artikel unnötigen Fragen vorzubeugen. Wie z.B.: „Wie kann diese Religion die Freiheit des Menschen derart in den Mittelpunkt stellen, wenn die Menschen doch an die Gesetze Gottes gebunden sind?“

  • Eben weil es keine Gesetze, sondern eher Weisungen sind. Dem Menschen steht es frei sie zu befolgen… er muss nur die Konsequenzen tragen (Tun-Ergehen-Schema).

schöne grüße
vastitas

T - ora = Gesetz (die fünf Bücher Mose)

Die Gleichung Tora=Gesetz kommt von der
Septuaginta-Übersetzung „nomos“ (gr.). Sie schrenkt aber das
Bedeutungsspektrum von „torah“ (hebr.) zu sehr ein. Im
Deutschen wird daher oft auch das Wort „Weisung“ benutzt, was
vielleicht in Verbindung mit „Gesetz“ der Bedeutung „torah“ am
nähesten kommt.

Du hast natürlich Recht, Vastitas!
In der Eile - ich hatte noch im Garten zu tun - habe ich einfach die überkommenen Begriffe benutzt, die sich bei mir so eingeschliffen hatten.

(Sorry… ich habe keine Ahnung, wie man die griech. oder
hebr. Schrift in den Artikel einbaut)

Macht nichts, ich auch nicht.

Gruß - Rolf

Hallo!

Ist der Gott Moses auch der Gott Jesu?

Nein. Aus christlicher Sicht hat zwar Moses einen Gott, Jesus Christus aber nicht, den Jesus Christus ist Gott und ist damit der Gott von Moses.

Gruss
tigger

Hallo Tigger!

Ist der Gott Moses auch der Gott Jesu?

Nein. Aus christlicher Sicht hat zwar Moses einen Gott, Jesus
Christus aber nicht, den Jesus Christus ist Gott und ist damit
der Gott von Moses.

Aber warum sagte dann Jesus am Kreuz:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matth.27,46)

Gruss Harald

Nein. Aus christlicher Sicht hat zwar Moses einen Gott, Jesus
Christus aber nicht, den Jesus Christus ist Gott und ist damit
der Gott von Moses.

Lieber Harald,

wir sollten in solchen Diskussionnen wie diesen unterscheiden zwischen dem historischen Jesus und dem, was der Glaube und später die christliche Dogmatik über ihn gesagt und aus ihm gemacht haben.
Vom historischen Jesus läßt sich ohne Zweifel sagen, daß er in seinem jüdischen Glauben lebte, das Gesetz hielt, mit den Pharisäern (die übrigens nicht eine homogene Gruppe waren) Streitgespräche führte. So betete er den gleichen Gott wie Mose an; daß der Glaube in ihm Gottes Sohn und später Gott selbst sah, ist ein anderes Thema und ein späteres Kapitel der Theologiegeschichte. Dies muß sich zwar unabdingbar auf den historischen Jesus beziehen, muß dann aber - ebenso notwendig und unabdingbar - Aussagen mache, die selbst nicht mehr der historischen Betrachtungsweise unterliegen: es läßt sich eben nicht beweisen, daß Jesus Gottes Sohn war. Das kann man nur glauben.

Wenn wir also von Jesus und dem AT sprechen, kommen wir um die Erkenntnis nicht herum, daß er Jude unter Juden war, ihren Glauben teilte und **** als seinen Gott verehrte.

Gruß - Rolf

> Aber warum sagte dann Jesus am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matth.27,46)

Hallo Harald,

Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott! (Kol 2,9)

Dabei ist Jesu Leib, der Menschensohn, das menschliche an Gott. Der Vater in Jesus ist die eigentliche Gottheit.
Der Heilige Geist ist keine extra Person, sondern die unendliche Willenskraft Gottes, mit der er alles bewirkt und leitet.

Vater, Sohn und Geist sind EINS, in EINER Person!

Moses hat uns in 1.Mo 1,27 gezeigt, dass Gott ein Mensch ist. Natürlich nicht unvollkommen wie wir. Wir können sagen, Gott ist der vollkommene, allmächtige, ewige Urmensch aller Menschen!

Daß Gott ein Mensch in einer Person ist, bestätigt z. B. 2.Mo 33,23. Jesus bringt uns Gott im Vaterunser sogar noch näher, so zu sagen auf Augenhöhe, in dem wir ihn „Vater“ nennen sollen. Jesus will nicht, dass wir vor Gottes Allmacht erschrecken, sondern wir sollen ihn als lieben Vater mehr als alles andere auf der Welt lieben und unsere Nebenmenschen wie uns selbst!

Wie aber lieben wir Gott, nun, in dem wir seine Gebote halten!

Als Jesus am Kreuz rief, da rief er in seiner Schmerzensnot zu seinem Gott, als Vorbild für uns, dass auch wir in unserer Not Hilfe allein bei Gott suchen sollen.

Herzliche Grüße
Helmut

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Die Gleichung Tora=Gesetz kommt von der
Septuaginta-Übersetzung „nomos“ (gr.). Sie schrenkt aber das
Bedeutungsspektrum von „torah“ (hebr.) zu sehr ein.

so ist es.

Im
Deutschen wird daher oft auch das Wort „Weisung“ benutzt

ja. die korrekte übersetzung lautet „lehre“. das dazugehörige wurzelwort bedeutet „lehren, anweisen“. „gesetz“ wie in strafgesetzbuch heißt jedoch anders :wink:

man kann sich verwandte (auch moderne) wörter ansehen. dann wird die bedeutung klarer.

das aktive partizip bildet den „lehrer“. ein anderes hauptwort bildet „anweisung“ wie in „gebrauchsanweisung“. von gesetzen und strafen ist jedoch nirgends die rede. es ist nichtmal eine moralische komponente beteiligt, wie komposita wie „mengenlehre“ „die relativitätslehre einsteins“ zeigen. beide beinhalten heutzutage das wort „tora“.

gruß
dataf0x

Servus Rolf,

über sein Verhältnis zum Gesetz äußert sich Jesus u.a. in Matth. 5, 17-19. Es ist nicht die Rede davon, dass nach seiner Ansicht irgendetwas vom Gesetz weggenommen, aufgehoben oder geändert werden soll. So what?

Schöne Grüße

MM

Hallo Rolf,

das Ur-Christentum wurde durch die Einführung der Bannflüche von Kaiser Justinian zu Konstantinopel im Jahre 543 nach Christus verdammt. Im Jahre 553 wurden diese durch die römische Kirche um 6 Bannflüche erweitert. Die Bannflüche sind im Prinzip der einzige Beweis, wie die Ur-Christen geglaubt und gelebt haben. Sie haben heute noch Gültigkeit.

Die Kenntnis des AT hat wohl lediglich für einen neutralen
Leser einen historischen Wert.

Wie kommt es, daß das Christentum sich auch daran orientiert,
obwohl es seine eigentliche Wurzel im NT hat? Ist der Gott
Moses auch der Gott Jesu? Und gerät die Kirche, indem sie das
AT zu einem religösen Objekt gemacht hat, in den Verdacht der
Häresie, indem sie die eigentliche Lehre Jesu damit
verfälscht?

Meines Erachtens ja

Gruß
Marisa