Hi,
vielleicht kannst Du das auch irgendwie belegen - ich finde
dazu sehr unterschiedliche Aussagen.
Auf die Gewichtszunahme / oder Abnahme hat das fette
Abendessen keinen Einfluss - darauf können wir uns auf jeden
Fall einigen.
Ich bin kein Arzt, sondern Biochemiker, daher möchte ich es von der biologischen Seite her erklären:
Der Nervus vagus steuert/moduliert die Darmtätigkeit und ist der zehnte Hirnnerv. Er ist der größte Nerv des Parasympathikus und an der Regulation der Tätigkeit fast aller inneren Organe beteiligt.
Parasympathikus und Sympathikus steuern die meisten Organe und wirken antagonistisch, was eine äußerst feine Regulation der Organtätigkeit ermöglichen.
Der Sympathikus hat in diesem System eine ergotrope Wirkung, das heißt, dass er die Leistungsfähigkeit des gesamten Körpers erhöht.
Der Parasympathikus wird auch als „Ruhenerv“ bezeichnet, da er dem Stoffwechsel, der Regeneration und dem Aufbau körpereigener Reserven dient (trophotrope Wirkung). Er sorgt für Ruhe, Erholung und Schonung.
Kurz gesagt:
Bei Anstrengung, Stress und Sport ist der Sympatikus aktiv und unterdrückt die Organe die dabei stören und aktiviert andere Organe, die dabei nützlich sind. Der Parasympatikus wirkt auf diese Organe genau umgekehrt.
Man könnte das Sympatikus-System auch vereinfacht als Fluchtsystem beschreiben, mit dem der Körper früher sichergestellt hat, dass alle Organe, die für die Flucht oder die Jagd wichtig sind aktiviert werden.
Der Parasympatikus ist das Gegenteil. Er ist in der Ruhe aktiv und stimuliert alle Organe, die in Ruhezeiten „gebraucht“ werden.
Der Verdauungstrakt besitzt zwar ein eigenes Nervensystem, das enterische Nervensystem, dessen Wirkung wird jedoch durch das vegetative Nervensystem modulierend beeinflusst.
Die parasympathische Komponente fördert dabei generell die Verdauung durch eine Erhöhung der Peristaltik und der Sekretion von Verdauungsenzymen. Im Magen und Darm wird zudem der Tonus (Spannungszustand) der glatten Muskulatur erhöht und die Sphinkter (Schließmuskeln) werden durch die Wirkung von Stickstoffmonoxid entspannt.
Weiterhin sorgt das enterische System durch eine positive Rückkopplung dafür, dass eingedrungener Speisebrei („Bolus“) weitertransportiert und die Verdauung aktiviert wird.
Dies ist/war biologisch sinnvoll, da der Körper dann seine gesamte „Energie“ (sprich z.B. Blutversorgung etc.) auf die Verdauung richtet, wenn von außen keine Gefahr droht (weil z.B. der Höhlenmensch in Ruhe am Lagerfeuer sitzt). Umgekehrt wäre es viel nachteiliger gewesen, wenn zu Zeiten der Flucht/Jagd - in denen man z.B. durchblutete Muskeln brauchte - der Köper sich gleichzeitig der Verdauung hätte widmen müssen.
Kurzum:
Wir haben ein Körpersystem für Aktivität und eines für die Ruhe.
Die beiden funktionieren in weiten Teilen entgegengesetzt (antagonistisch). In Ruhe ist der Parasympatikus aktiv, der die Darmtätigkeit (aber auch Galle, Harnblase, etc.) positiv beeinflusst. Hinzu kommt das Darm-eigene Nervensystem, dass zusätzlich erkennt, wann der Darm gefüllt und eine Verdauung notwendig ist.
Hinzu kommt noch, dass eine komplette Verdauung einer ausgewogenen Mahlzeit ohnehin durchschnittlich 24 Stunden dauert. Die Nahrung bleibt zunächst vier Stunden im Magen*, passiert anschließend innerhalb von sechs Stunden den Dünndarm* und durchläuft in sechs bis sieben Stunden den Dickdarm*. Nach einer ebenso langen „Zwischenstation“ im Mastdarm werden die unverdaulichen Nahrungsreste ausgeschieden.
Wenn also nur tagsüber verdaut würde, hätten wir ohnehin schlechte Karten.
(*Dies sind natürlich nur Durchschnittszeiten - die Verdauung einer Mahlzeit hängt immer von ihrer Zusammensetzung, von der körperlichen Bewegung und der psychischen Verfassung ab.)
Gruß,