Hi,
erst mal noch ein weiterer Link dazu zum Nachlesen:
http://www.nature.com/news/2007/070205/full/070205-5…
Eure Meinungen?
meine unstrukturierte Meinung:
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„Verdrängung“ ist ein Konstrukt, das grundsätzlich nicht ohne spezifische theoretische Annahmen „gesehen“ werden kann;
so unterscheidet sie sich weitgehend von anderen viel offensichtlicheren/untheoretischeren Dingen wie etwa dem Wahn oder einem Krampfanfall oderoder.
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Dementsprechen hat Falk Recht, dass sich eben der Blick des Beobachters historisch verändert hat und so erst dann „Verdrängung“ sehen konnte;
2a) Wie Harrison Pope sagt, ist dieser Blick ein kultureller;
leider sagt er das nur, nimmt es aber nicht voll zur Kenntnis;
damit will ich sagen, dass er ganz natürlich in alten literarischen Schriften keine „Verdrängung“ finden kann, da es diesen Blick eben, der Verdrängung beschreiben hätte können, zu der Zeit noch nicht gab …
Pope scheint m.E. vorausszusetzen, man hätte „Verdrängung“ zu einer Zeit schon beschreiben können als man es noch gar nicht „sehen“ konnte;
m.E. kommt er hier in Widersprüchlichkeiten, jedenfalls finde ich seine Schlussfolgerung: „vor 1800 nicht beschrieben, ergo keine neurologische Störung“ sehr übermutig.
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Pope fasst m.E. „Verdrängung“ sehr eng, spricht von „dissoziativer Amnesie“.
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Pope und viele andere halten allgemein nicht viel von „Verdrängung“; vgl. z.B.:
„Verdrängungsmechanismen und deren Relevanz für die Entstehung neurotischer Störungen konnten bisher weder experimentell erklärt noch statistisch erwiesen werden. Vor allem statistischen Methoden, die im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts in der Psychologie zunehmend eine größere Rolle spielten und maßgeblich zur Bildung einer eigenständigen psychologischen Wissenschaft geführt haben, ist die Verdrängung nur schwer zugänglich. Verdrängte Vorstellungen gelten immer als individuell und können demnach nur in Einzelsitzungen untersucht werden, die zudem jeweils durch unterschiedliche Therapeuten durchgeführt werden.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Verdr%C3%A4ngung_%28Psy…
„Competent studies of more than 10,000 trauma victims found none that repressed or recovered memories of trauma. See Pope HG Jr, Oliva PS, Hudson JI. Repressed memories.“
http://en.wikipedia.org/wiki/Repressed_memories#Rese…
Scheinbar findet Pope also auch in der Gegenwart nicht viel Verdrängung …
- Man muss den Streit um die Verdrängung im amerikanischen Kontext verstehen, spezifischer in dem der amerikanischen Rechtspraxis; vgl. z.B. die Schlusspassage aus dem Eingangslink:
„But the idea that it is not a neurological disorder does have implications for legal claims, he says. He warns that people who feel they have remembered repressed memories may not be recalling real events.“
oder auch:
http://en.wikipedia.org/wiki/Repressed_memories#Famo…
Das alles findet in den USA ansonsten unter dem Schlagwort „False Memory Syndrome“ statt:
http://en.wikipedia.org/wiki/False_memory_syndrome
und hat in gewisser Weise sehr viel mehr mit der dortigen Rechtssprechung zu tun als mit psychologischer Forschung.
Pope jedenfalls publiziert selbst unter diesem Label:
http://www.amazon.de/Child-Sexual-Abuse-Memory-Syndr…
(als Kontributor)
Viele Grüße
Franz