bei einer Freundin ist vor einigen Wochen Krebs diagnostiziert worden. Zuerst wurde in der Brust ein Knoten entdeckt, der brusterhaltend entfernt werden konnte, bei der Nachuntersuchung wurde dann aber eine weitere Geschwulst unter dem Brustbein entdeckt.
Ob und wenn ja wie bösartig es ist, wird gerade untersucht.
Nun läßt sich die arme aber momentn völlig hängen und hat überhaupt keinen Lebensmut mehr bzw. ist erschreckend desinteressiert. Selbst als ihre Tochter sie besuchte und ihr mitteilte sie sei endlich schwanger, meinte sie nur lakonisch ‚der eine kommt der andre geht‘
Wir machen uns ernsthafte Sorgen, daß sie bei diesem Verhalten eine anstehende Therapie nicht gerade unterstützt.
Frage nun; ist solch ein Verhalten üblich oder eher ungewöhnlich?
Sie war bis zur Diagnose eine eher positiv eingestellte Frau, die so schnell nichts umgehauen hat.
Und wie sollen wir uns ihr gegenüber besser verhalten?
Ein Universalrezept wirds sicher nicht geben, aber vielleicht gibt es Schemata, wie Krebspatienten reagieren und wie man mit ihnen umgeht.
Nun läßt sich die arme aber momentn völlig hängen und hat
überhaupt keinen Lebensmut mehr bzw. ist erschreckend
desinteressiert. Selbst als ihre Tochter sie besuchte und ihr
mitteilte sie sei endlich schwanger, meinte sie nur lakonisch
‚der eine kommt der andre geht‘
Wir machen uns ernsthafte Sorgen, daß sie bei diesem Verhalten
eine anstehende Therapie nicht gerade unterstützt.
Frage nun; ist solch ein Verhalten üblich oder eher
ungewöhnlich?
Sie war bis zur Diagnose eine eher positiv eingestellte Frau,
die so schnell nichts umgehauen hat.
Die Reaktion eines Menschen auf die Diagnose Krebs ist nicht
vorhersagbar. Das heisst, man kann aus dem Wesen des Menschen vor der
Diagnose nicht auf die Reaktion nach der Diagnose schliessen.
Niedergeschlagenheit und Galgenhumor halte ich fuer normale
Reaktionen. Problematisch wird es erst, wenn diese Haltung sich
manifestiert oder die Kranke sich hineinsteigert. Wenn sie vorher
eher auf der bright side of life lebte, dann ist die
Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie nach einer depressiven Phase wieder
zurueckkehrt. Der Mensch hat eine Tendenz sein Gluecksniveau
beizubehalten. So ist der Lottogewinner 1/2 Jahr nach seinem Gewinn
genauso gluecklich oder ungluecklich wie vorher und der mit der
Querschnittslaehmung ebenso im Vergleich zur Zeit vor seinem Unfall.
Natuerlich sind das nur statistische Aussagen.
Und wie sollen wir uns ihr gegenüber besser verhalten?
Das weiss ich auch nicht. Auf alle Faelle solltet ihr beobachten und
euch nicht zurueckziehen. Optimismus ausstrahlen („Es wird schon
wieder werden, die moderne Medizin bietet gute Chancen“ etc.) halte
ich fuer eine gute Idee.
Das Stichwort Verdraengung ist hier fehl am Platz, glaube ich.
Wuerde die Freundin die Diagnose verdraengen, dann wuerde sie keine
Reaktion darauf zeigen, d.h. sie wuerde sich so fuehlen und sich so
verhalten wie vorher. Dass sie jetzt aber niedergeschlagen ist,
beweist, dass sie sich mit der Diagnose auseinandersetzt und sie
keineswegs verdraengt.
Frage nun; ist solch ein Verhalten üblich oder eher
ungewöhnlich?
Sie war bis zur Diagnose eine eher positiv eingestellte Frau,
die so schnell nichts umgehauen hat.
Und wie sollen wir uns ihr gegenüber besser verhalten?
Hi gandalf
Siehst du. Genau diese Haltung ist sabotiert worden, die aber zu einer Gesundung sehr notwendig ist.
Durch was wird sie sabotiert? Durch die Suggestionen der Ärzte, der Familie, der Umwelt und nicht zuletzt, des eigenen negativen Glaubens. Diese zu überwinden scheint mir das eigentliche Problem zu sein.
Wir sterben nämlich zu einem guten Teil aus purer Gewohnheit
Das Stichwort Verdraengung ist hier fehl am Platz, glaube ich.
Wuerde die Freundin die Diagnose verdraengen, dann wuerde sie
keine
Reaktion darauf zeigen, d.h. sie wuerde sich so fuehlen und
sich so
verhalten wie vorher.
Sowas habe ich auch gerade gedacht. Nun hast Du es glücklicherweise schon geschrieben. Danke.
Gruß,
Branden
Nun läßt sich die arme aber momentn völlig hängen und hat
überhaupt keinen Lebensmut mehr bzw. ist erschreckend
desinteressiert. Selbst als ihre Tochter sie besuchte und ihr
mitteilte sie sei endlich schwanger, meinte sie nur lakonisch
‚der eine kommt der andre geht‘
Frage nun; ist solch ein Verhalten üblich oder eher
ungewöhnlich?
ein solches Verhalten ist bei Krebspatienten nicht unüblich und kann bis zum Vollbild einer klinischen Depression reichen.
Wir machen uns ernsthafte Sorgen, daß sie bei diesem Verhalten
eine anstehende Therapie nicht gerade unterstützt.
Verständlich und berechtigt. (Manche) Krankenhäuser bieten in solchen Fällen psychologische Betreuung der KrebspatientInnen an.
als Reaktion auf den eigenen bevorstehenden Tod (gleich ob tatsächlich eintretend oder „nur“ befürchtet) gehen Sterbeforscher von 5 Stadien aus:
Nicht-glauben-wollen, verleugnen
Auflehnung, Wut („warum gerade ich“)
Feilschen („wenn ich mich ändere, wird alles gut“)
Depression, tiefe Traurigkeit
Akzeptanz
Wobei manchmal die Reihenfolge auch etwas anders sein kann.
Mammakarzinome haben eine recht gute Prognose, weshalb Deine Freundin eigentlich guter Dinge sein sollte. Bei Frauen (auch Männer können daran erkranken, wenn auch viel seltener) steht oft der befürchtete Verlust der Weiblichkeit im Vordergrund und der Lebenswille sinkt.
In erster Linie sollte ihr also klargemacht werden, daß sie unabhängig von ihrer „Vollständigkeit“ gemocht und geliebt wird. Wenn Ihr sie motivieren könnt, etwas zu lesen, empfehle ich Erma Bombeck, deren Humor nahezu jede(n) aufbaut.
meine Mutter hatte auch Brustkrebs und deshalb kenne ich die Hilflosigkeit und Unsicherheit als Angehöriger bzw. Freund sehr gut.
Mein Rat an dich bzw. euch ist eigentlich ganz simpel, einfach und doch sehr schwer: Verlaß sie nicht. Damit meine ich: Wenn sie im Krankenhaus oder zu Hause ist dann besuch sie regelmäßig, auch, wenn es ihr anscheinend besser geht. Nim dir Zeit. Versuche nicht etwas kluges oder tröstendes zu sagen, es wäre nur falsch und klänge in ihren Ohren wie Hohn oder eine Lüge, außerdem überfordert man sich damit gnadenlos. Gib ihr zu verstehen, daß du auch keine Antwort hast, warum es ausgerechnet sie getroffen hat oder warum jetzt oder welche Fragen auch immer, aber sei so offen wie möglich, damit sie ihre Fragen, Ängste und Zweifel aussprechen kann.
Eine schreckliche Situation in der sie sich befindet - für euch alle - aber wenn ihr sie mit ihr zusammen aushaltet und durchhaltet kann viel Nähe entstehen. Die allermeisten Krebspatienten sind sehr einsam, weil sie versuchen mit ihren Ängsten alleine fertig zu werden und ihre Freunde/Angehörigen zu schützen.
Wenn du mit diesen Vorschlägen nicht das Gefühl hast weiter zu kommen, frage sie offen, wen sie gerne sehen möchte. Vielleicht fällt ihr das Gespräch mit einer Frau leichter. Frag sie auch, was sie sich wünscht. Versuche mit ihr zu fühlen, aber nicht mitzuleiden. Mitleid und Mitgefühl unterscheiden sich stark.
Erwartet nicht, daß sie wieder die alte wird wie vor der Erkrankung - das wird sie nie mehr. Aber vielleicht kann sie mit eurer Hilfe ihre Kraft und Stärke zurückgewinnen (die sie ja offensichtlich hat!). Und sucht euch Hilfe von anderen ehemaligen Krebspatienten und ihren Angehörigen, das gibt es in jeder Stadt und kann eine große Hilfe sein.