Verfälschung des ROI

Hallo, ich habe gelesen, dass ein Kritikpunkt am ROI ist, dass diese Kennzahl durch Investitionen in nicht-bilanzierfungsfähiges Vermögen verfälscht werden kann.

Nicht-bilanzierungsfähige Faktoren sind, wenn ich richtig liege z.B. Arbeit. Weshalb verfälscht dies den ROI? Ist es weil Investitionen in den Faktor Arbeit nicht in der Bilanz erscheinen und daher der Jahresüberschuss höher ist, als er tatsächlich ist?

Vielen Dank für kurze Hilfestellung.
N.L.

Hallo Natalie,

Nicht-bilanzierungsfähige Faktoren sind, wenn ich richtig
liege z.B. Arbeit.

Na ja, nicht so ganz. In erster Linie geht man hier von sog. selbsterstellen immateriellen Vermögensgegenständen aus. Das sind in aller Regel Patente oder selbst geschaffene Marken, die jedoch erst einmal durch massiven Einsatz finanzieller Ressourcen aufgebaut werden müssen.

Weshalb verfälscht dies den ROI? Ist es
weil Investitionen in den Faktor Arbeit nicht in der Bilanz
erscheinen und daher der Jahresüberschuss höher ist, als er
tatsächlich ist?

Die Verfälschung kommt in erster Linie dadurch zustande, dass diese Vermögenswerte (z.B. immaterielle) nicht in das durchschnittliche Gesamtkapital eingehen und damit die Nennergröße zu klein ausfällt und damit der Zähler stärker ins Gewicht fällt und die Kennzahl daher zu hoch ausfällt.
Diese Argumentation ist m.E. aber umstritten bzw. bestreitbar.

VG
Sebastian

Vielen DANK!

ausführlicher
Hallo

Ich beziehe mich auf das DuPont Kennzahlensystem mit der Spitzenkennzahl ROI: diese wird rechnerisch in die Umsatzrentabilität und den Kapitalumschlag zerlegt und die werden wiederum mit Hilfe von mathematischen Operationen weiter disaggregiert bis eine Tiefe erreicht ist, die eine systematische Analyse der Haupteinflussfaktoren des RoI ermöglicht sein soll.

Kritik:
Das Kennzahlensystem lässt sich unmittelbar und einfach aus Daten des Rechnungswesens erstellen und es werden Wechselwirkungen zwischen einzelnen Kennzahlen anschaulich dargestellt. Allerdings ist die Kennzahl vorsichtig zu interpretieren, da sie durch bilanzpolitische Maßnahmen und individuelle Interessen verzerrt sein kann; es bleibt beispielsweise das Ergebnis der Gesamtkapitalrentabilität unberührt wenn eine sinkende Umsatzrentabilität durch einen entsprechend kleineren Kapitaleinsatz kompensiert wird. Weiterhin ist die Kennzahl einseitig auf Rentabilitätsmaximierung ausgerichtet. Sicherung der nachhaltigen Ertragkraft, Produktinnovation, Grundlagenforschung oder Substanzerhaltung u.a. wirken sich trotz ihrer Unabdingbarkeit für die Unternehmung negativ auf den RoI aus.

Die Manipulierbarkeit des ROI lässt sich einfacher visuell erkennen. Schaue dir hierfür einfach mal ein Bild zum Aufbau des RoI Kennzahlensystems bzw. DuPont Systems an.
z.B. hier: http://home.att.net/~nickols/dupont.gif