Verfahren zum Gießen von Fensterbänken

Hi allseits,

vor eta 30 jahren hat mein Vater Fensterbänke selber hergestellt. Er hat dabei ein spezielles Pulvermaterial verarbeitet, und ich konnte bisher nicht herausfinden, was es war, und ob es immer noch im Handel ist.

Ich beschreibe einfach mal aus meiner Erinnerung, wie er gearbeitet hat. Ich sage allerdings dazu, ich war damals ungefähr 10 Jahre alt, und habe natürlich fasziniert zugeschaut, mich aber für die Details nicht interessiert. Es könnten als durchaus Irrtümer in meiner Schilderung sein.

Endziel war das Herstellen von Fensterbänken in Stein/Marmor Optik. Das Grundmaterial war ein Pulver, das in „Zementsäcken“ kam. Es gab ein weißes Grundpulver, und Säcke mit farbigem Pulver, ich erinnere mich an braun und gelb. Das Pulver wurde zur Verarbeitung mit einer Flüssigkeit (eventuell Wasser?) angerührt zu einem dünnflüssigen Brei.

Der Brei wurde in eine flache Form gegossen. Der „Boden“ der Form bestand aus einer dünnen Platte von etwa 2mm Stärke und war für die Struktur der Oberfläche verantwortlich. Er hatte verschiedene, aber letztendlich hat er eine Stück Küchenarbeitsplattenoverfläche mit makellos glatter Oberfläche genommen und damit auch absolut spiegelglatte Fensterbänke gemacht - soweit ich mich erinnern kann ohne jeder Nachbearbaitung wie z.B. polieren.  Um die Form herum verlief ein etwa 25mm starker Holzrahmen. Sonst war nichts notwendig, ich kann mich nicht erinnern dass er ein Trennmittel („Schalöl“) gebraucht hätte, aber da kann ich mich wie gesagt auch irren.

Der Brei wurde mit geringen Mengen des Farbpulvers in einer Grundfarbe angemischt, wurde in die Form eingefüllt, und verlief darin von selbst zu einem flachen „Brett“. Unmittelbar danach goss er eine geringe Menge von demselben Material, aber aus konzentriertem farbigem Pulver angerührt, vielleicht einen Zahnputzbecher voll, an verschiedenen Stellen in den Grundbrei. Dann nahm er ein Stäckchen und zug es einige Male durch den Brei. Wer jemals einen Marmorkuchen aus gelbem und braunem Teig gemacht hat, dem kommt das vermutlich bekannt vor.

Dann musste wir Kinder nur noch warten bis die Show losging: das Breigemisch in der Form erhitzte sich beim Aushärten außerordentlich, und gleichzeitig zog sich das „Brett“ zusammen, klebte aber noch eine Weile an der Form. Irgendwann wurde die Spannung so groß dass es sich mit einem Ruck vom Rand und von der Grundplatte der Form ablöste, die fertige Fensterbank sprang - sehr zu unserem Gaudium - mit einem lauten Knall meiner Erinnerung nach mehrere Zentimeter hoch aus der Form.

Drehte man nun die Seite, die auf der Bodenplatte der Form gelegen hatte, nach oben, befand sich dort eine perfekte, spiegelglatte Fensterbankoberfläche und darin ein Schlierenmuster das stark an diverse Marmorsorten erinnerte. Mit etwas Übung fand mein Vater schließlich heraus, wie er die Farbe einrühren muss, damit ein ziemlich naturnah nachgebildetes Marmor- oder jedenfalls Steinmuster entsteht.

Die Fensterbänke waren außerordentlich fest, und sie sind bis heute im Haus meiner Eltern eingebaut, und von echtem Stein kaum zu unterscheiden, sie fühlen sich auch - anders als man das jetzt vielleicht erwarten würde - auch so kalt an wie echter Stein.

Kennt jemand diese Technik und das Produkt, mit dem hier gearbeitet wurde?

Vielen Dank

Armin.

Hallo Armin,

Kennt jemand diese Technik und das Produkt, mit dem hier
gearbeitet wurde?

Kunststein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kunststein

Produkte gabs in den letzten 150 Jahren wohl hunderte.
Die Herstellung von Kunststein war aber oft auch ein Firmengeheimnis und viele Mischungen sind heute verloren gegangen. Manche Zutaten sind im Endprodukt nicht mehr enthalten und somit heute nicht mehr nachweisbar :frowning:

MfG Peter(TOO)

Hallo!

Kennt jemand diese Technik und das Produkt, mit dem hier
gearbeitet wurde?

Die schnelle Aushärtung und Erwärmung spricht eigentlich für 2K- Kunstharz.
Aber, soweit ich weiss, zumindest in der DDR, zur damaligen Zeit wurde im Heimwerker-und Hobby-Bereich sehr viel mit Wasserglas gemacht.
Das halte ich auch für möglich.

Grüße, E!

Hi Peter,

das ist eine wirklich heiße Spur, vor allem das Stichwort „Agglo Marmor“. Seltsamer Weise finde ich aber wenig Konkretes, einen Hinweis auf eine Forma Brento in Italien, und Bilder, allerdings keines mit der „Schlieren Optik“ die ich mir vorstelle, „gesprenkelt“ scheint eher in Mode zu sein.

Und bei den Fertigungsverfahren liest man da von Formen die gerüttelt oder sogar mit hohem Druck gepresst werden (Quartzkunststein), dass das jemand selber mit einer simplen Form auf dem Kellerboden gießt scheint nicht mehr üblich.

Aber ich denke, ich komme weiter.

Danke Dir!

Gruss Armin