Verfolgungsträume

Hallo!

Ich kenne jemanden, der in der Nacht häufig Verfolgungsträume hat, meistens zwei- bis dreimal die Woche. In der Regel handelt es sich um Zombies, Aliens oder andere Monster, die die Person suchen, meistens finden und umbringen wollen. Die Person hat bei der Arbeit oft Stress und nimmt sich die Arbeit auch immer sehr zu Herzen. In der Familie (Frau, Kind) gibt es keine Probleme. Allerdings haben sich seine Eltern vor zwei Jahren scheiden lassen und mit den Eltern und Geschwistern gibt es immer wieder Konflikte, weil sich Eltern und Geschwister mit vielen Dingen auf die Person allein verlassen.

Soweit dazu. Mich interessiert nun, inwieweit man diesen Träumen Bedeutung zumessen sollte? Ich persönlich finde es schon auffällig, wenn jemand so oft Albträume hat. Wäre es ratsam, mal einen Arzt aufzusuchen oder ist das eher „halb so wild“ und einfach eine Art Stressbewältigung? Mir ist klar, daß man über das Internet keine Diagnosen stellen kann, ich finde diese Geschichte nur etwas auffällig und bitte im Rat!

Schöne Grüße,

marvin

Hallo Marvin,

vielleicht klingt das jetzt etwas trivial, aber schaut der Alptraum geplagte Mann öfters Horrorfilme? Ich
frage das nur, weil ich das ungewöhnlich finde im Traum von Aliens und Zombies heimgesucht zu werden.
Meist sind es fremde, dunkle Gestalten, quasi ohne Gesicht oder Menschen die man kennt. Irgendwo holen
sich ja die Gedanken (auch im Traum) ihre Bilder her.

Viele Grüße

Hallo!

Das stimmt, der Verdacht liegt nahe. Aber er guckt eigentlich nicht mehr Horrorfilme als andere Leute. Naja, es sind ja nicht immer Zombies, oft sind es einfach „Monster“. Wie die genau aussehen, weiß ich leider nicht. Vielleicht meint er damit einfach fiese, bedrohliche Gestalten.

Schöne Grüße,

marvin

Hi Marvin,

Träume gehören sicherlich auch zu unserer Psychohygiene und wenn sie sich sooft wiederholen sollte man sich besonders damit auseinandersetzen.

Ich glaube zwar nicht, dass alle Menschen gleich viel Horrorfilme gucken, doch manche lassen sich davon mehr beeinflussen.

Doch angenommen es liegt nicht oder nicht nur an schlechten Filmen, für wen sind seine Aliens, Monster, Zombies Stellvertreter?

Seit wann hat er dieser Albträume? Begannen Sie mit der Trennung seiner Eltern oder waren sie schon früher auch. Haben sie sich seit der Trennung der Eltern nochmals verändert, z.B. intensiviert?

Wie gut kann dieser Mensch sich beispielsweise abgrenzen und durchsetzen?

Wird ihm aufgetragen die Arbeit mit nach Hause zu nehmen oder macht er das freiwillig? Hat er Angst seinen Arbeitsplatz zu verlieren bzw. wie sicher ist ihm dieser? Wie wichtig ist ihm der Job und seine Gesundheit? (Letztere Frage ist eher provokant gemeint.)

Wieviel trägt er selbst dazu bei, dass ihn die Familienmitglieder mit deren Problemen sich nur an ihn wenden? Was kann er dazu beitragen, dass seine Familie lernt, die Probleme die sie untereinander oder auch so haben selbst lösen zu lernen oder sich an eine andere kompetente Person zu wenden?

Das heißt nicht, dass er sich keine Arbeit mehr nach Hause nehmen soll, so er das wirklich machen möchte und das heißt auch nicht, dass er nicht mehr anderen helfen soll, sondern dass er erstmal lernen soll für sich selbst da zu sein.

Was braucht er um friedlich schlafen zu können und um am Morgen erholt aufwachen zu können? Was braucht er um mit seinem Leben glücklich und zufrieden sein zu können? Ich nehme mal an, Albträume gehören da nicht unbedingt dazu. Hat bzw. nimmt sich dieser Mensch überhaupt Zeit eigenen Interessen nachzugehen?

Natürlich gibt es diverse Möglichkeiten zu entspannen bzw. Entspannung zu unterstützen, z.B. durch Entspannungsbäder, ätherischen Ölen, Entspannungsübungen (z.B. http://www.polio-initiative-europa.de/frames/prm.htm… Doch das allein reicht nicht, die Ursachen sind anzugehen.

Für mich klingt das so als müsste dieser Mensch lernen „nein“ zu sagen, sich abgrenzen zu lernen, lernen nicht zuviel selbst aufzuhalsen oder aufhalsen zu lassen, vermutlich auch mehr Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein aufbauen.

Ich kenne seine Glaubenssätze nicht, doch es gibt sehr viel Leid, das sich Menschen dadurch unnötig einladen und aufladen können. Denkt er all sein Tun machen zu müssen, weil es sonst keiner macht oder wenigstens nicht so gut macht wie er? Meint er all die Dinge tun zu müssen um überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben? Oder weshalb nimmt er die Arbeit mit nach Hause? Weshalb verlassen sich seine Familienmitglieder bei Problemen nur auf ihn? Was ist sein Anteil?

Gerade wenn die Träume so häufig und wohl auch sehr unangenehm sind, würde ich dringend Psychotherapie empfehlen, und zwar bei einem Fachmann / einer Fachfrau, die auch mit Träumen was anfangen kann.

Bei Interesse einfach mal bei der Krankenkasse „Koorodinationsstelle für Psychotherapie“ nachfragen, ins Telefonbuch schauen, sich im privaten Umfeld jemanden empfehlen lassen, in einem Forum nachfragen oder eine der vielen Suchmaschinen betätigen. Siehe hier auch FAQ zum Auffinden von Menschen die hier helfen können.

Ciao,
Romana

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Hallo Romana!

Danke für Deine Antwort! Er sagt, die Träume hatte er schon immer, allerdings treten sie erst seit einem halben Jahr so oft auf. Dazu fällt mir auf, daß er vor neun Monaten Vater geworden ist, vielleicht kommt das noch dazu. Die Dinge, die Du über die Arbeit gesagt hast, gehen meiner Meinung nach in die richtige Richtung. Er nimmt seine Arbeit schon sehr ernst. Er arbeitet in einem kleinen Unternehmen und seine Arbeit, bzw. sein Umsatz ist schon ausschlaggebend für den Erfolg der Firma. Laut Aussage seines Chefs ist er „das beste Pferd im Stall“ und ich denke die Person fühlt sich selbst unersetzlich. Oft ist es so, daß seine Kollegen an seinem freien Tag anrufen, weil sie was wissen müssen. Das unterstreicht das Gefühl natürlich.

Zur Familie: Oft ist es so, daß die Person alles für seine Familie tut. Wenn er um etwas gebeten wird, tut er es nach Möglichkeit. Wenn die Person allerdings mal selbst Hilfe braucht, ist es schon schwierig. Manchmal klappt es, aber oft kommen auch Ausreden, keine Zeit, hab kein Auto etc. Außerdem soll er immer zwischen seinen Eltern vermitteln. Sein Bruder wohnt 900km entfernt und bekommt nichts mit, seine Schwester ist noch zu jung und leider auch zu doof. Also bleibt nur er übrig, und immer heißt es: rede doch mal mit deinem Vater, der soll deine Schwester nicht so behandeln, sag deiner Mutter, ich will das Porzellan zurück etc. Mittlerweile bekommt er es hin, sich auch mal rauszuhalten. Ich habe schon mehrfach auf ihn eingeredet, daß er auch mal Nein sagen soll. Klappt immer öfter.

Aber insgesamt fällt es ihm schon eher schwer, Nein zu sagen. Obwohl ich ihn durchaus für selbstbewußt halte und er auch in der Lage ist, seine Meinung zu sagen. Er hat sich auch schon des öfteren mit seinem Chef angelegt, wenn der ihm komisch kam. Angst um seinen Job hat er nicht, er weiß, daß er gut ist.

Ich werde mal versuchen, ob ich dazu bringen kann, sich zunächst seiner Hausärztin anzuvertrauen. Die ist ganz vernünftig und kann bestimmt sagen, wie man da weiter vorgeht, Richtung Psychotherapie etc.

Nochmal Danke!

marvin

Hi Marvin,

die entscheidende Frage dürfte erstmal sein, ob er überhaupt was ändern mag. Es klingt wenigstens so an, da Du schreibst, er würde seine Eltern nun selbst mehr klären lassen.

Es scheint als hättest Du sein Wohl mehr im Auge als er selbst. Vielleicht kannst Du ihn auch unterstützen in dem Du ihm einfach Fragen stellst, möglichst neutral. Es sollte nichts „dahinter stecken“ im Sinne von weiteren „Forderungen“ oder „Vorwürfen“.

Ein Chef dürfte sich in aller Regel über ein Arbeitstier freuen. Doch was macht der Chef, wenn sein „bestes Pferd im Stall“ mal ausfällt? Wie lange, wenn überhaupt, würde der Chef das hinnehmen?

Wie schon geschrieben, ich weiß nicht was seine Glaubenssätze sind. Er hat herauszufinden, weshalb er so wenig delegieren will oder auch delegieren kann. Wieviel sind die beteiligten Personen haben zu wenig soziale / berufliche Kompetenz Konflikte zu lösen und wieviel will er möglicherweise auch gar nicht, dass Menschen selbständig ihren Job machen? Sicherlich können beispielsweise auch Eltern durch ihre Kinder etwas lernen oder auch Kinder mal vermitteln, doch je nach Maß der Vermittlertätigkeiten, kann ein Mensch sich hier auch missbrauchen lassen.

Was will er von seinem Leben? Was davon lebt er, was nicht? … Wenn er mal nicht arbeitet, nicht vermittelt, kein Mitarbeiter aus der Firma anruf, was tut er denn sonst noch? Es klingt nicht so, als hätte er da noch viel Zeit für sich und seine Interessen, so er diese überhaupt entwickelt hat.

Ich finde es sehr berührend, wenn ein Mensch hilfreich und gebend ist, doch es darf nicht auf die eigenen Kosten gehen. Meiner Meinung nach, wenn ein Mensch in seinem Geben stimmig ist, dann wird ihm auch gegeben, vielleicht nicht von den Menschen denen er selbst gegeben hat oder von denen er es sich wünscht, doch auch er sollte was zurück bekommen. Anders verhält es sich meiner Meinung nach jedoch, wenn ein Mensch mehr gibt als er im Grunde geben will, gibt z.B. weil er Verlustangst hat, nicht nein sagen kann, darin seine Existenzberechtigung sieht, Macht gewinnen möchte oder was auch immer da in so einem Menschen vorgeht…

Klar, es gibt Menschen die sich selbst aufopfern, für sich wenig bis nichts verlangen und andere danken es nicht einmal. Und sie fühlen sich dabei noch glücklich, so sie teils behaupten. Ich weiß nicht wie ehrlich diese Menschen dann zu sich selbst sind.

Wie wäre es mal mit Familienurlaub? Was würde passieren, wenn er mal für eine Zeit X sagen würde, dass er für Problemlösungen und Vermittlungen nicht zur Verfügung steht?!

Ich kenne Euch nicht. Ich hoffe jedoch, dass er Dich nicht austrickst. Sprich er mag es vermutlich auch Dir recht machen. Manche tricksen dann, und sagen sie machen nichts, machen jedoch heimlich. Wenn er es jedoch zunehmend schafft, sich rauszuhalten, dann ist das doch erfreulich und ein Schritt mehr in die richtige Richtung.

Was sind denn seine Gedanken, wenn er mal Nein sagt? Was denkt er was die anderen dann dächten bzw. was dann passieren könnte?

Ich werde mal versuchen, ob ich dazu bringen kann, sich
zunächst seiner Hausärztin anzuvertrauen. Die ist ganz
vernünftig und kann bestimmt sagen, wie man da weiter vorgeht,
Richtung Psychotherapie etc.

Das ist ja der Punkt. Du kannst ihn hinführen, doch er muss es auch wirklich wollen. Schlimmstenfalls macht er Therapie, damit er vor Dir seine Ruhe hat, doch öffnet sich nicht wirklich. Wie gesagt, die Frage ist, wie er sein Leben sieht, und was er will?

Ciao,
Romana

Weniger DVD oder Video-Games spielen.

Gruss
mrh

Das muß es sein, danke für Deine Hilfe!

hi,

träume sind dann eher von bedeutung, wenn sie oft geträumt werden. am besten, man unterhält sich mit dem träumenden über die inhalte, und wie er sie selbst deuten würde. erst, wenn der schlaf stark beeinträchtigt ist und die lebensführung leidet (ehe, arbeit, familie) und sich weitere folgeprobleme ergeben sollte man mit einem fachmann darüber reden. das sind psychologen und psychiater.

vorher mal ein buch über traumdeutung blättern und schauen, was dabei herauskommt. kann nicht schaden.

Hallo Romana!

Danke! Du hast mir einige Denkanstöße gegeben! Ich werde Deine Fragen mal sacken lassen und
versuchen, mit der Person ein Gespräch zu finden. Wie Du sagst, natürlich möglichst ohne Forderungen zu
stellen, sondern zum Nachdenken anregen.

Beim Stichwort Verlustängste hat es bei mir geklingelt, ich denke, die sind vorhanden. Zum einen weiß ich,
daß er im Alter von zwei Jahren für zwei Wochen im Krankenhaus lag und seine Mama nur drei Stunden am
Tag sah. Wenn er dann allein war, hat er wohl nur noch geweint. Keine Ahnung, ob ich das überbewerte,
aber ich denke, daß ihn diese Zeit negativ geprägt hat.

Vielleicht hilft es, wenn er sich seines Verhaltens bewußt wird und überlegt, warum er sich in manchen
Situation so verhält.

Schöne Grüße,

marvin