Hallo Yvonne!
im laufe der letzten jahre ist mir aufgefallen, daß die
menschen (egal ob männlein oder weiblein) die vergangenheit
oft verherrlichen/verschönen…
Nicht nur verschönern, sondern Menschen biegen sich oft Situationen (vergangen, gegenwärtig oder zukünftig) in ihrer Wahrnehmung so hin, daß sie am besten mit ihren gegenwärtigen Einstellungen in Übereinstimmung stehen.
konkretes beispiel: die letzte beziehung mit einem partner.
Ein gutes Beispiel, weil partnerschaftliche Beziehungen sehr stark mit Emotionen verbunden waren / sind.
solange man keinen neuen partner hat, scheinen viele die
beziehung mit dem ehemaligen partner sehr einseitig, meist
viel zu positiv zu sehen.
ich verstehe nicht, warum.
Ist doch relativ einfach, es sich plausibel zu machen. Wenn man keinen Partner hat UND gern wieder einen hätte, dann „erinnert“ man sich an die schönen Seiten der vorangegangenen - damit man einen Grund hat, wieder einen Partner zu suchen. Denn, wenn man frühere Partnerschaften im schlechten Licht sehen würde, warum sollte man dann nach einer neuen streben?
es hilft nicht gerade abstand zu erhalten.
Muß man auch nicht unbedingt. Sozial kompetente Menschen schaffen es auch, sich noch nach Ende einer Partnerschaft „Guten Tag“ zu sagen.
und sobald diese menschen dann einen neuen partner haben,
sehen sie plötzlich auch die negativen seiten des vorigen
partners (vielleicht, weil sie was „schöneres“ erleben?)
*lach* Na klar! Das ist alles mit der Dissonanztheorie zu „erklären“. Wenn Menschen sich für eine von mehreren Möglichkeiten (hier: potentiellen Partnern) entscheiden müssen, dann sammeln sie Informationen darüber, was die beste Entscheidung ist. Sie treffen schließlich ihre Entscheidung und werten die nicht-gewählten Möglichkeiten ab, damit die gewählte in „strahlendem Glanz“ erscheint. Denn: Stell´ Dir vor, Du würdest nach der Entscheidung anders denken: „Scheiße, ich hätte doch den anderen nehmen sollen.“ Nein, Dissonanz als das Gefühl, daß sich Einstellungen widersprechen und die getroffene Entscheidung nicht richtig war, mag der Mensch nicht. Gott sei Dank, gibt es Dissonanzreduktion. Aber Gott sei Dank, läßt sich Dissonanz nicht immer vollständig reduzieren.
in meinem konkreten fall weiß ich garnicht, wie ich einem
freund helfen soll, außer ihm ständig auch die negativen
seiten immer wieder durch lange gespräche ins hirn zu hämmern.
Du liebe Güte! So etwas ist meistens vergebliche Liebesmüh. Da ist ´was Stärkeres am Werk als Du.
das empfindet er dann auch jedesmal als hilfreich.
aber allein schafft er das nicht.
Du wirst sehen, was passiert, wenn er eine neue Partnerin findet. Dann geht´s ganz schnell, daß er die alte Partnerschaft deutlich weniger rosig sieht. Yvi, Du bist Don Quichotte im Kampf gegen Windmühlen. Laß der Psyche in diesem Fall ihren Willen.
warum ist das „von der natur“ (ein anderer ausdruck fällt mir
nicht ein) nicht anders eingerichtet.
„Von Natur aus“ ist treffend. Es ist so, weil Menschen das Gefühl brauchen, daß ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen in Übereinstimmung stehen. Daß sind sie zwar oft nicht, aber wenn dies jedem dauernd bewußt wäre, könnten wir nicht mit unseren alltäglichen Verhaltensweisen weitermachen. Von der Natur ist es so eingerichtet, damit wir überleben. Derjenige, der über seine Inkonsistenzen grübelt, ist weg von der Fortpflanzung.
ich spreche
auch nicht von menschen, die kürzlich erst verlassen wurden,
sondern von 2-3 jahren.
In der Zwischenzeit gab es keine neue Partnerin: „Ich möchte sooo gern wieder eine Partnerin haben. Das war sooo schön damals.“ Da treibt Mutter Natur in Form von Motivation an, auf Partnersuche zu gehen.
Gruß,
Oliver Walter