Vergangenheit und Vorvergangenheit sowie Klammern

Hallo Leute

Gleich zwei Fragen habe ich an euch:

  1. Ich erhielt den Hinweis, dass man den folgenden
    Satz mit _und_ ohne Vergangenheit und Vorvergangenheit
    schreiben könne, also:

„Das tat er auch nach einer halben Stunde wie’s auch
ausgemacht worden war.“

wie auch

„Das tat er auch nach einer halben Stunde wie’s auch
ausgemacht wurde.“

Begründung, weshalb man bei diesem Satz die Vorvergangenheit
weglassen könne: Man könne es auch so sehen, dass sich die
Tätigkeit der- oder desjenigen bis in die aktuelle Zeit
hin auswirken _kann._

Stimmt das so?

  1. Diesmal geht es um Klammern am Beispiel desselben Satzes:

„Das tat er auch nach einer halben Stunde wie’s auch
ausgemacht worden war.“

Wenn ich nun den zweiten Teil in Klammern setze, bleibt dann
die Konstelation der Vergangenheit und Vorvergangenheit
unberührt durch die Klammern?

„Das tat er auch nach einer halben Stunde (wie’s auch
ausgemacht worden war.)“

Für jede fachkundige Hilfe vielen lieben Dank!

Grüsse

Daniel

Hallo, Daniel!

Diese beiden Sätze verwirklichen mit unterschiedlichen Zeitverhältnissen die gleiche Bedeutung; mit dem einen Unterschied, dass im ersten Satz explizit gesagt wird, dass „das Ausmachen“ vor „dem Tun“ stattfand. Im zweiten Satz wird nur durch die Zeitangabe „nach einer halben Stunde“ ausgedrückt, dass „das Tun“ nach „dem Ausmachen“ kam.

Ich würde übrigens in beiden Sätzen zwischen „… Stunde, wie’s …“ ein Komma setzen.

„Das tat er auch nach einer halben Stunde**, (sic! FR)** wie’s auch
ausgemacht worden war.“

wie auch

„Das tat er auch nach einer halben Stunde**, (sic! FR)** wie’s auch
ausgemacht wurde.“

da es sich um zwei Sätze handelt.

Man könne es auch so sehen, dass sich die Tätigkeit der- oder desjenigen bis in die aktuelle Zeit hin auswirken „kann“.
Stimmt das so?

Nicht so recht, da nicht die Auswirkung der einen auf die andere Handlung durch die Vorzeitigkeit ausgedrückt wird, sondern eben die Vorzeitigkeit, also dass das eine vor dem anderen stattfand.

  1. Diesmal geht es um Klammern am Beispiel desselben Satzes:
    Wenn ich nun den zweiten Teil in Klammern setze, bleibt dann die Konstellation der Vergangenheit und Vorvergangenheit unberührt durch die Klammern?
    Das tat er auch nach einer halben Stunde (wie’s auch ausgemacht worden war.)“

Ja, natürlich. Klammern haben mit den Zeitstrukturen eines Satzes nichts zu tun.

Allerdings ist meiner Meinung nach hier ein Klammenr durchaus fehl am Platz, denn eine Klammer sagt: das, was jetzt kommt ist von untergeordneter Bedeutung, ist eigentlich gar nicht wichtig, ist bloß eine marginale Anmerkung oder abundante Erklärung, die man auch übergehen kann.
Wenn das gemeint ist, dann meinethalben auch eine Klammer.

Dazu:

_**Klammern

R61 In Klammern stehen erklärende Zusätze**
.

Frankfurt (Oder)

Grille (Insekt) - Grille (Laune)

Als Hauptwerk Matthias Grünewalds gelten die Gemälde des Isenheimer Altars. (Der Zeitpunkt ihrer Vollendung ist umstritten. Einige nehmen 1511 an, andere 1515.)

In Nachschlagewerken werden bei kürzeren Zusätzen oft auch eckige Klammern statt der allgemein üblichen runden Klammern verwendet.

Bei eingeschobenen Sätzen können Klammern anstelle von Kommas oder Gedankenstrichen gesetzt werden.

In seiner Vergangenheit (nur wenige kannten ihn noch von früher) gab es manchen dunklen Punkt.

Andere Satzzeichen stehen nach der schließenden Klammer, wenn sie auch ohne den eingeklammerten Zusatz stehen müssten á§ 88ñ.

Sie wohnen in Ilsenburg (Harz). Sie wundern sich (so schreiben Sie), dass ich so wenig von mir hören lasse.

Ausrufe- und Fragezeichen stehen vor der schließenden Klammer, wenn sie zum eingeklammerten Zusatz gehören á§ 88ñ.

Der Antrag ist vollständig ausgefüllt (bitte deutlich schreiben!) an die Bank zurückzusenden. Es gab damals (erinnern Sie sich noch?) eine furchtbare Aufregung.

Der Schlusspunkt steht nur dann vor der schließenden Klammer, wenn ein ganzer Satz eingeklammert ist, der nicht an den vorhergehenden Satz angeschlossen ist á§ 88ñ.

Dies halte ich für das wichtigste Ergebnis meiner Ausführungen. (Die entsprechenden Belege finden sich auf Seite 25.)
Aber: Mit der Produktion der neuen Modelle wurde bereits begonnen (im Einzelnen werden wir noch darüber berichten).

Erläuterungen zu einem bereits eingeklammerten Zusatz werden häufig in eckige Klammern gesetzt.

Mit dem Wort Bankrott (vom italienischen „banca rotta" [zusammengebrochene Bank]) bezeichnet man die Zahlungsunfähigkeit.

Auch bei eigenen Zusätzen in zitierten Texten oder bei Ergänzungen in nicht lesbaren oder zerstörten Texten werden oft eckige Klammern verwendet.

In ihrem Tagebuch heißt es: „Ich habe das große Ereignis [gemeint ist die Verleihung des Friedenspreises] ganz aus der Nähe miterlebt und war sehr beeindruckt."

© Dudenverlag._

Grüße
Fritz