Folgt aus der Physik, dass die Zeit vergeht oder ist sie bloß die Anordnung von Ereignissen?
Wenn Sie nicht vergeht, warum hat sie dann eine ausgezeichnete Richtung?
Hallo!
Aus der Physik folgt in der heutigen Beschreibung nicht, dass Zeit „vergeht“, wobei man erstmal versuchen müsste genauer zu präzisieren, was man damit meint. Die physikalische Welt stellt sich in der modernen Beschreibung über einer Raumzeit in der Tat als eine Menge von Einzelereignissen dar. diese werden letztendlich durch die Geometrie der zugrundeliegenden Raumzeit (Minkowski-Raum oder Semi-riemannsche Geometrie…) in Beziehung gesetzt.
Die (fundamentalen) physikalischen Gesetze zeichnen in der Tat keine Zeitrichtung aus. Das heißt wir haben hier tatsächlich ein Problem! Es gibt grob zwei Erklärungsansätze für das Vergehen der Zeit:
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Thermodynamischer Zeitpfeil: Die Zeitrichtung wird durch das „typische“ Verhalten physikalischer Systeme ausgewählt. D.h. - um einmal ein konkretes Beispiel zu wählen - ein Gas expandiert in einen Leerraum, ein in einem Volumen verteiltes Gas strömt aber nicht „von alleine“ auf die Öffnung des Gefäßes zurück usw. Dieses „typische“ Verhalten thermodynamischer Systeme wird letztendlich vom 2.Hauptsatz der Thermodynamik erfasst (die Entropie nimmt im Gesamtsystem höchstens zu, aber niemals ab…). Wie kommt es nun zu dieser Assymmetrie? Das ist hier denke ich der wunde Punkt, den man einfach mal verstehen muss: Es kommt auf den Anfangszustand an! Also wenn ich z.B. irgendein Vielteilchensystem hernehme (sagen wir ein Gas), habe ich ja ganz viele Möglichkeiten, den Anfangszustand des Systemes zu fixieren (Anfangsorte und Anfangsimpulse der Teilchen zu meinem Zeitnullpunkt). JE NACHDEM wie ich diesen Zustand wähle, wird das System unterschiedliches Verhalten zeigen: Stell dir z.B. mal vor, du lässt ein Gas (wie man es kennt) in ein leeres Volumen strömen. Das Gas expandiert und expandiert usw. und dann hälst du mal die „Zeit an“. Jetzt mache folgendes: Nimm die Orte der Teilchen, so wie sie jetzt sind, als Anfangsorte und dreh sämtliche Impulse um. Und nimm genau DIESEN Zustand als Anfangszustand. Was wird passieren? Na klar! Alle Teilchen laufen zurück in die Eintrittsöffnung! D.h. wenn der Anfangszustand unseres Modell-Gas-Universums eben GENAU DIESER Zustand wäre, hätten wir ein Universum, in dem der 2.Hauptsatz der Thermodynamik NICHT gilt… Das heißt, dass physikalische Systeme dieses typische Verhalten zeigen, mit einer anscheinend „ausgezeichneten“ Zeitrichtung ist eine Frage des ANFANGSZUSTANDES. Auf diese Weise wird es verständlich, wie es sein kann, dass eine Welt mit AN SICH zeitsymmetrischen Naturgesetzen durch das „typische Verhalten“ der Materie und Strahlung (Wahl eines GEEIGNETEN Anfangszustandes) eine ausgezeichnete Zeitrichtung quasi vorgaukeln kann. Das ist der thermodynamische Zeitpfeil. Wenn das der Erklärungsansatz wäre, wäre die Zeitrichtung quasi nur „vorgegaukelt“ und keine Folge irgendeines Symmetriebruches in der Struktur der Raumzeit, den wir nicht kennen.
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Der zweite Erklärungsansatz wäre, dass unsere geometrische Beschreibung der Welt nicht stimmt und die Symmetrie zwischen den beiden möglichen Zeitrichtungen durch irgendein strukturelles Element der Geometrie sozusagen gebrochen wird. Dazu gibt es aber - meines Wissens - keine ausgearbeiteten Theorien…
Beste Grüße, Flo
Danke für die schelle Antwort!
Aus der Physik folgt in der heutigen Beschreibung nicht, dass
Zeit „vergeht“, wobei man erstmal versuchen müsste genauer zu
präzisieren, was man damit meint.
Gibt es auf der Beschreibungsebene der Physik keine Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft?
Ist es wie beim Plattenspieler? Die Schallplatte vergeht nicht - nur die Nadel (= unser subjetive Erlebnisperspektive) bewegt sich relativ zur Platte.
Stell dir z.B. mal vor, du
lässt ein Gas (wie man es kennt) in ein leeres Volumen
strömen. Das Gas expandiert und expandiert usw. und dann hälst
du mal die „Zeit an“. Jetzt mache folgendes: Nimm die Orte der
Teilchen, so wie sie jetzt sind, als Anfangsorte und dreh
sämtliche Impulse um. Und nimm genau DIESEN Zustand als
Anfangszustand. Was wird passieren? Na klar! Alle Teilchen
laufen zurück in die Eintrittsöffnung!
Ist ja irre. Hast Du Literaturhinweise dazu?
Georg
Stell dir z.B. mal vor, du
lässt ein Gas (wie man es kennt) in ein leeres Volumen
strömen. Das Gas expandiert und expandiert usw. und dann hälst
du mal die „Zeit an“. Jetzt mache folgendes: Nimm die Orte der
Teilchen, so wie sie jetzt sind, als Anfangsorte und dreh
sämtliche Impulse um. Und nimm genau DIESEN Zustand als
Anfangszustand. Was wird passieren? Na klar! Alle Teilchen
laufen zurück in die Eintrittsöffnung!
Das klappt nur in der klassischen Mechanik. In der Realität würde Dir die Quantenmechanik - genauer gesagt die Heisenbergsche Unschärferelation - einen Strich durch die Rechnung machen.
Folgt aus der Physik, dass die Zeit vergeht oder ist sie bloß
die Anordnung von Ereignissen?
Wenn Sie nicht vergeht, warum hat sie dann eine ausgezeichnete
Richtung?
Und ob die Zeit vergeht.
Die Mechanik (der wohl am einfachsten beobachtbare Teilbereich der Physik) kennt nur drei Größen: Masse, Weg und Zeit. Die Zeit geht in den entsprechenden Gleichungen immer als Differenzgröße ein (delta t).
Zweiter Hinweis für die Richtungslosigkeit der Zeit: Sie ist kein Vektor! Einzig und allein der Weg ist gerichtet und gibt so eindeutig rückverfolgbar die Wirkrichtung der Mechanischen Größe (z.B. Kraft) an.
Jetzt noch schnell etwas relatvistisches:
in jedem Bezugssystem, dem ich die Relativgeschwindigkeit Null zuordne (eigentlich geht es hier um Energie, aber das geht jetzt zu weit)vergeht die Zeit gleich schnell.
Beobachten wir einen Raumfahrer, der mit 0,8c durch das All düst:
Wir auf der Erde legen unsere Geschwindigkeit mit Null fest und beobachten den Raumfahrer für den die Zeit scheinbar langsamer vergeht; mit allen Konsequenzen, die jetzt keine Rolle spielen.
Beobachten wir jetzt das Szenario aus der Raumfahrerperspektive, können wir den Spiess umdrehen (die Relativitätstheorie erlaubt uns das). Für den Raumfahrer, der seine Geschwindigkeit mit Null wahrnimmt und das Universum mit 0,8c an sich vorbeirauschen sieht vergeht die Zeit genauso schnell wie zuvor für uns auf der Erde. So lang der Raumfahrer ganz still au seinem Stuhl sitzen bleibt ist seine Relativgeschwindigkeit zu seinem Bezugssystem Null; „nuller geht es nicht“. Die Zeitdilatatin ordnet er dann uns Erdlingen zu, die gerade eben mit 0,8c mitsamt Erde an ihm vorbeigerauscht sind. Für Masse und Weg gilt das gleiche.
Zeit ist also eine Größe ohne Richtung (Zeit ist kein Vektor). Sie lässt sich nicht direkt messen (Masse übrigens auch nicht).
Das delta t kann auch an irreversiblen Vorgängen (z.B. radioaktiver Zerfall) beobachtet werden. Das macht es unserem Gehirn noch schwerer, die Zeit als ungerichtet zu begreifen. Ein Philosoph hätte die Frage bestimmt anders beantwortet…
Nun, um die Idee des thermodynamischen Zeitpfeils rein prinzipiell zu erläutern halte ich eine Beschränkung auf klassische Physik für zweckdienlich. Und zwar aus folgendem Grund:
Das mit der QM ist immer so eine Sache: Wenn du von der orthodoxen QM ausgehst kannst du zu diesem Experiment eigentlich gar nichts sagen. Warum? Weil die Quantenmechanik als physikalische Theorie „ill-defined“ ist und die Theorie insbesondere nicht sagt, worüber sie redet, sie hat keine Ontologie. Die QM kann nicht interpretiert werden, da ihr mathematischer Formalismus keine Objekte enthält, die direkt physikalisch interpretierbar sind (die Wellenfunktion ist auf dem KONFIGURATIONSRAUM definiert!). Wir reden also weder über Teilchen noch über Wellen noch über sonstwas, sondern eben über GAR NICHTS. Es ist NUR ein Algorithmus mit dem du Zahlen produzieren kannst, die nach ad hoc - Regeln mit Experimenten verglichen werden können (oh und das funktioniert sehr gut, ein wirklich gut zurechtgeprügelter Algorithmus, das muss man ihm lassen!). Aus einem Algorithmus kannst du aber keine PHYSIKALISCHEN Schlüsse ziehen. Dementsprechend sind diverse „physikalische Schlüsse“, die klassischerweise aus der QM gezogen werden, eigentlich die reinste Willkür, die durch die Theorie NATÜRLICH nicht wiedergegeben werden. Warum die lange Rede? Nun, weil du die Heisenbergsche Unschärferelation ansprichst: Was sagt Heisenberg denn zum Ort des Teilchens (ich nehme an, darauf spielst du hier an?!)? Nun er sagt sinngemäß so etwas wie
„Angenommen ein Teilchen hätte einen Ort. Dann könnte man versuchen ihn zu messen. Dann wäre der Ort wieder unscharf. Also hat das Teilchen keinen Ort.“
Erstmal verwechselt der liebe Herr Heisenberg hier zwei Konzepte: Nämlich Ontologie und Epistemologie. Aber das beiste. Denn das ist sowieso der reinste logische Unfug: Die MINIMAL DEFINIERENDE Eigenschaft eines Teilchens ist sein ORT. D.h. wenn ich von Teilchen rede, haben die einen Ort. Punkt. Wenn ich über „Objekte“ rede, die keinen Ort haben… na dann sind’s eben keine Teilchen. Was Heisenberg sagt ist sinngemäß so etwas wie: Angenommen wir DEFINIEREN ein Objekt durch die Eigenschaft E. Dann schließt er, dass dieses SO definierte Objekt die Eigenschaft E nicht hat… GANZ groß. Man sollte es ihm um die Ohren hauen. Was will ich damit sagen: Der übliche QM-Spruch „Teilchen haben keinen Ort wegen der Heisenbergschen Unschärferelation“ ist durch ncihts aber auch wirklich GAR NICHTS belegt, insbesondere NICHT experimentell: So ziemlich das EINZIGE was du in Experimenten misst sind Teilchenorte (Flash auf dem Screen), die Wellenfunktion ist GENERELL nicht beobachtbar (das ist übrigens ÄQUIVALENT zum Messproblem der QM), d.h. eigentlich ist die Wellenfunktion eine „versteckte“ Variable und die Teilchenorte sind eigentlich das einzige was man wirklich sehen kann. Auf der theoretischen Ebene kommst du zu keiner sinnvollen Begriffsbildung, wenn du von „Teilchen ohne Ort“ redest… Summa summarum weiß man eben einfach nicht worüber man in der QM redet. Insbesondere lässt sich aus der QM NICHT schließen, dass „Teilchen keinen Ort haben“. Das ist eine rein willkürliche „Schlussfolgerung“, die im Prinzip nichts leistet als die einzige Begriffsbildung die man hat (Teilchen) zu zerschießen. Wenn du über obiges Gedankenexperiment redest, kannst du gar nicht darüber reden, was man mit QM und Heisenbergscher Unschärfe für eine Situation hätte, weil du nicht weißt wovon du da redest, weil die Theorie keine Ontologie hat. Aber können wir trotzdem irgendwas tun?
Ja, das können wir: Du kannst die QM z.B. zu einer echten physikalischen Theorie ausbauen, wenn du Konzepte hinzufügst, die der QM eine Ontologie verpassen. D.h. du brauchst zusätzliche Elemente der Wirklichkeit. Was bietet sich im ersten Moment an? Nun, wir sehen in Experimenten Flashes von Teilchen auf dem Bildschirm. Sieht fast so aus, als ob die Teilchen einen „Ort“ hätten, oder? Probieren wir es doch mal und postulieren probeweise: Wir REDEN jetzt über Punktteilchen, d.h. Objekte, die (erstmal) durch ihren ORT definiert sind. Du kannst den Wahrscheinlichkeitsstrom j dann gemäß j = \rho * v mit einem Strom (Geschwindigkeitsfeld v) von Teilchen der Dichteverteilung \rho identifizieren. Da \rho = |\Psi|^2 kannst du so eine Gleichung für v erhalten. Das liefert dir eine Bewegungsgleichung für die Teilchen. Das Ergebnis ist die Bohmsche Mechanik (eine Theorie, die übrigens ALLE Vorhersagen der QM wiedergeben kann und darüber hinaus noch in der Lage ist Experimente zu beschreiben, die im Rahmen der QM NICHT beschreibbar sind), das ist EINE Möglichkeit die QM zu einer echten Theorie auszubauen (also einer Theorie, die Elemente enthält die sich physikalisch interpretieren lassen - hier Teilchen). Wenn du die QM so erweiterst, hast du dann keine Probleme mehr obiges Gedankenexperiment durchzudenken, denn die Bohmsche Mechanik geht im Limes großer Längenskalen in die Newtonsche Mechanik über. Da wir von Anfang an von TEILCHEN reden hast du auch keine Probleme damit dir den Kopf darüber zu zerbrechen, ob die Heisenbergsche Unschärferelation dir das Gedankenexperiment zerschießt (übrigens ist die Heisenbergsche Unschärfe eine FOLGE der Bohmschen Mechanik, nur hat es NICHTS damit zu tun, dass „Teilchen keinen Ort“ hätten…).
Warum der Ausflug zur Bohmschen Mechanik? Ja, sorry, noch mal: Weil ich sonst nicht wüßte, worüber ich reden sollte. Wenn man QM zugrundelegt, kann man ja aus den oben dargelegten Gründen GAR NICHTS mehr sagen… also wenn man überhaupt etwas dazu sagen will, wie die „QM“ hier in das Gedankenexperiment reinspielt braucht man erstmal eine wohldefinierte physikalische Theorie (klar, oder?) und das einfachste was es da auf dem Markt gibt ist eben Bohmsche Mechanik. Und wenn du DAS machst… stellt sich heraus das es gar kein Problem gibt mit obigem Gedankenexperiment…
Puh, lange rede. Sorry
.
Beste Grüße, Flo
Hallo Georg!
Ich will versuchen, dass noch einmal zu erläutern, wenn ich sage, die Zeit „verginge“ nicht (es ist natürlich eine Frage, wie du den Begriff „vergehen“ eigentlich definieren willst, gerade DAS will ich ja jetzt präzisieren): In der heutigen Beschreibung würdest du die „Welt“ als die Menge aller Einzelereignisse einer vierdimensionalen „Raumzeit“ verstehen (die mit einer bestimmten Geometrie belegt ist). Das bedeutet: Du nimmst sozusagen auf der physikalischen Beschreibungsebene den Weltverlauf „als Ganzes“ wahr. Der Zeitverlauf ist - wenn man die Interpretation mit dem thermodynamischen Zeitpfeil zugrundelegt - enkodiert in der Struktur und Anordnung der physikalischen Einzelereignisse der Raumzeit. Aber man nimmt eben (in der math. Beschreibung) die „ganze Geschichte“ als ein großes Gesamtbild wahr. In diesem Sinne „vergeht“ Zeit in dieser Beschreibung nicht. Wenn du auf deine Raumzeit Koordinaten draufschmeißt (z.B. durch Wahl eines Inertialsystems) bekommst du zwar - durch deine Koordinaten - eine „Benennung“ der Einzelereignisse, die u.a. eine historische Ordnung wiedergeben, jedoch redest du dann eben über Koordinaten und nicht über die Raumzeit als Objekt „an sich“. „An sich“ vergeht die Zeit also nicht, obwohl ein EINZELNER Beobachter (meinetwegen du und ich) einen Zeitverlauf WAHRNIMMT. Das dies möglich ist… nun das liegt soweit wir HEUTE wissen am thermodynamischen Zeitpfeil, also am typischen Verhalten physikalischer Systeme, wie bereits erläutert.
Also wenn du das Konzept der „Zeit“ in der modernen Beschreibung der Physik verstehen willst, musst du versuchen dieses Bild der „Raumzeit“ zu verstehen. Dann siehst du, dass Zeit „an sich“ NICHT vergeht, obwohl du es als Beobachter alltäglich natürlich so wahrnimmst, eine hartnäckige Einbildung wenn du so willst. Wenn du das physiologisch verstehen willst… würde ich versuchen mir vorzustellen, wie ein Lebewesen als Ereignisstruktur selber in diese Raumzeit eingebettet ist. … Aber vielleicht ist diese moderne Sichtweise auch falsch, wer weiß das schon…
Auf der Beschreibungsebene der Raumzeit gibt es schon so etwas wie Gegenwart, Zukunft, Vergangenheit. Das hängt dann aber wirklich davon ab, was genau die Geometrie der zugrundeliegenden Raumzeit ist. Sagen wir wir nehmen einen Minkowski-Raum (das entspricht der Speziellen Relativitätstheorie). Wenn du dir ein Raumzeit-Ereignis herausgreifst (ein Punkt deiner Raumzeit) kannst du für dieses Ereignis immerhin einen „Zukunfts-“ und „Vergangenheitslichtkegel“ definieren. Das sind zwei Mengen von Ereignissen, die so etwas wie die Zukunft und Vergangenheit aus Sicht dieses Ereignisses erfassen. Jedoch decken diese beiden Ereignismengen nicht die ganze Raumzeit ab, d.h. es gibt Raumzeit-Ereignisse (also ganz viele
), die sich weder einer „Zukunft“ noch einer „Vergangenheit“ zuordnen lassen. Bei der „Gegenwart“ wird es RICHTIG knifflig: Gegenwart ist ja, was „gerade jetzt“ also sozusagen „gleichzeitig mit DIESEM Ereignis hier“ ist… Ein solches Konzept gibt es NUR, wenn du von einem konkreten Beobachter ausgehst (ein Inertialsystem… bitte mich bitte nicht dir DAS zu erklären…). Sagen wir „Leute“ in unterschiedlichen Bewegungszuständen, würden UNTERSCHIEDLICHE Punktmengen dieser vierdimensionalen Raumzeit als „Jetzt“ (Gegenwart) definieren. Das ist im Kern der Sache der Grund für die Paradoxien der Speziellen Relativitätstheorie: Es gibt keinen Raum + Zeit, sondern nur die EINHEIT der RAUMZEIT. Und je nach Beobachter wird diese Raumzeit UNTERSCHIEDLICH in Raum + Zeit geSPLITTET (also eingeteilt). Abhängig davon wie das geschieht kann man unterschiedlicher Meinung darüber sein, was Jetzt ist und was nicht Jetzt ist… Das ist leider alles nicht einfach. Es hilft nichts: Wenn man das wirklich verstehen will muss man lernen in der Raumzeit zu DENKEN und nicht in der Aufspaltung Raum + Zeit (meiner Meinung nach der Grund warum alle populärwissenschaftlichen Erklärungen der Speziellen Relativitätstheorie irgendwie scheitern müssen).
Also die Sache mit dem Gas war nur ein Gedankenexperiment. Ich wollte versuchen klarzustellen, wie die Asymmetrie in der Zeit eine Folge deiner Wahl des Anfangszustandes der Welt ist.
Beste Grüße, Flo
Was sagt Heisenberg denn zum Ort des Teilchens
(ich nehme an, darauf spielst du hier an?!)?
Nein, ich spiele darauf an, was er zu Ort und Impuls des Teilchens sagt.
Nun er sagt
sinngemäß so etwas wie„Angenommen ein Teilchen hätte einen Ort. Dann könnte man
versuchen ihn zu messen. Dann wäre der Ort wieder unscharf.
Also hat das Teilchen keinen Ort.“
Nein, das sagt er nicht. Heisenberg sagt, dass Ort und Impuls des Teilchens nicht gleichzeitig beliebig genau definiert sind.
Erstmal verwechselt der liebe Herr Heisenberg hier zwei
Konzepte: […]
Hast Du Deine Erkenntnisse schon publiziert? In der physikalischen Fachwelt scheint es diesbezüglich erheblichen Aufklärungsbedarf zu geben.
Aber Hallo!
Hi Florian,
Das mit der QM ist immer so eine Sache: Wenn du von der
orthodoxen QM ausgehst kannst du zu diesem Experiment
eigentlich gar nichts sagen. Warum? Weil die Quantenmechanik
als physikalische Theorie „ill-defined“ ist und die Theorie
insbesondere nicht sagt, worüber sie redet, sie hat keine
Ontologie.
Ich hab mal nachgeschaut was Ontologie bedeutet und habe schnell gelernt, dass dies in die Philosophie gehört und somit unwissenschaftlich ist. Das allein wäre für mich ein Grund, hier nicht mehr weiterzulesen.
Die QM kann nicht interpretiert werden, da ihr
mathematischer Formalismus keine Objekte enthält, die direkt
physikalisch interpretierbar sind
(Jetzt hab ich trotzdem weitergelesen)
Na und? Das ist doch sowas von egal.
Was ist denn die Alternative? „Nix wissen“, und das formal-philosophisch korrekt? (Achtung Ironie)
ein wirklich gut zurechtgeprügelter Algorithmus, das muss man
ihm lassen!.
Sehe ich auch so.
Erstmal verwechselt der liebe Herr Heisenberg hier zwei
Konzepte: Nämlich Ontologie und Epistemologie.
Selbst wenn du in diesem speziellen Punkt recht hättest, wäre das wieder sowas von irrelevant. Du bringst hier wieder philosophische Aspekte mit rein und gibst dem ganzen einen unwissenschaftlichen Beigeschmack.
D.h. wenn ich von Teilchen rede, haben die einen Ort. Punkt.
Deine Welt ist aber klein…
eigentlich ist die Wellenfunktion
eine „versteckte“ Variable und die Teilchenorte sind
eigentlich das einzige was man wirklich sehen kann.
Meinetwegen.
theoretischen Ebene kommst du zu keiner sinnvollen
Begriffsbildung, wenn du von „Teilchen ohne Ort“ redest…
Summa summarum weiß man eben einfach nicht worüber man in der
QM redet.
Dafür ist sie aber teilweise ziemlich genau.
Statistik und Exaktheit schliessen sich nicht aus.
Ausserdem ist Mathematik in der Physik lediglich Kommunikationsmittel.
Jetzt hab ich aufgehört zu lesen und mache dir einen Vorschlag:
Entscheide dich entweder für Mathematik oder für Physik, denn mit beiden gleichzeitig scheinst du nicht klarzukommen.
Gruss,
TR
Hallo Thomas, Du hast recht. Florian geht ziemlich ruppig mit den alten Ordinarien um, und man darf gespannt sein, welche Theorie einst nach ihm benannt wird. Aber seine Aussage, Ontologie der QM betreffend, ist nicht so schlecht. Nicht nur EPR plagte der Gedanke, die QM beschreibe die Wirklichkeit etwa in der Weise, wie die Epicycel die Himmelmechanik.
Übrigens haben mir die beiden Folgen QM und Zeit mit Florian et al Spaß gemacht. Jeder kriegt einen Stern, Du auch. Gruß,eck.
Nicht nur
EPR plagte der Gedanke, die QM beschreibe die Wirklichkeit
etwa in der Weise, wie die Epicycel die Himmelmechanik.
Es würde sie noch viel mehr plagen, wenn sie noch erlebt hätten, wie nach und nach jede Aussage der QM experimentell bestätigt wird - einschließlich des EPR-Effektes, den sie eigens zur Widerlegung der QM ersonnen hatten.
Es würde sie noch viel mehr plagen, wenn sie noch erlebt hätten, wie nach und nach jede Aussage der QM experimentell bestätigt wird
Das vielleicht nicht, wohl aber, daß sie die vermutete (behauptete) Unvollständigkeit nicht beweisen konnten. eck.
Das du bei Begriffen, die philosophisch geprägt sind, reflexartig von „unwissenschaftlich“ redest irritiert mich gelinde gesagt aber ich will gar nicht weiter darauf eingehen weil es keinen Zweck hat.
Wenn man von der Ontologie einer Theorie spricht meint man nichts anderes als: „Wovon redet man denn eigentlich“? Was ich versucht habe klarzustellen ist, dass jede vernünftige Theorie sagen muss worüber sie redet. Sie darf beliebig verrückt sein, aber sie muss dies präzisieren, sonst ist es keine vernünftige Theorie. Die QM tut dies nicht.
Was du glaube ich nicht verstehst ist, dass man mit einem tollen Algorithmus alles mögliche korrekt vorhersagen kann und mit dem so gewonnenen Wissen die dollsten Geräte bauen kann ohne das deine Theorie irgendetwas „erklärt“… eben weil sie gar nicht sagt wovon geredet wird. So gesehen hat die QM keinerlei wissenschatlichen Wert für die „Erklärung“ von irgendwas. Als Physiker muss man sich um solche Erklärungen bemühen, sonst kommt man nicht über einen gewissen Punkt hinaus. Die Erklärung kann zum Schluss beliebig irre und unanschaulich sein, aber sie muss da sein. Vielleicht ist dir nicht klar, dass sich im mathematischen Formalismus der QM keine solche Erklärung finden lässt weil die Mathematik der QM keinerlei Bezug zum raumzeitlichen Geschehen herstellt. Natürlich kannst du dich auf den Punkt stellen das du es nicht besser machen kannst. Jedoch ist dies nicht zweckmäßig und wird durch viele theoretische Erfolge der letzten Jahrzehnte meiner Meinung nach ganz klar als die falsche Einstellung entlarvt.
Zuletzt würde ich dich bitten mir nicht vorzuwerfen ich würde mich Physik und Mathematik nicht klarkommen - möglicherweise verschätzt du dich da ja. Insbesondere wenn du es gar nicht für nötig hälst meine Argumente auch nur zu lesen weil du mit dem Vokabular schon überfordert bist…
Beste Grüße, Flo
Hallo Florian!
Vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag, der weit mehr zu meinem Wissen und Verständnis über Quantenphysik beigetragen hat, als jeder andere!
Grüße
Andreas