Vergessene erinnerungen 'zurueck holen'

hallo ihr lieben…

Es geht um eine Begegnung, die ich vor fast einem Jahr hatte. Ich habe sie als beilaufig und unwichtig angesehen, stelle jetzt aber fest, dass sie sehr wichtig fuer mich und meine patnerschaft ist.
Wie kann ich unterbewusstes zurueck holen?
Natuerlich gibt es hypnose aber ich kenne niemanden, der das praktiziert. Ausserdem lebe ich im Ausland und mir ware es unangenehm, hier einen hypnose therapeuten aufzusuchen…

gibt es eine art uebung, visualisierung oder des ahnlichen, die mir helfen konnte?

ich erinnere mich noch an bruchstucke aber mir waere das gesprochene und die gefuhle die ich dabei hatte sehr wichtig…

ich hoffe jemand kann mir dabei helfe.

vielen dank,
sina

2 Arten des Erinnerns
Hi sina,

Es geht um eine Begegnung, die ich vor fast einem Jahr hatte.
Ich habe sie als beilaufig und unwichtig angesehen, stelle jetzt aber fest …

ich erinnere mich noch an bruchstucke aber mir waere das gesprochene und die gefuhle die ich dabei hatte sehr wichtig…

Auch wenn man nicht zu den Begnadeten gehört, die sich auch nach Jahren noch verläßlich an Gesprochenes - wörtlich - erinnern, gibt es Wege. Vor allem, weil du dir ja nicht nur Gesagtes, sondern auch Gefühltes wiedervergegenwärtigen möchtest.

Es gibt mindestens zwei Formen der Erinnerung: Die eine ist die extrinsische, externe, „objektve“ Erinnerung. Ich nenne sie szenische oder Film-Erinnerung, weil sie das Erlebte nicht nur erzählt, sondern auch „sieht“ wie wenn man Szenen eines Bühnenstücks oder eines Films wiedererzählt. Hier werden Gedächnis"daten" abgerufen. Es sind Erinnerungen, bei denen eventuell die Erinnerungen von Personen behilflich sind, die mit dabei waren.

Die andere ist die intrinsische, „subjektive“ Erinnerung, die man auch atmosphärische oder emotionale Erinnerung nennt. Hier sind es Gefühle, Befindlichkeiten, Wahrnehmungen von Atmosphären (den Ausdruck habe ich von dem Kieler Philosophen Hermann Schmitz übernommen, der über solche Dinge geschrieben hat), von Stimmungen, Situationen, die bei bedeutenden Begegnungen und Ereignissen, wie die von dir, immer auch eine wesentliche Rolle spielen.

Diese Letztere kann enorm viel „nachtragender“, beständiger und - vor allem - intensiver sein als die Erstere und dazu beitragen, das Erlebte, auch Gesagtes(!), zu erinnern. Das oder der sog. Flashback ist eines der extremen Beispiele dafür. Die Erinnerungsart kann man als eine Art Eigen-Empathie bezeichnen: Sie setzt sich in das Selbstgefühl und das subjektive Erleben des Vergangenen hinein. Hier erinnerst du dich weniger detailliert z.B. an das Interieur eines Raumes oder an die anatomischen Merkmale deines Gegenübers (z.B. an die Augenfarbe), vielmehr an die „Ausstrahlung“, die „Eindrücke“, die sie auf dich machten und damit an deine Selbstbefindlichkeit in diesen Augenblicken. Du erinnerst dich nicht an Augen, sondern an Blicke, nicht an Worte, sondern an Stimmen.

Diese Art der Erinnerung, wenn du dich auf sie einläßt und nicht irgendetwas sie blockiert, ist dann auch die, aus der sich die Inhalte und Wortlaute von Gesprächen re-aktualisieren. Die eine Art der Erinnerung geht auf das, was passiert ist. Die andere Art geht auf das, was du empfunden hast. Sie vergegenwärtigt z.B. auch vergangene Sehnsüchte und Vorfreuden, Zustände (z.B. des Glücks oder der Trauer), auch an vergangene Zukunftsphantasien und anderes mehr.

Um deine Erinnerung zu expandieren, kommt es also darauf an, welcher Art die von dir so genannten „Bruchstücke“ sind, die du noch präsent hast: Die externe Erinnerung liefert „Bruchstücke“, in die du dich hineinkonzentrieren kannst solange, bis du nicht nur den Text, sondern auch die Stimme oder den Gesichtsausdurck mit hineinholen kannst. Oder, indem du jemandem genau diese Bruchstücke erzählst. Normalerweise fällt dir dann noch dieses oder jenes zusätzlich ein, das ebenfalls in dieser Zeitspanne gesprochen wurde. Auch kannst du dir die zeitliche und räumliche Szenerie sicher vergegenwärtigen, das Interieur der Räume, die Tische, an denen ihr vielleicht gessen habt.

Vielleicht sind es aber eher „Momente“, die du noch präsent hast. So würde man sie im Unterschied zu „Bruchstücken“ bezeichnen, weil sie in der Regel ganze Szenerien sind, längere „Phasen“. Diese Erinnerungen sind oft gerade solche, die nicht ohne Weiteres erzählbar sind, weil die adäquaten Worte dafür fehlen. An ganze Text"passagen", bzw. ihren Inhalt, erinnert man sich oft eher als an den Wortlaut einzelner Sätze. Der Eindruck, der Gesichtsausdruck, die Befindlichkeit innerhalb dieser Momente, das eigene Gefühl dabei, das sind Dinge, auf die du dich, wie man so anschaulich auch sagt, wieder „einlassen“ kannst - sie vervollständigen sich dann meist wie von allein.

Und da du ja gerade auch die Gefühle betonst, die du vergegenwärtigen möchtest, wäre es ein Weg, diese beiden Typen der Erinnerung auseinanderzuhalten und die Konzentration jeweils anzupassen, so, daß sie sich dann gegenseitig ergänzen. Das eine wäre eine Art Empathie für dich selbst, ein Ertasten der Atmosphären, das andere ein Zusammensuchen der Requisiten des Bühnenstückes.

Ich weiß nicht, ob dir das helfen wird, aber viel Erfolg wünscht dennoch
Metapher

Vielen, vielen Dank fuer die Antwort!

Ich werde versuchen mich nochmals ganz auf die Erinnerungsfetzen „einzulassen“. Hoffentlich hast du recht und ich erinnere mich an mehr, wenn ich es jemandem erzahle…

nochmals danke!

Du denkst niemals zweimal mit demselben Gehirn
Wenn du eine Erinnerung erzählst, speicherst du sie erneut ab, und zwar in etwa so, wie du sie erzählst und wie du sie beim erzählen empfindest.

Das heisst, du verstärkst und veränderst die Erinnerung mit jedem Erzählen. Du könntest also versucht sein, dich darauf zu fokusieren, was du aus einer Begebenheit zu lernen hast, und eventuell vorhandene nicht so positive Aspekte hinter dir zu lassen. Und ich fände es gut so, wenn du auf diese Weise etwas gutes für dich tust.

Liebe Grüße,
Gerd

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Sina
da Du nicht explizit erwähnt hast in therapeutischer Behandlung zu sein versuch doch evtl. mal die sog. Bildschirm-bzw. Beobachtertechnik. Es kann auch gern eine gute Freundin, besser eine Therapeutin, bei Dir sein, falls Du annehmen solltest getriggert zu werden oder Flashbacks zu bekommen. Das Prinzip ist relativ einfach. Nimm Dir einen „Reporter“ -Stoffpuppe o.ä.- und lass sie, quasi aus der dritten (der Beobachterposition) die Begegnung nochmals erzählen. M.E. haben mir gezeigt, das es recht gut funktioniert. Falls Du noch Fragen hast … immer drauf los … vielleicht weiss-ich-ja-noch-was…

Gruss Zwecke

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]