hallo!
neulich habe ich gelesen, dass nur etwa 2% aller literarischen werke
der letzen 150 jahre „überlebt“ haben. das hieße ja, es müsste eine
ungeheure menge von kriminalromanen, horrorgeschichten, novellen und
dramen etc. geben, die auf nimmerwiedersehehn in der versenkung
verschwunden sind. denkt man z.b. an kriminalromane und horror, so
fallen mir aus dem stehgreif nur poe und doyle als „ältere“ vertreter
ihrer gattung ein! wo findet man noch werke anderer autoren? gibt es
listen aller autoren, die in den letzten 150 jahren veröffentlicht
haben, ungeachtet der verkaufszahlen? es müssen ja irgendwo noch die
anderen 98% zu finden sein, ohne dass man wahllos in bibliotheken
stöbert…
Hallo,
ungeheure menge von kriminalromanen, horrorgeschichten,
novellen und dramen etc. geben, die auf nimmerwiedersehehn in der
versenkung verschwunden sind.
stimmt.
wo findet man noch werke anderer autoren?
Bei denen.
gibt es listen aller autoren, die in den letzten 150 jahren
veröffentlicht haben, ungeachtet der verkaufszahlen?
Nein.
es müssen ja irgendwo noch die anderen 98% zu finden sein, ohne dass
man wahllos in bibliotheken stöbert…
Ja, wenn man Glück hat.
Gruß
Bona
vielen dank für diese schwachsinnige kommentierung meiner frage
vielen dank für diese schwachsinnige kommentierung meiner
frage
Wieso?
Bona hat doch richtig geantwortet. Es gibt keine Liste.
Gruß
Elke
Hallo Markus,
2%! - das hört sich ja abenteuerlich an,
und ich kann es eigentlich nicht glauben.
Kannst Du mir/uns die Quelle verraten,
Dich zurückerinnern, WO Du das gelesen hast?
mfg:stuck_out_tongue:it
[neugierig.gespannt]
Liste im Sinn von Spiegelliste nicht.
Aber es gibt zuhauf „Literaturgeschichte(n)“ = Werke von Literaturhistorikern, die sich die Mühe gemacht haben, die Literatur ihrer Zeit oder vor ihrer Zeit in einem oder mehreren Büchern wertend aufzulisten.
Als Ersteinstieg empfehle ich in diesem Zusammenhang auch gerne alle alten Ausgabe der Verlagsverzeichnisse von Reclam. Mindestens ab 1860 kannst Du darin jede Menge Bücher von Autoren finden, an die sich heute niemand bis fast niemand erinnert.
Reclam-Gesamtverzeichnisse gibt es in vielen wissenschaftlichen Bibliotheken.
Zu suchen hier:
http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html
viele Grüße
Geli
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Für & Wider des Vergessens von Werken
Guten Morgen Beelzebub,
ob die in Deiner uns hier unbekannten Quelle genannte Einschätzung irgendeine tatsächliche Grundlage hat, sei dahingestellt (wie will der/diejenige denn diese Zahl ermittelt haben – er müßte ja etwas als 98% Zählbares gehabt haben, und das wäre ja dann schon wieder irgendwo gelistet und somit nicht konsequent ‚vergessen‘). Ich halte allerdings das Größenverhältnis für nicht völlig unwahrscheinlich, wenngleich ich selbst mich mit einer Daumenpeilung etwa bei vorsichtigeren 10% eingependelt hätte.
1.) Vor 100, 150 Jahren wurde, genau wie heute, sehr viel literarische Makulatur produziert, die für den schnellen Markt gedacht war und für nichts sonst: kleine Auflagen, miese Papierqualität, trivialer Inhalt, in keiner über längere Zeiträume hinweg gepflegten Bibliographie verzeichnet. Vieles davon dürfte völlig zu recht vergessen sein. Allerdings gibt es außer Poe und Doyle viele hunderte, wohl schon tausende AutorInnen und Werke, die bestens erinnert und überliefert sind, selbst wenn sie ursprünglich nur in tendenziell kurzlebigen Medien erschienen. Man bedenke: auch Charles Dickens, Wilkie Collins, Eugène Sue, Walter Scott und viele viele andere sind mit ihren Werken zunächst als Fortsetzungsromane in Zeitungen erschienen, und erst der Erfolg hat ihr vermutlich dauerhaftes Überleben gesichert.
2.) Was bedeutet ‚vergessen‘? Ist ein Werk schon ‚vergessen‘, wenn es nicht ständig irgendwo lieferbar ist oder nur in mehr als 14-bändigen Literaturlexika aufgeführt wird? Oder umgekehrt: genügt der Eintrag in eine von womöglich weltweit nur 114 Wissenschaftlern jemals betrachteten Spezialbibliographie, um ein Werk vor dem ‚Vergessen‘ zu retten? Oder daß das letzte zerfallende Exemplar noch hinten im Kramkarton einer Privatsammlung existiert? Es ist im Grunde einfach ein viel zu schwammiger Begriff, um daraus irgendeine Berechnung abzuleiten.
3.) Im Zeitalter der Digitalisierung wird jeder Pups von einem Hobbylyrikerguß und literarischem Groschenheft-Fastfood irgendwo mehr oder weniger gut ‚auffindbar‘ (und damit, wie man’s eben sieht, mehr oder weniger ‚unvergessen‘) gespeichert. Vergessen wir nicht, daß das eine ziemlich neue Entwicklung ist, die in Präcomputerzeiten enorme Ressourcen verschlungen hätte. Das tut sie ja selbst heute noch: die Deutsche Bibliothek, Zeitungs- und Pressearchive – ich kenne da kaum eine solche Institution, die nicht ständig Platz- und Geldnöte hätte, weil einfach immer mehr immer dauerhafter zwangsunvergessen gespeichert wird. Und es klingt zwar wie eine unbedingt nette Option, seine eigenen Karnevalsgedichte in 250 Jahren noch nachlesen (bzw. nachlesen lassen…) zu können, aber es führt auch irgendwann zu völliger qualitativer Beliebigkeit. Neben den recht angreifbaren Auswahlkriterien der Weltliteratur und der Dauerbestsellerlisten ist es schließlich einfach auch die Zeit, welche die Unmenge des Irgendwannmalexistierthabenden auf das Jetztüberschaubare gesundschrumpft, und das ist m.E. unbedingt GUT so. Wir vergessen nämlich auch als AutorInnen sonst, daß es vor allem die Gegenwart ist, für die wir schreiben.
Insgesamt würde ich mir also da keine verschwundenen sagenhaften literarischen Schätze imaginieren. Unter den tausenden wahrhaft vergessener Werke mag irgendwo etwas heute noch Lesenswertes mitverschwunden sein. Aber wenn ich mir so ansehe, was teilweise alles nach Erlöschen auch des letzten Urheberrechts als „endlich wiederentdeckter vergessener literarischer Schatz“ exhumiert oder von nischensuchenden Literaturverwissenschaftlern analytisch zwangsernährt wird, gehe ich ketzerischerweise eher davon aus, daß noch ein bißchen mehr vergessen zu haben nicht schlecht gewesen wäre.
Dieser Antwortartikel wurde dem unaussterblichen Schatz der www-Bibliothek hinzugefügt im Jahre des Herrn 2007 nach Christi Geburt.
Pengoblin
Was es auch gibt, sind Bibliographien. In denen werden Werke unabhängig von Qualität und Bedeutung verzeichnet, auch über längere Zeiträume hinweg. Für Deutschland wären das etwa die beiden „Gesamtverzeichnisse des deutschen Schrifttums“ von 1700 bis 1910 bzw. von 1911 bis 1965. Außerdem hat so ziemlich jede Buchnation eine Nationalbibliographie, in der die im Land veröffentlichten Werke nachgewiesen sind. Und aufgrund der meist bestehenden Bestimmungen über Pflichtablieferung sind die auch recht vollständig.