Hi Nathalie,
Haben die Eltern wohl nicht gemacht. Aber ich glaube, das
möchte die Tochter auch gar nicht. Weil ihr das peinlich ist,
dem Bruder -der das sicher schon alles vergessen hat- zu
erzählen, daß sie darunter leidet. Sie wollte das ihren Eltern
auch gar nicht erzählen, das kam nur so, weil die Eltern sie
gelöchert haben, warum die Tochter manchmal so abweisend zum
Bruder ist, darauf hin hat sie das dann nur erzählt.
gut, ist so passiert, kann man nicht ändern. Wenn die Eltern damit leben können. Ich könnte es nicht. Wenn das mein Sohn wäre, auch wenns 30 Jahre her wäre, ich würde dem Kerl ordentlich die Hölle heisse machen. Dann hoffe ich einfach dass es wirklich nicht weiter getragen wird, wenn der Junge der Sunnyboy der Familie ist, dann würde der sicher ausrasten, wenn das herauskommt.
Ja, genauso ist es.
Was sie denken weiß ich ja nicht und die Tochter auch nicht,
aber erst seit dem sie es ihren Eltern erzählt hat, kommt sie
da erst so schlecht klar mit.
Wieso das? Weil sie nicht das Feeback erhielt das sie erwartete? Oder weil sie sich nun, bloßgestellt, irgendwie verantwortlich macht, schämt?
Oder verhalten sich die Eltern ihr gegenüber anders?
Wenn die Eltern sie um jeden Preis zurück zum normalen „Happy Family“ Leben bringen wollen, ihre Probleme als „Zickigkeit“ oder als überempfindliches Verhalten bezeichnen und ihr vorwerfen, sollte deine Freundin ihre Eltern fragen ob sie sowas wie Mitgefühl überhaupt besitzen und wieso man sie so in die Zange nimmt.
Meine Meinung ist ja, wenn das Bruder da nicht zur Rede gestellt wird, wird das eine ewige Eitelbeule sein.
Die geben ihr irgendwie das
Gefühl, als ob es das normalste von der Welt ist, was in jeder
anderen Familie auch vorkommt, Z.b. durch Erklärungsversuche
vom Vater, daß der Sohn sich sicher nichts dabei gedacht hat,
der wollte schließlich auch mal ne Frau (er hatte mir seinen
damals 19 Jahren noch nie ne Freundin).
*nachLuftschnapp*
Okay, sagen wir mal die waren auch so geschockt das hier die Verdrängung zuschlägt. Das ist für die zwei so unglaublich, dass sie es irgendwie erklären wollen. Vielleicht sogar glauben die Schwester habe sich das nur eingebildet (weil Mädchen in dem Alter, ihr kennt ja diese Sprüche…).
Ganz ehrlich, Respekt dass deine Freundin ihrem Vater bei dem Spruch nicht an den Hals ging. Ich hätte warscheinlich sofort das Haus verlassen und alles hinter mir abgebrochen. Ist die Schwester die „Notstandshure“ des Bruders oder was?
Also ich sehe da ganz dringenden Klärungsbedarf. Am besten inkl. Therapeut mit der ganzen Familie, einzeln, oder alle. Ich bin kein Fachmann, das kann sicher Methapher besser vorschlagen.
Ich glaube für die Tochter wäre es besser gewesen, wenn sie
niemals mit ihren Eltern darüber geredet hätte.
Na ja, ist passiert. Besser wäre es sicher erst nach einer Therapie und in „Begleitung“.
Nein, das glaube ich nicht. Da wird nicht von geredet, der
Bruder wird mit offenen Armen empfangen. Durch die drei
Enkelkinder kommt er auch sehr oft, und das Verhältnis würde
die Mutter niemals aufs Spiel setzen. Außerdem geben sie die
Schuld an dem „krank werden“ ausschießlich der Tochter, da die
nicht so funktioniert wie die Eltern es gerne hätten. Mit dem
Sohn ist ja alles „normal“.
Also wenn ich mir vorstelle ich darf meinen lieben Bruder, den Sunnyboy der mir mal seinen Dödel in den Mund stopfte vor 15 Jahren, alle paar Tage unter Jubel der Familie im Haus wissen, ich wollte da nur raus wollen.
Vielleicht wäre sowas auch das Beste, ausziehen um die Wunden mal offenzulegen, Ruhe zu finden und sie langsam heilen lassen.
Grüsse
Helena
PS - wegen einigen Fragen zu „was hat deine Freundin denn für ne Reaktion erwartet“, oder „wie soll da ne Familie überhaupt reagieren“.
Auch wenn man als Mutter/Vater damit überfordert ist (andererseits - wo leben die denn? Lesen die nie Zeitung? Passiert sowas immer nur Anderen?), eine Reaktion a la „ja mei, der arme Junge wollt halt mal ausprobieren wie das ist, das ist ganz normal meine Kleine“, die bringt mich zum würgen.
Jedes Kind darf und kann erwarten ernst genommen zu werden, angehört zu werden, getröstet zu werden und geliebt zu werden. Solche Sprüche sind das letzte als Eltern! Dieses festkrallen am „normalen Familienleben“, dieses „so tun als ob nix ist“ oder das „alte Leichen sollten besser ruhen, nicht ausgegraben werden“ ist für mich Mord am eigenen Kind. Mag extrem klingen, ist für mich aber so.