Vergiftungen

Liebe/-r Experte/-in,

ich habe folgende frage:

mein freund lässt eine ozonbehandlung am zahnfleisch bei seinem zahnarzt machen. kurz nach der behandlung wurde er sehr kurzatmig.
ich habe diese art der behandlung gegoogelt und von nebenwirkungen gelesen über die er nicht in einem vorgespräch aufgeklärt wurde.
leider werde ich überhaupt nicht ernst genommen da er seinen z.arzt anscheinend schützen will (warum auch immer??!!) hier geht es nur darum im zweifel die behandlung abzubrechen.

mein freund(53) leidet unter einem viel zu hohen blutdruck, muss zusätzlich blutverdünner nehmen und hat durch starkes rauchen manchmal probleme mit den bronchien (bitte keine nichtrauchertipps, daran arbeiten wir gerade). meine ständige sorge ist dass er eine lungenembolie, einen schlaganfall oder herzinfarkt bekommt weil er schon einige schwächeanfälle hatte.

seine gegenargumente sind:
es wird ja nicht injiziert
er atmet während der behandlung durch die nase
die entzündung am zahnfleisch geht tatsächlich zurück(er nimmt zusätzlich antibiotika!) und zu guter letzt wird das ozon angeblich sofort wieder abgesaugt.

sind meine sorgen begründet oder bin ich hier zu überängstlich?

sie vielleicht erfahrungen mit dieser form von ozontherapie?

lg

tizia

Hallo tizia,
ich habe keine Erfahrungen mit Ozontherapie bei Zahnfleischentzündungen. Ich habe mit manueller täglicher Reinigung und einer Laserbehandlung gute Erfahrungen gemacht, muß allerdings Privat gezahlt werden. Falls du mir den Produktnamen des Ozonpräparates oder die genaue zahnärztliche Bezeichnung (Rechnungsstellung?) nennen könntest, bin ich gern bereit, meine naturheilkundlich orientierte Zahnärztin zu befragen. Viel Glück
clawra

Hallo Tizia,

da Ihr Freund auch Antibiotika bekommt, kann man gar nicht sagen ob die Therapie anschlägt. Das müsste ohne andere Hilfsmittel versucht werden.
Richtig ist schon, dass er das Ozon nicht einatmet, doch ist Ozon ein Gas und geht durch den Rachenraum Richtung Gehirn. Zudem geschieht eine Aufnahme über die Mundschleimhaut und so in den Organismus. Bei den bereits bestehenden Krankheiten Ihres Freundes wäre ich sehr vorsichtig mit Ozontherapie da Ozon ein starkes Oxidanz ist und Zellen auch angreift. Er merkt es ja schon daran das er kurzatmig ist. Will er die Therapie nicht unterbrechen empfehle ich die Gabe von Taurin was die Lunge schützt. Interessanter wäre jedoch heraus zu finden, warum er so Probleme mit dem Zahnfleisch hat. Hat er noch metallische Füllungen im Mund wie Amalgam, Gold, Titan oder Palladium. Fast immer ist das Zahnmaterial das Problem. Ein ganzheitlich arbeitender Zahnarzt kann Ihnen da weiter helfen.
Liebe Grüsse
Christine Braun

Hallo Frau (Dr.?) Braun,

mein Name ist Stephan, ich bin derjenige, um den es hier geht. Tizia erzählte mir von ihrer Anfrage bei wer-weiß-was und von Ihrer Antwort, für die ich mich herzlich bedanken möchte. Ihre Anregung bzgl. Taurin finde ich prima und werde diesbezüglich umgehend mal ein wenig googeln. Als Chemotechniker bin ich in chemischen Dingen doch ein wenig bewandert, obwohl ich ein ausgesprochener Freund der anorganischen Chemie bin.
Mein Thema war und ist, daß der Unterkieferknochen degeneriert ist und in Folge dessen zwei Schneidezähne wackelten und letztendes raus fielen. Ein dritter mußte gezogen werden. Das Zurückgehen des Knochens dürfte wohl die Folge einer Entzündung sein und im ersten Schritt sind wir mit Antibiotika ran gegangen (Clinda-saar 600), doch da die Schwellung nicht wirklich zurück ging wollte ich zusätzlich auch von außen ran gehen. Leider gibt es da wohl keine Salben, die ich unter das Provisorium schmieren kann und so schlug mein Zahnarzt zusätzlich eine 15-minütige Ozonbehandlung vor. Mit Erfolg, wie ich anfügen muß. Auch wenn das Ozon zu vorübergehender Kurzatmigkeit führte. Mir ist klar, daß Ozon nicht ganz unkritisch ist, aber es scheint die äußerlichen Bakterien gut wegzuoxidieren und die innerlichen werden mit den Antibiotika angegriffen. Klar, daß man jetzt das Antibiotika wechseln sollte, um die Überlebenden auch noch wegzubringen. Und ein drittes Mal möchte ich auch das Ozon in Anspruch nehmen, diesmal jedoch nur 5-10 Minuten und Dank Ihrer Anregung in Verbindung mit Taurin.
Abschließend sei noch bemerkt, daß ich infolge der Problematik etwas verunsichert bin, ob Implantate der richtige Weg ist. Eine Brücke wäre vielleicht doch der bessere Weg.
Einstweilen herzlichen Dank für Ihre Anregung,

Stephan Knaus

Hallo Stephan,

da Ozon antibakteriell wirkt macht das die Anwendung schon sinnvoll. Doch noch immer steht die Frage aus, warum es zu dem Problem kam. Da gibt es einige Ursachen dafür. Implantate sind natürlich im Rahmen der Umweltmedizin wegen Ihrer Toxizität aber auch der Gefahr einer allergischen Sensibilisierung sehr umstritten. Aus diesem Grund verwendet man seit kurzem Titan mit Beschichtung da es so viele Probleme gab. Inwieweit die Versiegelung einen Ionenaustausch verhindert, kann erst in einigen Jahren gesagt werden. Ich persönlich würde mich nicht zu einem Feldversuch zur Verfügung stellen, aber das entscheidet jeder für sich selbst.
Wenn Sie komptetente Informationen zum Thema Orthomolekularer Medizin googeln möchten, empfehle ich Ihnen Artikel von Uwe Gröber. Er ist an vielen Studien beteiligt in Europa und USA.

Liebe Grüsse
Christine Braun

Hallo Frau Braun,

tja, wie es genau zum Rückgang des Knochens kommt kann ich leider nicht sagen. Laut meinem Zahnarzt sind die entzündeten Vorderzähne (die nun draußen sind) „die halbe Miete“ (Zitat). Die ‚andere Hälfte‘ war jedoch nicht in Erfahrung zu bringen, füge ich schmunzelnd hinzu. Auch ein anderer Zahnarzt, der die Brücke bevorzugt, hat sich diesbezüglich nicht eindeutig geäußert. Bis auf Weiteres also alles unklar.

Ansonsten kann ich Ihnen bzgl des Titans nur zustimmen; in der elektrochemischen Spannungsreihe stehen TiO2 und Au relativ weit auseinander und folglich müßte sich Titandioxid in Anwesenheit von Gold im Laufe der Zeit auflösen. Aber dieses Problem habe ich unabhängig davon, ob ich Implantat oder Brücke wähle - in beiden Fällen werde ichs mit TiO2 zu tun haben.
Gottlob hat mein ursprünglicher Zahnarzt palladiumfreies Gold für die beiden Inlays verwendet, ansonsten müßte ich die katalysatorische Wirkung von Palladium nun auch noch fürchten. Und Pd kriegt man nicht mehr aus dem Körper raus!
Wie dem auch sei, Sie scheinen ein fundiertes Wissen zu haben und in sofern macht es mir sogar richtig Spaß ein wenig mit Ihnen zu fachsimpeln.

Herzlichen Gruß aus München, auch von Tizia, die sich inhaltlich nun ausklinkte,

Stephan Knaus

Hallo Herr Knaus,

danke für Ihr Vertrauen, doch tatsächlich würde ich gerne mehr über die chemischen Zusammenhänge wissen da es so vieles erklärt was so im Körper abläuft beim Kontakt mit verschiedenen Stoffen. Mein Schwerpunkt in der Praxis ist Umweltmedizin was ich auch unterrichte.
Da ich in meinem Freundeskreis einen Chemiker habe, kann ich ab und an mal an interessante Informationen kommen bzw. interessante Diskussionen führen. Sie schreiben, dass Titan und Gold von der Spannung her weit auseinander liegen und es daher zu einem vermehrten Ionenaustausch kommt. Bedeutet dies, dass generell ein starker Spannungsunterschied bei Metallen den Ionenaustausch voran treibt? Wie hoch wäre denn die Spannung von Gold und Titan?
Wegen Ihrer Brücke gibt es zu sagen, dass es sehr wohl Brücken ohne Metalle gibt. Ich selber habe mich für das unproblematische Material Diamont Grown entschieden. Mein Zahnarzt ist ein ganzheitlicher Zahnarzt der nur metallfreie Zahnsanierungen in seiner Praxis macht.
Wegen Ihrem Zahnfleisch ist folgendes zu sagen. Ursache könnten sein: Zahnmaterial toxische oder allergische Reaktion, Zahnfehlstellungen bzw. Bissfehlstellungen bis hin zum Knirschen, eine chronische Streptokokkeninfektion mit Streuung, resistente Keime in der Mundflora aufgrund von desinfizierender Eigenschaft von Metalle oder Entstehung von Mercaptan/Thioäther durch wurzelbehandelte Zähne. Dies ist mir mal spontan eingefallen.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche und Grüsse an Tizia.

Liebe Grüsse
Christine Braun

Hallo Frau Braun,

also wenn ich es recht in Erinnerung habe liegt das elektrochemische Spannungspotential von Au bei etwa +1,5 und von TiO2 bei etwa -4. Die genauen Werte müßte ich entweder im Remy nachschauen oder im Römpp. Wir sind jedoch grade in Augsburg und meine Bücher sind leider in München. Aber ich schaue gleich nach, sobald wir wieder in München sind und teile Ihnen die Werte dann mit.
Vom Grundprinzip her geht jedenfalls immer das unedlere zuerst in Lösung (also der Übergang vom neutralen Atom zum Ion unter Abgabe von Elektronen), wenn beides gemeinsam in Wasser eintaucht. Diesen Umstand macht man sich z.B. in der Automobilindustrie Zunutze, indem man verzinkte Bleche einsetzt. Das unedlere Zink geht zuerst in Lösung und somit bleibt das Eisen länger erhalten. Der Stahl fängt nämlich erst an zu korrodieren, wenn das Zink aufgebraucht ist.
So gut sich der Umstand der Spannungsunterschiede zum Korrosionsschutz eignet, so unangenehm macht er sich z.B. beim Einsatz von Aluminium zur Gewichtsreduzierung bemerkbar. Aluminium bildet nämlich eine Eloxalschicht (Al2O3) aus, die erheblich edler ist als Eisen und infolge dessen rostet der Stahl deutlisch schneller. Für ein Auto natürlich äußerst unangenehm, wie ich schmunzelnd hinzu füge.

Nun ja, das elektrochemische Spannungspotential ist grundsätzlich zu berücksichtigen, sobald man es auch mit Flüssigkeiten zu tun hat und der Mund ist nun mal keine Trockenzone - leider. Insofern schaue ich halt nach, worauf ich mich eventuell einlasse. Und dies sind simple Themen der physikalischen Chemie.

Als Umweltmedizinerin dürfte das Thema „Palladium im Körper“ für Sie interessant sein und da könnte Ihnen Frau Dr. Elinor Mendelssohn ein Lied singen; sie ist eine diesbezüglich leidgeprüfte Ärztin und hat u.a. die Internetseite www.palladiumvergiftungen.de kreiert. Sie können Elinor gern wegen Palladium kontaktieren, doch entrichten Sie ihr bitte auch einen herzlichen Gruß von mir. Wir sind über drei Ecken verwand miteinander und kennen uns natürlich.

Und nun endlich möchte ich mich für Ihre möglichen Ursachen des Knochenrückgangs bedanken. Auf den ersten Blick kommt keines davon für mich in Frage, doch ich werde die einzelnen Möglichkeiten intensiver beleuchten. Besonders die der Streptokocken. Herzlichen Dank für Ihre Anregungen. Und gleich hinterher muß ich mal ganz dumm fragen, was denn bitte ‚diamont grown‘ ist? Doch nicht etwa ein einkristalliner Diamant??

Herzlichen Gruß aus Augsburg, auch von Tizia,

Stephan Knaus

Dazu meine Erfahrung:
Ich habe selber Ozonmeßgeräte mit entwickelt und gebaut. Sehr oft haben wir dann Ozongeneratoren im Raum verwendet.
Ozon ist nichts als Sauerstoff, aber nicht O2 sondern O3.
Ozon ist in keiner Weise schädlich oder giftig!
Allein wenn man zu lange einer wirklich hohen Dosierung ausgesetzt ist, veräzt es leicht die Schleimhäute. Das hatte ich nach einem Tag mit Ozongenerator im Labor…

Bei normalen Werten in der frischen Luft ist es völlig harmlos - ja sogar sehr gesund!

Zur lokalen Ozontherapie: Wenn da nur Ozon an die Zähne geleitet wird, kann dies nirgends einen schaden machen außer eben im offenen Mund, wenn wirklich sehr viel einwirkt. Aber das würde nur einen leicht empfindlichen Rachen und Gaumen hinterlassen. Da es kein Schadstoff ist, der sich anlagern kann, heilt alles sehr schnell wieder ab.

Wenn Ozon in den Mund kommt, wirkt es wie auch in der Luft oxidierend. Sobald es organisches Material trifft (Haut, Bakterien) zerfällt es in O2 und O. Das O alleine ist sehr aggressiv und ist die eigentliche desinfizierende Wirkung. Das geschieht in der Luft mit Staub, oxidierbaren Gasen und an allen Oberflächen sehr schnell! Ozon wird in Luft deshalb innerhalb von Sekunden und Minuten abgebaut! Dabei reinigt es die Luft, tötet alle Bakterien ab und läßt z.B. Kunststoffe an der Oberfläche ganz leicht altern. Da das Ozon in der Luft immer sehr, sehr wenig ist (Teile pro Million ppm wird gemessen!), geht dies an den Oberflächen fast spurlos vorbei.

Also keine Angst vor Ozon! Auch bei der Ozontherapie wird es nur im Bereich von ppm der Luft hinzugefügt, da es reines Ozon nicht geben kann!!!

Mehr dazu bei http://der-weg.org/klima.html#ozonmessung