Vergleichsarbeiten

Hallo!

Ich habe einen Nachhilfeschüler, der nun in der zehtnen Klasse an der Realschule ist. Am Ende dieser Klasse soll er eine Vergleichsarbeit in 3 Fächern schreiben, die die Inhalte der 7.-10 Klasse abfragt. Dazu noch eine mündliche Prüfung.
Ich persönlich finde das etwas zu viel verlangt, vor allem stellt sich mir nun das Problem, dass er keinerlei Aufzeichnungen aus den vergangenen Schuljahren mehr hat, da er dachte, nur über die Inhalte der zehnten Klasse geprüft zu werden.
Nun meine Frage: Stimmt es wirklich, dass er soviel wissen muss (er geht in Berlin zur Schule), das wäre ja mehr als im Abitur! Und wenn ja, welcher Stoff wird in Klasse sieben bis neun in den Fächern Englisch, Mathe und Deutsch so an den Realschulen behandelt? Bzw. wo kann man so einen Lehrplan herbekommen?

Liebe Grüße, Liz

Hallo Liz!

Wozu bildete die Realschule ihre Schüler aus, wenn sie am Ende nur das wüssten, was sie in der 10. Klasse gelernt haben. Dann hätte man sich den überwiegenden Teil der vorangegangenen Schuljahe auch sparen können. Das Wesen jeder Abschlussprüfung besteht darin, dass sie das Endergebnis des gesamten Bildungsprozesses unter Berücksichtung der gewählten Schwerpunkte erfasst. Bedenke bitte, das der Unterricht in den von dir genannten Fächern aufeinander aufgaut. Hat sich jemals jemand darüber beschwert, dass das Mathe-, Englisch- oder Deutschabitur-Abitur die Inhalte aus Klasse 7 voraussetzt. Solche grundlegenden Dinge muss man einfach wissen! Wenn nicht hat man in den darauffolgenden Klassen ohnehin keine Chance!

Lehrpläne findest du auf dem Berliner Bildungsserver.

Falk

Was meinst Du mit „Vergleichsarbeiten“ genau? Meinst Du Realschulabschlußprüfungen?
Ja, da wird grundsätzlich ab dem Profilunterricht geprüft und der beginnt mit Klasse 7.

Nur zum Vergleich - Realschulabschluß in Sachen:

* Mathe schriftlich
* Deutsch schriftlich
* Physik oder Biologie oder Chemie schriftlich
* Englisch schriftlich oder mündlich
* mindestens zwei weitere mündliche Prüfungen.

Anstatt seine Aufzeichnungen so dämlich wegzuwerfen, hätte er vorher FRAGEN sollen - eine Frage kostet nichts und der Mund fällt von alleine zu. Man wirft doch keine Mitschriften weg!

Jetzt steckt er natürlich bis zum Hals in Nacharbeitung. Das ist eine ganze, ganze, ganze, ganze Ecke Stoff. :wink:

Ich versuche Dir so gut es geht zu helfen, leider habe ich aber hier gerade nicht alle Aufzeichnungen aus der Mittelstufe zur Hand, nur stellenweise und ein paar Sachen aus der Grundschule.

Die Zusammenstellung wird etwas dauern, daher poste ich dann noch einmal eine Antwort mit ein paar Aufzählungen, ja?

Bis dann.
MfG :smile:

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo!
Entwürfe für die Lehrpläne werden hier bereitgestellt:
http://www.lisum.de/go?SmartLink=11422&Bereich=6

Falk

Hallo nochmal.

Also, ich habe mich ein bißchen umgeschaut. Der nachfolgende Text ist zweigeteilt. Zuerst Konkretes über Berlin, dann ein paar Erfahrungswerte aus den Realschulprüfungen meinerseits.
Rechtschreibfehler bitte ich zu verzeihen, weil ich nebenher olympischen Eiskunstlauf schaue :wink: . . .

Für Deinen Schützling wird gelten . . .

schriftliche Prüfung Deutsch über 180 Minuten
schriftliche Prüfung Mathematik über 120 Minuten
schriftliche Prüfung erste Fremdsprache 150 Minuten
mündliche Prüfung erste Fremdsprache.

Wie überall in Deutschland ist das Prozedere für das Schriftliche ausführlich in entsprechenden Papieren festgelegt. Es scheint, daß in Mathematik eine Formelsammlung vorgegeben wird (ausgeteilt mit der Prüfung!), sprich, es ist kein Tafelwerk erlaubt.
Taschenrechner ist erlaubt und notwendig.

Die Noten werden übrigens durch Erstkorrektur und Zweitkorrektur nur festGESTELLT – festGELEGT werden sie in einem Prüfungsausschuß, in dem der Vorsitzende auch von den beiden Korrekturen abweichen kann!

Die mündliche Prüfung in der ersten Fremdsprache soll explizit die
Sprech- und Kommunikationsfähigkeiten und -fertigkeiten abklopfen.
Es gilt dabei folgende Verfahrensweise:

Die Aufgaben für die mündliche Prüfung werden nach einheitlichen Vorgaben der Schulaufsichtsbehörde vom Prüfer schulintern erstellt.

Die mündliche Prüfung wird grundsätzlich als Partnerprüfung mit zwei Prüflingen durchgeführt!
Bei Vorliegen besonderer Gründe kann der Prüfungsvorsitzende auf Antrag Einzelprüfungen zulassen.
Die Schulaufsichtsbehörde kann festlegen, daß unmittelbar vor der Prüfung eine Vorbereitungszeit von 10 bis zu 15 Minuten unter Aufsicht vorzusehen ist.

Bei Partnerprüfungen und Einzelprüfungen ist in der Regel eine Prüfungsdauer von 5 bis 10 Minuten anzusetzen. Im Verlauf der Partnerprüfungen ist sicherzustellen, daß die individuellen Leistungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler bewertet werden können, indem Teilaufgaben zur selbständigen Lösung gestellt werden. Unmittelbar nach der Prüfung setzt der Fachausschuß auf Vorschlag der Prüferin oder des Prüfers die Note fest.

Wie Du also siehst, sind die Prüfungen vom Prinzip her nicht übermäßig schwer, denn die Bearbeitungszeiten sind vergleichsweise moderat, um nicht zu sagen recht kurz.
Die mündliche Prüfung ist sehr kurz und noch nicht einmal zwangsweise mit einer Vorbereitung.

Zu den Vergleichsarbeiten.

Damit sind quasi „Vorprüfungen“ gemeint, die als Klassenarbeit in die Note miteingerechnet werden.
Es werden drei Schlüssel erteilt: einfach, normal, anspruchsvoll. Je nachdem, welchen konkreten Abschluß man anstrebt, bearbeitet man eine entsprechende Aufgabensorte oder eine Mischung aus den drei Schlüsseln.

Genaueres zu den Anforderungen und zugrundeliegenden Stoffkomplexen kannst Du im Internet in einschlägigen Dokumenten finden, hier nur ein Auszug an Bemerkungen für das Mathematiktestat:

* Sach-, kontext- und anwendungsbezogene Aufgaben kommen in allen drei Bereichen vor

* Sachgebiete Trigonometrie, Potenzen und Körperberechnungen kommen je nach Auf-gabenschwierigkeit
und inhaltlichen Voraussetzungen in den verschiedenen Bereichen vor

* Exponentialfunktionen und Logarithmen kommen wiederum nicht vor (!!!)

* Im Sachgebiet Trigonometrie liegt der Schwerpunkt bei Dreiecksberechnungen und nicht bei Funktionen
Das Bogenmaß sollte aber bekannt sein

* 3x3-LGS kommen nicht vor (!!!)

* aus den Klassen 7 bis 9 können alle Sachgebiete vertreten sein!

* wissenschaftlicher Standard-Taschenrechner ist zugelassen und notwendiges Hilfsmittel

* Eine Formelübersicht wird wie im Vorjahr mitgeliefert

Von einer detaillierten Auflistung gewisser Stoffgebiete habe ich mich doch wieder distanziert, weil ich nur für Sachsen sprechen könnte und schon von der Art und Weise in Berlin ganz anders mit dem Realschulabschluß („mittlerer Schulabschluß“) umgegangen wird.

Ein paar Schwerpunkte für Mathe bspw. kann man aber trotzdem nennen:

Kenntnis der Zahlenbereiche bis zu den reellen Zahlen; Lösen von Gleichungen; Lösen von einfachen linearen Gleichungssystemen (Einsetzungsverfahren, Gleichsetzungsverfahren, Additionsverfahren);
geometrische Grundkonstruktionen; Geometrie der Dreiecke; Berechnung der Dreiecke; Satzgruppe des Pythagoras; Cosinussatz; Sinussatz; Flächen- und Voluminaberechnungen; Körperberechnungen; Projektionsmethoden; quadratische Funktionen; quadratische Gleichungen; quadratische Ergänzung; Mitternachtsformel; Scheitelpunktsform; binomische Formeln; trigonometrische Funktionen; Stochastik und Kombinatorik; binomischer Satz u.v.m. - das sollte Dein Schützling schon beherrschen. :smile:
Selbstverständlich auch ein Verständnis für Rechentechnik und beim Rechnen natürlich eine ordentliche Geschwindigkeit. :wink:

Auf jeden Fall braucht sich Dein Schüler nicht zu beklagen - hier ein kleiner Querverweis nach Sachsen.

Deutschprüfung schriftlich 240 Minuten;
Mathematikprüfung schriftlich 240 Minuten;
eine Naturwissenschaft schriftlich 180 Minuten (oder sogar 200/210?? bin mir gerade nicht ganz sicher),
das Fach (Physik oder Bio oder Chemie) mußte vorher ausgesucht werden;
Englischprüfung, entweder schriftlich oder mündlich; schriftlich stark bepackte 120 Minuten;
mindestens zwei weitere mündliche Fächer;

Bei den mündlichen Prüfungen war es spannend: Man konnte als Schüler Wünsche äußern, die Lehrer hatten natürlich auch ihre Vorstellungen und auch der Notenschnitt spielte eine Rolle. Wer „auf Kippe stand“, war quasi schon gebucht.
Bspw. mußte einer meiner Mitschüler damals nach schriftlich Physik noch mündlich in Bio und Chemie rein (also alle Naturwissenschaften!), weil er da relativ unsicher stand. Andere hatten mehr Glück und erwischten Astronomie oder Informatik – die fielen dann allerdings allesamt auf die Fresse, weil in diesen Randfächern doch eine enorme Stoffvielfalt steckt (besonders das eine Schuljahr Astro wurde praktisch von jedem unterschätzt).
Manche hatten wegen doch sehr unsicherer Noten sogar hier und da eine zusätzliche Mündliche, was man aber lieber nicht zu laut sagen sollte :wink: . . .

Die mündliche Prüfung bei uns lief ganz anders, als bei euch in Berlin so geplant wird. Wir hatten auf jeden Fall 15 bis 20 Minuten Vorbereitungszeit zu absolvieren (Aufgaben bearbeiten, . . .) und die eigentliche Prüfung lief dann stets als Einzelprüfung über ca. 25 bis 30 Minuten.
Die Themen wurden natürlich schulintern nach gewissen Eckpfeilern gestaltet, das konkrete Thema mußte man sich selbst aus einer Reihe von Umschlägen ziehen - bei manchen entpuppte sich das dann zu einer sehr lschmerzvollen Variante von GEH AUFS GANZE (sie zogen den absoluten ZONK als Thema).

Du siehst also: Dein Schützling kommt mit seinen Abschlußprüfungen und Vorleistungen sehr gut weg, keine Spur von „zuviel verlangt“ oder unzumutbarem/übermäßigem Streß.

:wink:

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Vielen Dank,

du hast mir sehr weitergeholfen! Na wenn es so ausschaut, dann ist es ja doch nicht so katastrophal, wie ich glaubte. Mein Nachhilfeschüler neigt manchmal zu leichten Übertreibungen und das war dann wohl auch hier mal wieder der Fall. DAS sollte er wirklich können!

Einziges Problem ist wahrscheinlich die Rechengeschwindigkeit und das Umdenken bei den verschiedenen Aufgaben. Aber das kann man ja noch üben!

Ich hatte mir jetzt sonstwas vorgestellt, aber das baut ja wirklich alles aufeinander auf! Habe allerdings gehört, dass die Probevergleichsarbeiten ziemlich schlecht ausgefallen sein sollen und sehr schwer waren, sowie das Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten die gleichen Aufgaben bearbeiten sollen und der Ausgang dieser einen Prüfung darüber entscheidet, ob man seinen Abschluss bekommt, bzw. auf dem Gymnasium bleiben darf.

Das ist so ziemlich alles, was ich darüber gehört habe und das Nachforschen im Internet hat mir bisher auch nicht wirklich weitergeholfen, mich eher noch mehr verwirrt.

Liebe Grüße,
Liz

Hallo.

Ja richtig, so wie ich mich belesen habe, bearbeiten die Schüler zumindest vom Prinzip her die gleichen Aufgaben. Wenn nun jemand Hauptschulabschluß will, muß er sounsoviele Aufgaben des Schlüssels 1 (und/ oder 2) bearbeiten. Analog gilt das dann für den Realschulabschluß und den Realschulabschluß mit Zugang zum Gymnaiium.

Wenn Du konkretere Informationen willst, schreib mich einfach per Mail an. Ich schnüre dann ein kleines pdf-Paket und lasse es Dir zukommen.

MfG