Wie ist es einzuschätzen, wenn ein Therapeut („klassische“ Gesprächstherapie) die Haltung verliert und den Klienten verbal angreift und niedermacht?
Die Therapie war bisher recht erfolglos, und der Klient hat dies immer wieder angesprochen, hatte aber das Gefühl, beim Th. überhaupt nicht anzukommen. Der bestritt dies, hatte aber keine Antwort oder Ideen. Dies eskalierte, als der Patient sich ein Herz fasste und sagte, dass diese Form der Therapie wohl für ihn nicht die richtige sei. Mit einem Wutausbruch des Therapeuten endete dann die ganze Sache - also m.E. total unprofessionell und ziemlich schlimm für den Klienten. Was kann man tun, um das Ganze aufzulösen? Oder ist das einfach Pech?
Moin
Das kann man von außen garnicht grundsätzlich beurteilen. Das kann alles sein, vom „Menscheln“ bis zur paradoxen Intention.
Gruß,
Branden
Hi,
das Verhalten des Therapeuten aus der Ferne zu beurteilen ist natürlich unmöglich.
Aber der absolute Grundsatz sollte doch sein, daß Du dich bei deinem Therapeuten wohl fühlst, bzw. verstanden fühlst und ihm vertraust.
Wenn sein „Ausbruch“ kalkuliert war um bei Dir eine bestimmte Reaktion hervorzurufen ist das offensichtlich nicht klar angekommen sonst würdest Du hier nicht fragen was das sollte.
Vielleicht seid ihr einfach nicht „kompatibel“?
Bei wievielen Therapeuten warst Du denn bevor Du dich für diesen entschieden hast?
Gruß
Nick H
Hallo Karin,
ich finde, dein Klient ist gut beraten, den Therapeuten zu wechseln. Ganz egal, was in der Therapie gelaufen ist, der Therapeut sollte in jedem Fall in der Lage sein, ein Klärungsgespräch anzubieten. Er sollte selbst normalerweise einen Supervisor in Anspruch nehmen, wenn die Therapie hakt und er seine Emotionen nicht mehr im Griff hat.
Nicht mehr im Griff bedeutet, dass er seinen Emotionen ausgeliefert zu sein scheint nach deiner Schilderung. Nicht mehr im Griff bedeutet nicht, dass es Wut spürt und dies auch sagt. Das wäre okay, denn Therapeuten sind auch nur Menschen. Doch wenn einer ausrastet, dann steckt er selbst bereits voll in der Gegenübertragung (nach Freud)oder ist verstrickt, um es mal gelinde auszudrücken.
Ein Therapiegespräch ist immer ein Prozess zwischen beiden "Therapeut(in) und Klient(in). Und man kann als Therapeut damit arbeiten, welche Gefühle ein Klient und seine Geschichte in ihm auslösen, weil dies ihm Informationen gibt. Diese Gefühle kann er, wenn es angebracht ist, je nachdem, mit welchen Problemen oder psychischer Erkrankung der Klient kommt, auch spiegeln. Aber nicht so, wie Sie das beschreiben. Bei solchen Reaktionen und anhaltender Ratlosigkeit oder Wut auf Seiten des Therapeuten würde ich mich als Klient auch verabschieden. Vertrauen ist in einer Therapie mit die wichtigste Basis und dass der Therapeut noch weiß, was er tut.
Mit guten Wünschen für einen guten weiteren Weg für den Klienten.
Grüße von gudrunel
Hallo Gudrunel,
vielen Dank für Deine Einschätzung - so sehe ich das auch. Meine (laienhafte) Meinung ist ebenfalls, dass es völlig normal ist, wenn der Therapeut Gefühle hat, aber sein Job ist es doch gerade, dass er die nicht unreflektiert dem Klienten um die Ohren haut.
Hallo Nick,
danke für Deine Antwort - ja, ich glaube auch, dass das von vornherein eine schlechte Kombination war.
Halllo,
wenn die Therapie von einer Krankenkasse bewilligt wurde,kann man sich dort eine Liste mit anderen Therapeuten holen.
Man kann bis zu 5 Stunden (Sitzungen )einen Therapeuten ausprobieren.
Da das Vertrauen gestört zu sein scheint,ist ein Wechsel anzuraten.
Gruß Lulu-Maria
Hallo, guten Abend!
Zunächst einmal gut, dass Du Rat suchst. Ich finde es zwar ganz schön schlimm, wenn jemand der Hilfe bei einem Profi sucht, so verunsichert wird, wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch Psychologen nur Menschen sind. Ich habe einige während meiner Ausbildung kennengelernt und seit dem sehe ich sie in einem anderen Licht. Früher habe ich immer gedacht, so jemand müsste doch eigentlich alles im Griff haben, aber weit gefehlt, das Gegenteil war in der Regel der Fall.
Es gibt eine klare Antwort auf Deine Problembeschreibung. Der Patient oder Klient um den es hier geht, fühlt in seinem Herzen, dass er nicht an der richtigen Adresse dort ist, also nichts wie weg! Dass er/sie eine Therapie macht, heißt, er/sie möchte etwas verbessern, das ist gut. Dass bei einer Therapie auch unangenehme Gefühle hochkommen ist wohl jedem klar, aber jeder kann das unterscheiden: Habe ich gerade ein schlechtes Gefühl, wegen etwas das mir früher passiert ist, oder habe ich ein schlechtes Gefühl mit meinem Gegenüber (in dem Fall dieser Therapeut).
Er/sie soll auf seinen Bauch hören und sich jemand anderen suchen.
Und nicht den Mut verlieren, das passiert nämlich vielen von uns ; )
Oder auch mal etwas ganz anderes probieren als die klassische Therapie.
Viel Glück und Erfolg
Ganz liebe Grüße!
Ja, es ist ganz einfach Pech. Und zwar in dem Sinne, daß es unter den Therapeuten eben auch „gute“ und „weniger gute“ gibt. Und diese/r Klient/in ist an jemand weniger gutes geraten …
Daß es sich um ein Manöver seitens des Therapeuten im Sinne einer „paradoxen Intervention“ handelt, glaube ich nicht. Zu einer solchen gehört nämlich nicht das Ausleben der Gefühle („Ausagieren“) - das Zeigen von Wut, das Herabsetzen des Klienten.
Nein, ich halte es für die richtige Reaktion, den Therapeuten zu wechseln. Dabei müßte vielleicht zugleich auch noch einmal überlegt werden, ob es wirklich Gesprächstherapie sein soll, auf die man seine Hoffnung setzt - es gibt ja verschiedene andere Richtungen.
Das Entscheidende aber ist wohl der Therapeut - seine/ihre Persönlichkeit. Von ihnen hängt mehr ab als von der TherapieMETHODE, was den Erfolg der Therapie angeht. Viel Glück!
Vielen Dank für die lieben Worte - zurückdenkend wäre es besser gewesen, der Klient hätte seiner Intuition vertraut, denn von Anfang an hatte er das Gefühl, bei diesem Therapeuten nicht richtig zu sein. Aber wie das so ist in einer heftigen Krise…da steht man halt ein bisschen neben sich.
Das Problem ist, dass die bessere Therapie eben nicht von der Kasse bezahlt wird …
Aber trotzdem - so schnell geben wir nicht auf!