Hallo zusammen,
wenn ich als Protestantin an einem kath. Gottesdienst teilnehme, was ist dann eigentlich das „richtige“ Verhalten, wenn sich die anderen Teilnehmer hinknieen? Ich habe dabei ein komisches Gefühl (bin das einfach nicht gewohnt). Kann man auch stehen bleiben? Wie macht Ihr das?
Danke und Gruß, Heidi
Hallo Heidi,
soviel ich weiss (ich bin evangelisch und war in einer kath.Klosterschule) steht es jedem in der Kirche frei an den Ritualen teilzunehmen, die er für richtig hält - auch den Katholiken selbst, wenn sie, aus welchen Gründen auch immer (Beinschmerz, keine Lust…) nicht mitmachen wollen.
Es gibt manchmal unter den Gottesdienstnachbarn Hardliner, deren Mimik allzudeutlich anzumerken ist, wenn sie etwas nicht gut finden. Aber das sind die Ausnahmen, und das ist deren persönliches Problem.
Wichtig ist, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich nicht störend verhält. Aber wenn du bei einem Sitz-Knie-Kreuzschlag-Gebet auf der Bank sitzenbleibst oder stehst, und nur ruhig zuhörst, dann fällst du gar nicht auf - vorallem wenn der Gläubige konzentriert bei sich selbst und seinem Gebet war
)).
gruß
grilla
Hallo Heidi
Ich als „Ungläubiger“ muss ja ab und zu auch eine Kirche von innen bewundern. Ich orientiere mich an dem, was alle machen (aufstehen, hinsetzen etc.)- Aus Respekt vor denen, denen diese Rituale wichtig sind. Einzige ausnahme- ich falte nicht die Hände zum Gebet- aus dem gleichen Grund
. Und das mit dem „komischen Gefühl“ kann ich voll und ganz nachvollziehen.
Kleine Anekdote am Rande: Bei einer Taufe hat eine Pfarrerin der anglikanischen Kirche den Gottesdienst gestaltet. Sie war des öfteren irritiert, wenn für sie unplanmässig die Leute aufgestanden sind. Sie hat die Menschen dann mit kleinen Gesten dirigiert. Am Ende hat sie einen Segen oder ein Gebet gesprochen und hat beide Arme in die Höhe gereckt- eine Form der Anglikanischen Kirche, nehme ich an. Gut trainiert standen die Menschen geschlossen auf- das hat die Gute etwas aus der Fassung gebracht…
Gruß
Weikko
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Hallo Heidi,
wenn ich als Protestantin an einem kath. Gottesdienst
teilnehme, was ist dann eigentlich das „richtige“ Verhalten,
wenn sich die anderen Teilnehmer hinknieen? Ich habe dabei ein
komisches Gefühl (bin das einfach nicht gewohnt). Kann man
auch stehen bleiben? Wie macht Ihr das?
Vermutlich kannst du einfach stehenbleiben, nimmst dann aber in Kauf, wie ein einsamer Leuchtturm aus allen Knienden herauszuragen, und da ist ja nun auch nicht jedermanns Sache 
Meistens ist es so, dass bei katholischen Gottesdiensten hinten in der Kirche noch Leute stehen, da stell ich mich dann einfach dazu. (Notfalls steh ich da auch alleine). Zudem hat das den Vorteil, dass die Leute nicht alle an dir vorbei klettern müssen, falls die Reihen geschlossen zur Kommunium gehen.
Gruss
Marion
Hallo Heidi,
wenn du dir vor Augen führst, dass in früheren Zeiten die liturgische Grundhaltung im Gottesdienst das Stehen war (Kirchenbänke sind eine verhältnismäßig moderne Erfindung, die gibt es erst seit dem Barock), kannst du beruhigt davon ausgehen, dass du mit Stehen nichts verkehrt machst.
Den ganzen Gottesdienst über zu stehen wäre also eine Lösung für das Dilemma, aber das wäre sicher am einfachsten zu bewerkstelligen, wenn du in einem gut gefüllten Gottesdienst die Kirchenbänke gar nicht betrittst, sondern dahinter oder seitlich davon stehen bleibst (aber wo findet man heutzutage noch eine gut gefüllte Kirche?
)
Es gibt im katholischen Ritus eine zentrale Stelle, nämlich die Einsetzungsworte der Eucharistiefeier (beginnend mit „Denn in der Nacht, da er verraten wurde, nahm er das Brot …“), die aus Ehrfurcht vor dem Geschehen keinesfalls im Sitzen gehört werden, sondern im Knieen oder (wahlweise) wenigstens im Stehen.
Auch das nachfolgende Vaterunser wird im Stehen gebetet, ebenso wie vorher im Gottesdienst das Evangelium im Stehen gehört wird. Alle anderen „Turnübungen“ sind im wesentlichen optional.
Üblich ist allerdings auch noch, dass man beim Betreten und Verlassen der Kirche als Zeichen der Ehrerbietung eine kurze Kniebeuge zum Tabernakel hin macht - das ist jenes Kästchen, in dem (nach katholischem Verständnis) Christus in Form des gewandelten Brotes gegnwärtig ist. In älteren Kirchen ist der Tabernakel oft in den Hochaltar eingearbeitet, auf alle Fälle ist seine Position durch das „Ewige Licht“ gekennzeichnet, eine Ölflamme, die in einem roten Kerzenglas ständig brennt.
Linktipps:
http://www.liturgie.de/informationen/dokumente/aem.htm
http://www.dioezese-linz.at/pastoralamt/liturgie/reg…
http://www.martinsgemeinde.de/liturgie_nachgefragt.h…
Grüße
Wolfgang
Hallo Heidi,
ich handhabe das ähnlich wie meine Vorredner. Wenn alle aufstehen, stehe ich auch auf, wenn gekniet wird, bleibe ich sitzen (wie btw. auch die älteren Katholiken, die nicht mehr gut knien können), am übrigen Ritus (Abendmahl, Gebet etc.) nehme ich nicht teil.
Baß erstaunt war ich, als ich das erste Mal mit meinem Freund im katholischen Gottesdienst war: Er praktiziert den Glauben nicht im Alltag, ist aber mit den Ritualen vertraut; er bekreuzigte sich, murmelte die Formeln, kannte die Liedtexte etc. etc. und wurde dadurch für Momente zu einem völlig unvertrautem, fremden Menschen 
Viele Grüße
Diana (aus protestantischer Familie, doch ungetauft und nicht religiös erzogen)
Hallo Heidi,
bei uns wollte der Pfarrer einführen, dass die Gläubigen während der Eucharistiefeier stehen. Dies hat jetzt zur Folge das ca. 50% stehen und die anderen knien.
Ich persönlich halte mich da eher an die Bibel:
Phil 2,6-11: Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr - zur Ehre Gottes, des Vaters“.
Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Keiner wird dir ein anderes Verhalten übel nehmen, denn wir Katholiken sind umgänglicher, als manche Außenstehenden meinen 
Gruß, Joe
Messdiener von St. Peter und Paul in Hofheim/Ts
Danke an alle! (owT)
Danke
hallo Heidi,
vor dieser Frage stand ich auch vor vielen Jahren, als ich zu einem Wochenseminar in einem Kloster eingeladen war (als Funkamateurin, als Ehrengast). Erschreckt rief ich meine gute Bekannte an, die in einer "gemischten"Ehe lebte, d.h. sie katholisch, er evangelisch. An die Antwort von ihr kann ich mich imemr noch gut erinner:
„was du mit dem Herzen tust oder mitmachen kannst, ist o.k., ansonsten lass es bleiben“,
Über diesen Rat war ich richig böse damals, Dann kam die Veranstaltunge und von da an war ich dankbar für ihre Worte, dass ich nicht mich verstellen musste, sondern mich so verhielt, wie ich fühlte.
Diesen Tipp gebe ich dir auch mit. Es hat mir immer geholfen, auch - wenn ich dann sogar als „Evangelin“ später eine Ansprache halten durfte.
Alles Gute Chris