akzeptieren oder resignieren
guten morgen, martina!
„ich habe zwar einen Organspendeausweis,
würde aber ablehnen Organe zu bekommen und diesen mühsamen,
qualvollen Weg zu gehen“.
ja, dieses thema hatten wir auch schon häufig. unabhängig von den qualen: ich bin auch zwiegespalten… komisches gefühl, mit dem organ eines anderen menschen zu leben, den man gar nicht kannte… schlimmer vielleicht, wenn man ihn gekannt hätte… weiterleben zu können, weil ein anderer sterben musste… gleichzeitig ein schöner gedanke, einem anderen menschen das leben erträglicher machen zu können - sei es auch durch den eigenen tod…
Darauf antwortete Sie (25 Jahre
älter als ich):„Wenn du selbst betroffen bist klammerst du
dich an jeden kleinen Strohhalm der aufragt und würdest jede
Qual auf dich nehmen um weiter leben zu können.“
mir ist klar: solche situationen lassen sich nicht wirklich gedanklich antizipieren. und sie sind sicherlich auch dann, wenn sie tatsächlich eintreffen, ständigen schwankungen (in bezug auf stimmung und gesinnung) unterworfen.
gleichwohl würde ich die oben gemachte aussage nicht für allgemeingültig halten. meine ex-„schwiegermutter“ ist ärztin, die in der onkologie arbeitete. einmal erzählte sie, weil ihr das selbst so nahe ging, von einer patientin, relativ jung damals mit kleinen kindern, die krebs hatte und jede behandlung verweigerte. irgenwann war sie so siech, so schwach, so voller schmerzen, dass ihre angehörigen - und die ärzte - das kaum mehr ertragen konnten. aber sie hat diesen weg bewusst so gewählt - für sich selbst, aber natürlich auch für ihre familie und freunde, die ihrem siechtum und sterben nur zuschauen oder sich abwenden konnten…
Das gab mir
zu denken, ich bin mir aber auch darüber im Klaren, dass ich
diese Entscheidung bei körperlicher Gesundheit gar nicht
treffen (kann) muss!
ja, da gebe ich dir recht. gleichwohl macht man sich diese gedanken, v.a. wenn untersuchungen mit evt. unschönem ausgang bevorstehen…
Ich habe auch meine Ansichten was ich
gerne möchte oder wie ich Entscheidungen treffen würde, aber
wenn man selbst in dieser Situation ist, ist nichts mehr wie
es früher war.
ja, das denke ich auch. trotzdem hat man wohl gewisse grundüberzeugungen, die ja letztlich auch basis für z.b. patientenverfügungen sind, welche widerum entscheidungsgrundlage im vorher nur imaginierten ernstfall sind…
Auch sehr Kranke Menschen gehen mit Ihrer Lebenssituation
verschieden um. Ich kannte eine Leukämiekranke, die nie
aufgegeben hat, im Gegenteil, sie hat noch andere getröstet,
die Angst um sie hatten!
es gibt menschen, die unglaublich viel kraft haben. meist sind es die, denen das leben schon viel abverlangt hat. ob ein mensch resigniert oder trotz aller pein kämpft, hängt wahrscheinlich davon ab, ob er seine situation annehmen kann.
doch was ist im fall einer schlimmen krankheit resignation, was ist kämpfen? letztlich ist das eine philosophische, vielleicht religiöse frage.
medizinische behandlungen in situationen zu verweigern, in denen sich das leben in seiner ganzen unbedingtheit, mit seiner ganzen macht zeigt, kann auch ein zeichen von achtung vor der großartigkeit des lebens sein, die man nicht manipulieren möchte.
klingt das verschroben? ein - wenn auch sehr hinkendes - beispiel zu verdeutlichung: wenn mich kopfschmerzen plagen, greife ich relativ hemmungslos (aber nicht übermäßig) zu schmerzmitteln - das ist alltag, das sind kleinigkeiten, nichts existentielles. bei der geburt meiner tochter jedoch, als mir immer wieder schmerzlindernde maßnahmen angeboten wurden, hätte ich diese nicht im traum angenommen, nein, es kostete mich sogar noch kraft, die ärzte davon abzuhalten. ich bin fast gestorben vor schmerzen - aber ich wollte das erleben, ganz, so wie es eben ist… natürlich, geburtsschmerzen sind nichts tödliches - eine unbehandelte krebserkrankung schon.
Vielleicht hat Deine liebe Freundin falsche Vorstellungen von
dem was (hoffentlich nicht) auf sie zukommt und sollte FALLS
nötig, Kontakte zu Betroffenen, positiven Menschen suchen.
ich denke, sie ist geprägt durch das leiden (nicht so sehr das physische, sondern das leid durch immer wieder unerfüllte hoffnungen, durch ein von krankheit dominiertes leben) ihrer mutter. ansonsten: sie ist ein sehr positiver mensch 
Ich hoffe dass alles nur Theorie bleibt.
ja, das hoffe ich auch!!!
*Daumendrück*
danke!
liebe grüße
tabaiba
im gedankenchaos