Ich habe diese Woche im Kino einen ehemaligen Lehrer - der mir eigentlich sehr sympathisch ist seit ca. 5 Jahren wieder gesehen als ich zu meinem Kinoplatz ging - ihn nett gegrüsst mit hallo.
Dann beim herausgehen war schon zum ene des Films bewusst mein Ziel nicht nochmal auf ihn zu treffen. Jetzt stand er aber direkt am Ausgang mit seiner Frau - ich habe so getan als sehe ich ihn nicht und bin vorbeigelaufen - da ich mich nicht unterhalten wollte zu nach so langer zeit typischen fragen was machst du jetzt, wo bist du …
Im Nachhinein habe ich mich über as doch bescheuerte Verhalten geärgert aber beim Nachdenken ist mir aufgefallen das es oft Situationen gab in denen ich mich ähnlich verhalten habe und mir manchmal gewünscht habe unsichtbar zu sein.
Ansonsten insbesondere auch bei neuen Kontakten habe ich dagegen kein Problem darauf direkt zuzugehen mich zu unterhalten, diese zu befragen bleibe jeoch für mich selber eher distanziert
und gebe von mir wenig Preis.
Was ist das oer welche Fragen muss ich stellen um herauszufinden woher diese doch schon übertriebene Reaktion kommt?
Leute, die Dich kennen, können bei Dir gezielt Dinge ansprechen, die Dir unangenehm sind und denen Du nicht so leicht mit einer unverbindlichen Antwort ausweichen kannst. Da ein Ausweichen im Gespräch nicht so leicht möglich ist, weichst Du lieber räumlich aus, machst also einen Bogen um diese Leute.
Hallo Miss,
Olivers Vermutungen kann ich noch die Frage hinzufügen die ich
mir stellen würde:
Welches Bild von mir, glaube ich, haben andere im Kopf, dem
ich nicht gerecht werde.
Nach einiger Überlegung spielt dies (welches Bil auch welche Erwartungshaltungen andere haben) sicher eine nicht unwesentliche Rolle - ggf auch das Themen, Gesprächen, Situationen ausgewichen werden soll. Das ist ein Verstecken durch ausweichen - sehe ich dich nicht siehst du mich auch nicht. Die Frage ist wie man dieses Verhalten ggf. langfristig erfolgreich abändern kann, das man dieses Unwohlsein in diesen Situationen nicht hat und auch nicht ausweicht??
Dankeschön
GrüßeM
Das was ich denke, dass andere von mir denken, ist nämlich
eigentlich meine eigene (gefühlte) Überzeugung von mir.
Die Frage ist wie man dieses Verhalten ggf. langfristig
erfolgreich abändern kann, das man dieses Unwohlsein in diesen
Situationen nicht hat und auch nicht ausweicht??
indem Du nicht ausweichst, sondern Dich der Situation stellst. Zunächst ist es unangenehm, aber das geht vorbei.
Beispiel: „Gegen Sie wurde Strafanzeige gestellt!“ - „Ja.“ - „Sie könnten verurteilt werden!“ - „Ja.“ - „Macht Ihnen das etwa gar nichts aus?!“ - „Darüber müßte ich nachdenken.“
Durch die anderen Antworten bin ich nun ein bisschen irritiert.
Ich bin bis eben davon ausgegangen, dass das total normal ist und sich jeder ab und zu mal so verhält. Z.B. bei Menschen, wo man nicht weiß ob man sich kennt oder nicht, ob man sich grüßen sollte oder nicht - dass man da weg schaut oder einen Bogen macht; ebenso bei Unterhaltungen, die man lieber nicht führen will.
Ist das tatsächlich ungwöhnlich und schon soziophob?
Das will ich irgendwie nicht glauben. Man kann doch durchaus „normal“ sozialisiert sein, auch wenn man nicht auf jedes Gespräch oder jede potentiell unangenehme Situation (unangenehmes Schweigen, den Namen nicht mehr kennen, usw.) einlassen will?
Ist das tatsächlich ungwöhnlich und schon soziophob?
Ich würde gefühlsmäßig sagen: nein, aber es würde der Person wahrscheinlich gut tun, diese kleine Sache zu „Bearbeiten“.
Das Problem bei der Diagnose der meisten psychischen Störungen: In Wirklichkeit existiert ein Kontinuum zwischen psychischer Gesundheit und Störung. Wo du da die Grenze zwischen krank und gesund ziehst, ist nicht objektivierbar.
Ich würde gefühlsmäßig sagen: nein, aber es würde der Person
wahrscheinlich gut tun, diese kleine Sache zu „Bearbeiten“.
Vielleicht ja, vielleicht nein. Ich bin auch irritiert gewesen, da auch ich sowas mache, und - obwohl ich sonst immer denke, ich müsste an irgendeinem meiner Charakterzüge ganz gewiss noch arbeiten - hab diese Eigenschaft bisher sogar ohne Weiteres akzeptieren können. Mir persönlich hilft ganz oft ein „das macht doch jeder hin und wieder mal“ viel mehr als etliche Tipps, wie ich mein Verhalten ändern könnte, wenn ich eigentlich doch die sich daraus ergebenden Tatsachen eben nicht haben will (in dem Falle der Small Talk, wenn ich ihn als unpassend für mich in ebendieser Situation empfinde).
Wo du da die Grenze
zwischen krank und gesund ziehst, ist nicht objektivierbar.
Im Prinzip ja, und doch sind, nehm ich mal an, Dinge, die der Großteil der Menschen macht, „normaler“ und daher i.A. weniger bearbeitungsbedürftig als Dinge, die kein anderer außer einem selbst macht. Wenn ich las einziger Mensch introvertiert bin, leide ich darunter mehr und muss vielleicht mehr daran arbeiten, als wenn ich in einer Gesellschaft voller Introvertierter lebe. Was nicht heißt, dass alles gut ist, was die Mehrheit macht. Aber bei manchen Dingen muss man vielleicht kein Problem sehen, wenn es kein großes gibt. Man kann hier die Worte des UP („übertriebene Reaktion“, „Soziophobie“) etwas entschärfen, wenn man zeigt, dass etliche andere Menschen ähnliche Dinge tun.
Wie gesagt, ich war auch kurz davor, plötzlich ein Problem zu sehen, wo ich bisher keins gesehen habe. Und bin durch Ladys Artikel wieder ruhig
ich kann verstehen, daß Du ein wenig irritiert bist, weil da Soziophobie steht. Du hast selbstverständlich Recht, daß das genannte Verhalten total normal ist und jeder sich ab und zu mal so verhält. Es ist auch nicht soziophob. Wir haben nur versucht, das Verhalten ein bißchen zu erklären. Gestört ist das Verhalten nicht.
hab das hier grad zufällig gelesen. Interessanter Satz. Bringt grad ein Problem von mir auf den Punkt, dass ich noch nicht so ganz formulieren konnte!
Danke